Skipper Franz spinnt Seemannsgarn
Erster Segeltörn Juni 1986!
Druckversion (PDF) - hier klicken
Mein Freund und Arbeitskollege Ossi Hermann war im Vorjahr auf einem Segeltörn in Jugoslawien und hat die ganze Zeit
begeistert davon erzählt. Darauf habe ich ihn bekniet, mich bei der nächsten Partie einzubauen. Tatsächlich wurden mein
Kollege Gerhard Schlegel und ich im Winter zu einer Vorbesprechung nach Mürzzuschlag eingeladen. Die Gruppe (lauter
Eisenbahner) war äußerst lustig, und wir wurden sehr humorvoll aufgenommen. Es wurde beschlossen vier Schiffe zu chartern
und im Juni zu starten. Voller Vorfreude kauften wir ein wasserdichtes gelbes Bauarbeitergwandl und einen zünftigen Seesack
(BauMax). Die rührigen Mürzzuschlager haben einen billigen Autobus aufgetrieben und in der Nacht zum 7. Juni 1986 ging’s los.
Als Gerhard und ich um 2h früh in den Bus stiegen, war dort schon eine tolle Stimmung, Zwei Mann hatten Geburtstag, es gab
Bier und Schnaps und mit Singen und Schmähführen wurde es eine äußerst amüsante und kurzweilige Fahrt in den Süden. Es ist
sagenhaft was für einen Lärmpegel 32 gutgelaunte Männer erzeugen können. In Zadar wo die ersten zwei Besatzungen, darunter
auch wir, ausgestiegen sind, sind wir der Polizei aufgefallen. Allerdings ließ sich diese von der Nüchtrnheit des Busfahrers
überzeugen.
Meine Vorstellung einer Segeljacht war eigentlich ein Filmschiff, einem Windjammer gleich, jedenfalls hätte ich es nicht
dort gesucht, wo unser „Kapitän“ Kurt Sperl voller Stolz hinzeigte. Mir war nicht ganz klar, wie wir in dieses kleine Ding
12 Mann und unser ganzes Gepäck unterbringen sollten. Diese Sun Shine 38 stellte sich aber als Raumwunder dar und seither
gilt den französischen Yachtbauern meine ganze Bewunderung. Wir richteten uns ein, und am Abend saßen wir alle am Saloontisch
und sangen zünftige Seemannslieder mit lautstarker Begleitung der Bordmusik (Dr.Seegrabner „Mundharmonika“ Erich Feller
Gitarre). Manhard Rath, der Kapitän auf dem anderen Schiff, hatte sogar ein Liederbuch dabei.
Um 5h früh starteten wir mit zwei Schiffen vom Typ Sun Shine 38 aus der engen Stadtmarina Zadar, und ich war voller
Bewunderung für den Skipper der das schwere Schiff millimetergenau durch die Ausfahrt steuerte. Für mich war es ein ganz
tolles Erlebnis, da ich mit meinen paar angelesenen Nautikkenntnissen als vollwertiges Crewmitglied akzeptiert wurde. Es
wurde mir die Kartenarbeit gezeigt und die allgemeine theoretische Törnplanung erklärt. Das Gute dabei war, dass die halbe
Mannschaft einen Segelschein erwerben wollte. Ich kam mir ziemlich blöd vor, weil ich die Kartentheorie nicht sofort in die
Wirklichkeit umsetzen konnte. Da mir das Segeln und der Umgang mit Rigg Ruder und „laufenden Gut“ unheimlich schwer vorkam,
beschloss ich, vorerst ein guter Navigator zu werden. Im Laufe des Tages zweifelte ich allerdings, dieses Ziel zu erreichen,
da ich immer der Letzte war, welcher das Leuchtfeuer, die Huck oder irgendein Seezeichen erspäht hat. Auf alle Fälle wusste
ich schon an diesem ersten Segeltag: Das ist mein zukünftiges Hobby!
Es muss irgendein Erinnerungsgefühl an die Geborgenheit im Mutterleib sein, das bei mir so ein Glücksgefühl und Wohlbefinden
auslöst, wenn sich ein Schiff sanft oder auch unsanft in den Wellen wiegt. Dabei ist die Größe des Schiffes oder des
Gewässers egal. Das Feeling ist immer das gleiche. Viele meiner Mitsegler glauben, dass ich schlafe wenn ich mich diesem
Gefühl hingebe.
An diesem Tag wurden eine Menge Segelmanöver geübt. Ich wurde mit dem Brauch des Manöverschlucks und des Opferns für
Poseidon bekannt gemacht. Bei der Nordeinfahrt von Murter wurde ich zum Ausrufen der geschätzten Wassertiefe eingeteilt,
was ich bravourös schaffte und stolz das Lob des Skippers einheimste. Der Schimpf desselben folgte eine halbe Stunde später,
als ich beim Anlegemanöver zur Tankstelle im Weg war. Ein besonderes Vergnügen bereitete uns das Beobachten des Marktbetriebes, besonders als unser Smutje Ossi Hermann beim
Handeln zur orientalischen Höchstform auflief. Es war ein Bild für Götter, als er mit zwei mit Gemüse vollen Taschen und
einem Sack Kartoffeln über den Markt eilte und der Gemüsehändler brüllte, seine Frau und Kinder müssten nun verhungern.
Am selben Tag noch umrundeten wir die Insel Murter und liefen an deren Südseite in die Marina Jezera ein. Da unsere beiden
Sun Shines zuerst da waren, erkundeten wir ein bisschen den Ort und warteten auf die Friendships von Dr.Broz und Werner
Albrecht. Werner kam mit seiner trinkfesten Mannschaft zuerst und berichtete, dass Peter Broz den Motor nicht mehr starten
könne und vor dem Hafen auf Legerwall läge. Uns Neulingen musste erst erklärt werden, dass dies eine Position nahe dem Land
sei, aus der sich ein Segelschiff nicht mehr freisegeln kann. Bevor wir aber noch irgendetwas unternehmen konnten, kam die
Friendship mit vollen Segeln in den Hafen gerauscht, machte bei null Platz einen eleganten Aufschießer und kam am Ende der
Mole fast zum Stillstand. Die Leinen flogen, wurden an den Pollern festgemacht, aber das Schiff glitt weiter, da besagte
Leinen nicht an Bord belegt waren. Eie letzte lange Leine kam aber doch noch geflogen und an dieser wurde das Schiff an den
Molenkopf zurückverhohlt. Die Dramatik dieser Augenblicke wurden von Gerhard Schwarz auf Video festgehalten.
Es gab in Jezera nur ein größeres Gasthaus und der Wirt konnte uns nicht sagen, ob wir 32 Seebären Platz finden würden, da
sich eine große Gruppe angemeldet hat. Eine Stunde später ist ein großer Kutter eingelaufen mit 25 singenden Männern an
Bord, welche sich wenig später als Eisenbahner aus Kärnten geoutet haben und sogar einige von uns kannten. Damit war das
Platzproblem gelöst, man rückte zusammen, zwei Akkordeons spielten auf und man hatte vor lauter Singen und Blödeln fast
keine Zeit zum Essen. Der Lärmpegel erreichte ungeahnte Höhen und die zwei Dorfpolizisten, die wegen der Sperrstunde
einschreiten wollten übertrafen bald die stimmgewaltigsten Kärntner an Lautstärke. Auch verärgerte Einheimische wurden nach
und nach in den Chor eingebaut, und wir lernten dabei das eine oder andere Partisanenlied. Nach Mitternacht wurde der Koch
animiert, seine Küche noch mal zu starten und Gerhard Schlegel und ich aßen noch 30 Palatschinken. Am nächsten Tag war
starke Bora und es wurde beschlossen, im Hafen zu bleiben. Wir besuchten uns gegenseitig von Schiff zu Schiff, kosteten
die Kreationen der verschiedenen Köche, blödelten und gingen im Hafen baden. Die Skipper besprachen die nächsten Ziele und
ich war überall live dabei,
Am Montag starteten wir (die zwei Sun Shine) nach Hvar und es war bei nachlassender Bora ein herrliches Raumschotsegeln.
Wir kamen beim imposanten Leuchtturm „Mulo“ vorbei und es wurde mir gezeigt wie man mit Peilung, Kompass und Seekarte
navigiert. Auch die Segelmanöver, das Steuern und der Umgang mit den zahlreichen Tauen sowie die Knoten waren für mich so
interessant, dass ich darüber das Essen vergaß, aber bei jedem Manöverschluck dabei war. Das Anlegemanöver im Stadthafen
von Hvar wollte ich mitgestalten, aber leider musste ich vorm Mast am Bauch liegen, weil mir total schlecht war. Es waren
eine Menge Leute an der Mole, die unser Anlegen interessiert beobachteten. Ich habe meine ganze Selbstbeherrschung gebraucht,
um mich nicht gerade in diesem Augenblick zu übergeben. Ich war so gespannt auf Hvar, konnte es aber jetzt durch meinen
Tränenschleier kaum sehen. Ich blieb noch ein Weilchen an meinem Platz und machte mich möglichst unsichtbar, um der
Manöverschluckflasche zu entgehen. Allein der Geruch von Schnaps hätte das Fass zum überlaufen gebracht.
Hvar wird mir immer so in Erinnerung bleiben, wie ich es damals erlebt habe: Sonnendurchflutet, nach Lavendel riechend,
sanft im Wind wiegende Palmen, bunte Vögel, venezianische Häuser, eine wunderbare Kathedrale und die über all dem thronende
Burg.
Bevor wir uns einig waren, was für ein Restaurant wir bevorzugen sollten, machten wir uns gruppenweise auf, den Ort zu
besichtigen. Bei diesem Spaziergang imponierten mir vor allem die reifen Zitronen, die ich auf Bäumen zum ersten Mal in
Natur bewundern konnte. Auch der Kapitän Manhardt Rath war bewundernswert, da er seiner Mannschaft - mit Reiseführern
bewaffnet - alles erklären konnte. Gerhard und ich machten uns auf den Weg, um den Ort auf eigene Faust zu erkunden.
Überall wurden Säckchen mit Lavendel, Lavendelhonig. Lavendelsträuße und Lavendelseifen angeboten. Man kann Hvar nicht
verlassen ohne irgendetwas davon gekauft zu haben. Wir bestiegen den Hügel zur Burg und freuten uns über üppig blühende
Hänge. Zum allgegenwärtigen Duft von Lavendel mischte sich noch der von Rosmarin und Salbei. Vom Burghügel aus gesehen
bietet Hvar einen atemberaubenden Anblick .Auch die da und dort eingestreuten kommunistischen Zweckbauten können dem
Charme dieser Stadt nichts anhaben. Wenn man den Blick über den Hafen richtet, sieht man die nicht weit entfernten St.
Klementh-Inseln mit ihren runden Buchten, wo im türkisem Wasser weiße Yachten ankern. Spontaner Gedanke: So muß es in der
Karibik sein. Als wir abends beim Treffpunkt waren hatte Ossi, unser Experte für leibliche Genüsse, schon eine gemütliche
Gostalina für uns ausfindig gemacht wo wir dann in fröhlicher Runde dalmatinische Schmankerl verdrückten. Die Crew war
ganz verwundert, weil Gerhard und ich heute keine Palatschinken wollten.
Total erschlagen von den Eindrücken und der Sonne haben wir uns alle recht früh in die Kojen verzogen. Am nächsten Morgen
haben wir zu zweit einen Erkundungsgang durch den Ort gemacht, überall blühten Mandelbäume, der Gemüsemarkt wurde aufgebaut
und nach Kauf eines Reiseführers entdeckten wir erst die wunderbaren Details der alten Bauten. Unterwegs trafen wir Ossi,
der auf dem Markt in seinem Element war und uns klar machte, dass wir gegen Mittag auslaufen und in einer Bucht in der Nähe
drei Schiffe der Flotte treffen würden, um eine große Grillpartie zu feiern. Das Nötige habe er schon eingekauft. Um 14h
legten wir ab und erreichten nach zwei Stunden die nämliche Bucht. Es war sehr idyllisch dort, eigentlich perfekt, wenn
nicht die Crews vor uns ihren Müll zurückgelassen hätten.
Nachdem wir gemeinsam den Platz gereinigt und für unsere Bedürfnisse hergerichtet hatten, überließen wir den Grillköchen
das Feld um noch bei Sonnenschein ein ausgelassenes Badefest zu feiern. Unsere Frauen können sich wahrscheinlich gar nicht
vorstellen, dass ihre griesgrämigen Fettwänste noch zu so einer Form auflaufen können. Beispiel: Mit einem mittleren Furz
in richtigen Augenblick abgedrückt, kann man gute Schwimmer fast ertrinken lassen. Wie gesagt, mit solch profanen Dingen
kann sich eine Männerpartie köstlich unterhalten. Die Rußkäfer (Grillspezialisten), welche mit einem gewissen Bierernst
ihrer Profession nachgingen, bekamen gewisse Ähnlichkeiten mit denjenigen, die zu Hause am Herd zurückgeblieben waren,
indem sie sich mit Stirnrunzeln und Kopfschütteln über unser Treiben mokierten. Aber spätestens beim Essen, das nur noch
von orgastischen Stöhnen und lustvollen Schmatzen begleitet war, waren wir wieder die homogene Mannschaft, die wir immer
waren. Inzwischen war die Sonne untergegangen und ein unglaublicher Sternenhimmel begann sich vor uns auszubreiten. So
etwas sieht man nur, wenn es kein Gegenlicht gibt und die Luft von keiner Dunstglocke gestört ist. Dies ist auch die Zeit,
wo das normale Blödeln aufhört und man sich in kleinen Gruppen oder paarweise zu ernsteren Gesprächen zusammenfindet. Da
erzählt einer, der nach außen immer stark und ausgeglichen wirkt, von seinen Ängsten, Sorgen und Unsicherheiten und so
mancher, der sich sonst als Kasperl hervortut, breitet seine philosophischen Gedanken aus und outet sich überraschend als
Schöngeist.
Solche Gesprächsrunden habe ich später oft bei Nachtfahrten oder langen Segelpassagen noch genossen.
Am nächsten Morgen waren wir schon recht früh auf dem Weg nach Primosten, ein Weg von 38 Meilen, mit Kurs 312 beim
vorherrschenden NO Wind ein Kreuzkurs, aber mit schönen langen Schlägen. Mir wurde von Skipper Kurt Sperl alles genau
in Theorie und Praxis gezeigt, aber meine Zweifel, das alles zu erlernen, blieben. Mein bevorzugter Platz war damals am
Bugkorb und ich fühlte mich wie ein richtiger Seefahrer.
Nach einem wundervollen Segeltag legten wir im schönen kleinen Hafen von Primosten an und ich war wieder voll Bewunderung
über die Geschicklichkeit der Steuerleute.
Primosten ist ein ganz besonders reizender Ort, auf einer kleinen Insel liegend, die durch einen Damm mit dem Festland
verbunden ist. Einen besonderen Reiz hat es, am Abend durch die schmalen Gässchen zur Kirche hinaufzuwandern, um den
Sonnenuntergang zu genießen. Unterwegs sieht man noch viele der alten steingedeckten Schuppen und Weinkeller. Die größte
Attraktion sind aber die Weinschenken in der Hauptgasse. Inneneinrichtung: Drei große Weinfässer, ein 25lt Glasballon mit
Schnaps, eine alte Kühltruhe, ein roher Tisch mit großer Geldlade als Theke, eine Bassena und ein altes Fass, gefüllt mit
leeren Plastikflaschen. Draußen in der Gasse sind mit Ziegelsteinen, Holzschrägen, Nachtkasteln und langen Brettern eine
Menge Bänke hergerichtet. Der Nachbar gegenüber, auch Weinbauer, kontert mit genauso abenteuerlichen Konstruktionen. Am
Abend bleibt da nur noch ein Durchgang von etwa sechzig Zentimetern für die durchströmende Menge. Die meisten nehmen den
Stau als Gelegenheit, sich zu setzen und ein Glas Wein zu trinken. Natürlich bleibt ein Großteil sitzen und nicht bei einem
Glas. Dies führt dazu, das die Leute bald übereinander sitzen und sich einige Gäste in Weinlaune zum Handwerker berufen
fühlen und mit dem umherliegenden Baumaterial neue Sitzgelegenheiten zu bauen beginnen. Kleine Berechnungsfehler bei diesen
Bauwerken führen meist zu den tollsten Dominoeffekten welche die Unversehrten zu Lachstürmen hinreißt. Aber auch die
Verrenkungen der Lachenden hat auch schon oft zu Massenstürzen geführt. Aber solche Einlagen schweißen eine bisher anonyme
Menge zu einer lustigen Gesellschaft zusammen. Wenn alle wieder sitzen, die Gläser wieder gefüllt sind, gibt es keine
sprachlichen oder gesellschaftlichen Probleme mehr. Für die Gäste ist dann auch nicht mehr klar ob sie zu Wirt A oder B
gehören und es ist lustig zu beobachten, wie die bezahlten Aufpasser herumhüpfen damit nicht ein leeres Glas von A nach B
wandert. Das geht soweit, dass sie sich vor der jeweiligen Wirtshaustür um die Beute raufen. Spät abends lässt man sich
nach die eine oder andere Plastikflasche mit Wein füllen um beim Schiff noch einen Schlummertrunk zu nehmen. Wer unseren
Smut Ossi kennt, der weiß dass dazu noch diverse Smankerln wie Knoblauchwürste und Schafkäse
gereicht werden.
Gerhard und ich richteten unsere Schlafsäcke an Deck
her und wir waren trotz der vielen Misstöne in den Gesängen bald
eingeschlafen.
Am nächsten Morgen starteten wir wieder in aller Frühe und erreichten
nach fast zwei Stunden Leichtwindsegeln die Einfahrt nach Sibenik. Auch dieser
Punkt ist für Neulinge äußerst imponierend: Backbord ein großes
Leuchtturmgebäude, Steuerbord eine trutzige Festung mitten im dunkelblauen
Wasser welche auch mit modernen Waffen kaum zu überwinden wäre. Man
fühlt sich bei der vorbeifahrt wie im Seeräuberfilm und der tuckernde
Diesel klingt wie ferner Kanonendonner. Die Schlucht wird enger und nach zwei
Windungen sieht man plötzlich Sibenik. Vorbei an der wunderbaren Kathedrale
und der Bergfestung motorten wir den Fluss Krka entlang bis zur Straßenbrücke
die den Fluss überspannt. Dann kommt nach einigen Winden ein See, wo sich
Salz und Süßwasser mischen. Wenn man wieder in die enge Schlucht
einfährt glaubt man die Gegend zu kennen, weil dort Teile der Winnetoufilme
gedreht wurden.
Nach zwei Stunden Motorfahrt öffnet sich das Tal und die liebenswerte
Ortschaft Skradin heißt die Seefahrer willkommen. Wir wurden in der kleinen
Marina eingewiesen und wurden noch vor dem Landgang vom Smutje Ossi zu Tisch
gerufen. Er hatte während der Motorfahrt ein First-Class-Menü aus
seiner Pantry gezaubert. Er behauptete, seiner Erfahrung nach müsse man
vor dem Besuch der Weinstube "Mate" ordentlich essen, da sonst Alkoholleichen
nicht ausgeschlossen seien. Wie wir später gesehen haben, sind solche
Erfahrungen Goldes wert. Kurze Beschreibung der Weinstube Mate: Schmales altes
Haus, mit Weinreben überwachsen, eine Hausbank und ein Tisch davor. Wenn
man den dämmrigen Raum (in der Größe einer Doppelgarage) betritt
sieht man im Hindergrund ein paar mannshohe Weinfässer, einige alte Fischernetze
an den Wänden sollten den dort abgefallenen Verputz Abdecken, aber die
viel dickeren Spinnennetze laufen ihnen den Rang ab. In der Mitte des Raumes
wächst ein rostiges Wasserleitungsrohr aus dem Boden. An dessen tropfenden
Hahn werden die Rotweinspuren an den gebrauchten Gläsern entfernt (Weißweingläser
schauen eh rein aus und Lippenstift wird nur auf Verlangen mit dem dreckigen
Schürzenzipfel abgewischt.) Ein kleiner Tisch dient als Theke, bedeckt
mit einem Plastiktischtuch, von dem man die Gläser nur mit Trick lösen
kann. Sonst hebt man entweder das Tischtuch hoch, oder, wenn man es zurückhält,
bleiben die Finger picken. Im Vordergrund stehen zwei große Tische mit
Bierbänken und die Wände dahinter sind mit Fotos vergangener Orgien
und Ansichtskarten bedeckt. Die rauchgeschwängerte Decke ist mit großen
Schinken (Prosut) behängt, die hier die letzten Feinheiten des Geschmacks
erreichen.
Unsere Crew traf dort also im Laufe des Abends so nach und nach ein und es
war bald die Hölle los. Skipper Werner Albert spielte schon mit dem Schifferklavier
auf, seine Mannschaft war schon in bester Form und zwei deutsche Crews waren
schon fleißig beim Schunkeln. Wir setzten uns dazu, bestellten Wein und
Schinken und es gelang uns der Stimmung ein paar neue Höhepunkte hinzuzufügen.
Am Ende des Abends wurde es ganz besonders lustig: Das Harmonikaspiel klang
plötzlich etwas dumpfer, weil Werner benebelt unter den Tisch gerutscht
war, dort aber unverdrossen weiterspielte. Ich werde das Bild nie vergessen,
wie nur mehr die Füße unterm Tisch hervorsahen und den Takt schlugen.
Mit diesen Eindrücken gingen wir gegen Mitternacht an Bord, wo von Ossi
natürlich kleine Imbisse und ein Schlummertrunk angeboten wurden. Am nächsten
Tag war ein Ausflug zu den Krker Wasserfällen angesagt bei dem man mit
dem Taxiboot den Fluss Krka aufwärts fährt bis zum ersten Katerakt.
Von dort führen Fußwege an den tosenden Wasserfällen aufwärts
und man fühlt sich im Lärm des fallenden Wassers und im Sprühnebel
wie in einer anderen Welt. Man durfte noch baden (heute ist es verboten) also
breiteten wir unsere Badesachen aus und gingen in den oberen Tümpeln schwimmen.
Die einheimische Jugend Tat sich besonders mit eleganten Kopfsprüngen über
die Wasserfälle hervor und löste bei uns eine Diskussion aus ob sich
einer traut. Schlussendlich probierten Gerhard und ich einen Sprung und danach
noch einige weitere. Diese "Heldentaten" wurden auf Video gebannt
und erinnern an verängstigte Frösche. Dabei verging die Zeit wie
im Fluge und einige Stufen tiefer, bestimmt zwei Stunden später, fiel
uns ein, das wir die Tasche mit dem Geld und den Fotogeräten an den oberen
Tümpeln vergessen hatten. Gerhard lief nach oben, fand alles vor, berichtete
aber dass der Wasserspiegel vom Kraftwerk gehoben wurde und das unsere Tasche
eine Viertelstunde später von Selbst die Wasserfälle herunter geschwommen
wäre.
Nach stundenlangem Spaß trafen sich die müden Seefahrer am Fuße
der Fälle, es begann ein bisschen zu regnen, was die Flussfahrt im offenen
Taxiboot zu einer kalten Angelegenheit machte. Natürlich war unser Smutje
Ossi Minuten später mit Grog zur Stelle. Am Abend gab es Bordverpflegung
und die Köche überboten sich gegenseitig an Spitzenleistungen. Mit
ein bisschen Singen und gemütlichen Tratsch klang schließlich dieser
schöne Tag aus.
Am Freitag in aller Frühe durften wir Neulinge das Ablegen übernehmen
und das Schiff bis zur Ausfahrt in den Vodicekanal steuern. Dort erwarteten
uns westliche Winde von einiger Stärke, die Segel wurden gesetzt und ein
traumhaftes Segeln zur Insel Molat begann. Ich bemerkte, das wir nicht volles
Tuch fuhren und Skipper Kurt erklärte, das er Starkwind erwartet habe
und das Reff schon im Hafen eingebunden hat. Am Abend in der stillen Bucht
zeigte er uns den Vorgang in der Praxis. Die Bucht war von der Lage und der
Landschaft her ein Hammer. Ein Bilderbuchsonnenuntergang, das Dreihauben-Abschiedsmenü und
die Stimmung eines kommenden Abschiedes haben auch diesen Abend unvergesslich
gemacht.
Samstag erreichten wir nach zweistündiger Motorfahrt um 7h die Marina
Zadar und stellten unsere Seesäcke auf die Mole. Während die Profis
das Schiff übergaben, kümmerten wir uns um ein Frühstück
in der Hafenkneipe. Eine Stunde später ging es dort schon hoch her. Der
Autobus war auch schon zur Stelle und schon bald waren wir unterwegs nach Murter,
um die Crews der anderen zwei Schiffe zu holen Nach dem ersten großen
Hallo und einem kleinen Umtrunk war man bald auf dem Weg nach Hause, es wurde
immer stiller und man dachte an die Lieben zu Hause. So praktisch ein Mobieltelefon
heute auch ist: Diese Stimmung hat es zerstört!
Nach diesen Erlebnissen war mir klar: Segeln wird mein Hobby!
Skipper Franz
spinnt Seemannsgarn
Zweiter Segeltörn August 1987
Im Frühjahr 1987 erzählte mir Ossi Hermann, dass er in Rijeka einen
Segelschein erworben hat, der ihn zum Führen eines Schiffes berechtigt.
Wir beschlossen, einen Familientörn zu machen wobei wir einfach voraussetzten,
dass unsere Frauen in Begeisterung ausbrechen würden.
Ein Schiff war bald gefunden, eine „Nordship 29“ namens LAILA und
im August wollten wir in See stechen. Wir wollten zu sechst fahren (drei Paare),
aber Kollege Peter musste bald absagen da seine Partnerin so was nie wollte.
Ossi selbst hatte bei der Heimfahrt vom Frühlingstörn einen Autounfall,
worauf für seine Frau das Thema Segeln ebenfalls abgehakt war.
So setzte sich die Crew wie folgt zusammen: Skipper Ossi Hermann, Wachführer
Harri Hermann, Crew, Renate, Margit und Franz Brandl und „Opa“ Otmar
Brandl, damals 72 Jahre alt. Opa hat mich noch bei vielen Törns begleitet,
das letzte Mal mit 87!!
Da Ossis Auto einen Totalschaden hatten, mussten wir meinen Neffen, Gerli
Ebner als „Taxi“ anheuern.
Für mich war alles neu und interrasant, man hatte damals etliche Packerl
Kaffee mit, um den Amtsweg beim Hafenkapitän zu beschleunigen. Am Steg
war viel Betrieb und ich bekam gleich mit, was man alles nicht tun sollte.
Bei einer Schiffsübernahme hat einer ein „Schnürl“ gezogen
und damit die Rettungsinsel ausgelöst. Der Schiffsbetreuer musste das
Ding mit dem Messer abstechen, um es aus der Bakkiste herauszubekommen.
Das Schifferl war trotz seiner geringen Größe wunderbar gebaut (Heckkabine,
Mittelcockpit, Saloon und Vorschiffkabine), wir hatten ausreichend Platz. Allerdings
sind Schiffswände aus dünnen Sperrholz und nicht schalldicht. Daher
waren Renate und Margit den Schnarchlauten von vier Männern fast ungeschützt
ausgesetzt und sie machten eine wunderbare Seglererfahrung: Man kann auf
dem Meer, da es kein Gegenlicht gibt, einen traumhaften Sternenhimmel sehen,
wenn
man nicht schlafen kann.
Wir starteten am Sonntagmorgen bei traumhaftem Wetter und fast Windstille.
Also motorten wir gemütlich durch die Inselchen nördlich von Murter
und ich lernte dabei gleich, die Durchfahrten zu erkennen und die dortigen
Untiefen auf der Karte und in Wirklichkeit zu sehen. Auch mit dem Echolot zur
Tiefenmessung kannte sich Skipper Ossi bestens aus und auch Harry glänzte
mit theoretischem Wissen darüber. Nachdem wir fast die ganze Insel Murter
umrundet hatten, legten wir bei Tisno bei einem alten Anleger unter Buganker
und Heckleinen an. Wir hatte dort mit unserem Arbeitskollegen Österreicher
Ernst und seinem Schwager „Lumpi“ und deren Familien ein Treffen
vereinbart. Wir waren natürlich bemerkt worden und bald waren wir von
einer Menge Kindern umringt, die uns von Ernst und Lumpis Speedbooten aus geentert
hatten. Den Nachmittag verbrachten wir mit Wasserschifahren, baden und Blödeln
und am Abend überraschte uns Ossi wieder mit seinen Kochkünsten.
Am Montag kam am Vormittag die angesagte Briese aus Nordwest und wir segelten
mit drei bis vier Knoten vorbei an Tribunj und Vodice bis zur Einfahrt nach
Sibenik die von einer trutzigen Festung markiert wird. Hier wurden die Segel
geborgen und mit Motor in eine Art Schlucht gefahren. Das Wasser ist tiefblau
und an den Ufern kann man Militäranlagen erkennen. Dort, wo die Felsen
ganz nahe heranrücken, sieht man finstere Bunker die doch eine Beklemmung
hervorrufen. Dieses Gefühl verfliegt sofort, denn wenn man ein paar
hundert Meter danach sozusagen durch ein Felsentor fährt, ist man vom
Anblick Sibeniks total fasziniert. Oben am Berg die Burg mit flatternden
Fahnen, die
Häuser mit ihren marmornen Fassaden und roten Dächern kommen wie
eine Kaskade der Höhe herab und laufen am Ufer in eine großzügige
Promenade aus. In der Mitte des Hügels wird die Häuserflut unterbrochen
von der großartigen St. Jakob Kathedrale, die einen einmaligen Blickpunkt
bietet.
Das schrecklich verrußte Stahlwerk mit seinen hässlichen Abraumhalden
am nördlichen Ende der Stadt war damals noch im Betrieb, ist aber mittlerweile,
Gott sei Dank, verschwunden.
Hier beginnt wieder die wunderbare Flussfahrt, die Krka aufwärts, durch
den See nach Skradin. Dort legten wir an der heimeligen Marina an und freuten
uns auf den Rundgang im Ort. Bei der Herfahrt sind wir bei zahlreichen Muschelgärten
vorbeigefahren und Ossi hat sogleich einen Wirt ausfindig gemacht, der diese
Muschelspezialitäten anbot. Anfangs kosteten wir nur an einer gemeinsamen
Portion, aber als Opa energisch eine eigene große Schüssel davon
forderte, war das auch für uns der Anfang einer wunderbaren Liebe zu Muscheln
und Meeresfrüchten.
Am nächsten Tag besuchten wir die Wasserfälle, die wie immer eine
Wucht waren, obwohl sie im August bedeutend weniger Wasser führen als
im Frühjahr. Wir badeten ausgiebig, (das war damals noch überall
erlaubt) und der Opa genoss das kalte Wasser besonders.
Am Nachmittag waren wir wieder zurück und machten uns sogleich auf den
Weg nach Sibenik. Ich durfte das Steuer übernehmen und im engen Fahrwasser
und jeder Menge Begegnungen bekam ich langsam die Sicherheit, so ein Schiff
zu steuern. Wir legten in Sibenik an, um zu tanken und hatten Gelegenheit,
uns ein bisschen umzusehen. Margit entdeckte in einem Geschäft eine günstige
Soundmaschine, die sie sich immer gewünscht hat, und fortan segelten wir
mit zünftiger Musik. Gegenüber der Flussausfahrt liegt die Insel
Zlarin wo wir für die Nacht festmachten. Nach einem selbstgekochten
Abendessen und einem Spaziergang durch das Dorf hatten wir eine ruhige Nacht.
In der Frühe waren wir schon bald unterwegs und probierten bei Windstärke
drei ein bisschen zu segeln. Ich fand Ossis Vorsicht ein wenig übertrieben,
weiß aber heute wie recht er hatte, weil er nur wenig, alle anderen über
gar keine Erfahrung verfügte. Vorbei an Inselgewirr (Zlrin, Tljat,ect)
genossen wir das ruhige Segeln und kamen am frühen Nachmittag in der Marina
Kremik (Primosten) an. Wir nahmen eine kleine Jause ein und nach gemütlichem
Kaffeetrinken ging es mit dem Shuttlebus in die Altstadt Primosten. Der kleine
Hafen mit seiner Promenade, die urigen Häuschen, die „Konkurrierenden
Weinschenken“ und das blank gescheuerte Pflaster auf dem Weg zur der
am Hügel thronenden Kirche wurden gebührend bewundert. Oben angekommen,
wurden wir mit einem fast schon kitschigen Sonnenuntergang belohnt.
Das Abendessen beim „Kirchenwirt“ war ausgezeichnet und ein Spaziergang
auf der Promenade mit Kaffee und Eis rundete das Ganze ab. Der letzte Taxibus
war für neun Personen ausgerichtet, es warteten aber 20 Leute auf die
Rückfahrt. Nach einigem Hin und Her und abenteuerlichen Verrenkungen waren
alle drinnen und damit war die Rückfahrt ein Abenteuer für sich.
Nach einer ruhigen Nacht und einem wunderbaren Frühstück an Deck
durfte ich das Ablegen übernehmen und wir motorten mangels Wind vorbei
an den Inseln Zlarin und Tljat auf unser Tagesziel Zirje zu. Gegen Mittag glaubte
Ossi Delfine zu sehen, ich änderte den Kurs und fuhr mit Vollgas auf die
Gruppe zu. Ich glaubte in dem fernen Gespritze einzelne Tiere zu erkennen,
Harry ging aber als pflichtbewusster Co-Skipper zur Seekarte um den neuen Kurs
einzutragen. Augenblicke später war er wieder an Deck und zog den Gashebel
zurück. Die Delfinherde war ein Unterwasserfelsen und als gefährliche
Untiefe in der Karte verzeichnet. Wichtige Erfahrung: Kurs darf nur nach Überprüfung
der Navigation geändert werden.
Wir haben, da ein bisschen Wind aufkam, die Segel gesetzt und sind mit halben
Wind recht flott gesegelt, bis der Skipper mir das Steuer überließ um
unten eine Jause zu richten.
Beim ersten Törn habe ich gemerkt das es gar nicht gefährlich ist,
wenn ein Segler immer schräger wird, da man nur das Ruder etwas auslassen
muss, dann verliert das Schiff an Fahrt und schwimmt wieder gerade (am Wind).
Ich aber bin von Halbwind immer mehr auf Vorwind geraten. In der Raumschotphase
schoben wir eine dramatische Lage und als Ossi an Deck gestürzt kam, konnte
er durch schnelles Ruderlegen zwar nicht mehr die Patenthalse verhindern, aber
das Rigg blieb wenigstens ganz. Für den restlichen Törn war ich als
Rudergänger unter Segel befreit. In den folgenden Tagen hat mir der Skipper
das beobachten des Windes so eingetrichtert, dass ich bis heute sogar beim
Radfahren meine ideale Segelstellung weiß.
Bald danach suchten wir eine einsame Bucht im Süden von Zirje auf und
machten nach zwei Ankermanövern (Seegras) mit einer Landleine zu einem
alten Steinpoller fest. Wir freuten uns über den schönen Ankerplatz
und gingen baden. Bald darauf kam ein Schlauchboot mit heulendem Motor um die
Ecke, das mühsam einen großen Segler hinterher zog. Wir beeilten
uns, beim Anlegen zu helfen. Der Skipper verschwand im Maschinenraum um seinen
defekten Starter zu richten. (Erkenntnis: Mache alles sofort und… hilf
dir selbst, dann hilft dir Gott). Seine Frau rief herüber, wir sollten
jemanden schicken um eine Flasche Wein für die Hilfe zu holen. Margit
schwamm hinüber und bald mit olympiaverdächtigem Tempo mit hocherhobener
Weinflasche und nur einer Hand schwimmend zurück. Jetzt erst bemerkten
auch wir den riesigen Dobermann, der die Reling des Schiffes um einiges überragte.
Der Skipper hatte seine Reparatur bald erledigt und nachdem er versicherte
dass das Raubtier bei ihnen an Bord bliebe, luden wir ihn und seine Frau
zum Essen ein. Sie erzählten vom Grichenlandtörn und dass sie noch weiter
nach Pula wollten. Ich war wieder einen Traum reicher! (Eigenes Schiff….Griechenlandtörn)
Der letzte Segeltag war wiederum wunderbar sonnig, und der leichte Südwestwind
Brachte unser Schifferl mit etwa vier Knoten nach Norden. Bald hatten wir die
Südspitze der Insel Murter erreicht, (Meine Navigationskenntnisse wurden
immer besser) Backbord voraus (links vorne) kamen die Kornaten ins Bild. Bei
diesem Licht (schräg von hinten) sehen die Inseln aus wie Schwammerln,
die übers Wasser schweben.
Wieder gehen die Gedanken auf Reisen… Es ist so schön hier, ich
kann tun was mir beliebt, ich kann mir etwas zu Essen, zu Trinken und zu Lesen
holen, meine Lieben sind bei mir und ich fühle mich wohl. Ich hatte wieder
Zeit, um die Seekarte mit der Wirklichkeit zu vergleichen und bekam eine Ahnung,
welche taktischen Überlegungen sowohl seglerisch als auch navigatorisch
nötig sind, um die nördliche Einfahrt in das Murtermeer ordentlich
hinzukriegen. Bei der Rückkehr in die Marina Murter waren auch noch das „Anstellen“ bei
der Tankstelle sowie das Anlegen und das Übergeben der Mängelliste
an den Vercharterer, wertvolle Erfahrungen.
Am späteren Abend kamen unsere Fahrer Gerli und Schneck. Ein lustiges
Abendessen mit „Skippersekt“ war eines der weiteren Highlights
dieser Reise. An Bord zurückgekehrt spielte Margit noch mit dem vorbereiteten
Kostüm den Klabautermann und mit viel Gelächter legten wir uns spät
zur Ruhe. Acht Leute am kleinen Schiff: Renate und Margit im Vorschiff, Opa
und Ich in Saloon, Ossi und Harry in der Achterkajüte, Gerli und Schneck
im Cockpit!!!
Im drauffolgenden Herbst beschloss ich, das Segeln ordentlich zu erlernen
und habe mich für einen Segelkurs (A-Schein) angemeldet.
© Franz Brandl 2009 – http://www.drputzi.com
Skipper Franz
spinnt Seemannsgarn
Fünfter Segeltörn Mai 1991
Im Frühjahr hat der Segelclub Mürzzuschlag wieder
zu einem Treffen eingeladen und Gerhard Schlegl und ich haben teilgenommen.
Die Mürzzuschlager
Segler, an die 30 Mann, sind mit Frauen und Partnerinnen gekommen und bald
ging es hoch her. Fotos und Videos von vergangenen Segelabenteuern gezeigt,
Schnurren erzählt und kräftig Seemannsgarn gesponnen. Uns Neulinge
tat man nicht als Greenhorns ab, sondern behandelte uns wie alte Salzbuckel,
was ich mit meinem angelesenen Seemannswissen echt lässig fand.
Als Redner und Experte trat ein gewisser Edwin Heckenbichler auf, der bei einem
Australienabenteuer zum Segeln kam und jetzt versuchte mit einer Charterargentur
in (noch)
Yugoslawien Fuß zu fassen. Dieser E.H. ist ein echt bunter Hund, man
wird später noch von ihm hören.
Es wurde jedenfalls beschlossen einige Schiffe bei ihm zu chartern um im Mai
in See zu stechen. Es wurde beschlossen, dass jeder, der nun sofort 1000 Schilling
einzahllen würde, fix mit dabei sei.
Mannschaften wurden gebildet, Skipper bestimmt und der allgemeine Törnverlauf
besprochen. Da ich mit meinen Kenntnissen nicht viel mitreden konnte, setzte
ich mich zu den Damen, bei denen ich als Nicht-Mürzzuschlager als Exote
galt und herzlich willkommen war. Alsbald fragten sie mir Löcher in den
Bauch über woher und wohin, wie ich zu diesen Club gestoßen bin,
warum segeln, wo ist die Frau, will er nur von zuhause fort, ist er treu oder
gar ein Filou??? Ich druckste ein bisschen herum spielte schüchtern und „gestand
schließlich“ das ich schon den dritten Törn anzahle, aber
noch nie auf See war! Sensation!! Wie? Was? Warum? Naja ich selbst hatte ein
bisschen Angst vor der Schaukelei, und eine der Damen habe durchblicken lassen
das sie nicht eine ganze Woche allein sein wolle. Da habe ich beschlossen mit
der Schaukelei an Land zu beginnen. Beim zweiten Mal waren schon weitere Freundinnen
eingeweiht und das war der Tausender allemal wert. Die Damen blickten sich
etwas misstrauisch an und eine sprang empört auf und tönte: Bei mir
waren sie aber noch nie!! In meiner Eitelkeit glaubte ich Enttäuschung
herauszuhören. Dann zogen sie sich grüppchenweise zurück, um
die Sache zu besprechen. Die Zurückgebliebenen gaben mir den Rat, diesmal
mitzusegeln.
Fröhlich mischte ich mich wieder unter die Segler und bekam noch mit,
dass die Eisenbahner schon beschlossen hatten, günstige Schlafwagentickets
nach Split zu besorgen und Edwin auch noch den Transfer nach Trogir organisieren
wollte.
Für unser Schiff, eine Feeling 39 mit Namen „LYBERTI“, ergab
sich folgende Mannschaft:
Skipper Kurt Sperl, Navigator Erich Zimmerebner, Steuermann Ossi Hermann (alle
mit Patent) Crew: Schlegl Gerhard, Günter Tschitschä Kalbschädl,
Franz Brandl. Ossi hat sich wie immer bereiterklärt für das leibliche
Wohl zu sorgen und hat Lebensmittel und Getränke
besorgt (insgesamt 65kg).
Freitagabend sind wir in den Biokoyo-Express eingestiegen. Die Mürzer
haben schon ein
Liegewagenabteil für unsere Mannschaft reserviert, und man war also mit
großem Hallo auf dem Weg nach Süden. Ich hatte stressbedingt schon
längere Zeit Magenschmerzen und war gar nicht gut drauf, Aber in Pernegg
(3km von zuhause) schenkte Kurt den ersten Manöverschluck aus der Cognacflasche
ein, und die Schmerzen waren wie weggeblasen.
Wir wanderten von einem zum anderen Abteil, um uns kennenzulernen und kosteten
verschiedene „Magentropfen“. Wie einen Magneten zog es uns in den
Barwaggon, von wo uns schon kräftige Seemannslieder entgegenschallten.
Die vielen Magentropfen wirkten auch beruhigend, so dass wir nach einiger Zeit
den Rückzug antraten und unser Abteil zum Schlafen umbauten. Ich nahm
die oberste Koje und weiß seither, wie wunderbar man in einem fahrenden
Zug schläft. Aber nicht lange - um etwa 1h früh riß mich Tschitschä am
Fuß aus der Koje und verlangte, es solle sich jemand in den Gang stellen
wenn er aufs Klo müsse, da er sonst das Abteil nicht wieder fände.
Er sei schon aus mehreren hinausgeprügelt worden!
Um zwei Uhr wurden wir schon wieder von einem großen Lärm geweckt,
serbische Banden hatten den Zug überfallen und einige Schlafwagenabteile
mit Gewaltandrohungen ausgeraubt. Wir Segler, von denen Widerstand zu erwarten
war, blieben unbehelligt. Plötzlich war großer Lärm, man hörte,
die Räuber seien lokalisiert und hätten sich in ein Abteil eingesperrt.
Die Mürzer Eisenbahner besorgten einen Dreikantschlüssel und versuchten
mit wilden Geschrei dort einzudringen, Als sie die Tür gegen den inneren
Widerstand ein wenig aufgezwängt hatten, kamen Hände mit langen Messern
zum Vorschein. Die unsrigen zogen sich ein wenig zurück. Die Räuber
zogen dann die Notbremse, und wir sahen vier oder fünf Gestalten durch
den strömenden Regen über die Felder verschwinden. Das alles war
in der Gegend von Bihatsch. Der Zug stand auf freier Strecke und die Polizei
war erst nach einer Stunde da. Die Polizisten hatten kein besonderes Interesse
an der ganzen Sache und taten so, als wäre die Sache ein Schicksalsschlag.
Wir hatten aber mitbekommen, dass einige Familien doch Bargeld und Fotoapparate
vermissten.
Nach gut zwei Stunden setzte sich der Zug wieder in Bewegung, an
Schlaf war aber nicht mehr zu denken. Das Tageslicht kam zaghaft über
die wildromantischen Berge, das nächtliche Erlebnis wurde ausführlich
besprochen, die ersten Frühstücksbiere wurden geöffnet und als
der Schaffner mit heißem Kaffee kam, war auch für mich die Welt
wieder im Lot. Wir wollten gerade aufs Segeln zu sprechen kommen, als schon
wieder wilder Lärm am Gang zu hören war. Einer der Mürzer schrie
wilde Flüche und kickte seinen Rucksack durch den Waggon. Man habe ihm
das ganze Geld gestohlen, der Törn sei für ihn gelaufen, er könne
in Split gleich umdrehen und dann, mit zusehends weinerlicher Stimme, nicht
einmal ein Bier könnte er mehr kaufen. Da kamen sofort die Skipperqualitäten
unseres Kurt Sperl zum Vorschein: der Bursche wurde mit einem Bier beruhigt,
eine Sammelliste angelegt, Bedarfsschätzungen angestellt und Spendenbeträge
pro Mitsegler errechnet. Die Sammlung war schon im vollen Gange als eine Frau
um Kopfschmerztabletten bat. Der Bestohlene durchsuchte seinen Rucksack und
fand zwar keine Tabletten, aber auf wundersame Weise seine Brieftasche. Alle
wurden auf ein Bier eingeladen.
Im Barwaggon genossen wir das einmalige Erlebnis,
mit dem Zug in Split anzukommen. Die Bahn kommt oben aus dem Berg heraus, ein
atemberaubendes Panoramabild von Split öffnet sich und der Zug gleitet
im Zickzack fast lautlos zu Tal. Man kann von Serpentine zu Serpentine mehr
erkennen, den Diokletianpalast, den filigranen Turm, den Hafen, den Park, die
Palmenallee...
© Franz Brandl 2010 – http://www.drputzi.com
Ihr Dr. Putzi Web Team