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4. Februar 2012
PG Wodehouse hat gesagt: "Ich sitze eigentlich nur an der Schreibmaschine sitzen und fluche ein bißchen." Genauso fühlt es sich manchmal an, diesen Blog zu schreiben. Er hat auch gesagt: "Ich weiß, ich schreibe Geschichten, seit ich fünf bin. Keine Ahnung, was ich vorher gemacht habe. Herumhängen nehme ich an.“

3. Februar 2012
Du mußt denken, ich sei ein Narr,
So prosaisch und unbeholfen und alles,
Glaubst du, du kannst mich runterziehen?
Glaubst du, ich bin bin noch nie verreist, noch nie weg gewesen?
... (Song von Keane "Leaving So Soon?")

2. Februar 2012
Das ist hier nicht die Wikileaksseite und ich habe auch keine Absicht, die Quelle des nun folgenden Zitats bekannt zu geben, möchte meinen Lesern aber dennoch die Definition von „Tech Freaks“ hier nicht vorenthalten. Also: „Tech-Freaks sind solche Personen, die einen Kick und eine gewisse Zufriedenheit daraus schöpfen, dass sie ihre technischen Fähigkeiten zeigen, auch dann, wenn genau das anderen Unannehmlichkeiten verschafft... Manchmal ... stören sie durch ihre technischen Fähigkeiten und Kenntnisse die Kommunikationskanäle von andern.“ Das könnte als Beschreibung auch auf viele Hotlines zutreffen (worum es aber im konkreten Fall nicht geht).
Ebenfalls ein Zitat, diesmal aus einer Besprechungsnotiz: „Der Erkenntnisgewinn des Vortrages war insgesamt (wie wohl auch beabsichtigt) äußerst gering.“

1. Februar 2012
Dass dieser Prozess keinem Masterplan folgt, ... sondern unter angespannten, chaotischen, demokratisch rumpelnden Umständen, das ist das Wesen von allem wahrhaft Neuen. Steht in der Zeit von Mitte Dezember (wie mir schon öfters vorgeworfen wurde, lese ich ja manchmal Oldspaper statt Newspaper).

31. Jänner 2012
Ich bin heute an das berühmte Zitat von Martin Niemöller erinnert worden:
„ Als sie die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

29. Jänner 2012
Sag mir, was willst Du mit Deinem einen, wertvollen Leben tun?” – Mary Oliver

28. Jänner 2012
Warum bekomme ich eigentlich dieser Tage so viele Viagra Spam-Mails? Ich habe gelesen, dass sich - wenn man eines in Wasser auflöst und den Christbaum damit wässert – der Baum bis Ende Jänner wacker frisch hält. Marketingmäßig kommt mir die Werbekampagne etwas verspätet vor, oder hat noch jemand Weihnachtsbäume herumstehen?
Einer meiner lieben Leser sagt, dass ich ihm den blauen Spam zusenden soll. Also scheint es doch noch mehr Leute zu geben, die jetzt noch Christbäume haben, als ich ursprünglich angenommen habe!
Und dann habe ich analytischere und höchst amüsante Anmerkungen bekommen, nämlich, dass es sich bei Spammails meist um finanzielle Anreize, Leistungsverbesserungsversprechen oder Systemerweiterungen handelt. In umgekehrter Reihenfolge geht es also immer um größer oder besser oder reich genug, damit größer und besser keine Kategorie mehr sind. Allerdings geht die Leistungsverbesserung zugunsten eines dann wohl bis Ostern stählernen Christbaums doch ein wenig zu weit.

27. Jänner 2012
Es ist eine Herausforderung, sich an die Gegebenheiten des öffentlichen Nahverkehrs zu gewöhnen. Die Situation: Ich sitze in einer mehr oder weniger leeren Straßenbahn. Ein Mann vom Typ Bill Bryson vor 20 Jahren setzt sich neben mich, liest in meiner Zeitung mit und sagt dann etwas unvermittelt: Frauen in der Wirtschaft, die am Aufschwung (?) teilhaben, können von einer guten Wirtschaftszeitung profitieren! Man könne, so der Monolog weiter, Weizen online handeln, bis in die dritte Dimension (?), nie zuvor habe die Menschheit Weizen so vielfältig handeln können, deshalb sei es gerade jetzt... der Rest war argumentativ nicht nachvollziehbar.

26. Jänner 2012
Warten ist wirklich unmodern geworden. Und ein interessanter Gedanke ist, dass wir seit wir mehr und mehr zum Digitalen tendieren, das Original verloren haben oder wie Jim Rakete sagt, heute sei: „das Fehlen eines Originals der Phantomschmerz der Fotografie“.

25. Jänner 2012
Deutsche Sprache, schwere Sprache: Wo der Österreicher da, dort oder hier ist, ist der Deutsche hier, da und dort, was zu beliebigen Mißverständnissen führt.
In Österreich komme ich an und kündige folglich im Konjunktiv an, dass ich jetzt da wäre. In Deutschland ist man in ähnlicher Konstellation aber einfach hier, zumal man nicht da sein kann, weil da (deutsch) eben dort (österreischisch) und somit zwar in der Nähe, aber doch woanders ist. Der Nachbartisch ist so zum Beispiel da (örtlich, nicht existentiell gesprochen; auf letzteres könnte man sich wohl in beiden Sprachen einigen) und nicht dort. Dafür wird aber die Endstation einer deutschen S-Bahn am vorletzten Bahnhof mit mit den Worten „Liebe Fahrgäste, diese S-Bahn endet dort“ und nicht mit „... endet hier“ angekündigt.
Erhaltener Kommentar: Lieber CBO (Chief Blogging Officer), darf ich unterstreichen, dass Ihr geschätzter Blog-Eintrag für 25. Januar auf Deutsch ganz anders lautet als auf Englisch? :-)
Antwort: Ich kann mich nur entschuldigen, also, hier kommt nun der fehlende Teil:
Europa bekommt neue Datenschutzregeln. George Orwell ist, sollte er Zugriff auf offizielle (leider nur englische) Presseerklärungen haben, wahrscheinlich schon dabei, sich im Grab umzudrehen. Dort steht nämlich in etwa: "Das Recht auf Vergessen ist natürlich kein absolutes Recht. Es gibt Fälle, wo es eine legitimes und rechtlich begründetes Interesse daran gibt, Daten in einer Datenbank zu speichern. ... Es ist auch klar, dass das Recht auf Vergessen nicht ein Recht darauf sein kann, die Geschichte völlig auszulöschen."

24. Jänner 2012
Die einzige Funktion von Wirtschaftspognosen ist es, der Astrologie einen ehrenwerten Anstrich zu verleihen. Kenneth Galbraith

23. Jänner 2012
Ich habe heute ein sehr schönes Gedicht geschickt bekommen, das Joseph Beuys zugeschrieben wird:
Lass Dich fallen.
Lerne Schlangen zu beobachten.
Pflanze unmögliche Gärten.
Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein.
Mache kleine Zeichen, die "Ja" sagen
Und verteile sie überall in Deinem Haus.
Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.
Freue Dich auf Träume.
Weine bei Kinofilmen.
Schaukel so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht.
Pflege verschiedene Stimmungen.
Verweigere Dich, "verantwortlich zu sein".
Tu es aus Liebe.
Mach eine Menge Nickerchen.
Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen.
Glaube an Zauberei.
Lache eine Menge.
Bade im Mondlicht.
Träume wilde, fantasievolle Träume.
Zeichne auf die Wände.
Lies jeden Tag.
Stell Dir vor, Du wärst verzaubert.
Kicher mit Kindern. Höre alten Leuten zu.
Ö ffne Dich. Tauche ein. Sei frei.
Preise Dich selbst.
Lass die Angst fallen.
Spiele mit allem.
Unterhalte das Kind in Dir.
Du bist unschuldig.
Baue eine Burg aus Decken.
Werde nass.
Umarme Bäume.
Schreibe Liebesbriefe.

22. Jänner 2012
Groupon ist immer wieder für eine Erheiterung gut. Heute wurde mir eine Bierflatrate angeboten. Es handelt sich um eine (hoffentlich nicht bei Pioten beliebte) All-you-can-drink-Rate für Fliegerbier im Fliegerbräu am Münchner Flughafen samt dem (anscheinend für sich selbst sprechenden) „Piloten-Brotzeit-Brettl“. Daneben wird mir in folgender Reihenfolge auch noch eine 90 Minuten Aromaölmassage, ein Sushi all-you-can-eat, ein um 73% billigerer ansonsten nicht genauer definierter Sprachkurs (Deutsch für Nichtdeutsche?) und etwas prosaisch „Fett weg“ angedient.

21. Jänner 2012
Aus der Serie “Bemerkenswertes rund um Telefonkonferenzen”: A: Können Sie Ihr Telefon bitte auf stumm schalten? B: Nein A: Könnten Sie dann bitte mit dem [zugegebenermaßen lauten] Atmen aufhören?

20. Jänner 2012
Ich habe versprochen, mich gegebenenfalls noch einmal zum Thema Rocklängen und Absatzhöhen zu äußern. Vor vielen Jahren habe ich gelesen, dass sich die Rocklänge umgekehrt proportional zur Konjunktur verhält. Obwohl man davon ausgehen müßte, dass es in wirtschaftlich schlechteren Zeiten weniger Geld für Stoff gäbe werden die Rocksäume länger und umgekehrt. Insofern nehme ich an, dass wir von Mini- und Bleistitröcken wegsteuern.
Ein wenig Recherche hat ergeben, dass sich ein Wirtschaftstheoretiker (George Taylor, Nomen est Omen) schon in den 1920-er Jahren mit der Thamatik beschäftigt und in seiner Rocksaumtheorie versucht hat zu beweisen, dass die Saumlänge mit den fallenden oder steigenden Aktienkursen korreliert. Ein Artikel, der das Thema im Jahr 2008 wieder aufgegriffen hat, geht noch einen Schritt weiter und behauptet, dass in Rezessionszeiten der Absatz von Abführmitteln steige, weil sich Menschen sehr zurückhaten müssen. Demgegenüber steigen in Boomzeiten die Absatzzahlen von Deodorants, weil sie öfters tanzen gingen. Wenn Menschen weniger Geld zur Verfügung haben, kaufen sie angeblich weniger Salat, Steak und Obst sondern eher trockene und länger haltbare Lebensmittel wie Bohnen, Getreide und Pasta, obwohl meistens dann der Pastapreis steigt und sie bei Bohnen und Reis bleiben.
Nicht dass meine Meinung hier zählen würde, aber ich finde die Rocksaumlängentheorie besser als die Abführmitteltheorie.

19. Jänner 2012
Ich möchte den heutigen Eintrag zum Anlaß nehmen, allen begeisterten Lesern dieses Blogs ganz herzlich zu danken!
Scott Mc Kain (wieder so ein Konsulent und Motivationssprecher mit runden Brillen, nein, das war jetzt ganz und gar nicht nett) schreibt auf seinen Blogseiten: Die Frage, die Menschen heute oft gestellt würden, seien, wieviele „Follower“ sie auf Twitter, wieviele Freunde auf Facebook hätten und wieviele Leser ihren Blog besuchten und als solches würden gerade diese Frage auf etwas hinweisen, was in unserem gesamten Wirtschaftssystem falsch sei, nämlich der Fokus auf Quantität. Und die Annahme, mehr sei besser. Mc Kain weist uns darauf hin, dass mehr nur mehr sei, und nur besser besser. Und dass mit anderen Worten weniger Freunde und weniger, dafür begeisterte Leser definitiv mehr zählen, als die schiere Masse.

18. Jänner 2012
Anläßlich einer bevorstehenden Eintagesreise nach Brüssel muß ich hier die Frage stellen, ob es tatsächlich so ist, dass kaum jemand das Nicht-in-Brüssel-Sein als Exil empfindet?

17. Jänner 2012
Es gibt ein sehr gutes wenn auch nicht ganz ernstes Video zu Photoshop oder bessergesagt: Fotoshop und ein anderes (ebenfalls nur auf Englisch) zum Thema Wiener Kaffeehäuser.

16. Jänner 2012
Deutschland ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Oder vielleicht sollte ich sagen, es ist nicht das, was sie uns im Ausland weismachen wollen, dass es schon immer gewesen sei. Ich habe mittlerweile mehr Handwerker gesehen, als mein Aufenthalt in diesem Lande Tage hat. Heute waren es gleich sechs. Meine Wohnung, ein reines Durchhaus. Wer eigentlich was macht, ist nie ganz klar, meist verweist der eine nur auf den nächsten, der aber sicher gerade nicht anwesend ist und erst anfahren muß. Unstrittig sind meist nur die Verrechnungsdetails der Anfahrtswege, die Menschen erscheinen auch sehr pünktlich, aber ansonsten wie schon früher erwähnt: Hinterholz 8.
Der erste Handwerker heute war eine Kanalratte mit E-Spiralle. Auf seinem Rohrreinigungsfirmensweatshirt stand, wie es sich auch für Fleischhacker oder ähnliche Betriebe gern anbietet: Schweiger.... vom Feinsten! Besagte Kanalratte hat mehr oder weniger besorgt blickend etwa 12m der Elektrospiralle in den Tiefen des Hauses versenkt und von Paradoxa wie aufsteigenden Abflußleitungen und steigenden Gefällen geunkt. Nummer zwei (vom Typ her Abercrombie-Fitch Jeans- und/oder Unterwäschemodel, warum sie ihn im Keller versteckt haben, hat sich erst später herausgestellt) hat in gebrochem Deutsch abgestritten, irgendetwas mit meinen Frostbeulen zu tun zu haben, er würde den Heizungskeller nur streichen, hätte nichts mit dem Heizungstotalausfall zu tun. Nummer drei hat mir beim routinierten, aber verzweifelten Entlüften der Heizkörper assistiert und versichert, es wäre die schöne Kellerratte gewesen, die „versehentlich“ die Heizung fürs Dachgeschoß abgedreht hätte.
Drei weitere Mannen haben dann noch diverse Zählerstände abgelesen, zwei davon waren aus dem deutschen Osten, einer aus München und hat soweit beobachtbar als Dolmetsch fungiert.

14. un 15. Jänner 2012
Was kann es schlimmeres geben, als am Samstagnachmittag zu Ikea zu gahren? Richtig, ein Ikea-3D-Puzzle zusammenzubauen. Die Hardcorelegospieler haben es wahrscheinlich geahnt, dass sie gegenüber uns Normalsterblichen irgendwann Vorteile haben werden.
Was auch unangenehm auffällt ist das Bild in der zigseitigen Bauanleitung, auf dem sich das verzerrt lächelnde Ikeamännchen am Kopf kratzt und die Ikeahotline anruft. Ich wäre einmal neugierig, wie man die einzelnen namenlosen Trümmer am Telefon beschreibt, nicht zu reden von Mikroschrauben aus durchsichtigem Plastik. Manche Schrauben sind ja reine Zierde und sind anscheinend nur beigepackt, um die Geduld zu testen.

13. Jänner 2012
Der Poet William Blake empfiehlt, den Tag folgendermaßen einzuteilen: „Denk am Morgen, handle zu Mittag, lese am Abend und schlafe in der Nacht.“

10. Jänner 2012
Ü ber die Jahre sind E-Mail Signaturen auf- und wieder abgekommen. So habe ich mir zumindest gedacht. Aber nun sehe ich ab und zu wieder welche, wie etwa folgedes des 2011 verstorbenen Brasilianischen Fußballers Socrates: "Erst kommt die Schönheit, dann erst der Sieg. Und was wirklich zählt, ist die Freude.“

9. Jänner 2012
Und noch mehr neue Bilder, diesmal von Thailand, Australien und Neuseeland!
Erhaltener Kommentar: Schöne Bilder, speziell die aus Thailand.

7. Jänner 2012
Es war einige Tage ruhig im gelobten Land. Aber nun ist der Regionalstolz wieder durchgebrochen, diesmal im Radio mit dem Hörerspruch des Tages: “It’s nice to be a Preiss but it’s higher to be a Bayer.“
Auch interessant, dass am Flughafen nun Puppenteile aus dem Boden ragen. Es ist natürlich schön, wenn man Puppen bewusst und unbewusst sofort mit mir assoziiert. De facto gehe ich aber davon aus, dass es sich um eine Fujitsuwerbung nach dem Fujitsumotto: „accept no boundaries“ handelt. Anscheinend gilt für Fujitsu auch die Schwerkraft nicht mehr. Und das in München!
Apropos Schwerkraft: Einstein muß ja für einiges herhalten und so auch für einen ihm zugeschriebenes, sehr nettes Zitat: „Gravitation is not responsible for people falling in love“.

6. Jänner 2012
Es gibt einige neue Bilder aus Chile, Singapore, Myanmar, Kuala Lumpur undVietnam. Zufällig bin ich über diese Kurzanleitung gestoßen, wie man interessanter wird. Was mir dabei besonders gefallen hat war der Hinweis, doch die eigenen Seltsamkeiten zu akzeptieren. Beide Artikel leider wieder einmal nur auf Englisch.

5. Jänner 2012
Das Video des Tages heißt Everybody’s Free (to wear sunscreen). Jeder ist frei, oder hat zumindest die Freiheit, Sonnencreme zu verwenden. Leider nur auf Englisch.

4. Jänner 2012
Es ist mir ein alter Entwurf einer Blognotiz untergekommen und zwar zum Thema Themen von morgen:
1. Staubsauger mit oder ohne Beutel?
2. Sollten Männer Eier kochen können?
3. Sind Mascherln (vulgo Fliegen) besser als Krawatten?
4. Wie macht man aus Eis Kürbis?
Speziell Nummer eins und vier haben mich an der Notiz überrascht. Aber es fällt mir ja auch nicht mehr ein, warum ich eine kleine Seife, ein klebriges Zuckerl und einen noch klebrigeren Kugelschreiber in einer Jackentasche hatte.

3. Jänner 2012
Es hat mich ein Kommentar erreicht, mit der Beschwerde, es gäbe hier nicht genug zum Thema Mode und Sport zu lessen. Ich wage zu sagen, dass die Modefarben der Frühjahrssaison Smoothiefarben sind, was der Tendenz unserer Gesellschaft, Nahrung immer öfters auch noch im Erwachsenenalter in Breiform zu sich zu nehmen, sehr entgegenkommen dürfte.Man denke nur daran, wie sich in dieser Saison Smoothie-, Cremsuppen- und Pürreeflecken gut ins Oberbekleidungsbild einfügen werden!
Erhaltener Kommentar: Vielen Dank für die Frühlingsfarbempfehlung! Ich bin sicher, die Leser dieses Blogs würden auch gerne Einträge hinsichtlich Rocklänge, Absatzhöhe und Rugby lesen!

2. Jänner 2012
Was ich beim gestrigen Eintrag noch vergessen habe: Der mit Abstand beste Werbespruch, der mir auf der langen Reise untergekommen ist und dem ich durchaus zustimme war die Regel Nr. 7 von Tudor Watches und hat gelautet: „Verführung ist eine Frage der Zeit“.

1. Jänner 2012
Das war also 2011: Mein einjähiges Sabbatical war im September zu Ende und in einem Satz kann ich meine Weltreise wohl nur so zusammenfassen, dass ich überhaupt kein Problem damit hätte, noch jahrelang durch die Welt zu mäandern.
Die längere Fassung möchte ich in einige Punkte aufteilen:
Zum Zustand der Welt im allgemeinen: Inkompetenz regiert die Welt.
Zu persönlichen Fragen: Sehr oft werden die Klassiker “Wo kommst Du her?” etc. zu Endlosschleifen. Es folgt ein: “Österreich.” “Sidney?” [Nebenbemerkung: die Antwort folgt Gründen der Einfachkeit:] “Wien.” “Wohin gehst du?” … “Wie heißt du?” … “Was bist du von Beruf?” … “Wieviel verdienst du?” … “Wie alt bist du?” … “Bist du verheiratet?” … “Was ist deine Schuhgröße?”… “Woher kommst du?” “Das hast du mich schon gefragt!” “Oh, habe ich vergessen...”
Zum Essen: Merke: Im Zweifel ist eine Bohnenschote (grüne Bohne) in Asien immer eine grüne Chilischote! Ein wichtiger Satz für Vegetarier, den ich in Asien gehört habe, war: Ich hoffe, Sie mögen Reis.
Top 3 (+1) Cocktails: Ambience: Singapore Sling, Raffles Hotel, Singapore. Schräg + bester Ausblick: Coco Loco, Hotel Pink Flamingo, Acapulco. Bester Geschmack: Pina Colaca, Boracay/ Phillipinen. Außerhalb der eigentlichen Wertung und Extrapunkte für bemerkenswertestes Versprechen: Orgasmo, Chapalasee in der Nähe von Guadajahara, Mexiko.
Zur Hygiene und der richtigen Reihenfolge: Merke: Erst Wasserhahn aufdrehen und dann Seife nehmen. Leider habe ich hier des öfteren was die Reihenfolge angeht versagt. Es ist unschön, wenn man Seife mangels Wasser wieder loswerden muß. Das beste an sechs Jahren wöchentlichem Pilatestraining war, eine vollendete Balance über diversen zweifelhaften Toiletten zu halten.
Zu unfreundlichen Kontrollen auf Flughäfen: Wenn man auf Flüssigkeiten kontrolliert und mit einer noch gefüllten Flasche ertappt wird, stellt man sich dem meist unwirsch Kontrollierenden am besten mit all seinem Handgepäck ungeschickt wirkend in den Weg und trinkt mit einem entschuldigenden Blick ganz langsam sein Wasser aus. Dieser kleine Racheakt für unfreundliches Benehmen funktioniert auch bestens dort, wo man mit militärischem Brüllen gezwungen wird, seine Schuhe auszuziehen. Man kann jemandem lange im Weg stehen, wenn die Schuhbänder so gar nicht wollen.
Zur Eitelkeit und dem Verlust derselben: Man geht über Monate abends mit dem Allernötigsten einem kleinen schwarzen Plastiksackerl (vulgo dem seinerzeit nicht benutzten Speibsackerl der Sansibar-Dar Es Salaam Fähre) spazieren, als wäre es eine Prada Handtasche.
Zum Material: Auch strapazfähige Schuhe lösen sich nach intensiver Beanspruchung auf und wasserdichte Schuhe werden pitschnass, wenn das Wasser von Oben (mit dem einen oder anderen Blutegel vermischt) hineinläuft. Jeans werden nicht nur heller, sondern auch dünner und reißen irgendwann. Ich habe einen Schal, ein Sweatshirt, meine Lieblingsjacke und einen Bikini verloren – zum Glück nicht alles auf einmal und auch nicht, wenn das jeweilige Teil das einzige war, was ich gerade getragen habe. Des weiteren habe ich zwei Bekannte verloren, die offensichtlich keine Freunde waren und eine Decke – letzteres eines der sinnvolleren Dinge, die ich über Monate mit mir herumgetragen habe.
Zu Hotels: In den meisten Hotelzimmern liegt entweder die Bibel auf oder die Gelben Seiten; manchmal beides. Und das vor allem dann, wenn man eigentlich nur nach dem Passwort für das Internet sucht.

31. Dezember 2011
Auf die Auslagenscheibe hier in München ist ein Spruch gesprüht, der dieses Jahr ganz gut zusammenfasst: Die Revolution ist wegen Regens bis auf weiteres verschoben. Guten Rutsch und ein Gutes Neues Jahr 2012!

30. Dezember 2011
Bei wiederholter Betrachtung des großen, aber schiefen Christbaums auf dem Münchner Marienplatz, der angeblich ein Geschenk von Tirol ist kann ich nur sagen: Einem geschenkten Gaul schaut man wohl lieber wirklich nicht ins Maul.

29. Dezember 2011
Die Zeitung “Die Zeit” schreibt in einem interessanten artikel über Epithesen (= künstliche Augen, Ohren u.ä.), dass der neueste Schrei bei Epithesen solche seien, die sich auch bewegen. Zudem sei es in Mode, dass sich Menschen mit Kunstohren in zweierlei Farben anfertigen lassen, eines für den Winter, eines für den Sommer.

28. Dezember 2011
Ich habe ihn eigentlich selbst noch nie bemerkt, es scheint ihn aber zu geben, den sogenannten Cappucino-Effekt. Laut Wikipedia handelt ess ich dabei um das „akustische Phänomen, das unmittelbar nach dem Umrühren einer Tasse Cappuccino auftritt: Klopft man mit dem Löffel mehrmals hintereinander an die Tasse, so steigt die Tonhöhe innerhalb der ersten Sekunden deutlich hörbar an. Dieser Effekt lässt sich, nach erneutem Umrühren, so lange wiederholen, wie noch Milchschaum vorhanden ist.“ In der Blog-Kategorie: da siehst du’s, da hast du’s.

24. Dezember 2011
Broken Muses wünscht allen treuen Broken Blog Lesern Frohe Weihnachten!

23. Dezember 2011
Leider gibt es keine deutschen Untertiltel für diese wirklich witzigen sieben Minuten brillianten Witzes. Die Frage ist, warum die Riesenschildkröte für 300 Jahre lang zu keinem lateinischen Namen gekommen ist. Aus einem ähnlichen Grund, warum Maltesers auch keinen lateinischen Namen haben...

22. Dezember 2011
Ich habe eine Zeit lang den Eintrag vom 11. Deember nicht auf Englisch übersetzt und wurde bereits von den Lesern der englischen Blogseiten gerügt. Ich muß mich in aller Form auch hier entschuldigen...

21. Dezember 2011
Es gibt einen neuen deutschen Bestseller: "SMS von gestern Nacht". Untertitel: „Ist meine Hose noch bei Euch?“

20. Dezember 2011
An sich waren meine belgischen Lieblingspralinen immer die rosafarbenen Wittamerherzen und die dunkelbraunen Euros von Neuhaus. Nun gibt es diese Euros nicht mehr, sondern lediglich die geschmacklich ähnlichen hell- und dunkelbraunen Neuhauser Ns. Wenn das kein Statement ist. Nicht einmal DER Pralinenhändler des Landes bekennt sich mehr zum Euro...

19. Dezember 2011
Einer der wenigen Sätze, die ich mehr oder weniger fehlerfrei auf holländisch aussprechen kann ist "ik bin op de pot" was mehr oder weniger direkt heißt: ich bin am WC. Kein Ruhmesblatt nach fast acht Jahren in einem teils niederländischsprschigen Land...

17. Dezember 2011
Kaum kommt man nach Belgien, regnet es, eigentlich genauso wie man es von Belgien erwartet. Und nicht umsonst heißt ein bekanntes Modelabel hier "Mais il es ou le soleil?"

16. Dezember 2011
Vielen Dank für zwei sehr nette Zitate:
Kann einen die räumliche Distanz wirklich von Freunden trennen.... Wenn Du mit jemandem sein möchtest, den Du gern hast, bist Du dann nicht eigentlich schon dort? – Richard Bach
Die Abwesenheit verringert niedrige Begierden und steigert noble genauso, wie der Wind Kerzen löscht und Feuer nährt.

14. Dezember 2011
Die wohl bekannteste und belibteste Wiener App ist die auf offenen Daten der Stadtvrwaltung basierende sogenannte "Toilet Map Vienna". Die App listet alle öffentlichen Toiletten in Wien und gibt den schnellsten Weg zum nächsten WC bekannt.

12. Dezember 2011
Wenn es um verstopfte Rohre geht habe ich feststellen müssen, dass es irrelevant ist, welche Qualität die kurz zuvor benutzte Seife hatte; meist ist sie genauso unappetitlich wie das andere, undefinierbare Zeug, das wieder an die Oberfläche gespült wird.

11. Dezember 2011
Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee war, sich bei Groupon anzumelden. Ich bekomme nunmehr die Möglichkeit, Gutscheine mit 55% Ermäßigung zu Highlights wie etwa den hier folgenden zu erwerben: "70er Jahre Fondue-Event für 6 Personen im Cafe Fräulein". Oder einen um 53% ermäßigten 5-er Block für einen "Bollywood Tanzkurs in der Bollywood Crazy Dance Company". Erwähnenswert auch die um 72% verbilligte "Luxus-Gesichtsbehandlung und/oder Maniküre bei Egoist Cosmetics". O-Ton dort: „Niemand ist dem Zahn der Zeit und den Widrigkeiten und Kapriolen des Wetters so ausgesetzt, wie Deine Haut.“ Anscheinend erlebt meine Haut die „Widrigkeiten und Kapriolen des Wetters“ anders als der Rest von mir.

10. Dezember 2011
Darf ich meine Leser um Beihilfe zum Boykott von Wasabikäse bitten? Ich verstehe ja, dass sich Käseherrsteller heutzutage einem gnadenlosen Wettbewerb zu stellen haben, aber trotzdem: Wasabikäse geht einen Schritt zu weit!

9. Dezember 2011
Es soll ja Menschen geben, die gerne zu Ikea fahren. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu Nach einem Handwerkerbesuch gestern fühle ich mich wieder einmal wie in Hinterholz 8 (die Dame in der weibliche Hauptrolle heißt dort ja bezeichnenderweise auch Margit). Man kann nur hoffen, dass die Wände hier nicht bald nass und unter Strom stehen und nur eine wasserfeste Tapete dagegen helfen kann :-)
Erhaltener Kommentar: Margit, ich glaube Du würdest Dich am liebsten aus München wegbeamen lassen, weil es da doch kein intelligentes Leben gibt. Richtig? :) Vielleicht hast Du einfach den falschen Handwerker?
Amtwort: War ich so deutlich?

8. Dezember 2011
Falls es jemanden interessiert: es gibt die Bibel als Hörbuch-App für iPhone, iPad und iPod bei www.vorleser.net

7. Dezember 2011
Vielen Dank für einen Hinweis auf die Landkarten der Stereotypen des bulgarischen Künstlers Yanko Tsvetkov. Mir persönlich gefällt die Karte der griechischen Stereotypen besonders gut, aber vor allem den Briten unter uns empfehle ich auch einen Blick auf die Karte Europa nach Sicht der Briten zu werfen.

6. Dezember 2011
Repubblica Bavaria: Ich bin heute auf dem sogenannten 6. nationalen IT-Gipfel, den Gastgeber H. Seehofer tatsächlich und ohne einen Funken Ironie mit den Worten "Willkommen im gelobten Land!" eröffnet hat.

4. Dezember 2011
Beim Sortieren von Bildern und Notizen bin ich heute über einen Buchtitel gestolpert, den ich mir am Beginn meiner großen Reise in Amerika aufgeschrieben hatte, übersetzt etwa: „Begrabt mein Herz in Konferenzraum B: Der unschlagbare Einfluß wirklich engagierter Manager.“

2 December 2011
Belgien ist und bleibt Absurdistan: Ich bin heute zu einer Veranstaltung mit dem Titel: Die unerträgliche Leichtigkeit des Schmetterlings: Welche neuen Steuern wird uns die neue Belgische Regierung bescheren?“ eingeladen worden.

1 December 2011
Wie hat schon Peter Rosegger gedichtet? Bei mia z’Haus bin i nia z’Haus aber im Wirtshaus bin ich wia z’Haus.

29. November 2011
Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich nicht besonders gerne öffentlich fahre? Heute bin ich neben einem ungewaschenen Smartphonenutzer gesessen, dessen lange Fingernägel ausgesehen haben, als hätte er des Nächtens sein Großmutter ausgegraben. Unterm Herumwischen am Telefon ist er eingeschlafen und vornüber gekippt, wobei die Haare in neuen Mustern verklebt sind.

28. November 2011
Ich bin in Brüssel, wo Menschen links und rechts auf Rolltreppen stehen und bei rot über die Straße gehen, ohne angeschrien oder sonst gemaßregelt zu werden :-)

26. – 27. November 2011
Zum ersten Mal seit sechs Monaten in Österreich! Sehr empfehlenswert für alle, die glauben, Deutsch zu sprechen: "Vo Mello bis ge Schoppornou"

25. November 2011
Neues vom Planet Germany: Ich bin in der Firmengarage schriftlich verwarnet worden, weil ich verkehrt herum eingeparkt habe... Und gelesen habe, dass der Papst Schwierigkeiten bekommen hat, weil er bei einem Deutschlandbesuch vergangenes Jahr im Papamobil nicht angeschnallt war.

17. bis 24. November 2011
Getränke. Ich vermisse Brüssel und die Geschichte(n), die es schreibt: Nach dreijähriger Studie ist man zum Schluß gekommen, dass in Flaschen verkauftes Trinkwasser nicht damit beworben werden darf, Wasser verhindere Dehydrierung!
Aber auch Wien hat Neues zu berichten: Die Wiener Kaffeehäuser kürzlich zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt worden. Nach der Beschreibung der UNESCO-Komission sind „Kaffeehäuser ein Ort, in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht".
Was gibt es demgegenüber getränkemäßig aus Bayern zu berichten? In München bewirbt eine Bar in meiner Nähe den Cocktail des Monats: Sex On The Beach. Bei gefühlten minus zehn Grad.
In Berlin liegen die Dinge dann wieder ganz anders. Man geht von Kaffee ab und bietet statt „Coffee to go“ nunmehr „Glühwein to go“ an.

16. November 2011
Neues aus Bayern: Am Münchner Flughafen hängen Plakate mit der Aufschrift: Direkt vom Himmel zum Himmel auf Erden: Willkommen in Bayern. Im Hintergrund sind dabei entweder Kondensstreifen in Form einer Breze oder in Form einer Lederhose (!) zu sehen.

15. November 2011
Muß ich mir Sorgen machen, wenn mich die Persoalabteilung nur unter dem Namen „Brandes“ kennt?

14. November 2011
Es gibt neue Trends wie etwa „Owling“. Man sitzt dabei vorzugsweise im Baum und versucht, wie eine Eule auszusehen. Ein weiterer Trend, bei dem mir der Name gleich wieder einfallen ist hat zum alleinigen Inhalt, mit falschem Bart cool auszusehen. Was recht schnell um sich gegriffen hat ist „Johanssonning“, ausgelöst durch ein eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmtes Selbstportrait von Scarlett Johansson, bei dem sie sich selbst mit dem Handy so fotografiert hat, dass man im Vordergrund ihr Gesicht und im Hintergrund ihre Rückseite im Spiegel sieht. Weltweit posten seither Nachahmer ähnliche Bilder von sich selbst auf http://scarlettjohanssoning.com/

13. November 2011
Servicewüste Deutschland? Getränkefachmarkt. Kunde hält Verkäufer fragend eine Flasche vor Augen: Was ist das für ein Wein? Kundenberater: Weißwein!

11. November 2011
Manche feiern heute das Ende des Ersten Weltkriegs, andere Faschingsbeginn. Ich werde heute, am 11.11.11 nun tatsächlich in meine neue Wohnung einziehen, was zugegebenermaßen sicher weniger historische Bedeutung haben wird als 1918 und auch nicht nur ein Witz ist.

11. November 2011
Manche feiern heute das Ende des Ersten Weltkriegs, andere Faschingsbeginn. Ich werde heute, am 11.11.11 nun tatsächlich in meine neue Wohnung einziehen, was zugegebenermaßen sicher weniger historische Bedeutung haben wird als 1918 und auch nicht nur ein Witz ist.

10. November 2011
News aus Brezen-County (vulgo Bayern): Menschen, die hier Vorträge halten, können interessanterweise „alle Hände über dem Kopf zusammenschlagen“. Man würde das ansonsten ja eher nur bei einer Shivainkarnation in Indien annehmen. Ansonsten hat mich bei selbiger Veranstaltung ein Lebensmittelfarbstoffzusatzthoretiker noch vor dem ersten Kaffee darüber aufgeklärt, dass ich eigentlich besser nie wieder irgendetwas essen solle. Man wüßte ja nie. Es wäre wegen der Lebensmittelfarbstoffzusätze. Unmittelbar danach wollte ich auch alle Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

9. November 2011
Ich bin in der Kantine neben einem Griechen gesessen, der sich als Kreter geoutet hat. Was fällt einem da natürlich ein/rutscht einem da natürlich promt heraus? Richtig: Alle Kreter lügen! Statt einer interessanten Epimenidesdiskussion habe ich einen unverständigen und fast zornigen Blick geerntet und wäre im Fall der Wiederholung sicher des Tisches verwiesen worden.

8. November 2011
ET hat wohl nie nach Hause telefoniert. Laut dem Weißen Haus kann man neuerdings nämlich davon ausgehen, dass noch nie Außerirdische auf unserem Planeten waren.
Erhaltener Kommentar: Gerade gestern habe ich mich wieder auf den neuesten Stand deiner Blog-Einträge gebracht. Sehr amüsant, vor allem die Anzeigentexte des Münchner Wohnungsmarkts. Sie sind schon in der nächsten Umgebung zum Besten gegeben worden.

5. November 2011
Gelesen auf Toilettenpapier in einem deutschen Wirtshaus: Strebe nicht nach Dingen, die auch anderen gelingen.

4. November 2011
Beim Münchner Ikea gibt es eine Indertoilette. Die bei Ikea erwarteten Inder müssen sehr kleine Menschen sein.

3. November 2011
Wannimmer – und unter normalen Umständen kommt das ohnehin selten genug vor – ich zum Schluß komme, mich von Besitztümern zu trennen und sie wegzuwerfen kommt wie das Amen im Gebet jemand in meine Nähe, erstarrt, reißt die Augen weit auf und sagt: DAS kannst du umöglich wegwerfen!

2. November 2011
Ich habe wildfremden Menschen heute erzählt, dass ich Belgien verlasse und nun nach München ziehe. Im Vergleich muß ich leider sagen, dass es in der Vergangenheit wesentlich aufregender war, fremden Menschen davon zu erzählen, dass ich ein Jahr lang um die Welt reise.

1. November 2011
Vorletzter Tag in Belgien...

31. Oktober 2011
Nachdem ich mich drei Stunden lang bei der Gemeinde angestellt habe, bin ich nun erfolgreich in Brüssel abgemeldet. Zwei Stunden davon - auf dem Ausländermeldeamt nämlich - waren völlig sinnlos, nachdem ich nämlich nicht nur unter einem falschen Namen („Brandi“), sondern auch als belgische Staatsangehörige registriert war. Eine weitere Stunde bei den Inlandsmeldeangelegenheiten hat dann das gewünschte Resultat gezeitigt...
Erhaltener Kommentar: Das kann auch nur dir passieren: ein plötzlicher, unerwarteter Nationalitätswechsel. Auf der anderen Seite solltest Du Dich nicht wundern, wenn Du den hierigen König ständig als deinen König vereinnahmst.

29. Oktober 2011
Brüssel. Eine tote Katze am Fahrradweg, die sicher eine schlimme Kollision mit einem deutschen Radfahrer hinter sich hat.

25. bis 28. Oktober 2011
Wieder in Brüssel und damit beschäftigt, die Wohnung auszuräumen. Man unterschätzt, wie viel man über die Jahre anhäuft. Hätte ich mich nicht ab und zu bewegt, hätten mich die Herren von der Umzugsfirma sicher in Luftblasenfolie gehüllt und mit „Zerbrechlich“-Klebeband versehen in den LKW gestopft. Was schon kurios ist, ist dass immer dann, wenn ich mich endlich von etwas trennen will, jemand anderer sagt, nein, aber DAS kannst Du jetzt nicht wegwerfen. So habe ich nach wie vor meine blaue Ledercouch und, obwohl ich sie teilweise bereits auseinandergeschraubt hatte und einer der Umzugsmenschen konsequenterweise beim unvorsichtigen Draufsetzen damit zusammengebrochen ist, meine Gartenmöbel. Und dass, obwohl ich nun in eine Wohnung ohne Balkon oder Terrasse ziehe. Der Arbeitsunfall war übrigens glimpflich und auf beiden Seiten eher erheiternd. Manche Menschen sinken elegant und verletzungsfrei zu Boden. Bei einer Sache habe ich mich schlißendlich durchgesetzt: ich habe mich trotz Protest der Umzugsmenschen, die ihn auf seine alten Tage auf Heinz umgetauft haben und ihn recht interessant fanden, nach vielen Jahren der friedlichen Koexistenz von meiner eingegipsten und mit Farbe übergossenen Schaufensterpuppe Klaus getrennt. Er ist erstmals mit dem Lift gefahren, allerdings von dort gen Müllplatz, nicht gen München.
Für diejenigen, die interessiert, wie er in Brüssel seinerzeit angekommen ist: nachzulesen im Blog-Eintrag vom 16. Oktober 2007.
Schon damals hat mich anscheinend eine partielle Amnesie bezüglich der Anzahl und Voluminosität meiner Besitztümer ergriffen gehabt...

24. Oktober 2011
Eureka! Ich habe ein Wohnung gefunden, bereits angemietet und den Schlüssel dazu in Händen! Was für eine Erleichterung!

23. Oktober 2011
Vor einigen Tagen habe ich ja den „Immobilienmakler Kopf & Kollegen“ erwähnt, bei dem man doch ein recht genaues Bild der Branche bekommt. Wofür allerdings die „Pseudo Scheininger GmbH“ steht, muß erst noch recherchiert werden.

22. Oktober 2011
Notizen einer Ausländerin im Ausland: Der durchschnittliche Münchner Kinobesucher fällt in die Altersgruppe UHU (unter hundert), das allerdings nur knapp.

21. Oktober 2011
Die Welt verändert sich. Der Euro wackelt, Gadaffi ist tot, die ETA hat ihr Rahmenprogramm recht grundsätzlich geändert und was tut sich bei mir? Ich suche immer noch eine Wohnung im deutschen Monaco. Auf dem Heimweg von einer Besichtigung bin ich auf die rote Belgische Nummerntafel angesprochen worden und habe durch die geöffnete Beifahrerscheibe einen Handkuß bekommen, bei dem ich nicht sicher war, ob er mir oder dem belgischen Nummernschild gegolten hat.
Erhaltener Kommentar: Vom Froschkampf zum Wohnungskampf! Danke, dass Du mich mit Deinen Kämpfen so erheitern kannst. Ich kann mir aber bei allem Ernst sehr gut vorstellen, dass es speziell in München nicht leicht ist, eine entsprechendes Nest zu bekommen. Aber ich hoffe, dass Du auch diesen Kampf gewinnen bzw. zu Deinen Gunsten entscheiden kannst.

20. Oktober 2011
Aus der heiteren Welt der Wohnungsannoncen: Manche Wohnungen sind „top samiert“. Andere werden vom „Immobilienmakler Kopf & Kollegen“ vertreten. Unter Umständen handelt es sich um eine „gepflegte Wohnung im angesagten Schlachthofviertel“. Oder wird angepriesen mit den Worten: „Bequemer gehts nicht! In der Nähe liegt der schöne Südfriedhof.“

19. Oktober 2011
95% der Münchner Radfaher sind Männer, beharren auf ihre Radwege und Vorränge und sind generell viel zu schnell unterwegs. Wahre Testosteronbomben. Eine solche hat mich bzw. das Auto, das ich gefahren bin heute seitlich gerammt. Zum Glück habe ich den Parkschaden, der an der selben Stelle ist, noch nicht reparieren lassen. Später war ich dann aus Vorsichtsgründen zu Fuß unterwegs, teilweise mangels Fußweg auf dem Radweg, wo mir ein offenbar vom Baum gefallenes mit Fleischwunden übersätes Eichörnchen untergekommen ist. Obwohl es nicht wahrscheinlich ist, dass ein Eichhörnchen ungebremst vom Baum fällt, ist es sehr wohl wahrscheinlich, dass ein Münchner Radfahrer es knapp nach dem Sturz überfahren hat.

18. Oktober 2011
Beobachtungen zu und in Deutschland: Drei Männer mit Sixpack (leer, die Glasflaschen im Originalkarton) sind Schulter an Schulter und damit in einer fast furchteinflößenden Phalanx unterwegs zum Diskonter, wo ebendieses Bier im Sonderangebot ist.

17. Oktober 2011
Deutschland ist gewöhnungsbedürftig. So habe ich folgender Szene beigewohnt: Eine Kindergartengruppe ist in artigen Zweierreihen und sehr ruhig samt einigen Betreuerinnen einen wie es hier heißt Gehweg entlang unterwegs. Auf ein minimales und kaum hörbares Lachen hin brüllt eine der Betreuerinnen: „Wir machen keine Faxen wenn wir in den Kindergarten gehen! Wenn wir in den Kindergarten gehen, gehen wir vernünftig!“ Da verknoten sich einem die Darmschlingen...

16. Oktober 2011
Eines der entwürdigendsten Dinge im Rahmen der Wohnungssuche in München sind die sogenannten Mieterselbstauskunftsbögen, die einem zumindest die gesamte eigene Lebensgeschichte samt genauerster Liquiditätsangaben bis hin zu Bankdaten abnötigen. Die auszufüllenden Auskunftsbögen variieren von Mal zu Mal und gehen ab und zu ins mehr oder weniger Absurde. So etwa die Frage: „Sind Sie verheiratet?“ (anzukreuzen: ja/nein) und „wenn ja, ist Ihr Ehepartner auch verheiratet?“ Interessante Frage. Ein: „wenn ja, mit wem und wird diese Person auch einziehen; wenn ja Bankdaten und die drei letzten Gehaltsabrechnungen beilegen“ war dann aber doch nicht mehr dabei.

15. Oktober 2011
Wohnungsbesichtigungen lassen ja oft tief blicken. Aber was genau wollen einem Menschen mit einen knallorangen WC-Sitz mit der Aufschrift „Die Schwimmweste befindet sich unter Ihrem Sitz!“ mitteilen?

14. Oktober 2011
Spruch des Tages: Ein Depp mit einem Werkzeug bleibt ein Depp. (A Fool with a Tools is Still a Fool)

13. Oktober 2011
Und mein Song des Tages ist No Monkey von Wally Warning.

12. Oktober 2011
Bisher habe ich ja gedacht, die Milchstrasse sei über uns. Weit gefehlt, in München kann man sie entlangspazieren. Der Gegenentwurf zum „Coffee to go“ heißt hierzulande übrigens etwas prosaisch „Sitzcafé“, und das obwohl die Süddeutsche Zeitung schreibt, der Kaffee sei Assistent der Muse.

7 – 11. Oktober 2011
Und wieder sind einige Tage vergangen, an denen ich in erster Linie mit der Wohnungssuche beschäftigt war. Die Sprache der Anzeigen ist gewöhnungsbedürftig.
Manchmal - Stichwort: „mediterranes Hinterhofambiente“ - muß man froh sein, dass Immobilienmakler keine Dichter geworden sind. Oft sind auch die Gesetze der Physik stark gebeutelt: so etwa ist ein 25 Quadratmeterapartement über zwei Ebenen -irgendwie schwer vorstellbar.
Dann sind da die Wartezeiten, wo man in der Kälte auf der Straße vor dem jeweiligen Haus steht. Bei einem dieser Besuche ist eine Gruppe vorbeigekommen, die anscheinend eine kriminalgeschichtliche Führung durch München mitgemacht hat. Es wurde dann lang und breit erläutert, wann sich zuletzt jemand im Keller des Hauses, in dem man eventuell eine Wohnung mieten wollte, erhängt hat. An der nächsten Kreuzung wurde den Teilnehmern dann das schier unerschöpfliche Thema der Laiendarsteller und Statisten bei der Verfilmung von Pumuckl erläutert.

6. Oktober 2011
Wohnungssuche per Internet. Ich quäle mich durch blumige Beschreibungen. Großzügig angelegt sind den Anbietern zufolge prinzipiell nur Kleinstwohnungen, vulgo „lichtdurchflutete Wohnschmankerln“. Eine der heitersten Beschreibungen war wie folgt: „Die Wohnung ist in einem ruhigen, begrünten Hinterhof gelegen. Hierin befindet sich auch ein kleiner Teich. Mit Lärm ist hier nicht zu rechnen.“

30. September bis 5. Oktober 2011
Ich muß mich für die lange Pause entschuldigen. Die letzte Woche über habe ich ausschließlich gepackt, ausgemistet und mich für die Abreise gen München fertiggemacht. Was ich sehr zu meinem eigenen Leidwesen festgestellt habe ist, dass ich ein ungemeines Talent dafür habe, Verpackungsmaterialien aufzuheben. Manchmal fasziniert mich leider allein das Design einer Schachtel.
Die Ironie an meiner Reise nach München ist, dass ich mit sechs Koffern, drei Rucksäcken und einigen Taschen angereist bin, wobei ich das ganze vergangene Jahr mit einem einzigen Koffer, einer Tasche und einem Fotorucksack bestritten habe. Dummerweise ist nun quasi ein durchaus ordentlich gefalteter Hund aus jedem Dorf in einem der sechs Koffer, was zur Folge hat, dass ich auf Anhieb rein gar nichts finde. In München irritiert mich mehreres, vorrangig, dass überall Deutsch gesprochen wird, aber auch dass Dinge generell funktionieren und Sachen erledigt werden.

29. September 2011
Ich bin damit beschäftigt, Dinge auszusortieren und zu ordnen. Und wenn man Hilfe dabei erwartet muß man wahrscheinlich mit einem gewissen Maß an Sarkasmus rechnen, wie etwa, dass das Horten von Dingen unter Umständen genetisch sein kann und man nur Generation 29 in einer klaren Linie von Hamstern ist. Oder dass man Dinge „nach Art der Großmutter“ wegwerfen würde - nämlich gar nicht - und sie klammheimlich nur in eine andere Ecke gestellt hätte. Aber es ist wahrscheinlich an der Zeit die Dinge wegzugeben, in deren Taschen sich zehn Jahre nach der Euroeinführung noch 100 Lire- und Einschillingmünzen finden.

28. September 2011
Das Zeitalter der Gentlemen ist definitiv vorbei, auch in Europa, wie ich als müllentsorgende Kellerratte heute angesichts zweier neben ihrer BMW stehender Gestalten bemerken habe müssen, die an alles in der Welt eher gedacht haben müssen, als mir zur Hand zu gehen.

27. September 2011
Und wieder ist meine E-Mailadresse gesperrt. Das wird seitens des Mailboxbetreibers irgendwie zur Manie.

26. September 2011
Nun bin ich also zurück im guten alten Brüssel, wo sich alles so vertraut anfühlt. Eben habe ich gelesen, dass eine Maschine von Buddha Airlines, mit denen auch ich einen frühmorgendlichen Everestflug von Kathmandu aus gemacht habe, bei einem dieser Flüge abgestürzt ist. Leider hat niemand überlebt…
Trotzdem plagt mich - kaum angekommen - schon wieder das Fernweh. Ich muß an all die Orte und Länder denken, die ich auch besuchen wollte, zu denen ich aber aus meist zeitlichen Gründen dann doch nicht gekommen bin. Tibet, Jekaterinenburg, Odessa, Isfahan, die Mongolei, Madagaskar, Eritrea, Panama, Peru, die Galapagosinseln und Kanada fallen mir ein und noch so viel mehr...

25. September 2011
Nach zwei Paßkontrollen innerhalb von 10 Metern habe ich tatsächlich ausreisen dürfen. Erstaunlich eigentlich. Man fragt sich, welches Vergehen man sich innerhalb von 10 Metern zwischen der ersten und zweiten Kontrolle zu Schulden kommen lassen kann. Der Istanbuler Flughafen ist übrigens um 4 Uhr früh eher nicht mondän.

24. September 2011
Das Ende einer langen Reise ist gekommen und ich stehe knapp vor dem Rückflug nach Europa. Um mich am letzen Tag noch beschäftigt zu halten und mich positiv zu überraschen ist diese Webseite aus einem mir weiter nicht nachvollziehbaren Grund heute den ganzen Tag offline gewesen. Und das war noch bevor ich den kleinen Buben in seinem T-Shirt mit dem nicht ganz unpassenden Aufdruck „Großer Bruder“ gesehen habe. Ich glaube ich muß nicht erwähnen, dass neben ihm kein kleiner Bruder zu sehen war, schließlich sind wir im Land der Einzelkinder. Nicht lange darauf ist mir dann ein hamsterfarbener Pudel in knallroten und allem Anschein nach handgefertigten Lederturnschuhen untergekommen, der von seinem Herrlein von einer weißen Pudelin weggeschliffen worden ist, wogegen er, der Pudel, sich angesichts der wohl rutschigen Lederschuhe nicht wehren hat können. Der Anblick der roten Schuhe war der Augenblick, in dem ich mir gedacht habe, die Zeit nach Hause zu reisen ist wirklich gekommen.

23. September 2011
Wieder einmal ein Wort zu chinesischen Toiletten. Nachdem ich vor ein paar Tagen über die Politik der offenen WC-Türe berichtet habe (siehe Eintrag vom 17./18. September), so hat mich die Situation am Xi’aner Flughafen eigentlich kaum mehr überrascht. Dort gibt es nämlich für die einzige westliche Toilette gar keine Türe, dafür aber eine Insektenspiralle, die fröhlich vor sich hinbrennt. Man muss zur Ehrenrettung der zuständigen Flughafentoilettenarchitekten sagen, dass die Toilette nur dann einsehbar ist, wenn man direkt auf sie zugesteuert, was konkret nur dreimal der Fall war. Bei der durchschnittlichen Menge an Menschen, die einem im Weg stehen, sich vordrängen, einen anniesen, anrempeln oder sonst irgendwie ungut sind eher ein geringer Störfaktor.

22. September 2011
Eigentlich hätte der Besuch bei der Terrakottaarmee in Xi’an ja ein Highlight sein können, aber leider. Genau wie mit der UNESCO habe ich ja auch mit der ISO-9000 und fortfolgenden ISO-Qualitätszertifikatnummern seit Jahren Verständnisprobleme, um nicht zu sagen meine liebe Mühe. So sollte es eigentlich wenig überraschend sein, dass ein Museum, dass für sich einen UNESCO-Welterbekulturtitel beansprucht UND stolz sagt, vor kurzem ISO-qualitätszertifiziert woden zu sein, nicht nur ein architektonischer Alptraum ist, sondern aus allen Nähten platzt und die tausenden Menschen täglich, die meist in Gruppen durchgedrängt werden, nicht abfertigen kann. Die Funstücke der Terrakottaarmee sind überdacht, was das Gefühl, sich auf einer antiken Ausgrabungsstäte zu befinden, gelinde und irgendwie nicht besonders treffend gesagt untergräbt. Einen Lageplan gibt es nur auf chinesisch und zudem deckt er sich nicht mit dem Gelände und der überteuerte Audioguide muß für die unwichtigen Details ein anderes Museum aufgesprochen worden sein. Die Hauptfundstücke sind in unbeleuchteten, stickigen Räumen im Keller, dort aber von unzähligen, inländischen Reisegruppen verdeckt, die von laut schreienden Guides betreut und unmißverständlich aufgefordert werden, sich in geschlossener Phalanx vor fremden Touristen aufzustellen bzw sie gegebenenfalls brutal niederzurennen. Und dieser Fall tritt häufig ein.

21. September 2011
Wannimmer – und das ist selten genug - in China englischsprachige Hinweisschilder angebracht sind, kann man davon ausgehen, dass sie einen in exakt die falsche und meist dem Ziel entgegengesetzte Richtung weisen. Wenn etwa ein Hinweisschild, das einen zum richtigen U-Bahnausgang zum Lamatempel oder dem Sommerpalast weisen will, ausweist, dass einer der drei bis sechs Aufgänge der richtige ist, ist sicher, dass dies der Ausgang ist, der vom Ziel am weitesten entfernt ist. Warum?
Wieder einmal ein paar Worte zum Essen: Ich bin an einigen recht interessant klingenden Restaurants vorbeigekommen. In Shanghai etwa war neben der „Brauerei zur Boxenden Katze“ ein Restaurant namens “Funky Chicken”. Und in Peking bin ich auf ein Lokal gestoßen, dass sich “Walnußbaum im Mai – ein Restaurant mit niedrigem CO2-Ausstoß” ausgewiesen hat, etwas völlig Neues! Ebenfalls in Peking habe ich an etlichen Ständen Bienenkokoons, Schlangen, Wasserkäfer, Tusendfüßler und Seidenraupen im Angebot gesehen, allesamt sauber auf Spießchen aufgespießt und eßfertig gegrillt. Ich bin mir im Vorbeigehen mit meinem Maiskolben etwas konservativ vorgekommen...

20. September 2011
Ich wollte heute einmal einen Tag mit einem leichteren Besichtigungsprogramm einlegen und habe wieder einmal die Distanzen völlig unterschätzt. Ich war eigentlich nur beim China Central TV Gebäude und beim Sommerpalast, dafür aber acht Stunden unterwegs. Der Sommerpalast alleine erstreckt sich über eine Fläche von 3 Quadratkilometern, wobei man mit dem Material, das man beim Bau des künstlichen Sees ausgehoben hat, einen Hügel gebaut haben, der im wesentlichen das Zentrum der Palastanlage ausmacht. Ich wollte beim Rückweg eine Abkürzung nehmen und bin durch widrige Umstände im Unterholz gelandet, durch das ich mich sehr zum Leidwesen meiner ohnehin schon angeschlagenen Kleidung zurück auf die gepflasterten Alleen gekämpft habe. Meine Jeans weist nunmehr zwei Flecken jeweils über den Knien auf. Ohne die religiösen Gefühle meiner christlichen Leser verletzten zu wollen: man kann sich das in etwa so vorstellen, wie die Stigmatawunden von Jesus ausgesehen hätten, hätte er bei der Kreuzigung Jeans getragen.
Erhaltener Kommentar: Um von MARGIT zu STIGMATA zu kommen braucht man eigentlich nur ein S und ein R und einmal kräftig schütteln...

19. September 2011
Für all diejenigen, die die täglichen chinesischen Nachrichten nicht verfolgen können möchte ich auf eine der heutigen Hauptnachrichten hinweisen, nämlich dass die hiesigen Minzebauern die Regierung zu mehr Unterstützung für die Weiterentwicklung dieses kleinen, aber nicht unwichtgen Sektors auffordern.
Nachdem ich ja eine Schwäche für Soiziologue und Sprache habe, hat mich die andere Top-Story des heutigen Tages natürlich nachdenklich gestimmt. Wenn man sich den „westlichen“ Storchansatz vor Augen hält, sagt es nicht einiges aus, dass chinesischen Kindern, die nach ihrer Herkunft fragen gesagt wird, man hätte sie in Mistkübel (zu deutsch: Abfalleimer) gefunden?
Nach der Lektüre habe ich beschlossen, das Brüten über der Zeitung wieder sein zu lassen und mich unters Volk zu mischen. Leider habe ich dabei meinem eher schematischen Stadtplan zu sehr vertraut und bin stundenlang zum und durch den Beihai Park und die Gegend rund um Houhai gewandert. An touristisch-strategisch wichtigen Stellen stehen vornehmlich chinesische Stadt- oder Lagepläne. Wenn man seinen zweisprachig chinesisch-englischen Stadtplan danebenhält und sich an das beharrliche, tägliche Training der „Suchen Sie die 5 Fehler im Bild“ in der Kronenzeitung von vor 30 Jahren erinnert, merkt man, dass sich manche Dinge auch wenn man überhaupt nicht damit gerechnet hätte spät, aber doch, bezahlt machen.

17. und 18. September 2011
Ich bin tatsächlich per Bahn in Peking angekommen, habe aber beschlossen, dass ich kommende Woche nach Xi’an fliegen werde. Das Zugfahren, nun ja, was soll ich sagen. Man meint ja, von Stadtmitte zu Stadtmitte zu fahren. In Shanghai ist das Fernzuggebäude allerdings dirket neben dem Terminal für Inlandsflüge, auch gleich groß und gleich modern. Man fühlt sich wie an einem Flughafen bis auf die Tatsache, dass Bahnsteigänderungen nicht auf Englisch durchgesagt werden. Es hat auch einen Speisewagen gegeben, wo das einzig für mich Identifizierbare getrocknete, unreife Kiwis waren. Und etwas, was in einem früheren, weniger ausgedorrten Leben einmal ein Schwein gewesen sein könnte (im jetzigen Leben war es natürlich zerkleinert; Speisewagentresen sind ja nicht beliebig groß und eher nicht komplettschweintauglich).
Aber Peking! Was für eine ausufernde Stadt! Man macht sich als Mitteleuropäer ja keine Vorstellung. Die Verbotene Stadt und der Platz des Himmlischen Friedens sind Superlative und auf der Chinesischen Mauer zu stehen ist ähnlich, wie die Pyramiden zu sehen: man kennt beides von zig Bildern und Fernsehberichten, aber es dann mit eigenen Augen zu sehen, ist wieder ganz etwas anderes. Die Minggräber waren auch sehr beeindruckend.
Es gibt aber dann auch immer wieder die andere und teils leicht skurille Seite. In einem Spitzenrestaurant etwa die Aussage, es gebe keinen chinesischen Tee mehr. Ob im Restaurant, in China oder überhaupt, war leider nicht auszudiskutieren. Das einzige Angebot war Obst statt Tee. Oder die Politik der offenen WC-Türe in der Verbotenen Stadt: 20 Damentoiletten, alle besetzt, wobei aber die Türen höchstens angelehnt, wenn nicht gleich offen waren. Oder die Chinesischen und Englischen Hinweisschilder in der Verbotenen Stadt, die alle von American Express gesponsort worden sind. Dass auf der Speisekarte in einem Café in der Verbotenen Stadt „Hamburg“ im Angebot war, noch dazu recht preiswert, war auch ganz nett. Oder dass es von dem Teil der Mauer (Mutianyu), den wir angeschaut haben, eine Sommerrodelbahn hinunter ins Tal gibt...

16. September 2011
Ich bin was meinen Hang zu interessanten T-Shirtaufdrucken und Werbeslogans angeht dieser Tage wieder einmal sehr auf meine Kosten gekommen. Lipton etwa bewirbt seinen Yellow Label Tee mit dem Slogan “Drink Positive”. Ein großartiges T-Shirt zeigt Obama in Uniform als Chairman Obama. Und ein anders hat in etwa gesagt: Kleide Dich aufregend (im Sinne von „um aufzuregen“, dress to distress). Apropos: Die meisten Boutiquen hierzulande haben keine Umkleidekabinen. Man darf nicht einmal eine Jacke anprobieren. Nur die wirklichen Haute Couture Geschäfte haben eine Art Umkleideraum, meist als Vorhang, den man rund um die Kasse ziehen kann. Nachdem die Größen meist ohnehin nur bis 32 oder maximal 34 vorrätig sind, war das aber eh keine Option. Wie auch immer, es gibt nicht unwitzige Kreationen, wie etwa mit schwarzen Spitzen besetze Maouniformen.
Wie schon angedeutet ist man ohne einen kleinen Zettel mit chinesischen Schriftzeichen recht verloren, was das Auffinden von Adressen, das Bestellen von Speisen oder sonstiges angeht. Interessanterweise habe ich ohne einen entsprechenden Zettel irgendwie ein Zugticket nach Peking erstehen können. Aber das heißt noch lange nichts, noch bin ich weder im Zug, noch auf dem Weg nach Peking.
Nachdem ich in der Vergangenheit mit verschiedensten Menschen, die mehr oder weniger an dem Projekt beteiligt waren, so oft über den Transrapid (Maglev, wie er hier heißt) gesprochen habe, habe ich einfach einmal damit fahren müssen. Und so habe ich gestern zum Glück noch den 10:45-er gestern erwischt, der letzte am Vormittag, der wirklich die Spitzengeschwindigkeit von 432km/h erreicht. Der Zug legt die 30 Kilometer bis zum Flughafen in 8 Minuten zurück, verkehrt zwischen 8:30 und 17:30 und fährt nur in der Früh und am Nachmittag mit Spitzengeschwindigkeitn, ansonsten so wie bei meiner Rückfahrt „nur“ mit etwa 300 km/h – langweilig im Vergleich.
Und war es etwas Besonderes? Sicher! Nachdem ich die meiste Zeit im Fleecepulli und Schal überm Kopf eingemummt in der auf 18 Grad gekühlten U-Bahn gesessen bin, war einer der fühlbaren Unterschiede im Transrapid die gefühlten 14 Grad bei draußen 35. Ob des doch relativ hohen Preises (man kann für 7 RMB mit der U-Bahn zum Flughafen fahren oder für 50 RMB mit dem Transrapid, muss aber erst um ebenfalls 7 RMB zur Station am Stadtrand anreisen), waren auch nur wenige Menschen mit dem schnellen Zug unterwegs und mein mich sonst beständig begleitender Hauptgedank (Heans - tun Sie Sich Ihnen nicht vordrängen! ) war einmal nicht notwendig.

15. September 2011
Weil ich mir unlängst Gedanken zu den hiesigen Toiletten und den positive Aspekten des Pilatestrainings bezüglich des erforderlichen Balanceakts auf selbigen gemacht habe: Beim hiesigen McDonalds gibt es auch westliche Toiletten. Den Fußabdrücken auf den Toilettensitzen zu Folge werden diese allerdings ebenso wie die Loch-im-Boden Varianten benutzt. Ich nehme an, dass man - um die Balance unter den gegebenen und im Einzelfall sicher durchaus rutschigen Umständen zu halten - mehr als sechs Jahre Pilatestraining braucht, ja ich würde sogar soweit gehen anzunehmen, dass man dazu von Kindesbeinen an Tai Chi Stunden genommen haben muss.

14. September 2011
Wieder einmal ein paar Worte zu Speis und Trank. Ich weiß nicht, wie ich es ohne den einen oder anderen Eiskaffee (in Dosen) durch das feuchtschwüle Wetter von Hong Kong und Macao geschafft hätte. Sonderbarerweise ist das irgendwie ein Nebeneffekt meiner Ayurvedakur: ich habe das Gefühl, meine tägliche Dosis Kaffee zu brauchen. In China dreht sich alles um Tee, vornehmlich Milchtee. Im Milchtee kann dann alles mögliche schwimmen, süße rote Bohnen etwa oder Geleekügelchen. Im Shanghaier Fuxin Park habe ich dann endlich wieder einmal einen Café Latte als Eiskaffee in der Halbliterflasche gesehen. Die Flüssigkeit hat auch wunderbar nach Kaffee gerochen, aber ich schwöre, es war Milchtee. Man kann nur hoffen, dass er nicht auf Milchpulverbasis hergestellt worden ist.
Apropos Kaffee: In einem klitzekleinen Café im französischen Viertel Shanghais habe ich eines der unterhaltsameren Mißverstädnisse der letzten Tage gehabt. Nachdem mich die Kellnerin für etwa eine halbe Stunde alleine hat sitzen und auf ein Sandwich und einen Kaffee hat warten lassen und mich in der halben Stunde etwa 7 Mücken gestochen haben, war ich irgendwie redseelig. So habe ich gesagt: Es gibt bei Euch hier schon viele Mücken oder? Sie hat mich völlig entgeistert angeschaut und geantwortet: Nein, aber wenn Sie hinausgehen, geradeaus, und dann an der Kreuzung links abbiegen, DORT ist Sie sicher eine!
Und Essen, nun ja. Ich führe ja seit ein paar Tagen ein kleines Papier mit mir, auf dem, wie ich anfangs angenommen habe, steht: Diese Frau ist verrückt, sie will kein Fleisch. In der Zwischenzeit bin ich davon überzeugt, dass draufsteht: Diese Frau ist verrückt, gebt ihr Nudelsuppe! Bitte mich nicht falsch verstehen und nichts für ungut: Es gibt wunderbare Nudelsuppe in China. Aber nach ein paar Tagen wird auch die beste Nudelsuppe irgendwie eintönig. Die einzige Aufregung war, dass man mir gestern eine gute Portion Gänsemagen in die Suppe schmuggeln wollte, aber das war es dann auch wieder.

13. September 2011
Shanghai ist so, wie ich Hong Kong erwartet hätte. Am Huangpufluß, bessergesagt am sogenannten „Bund“, stehen beeindruckende Gebäude aus den frühen Jahren des 20. Jahrunderts und man kann sich wunderbar vorstellen, wie das Leben hier in den Zwanzigerjahren gewesen sein muß. Der ehemalige Observation Tower ist zu einer Bar umgebaut, von deren Terrasse man einen schönen Ausblick auf die andere Flußseite hat, wo modernste Wolkenkratzer und der nicht zu übersehende rosa verspiegelte Fernsehturm stehen. Shanghai muß ein Paradies für Architekten sein, die schiere Anzahl an ungewöhnlichen Hochhäusern ist überwältigend.
Erhaltener Kommentar: Es ist super interessant, Deine Kommentare zu lesen. Ich werde Deine Weltreise weiter verfolgen!

12. September 2011
Guangzhou ist schon eine irgendwie atemberaubende Stadt. 18 Millionen Einwohner, Hochhäuser rund um den Pearl River, wohin man blickt und Menschen, Menschen, Menschen. Ein Tag hier war natürlich viel zu wenig und wie mir Bekannte aus Österreich erzählt habem, die ich heute vor meiner Weiterreise nach Shanghai besucht habe, habe ich die anscheinend schönsten Sehenswürdigkeiten auf der Shamianinsel nicht gesehen. Na, man kann nicht alles haben.
Nachdem die Nachtzugticktes nach Shanghai ausverkauft waren und ich keiner 19-Stunden Bahnfahrt von Guangzhou nach Shanghai ins Auge sehen wollte, habe ich kurzfristig doch noch einen Flug gebucht. Und wie ich so am Flughafen stehe, stelle ich wieder einmal fest, dass – sogern ich fliege - mein Herz nicht nicht im Bahnfahren liegt.
Ich bin natürlich am alten, stadtnahen Flughafen im Westen angekommen und muß sagen, die Fahrt mit der U-Bahn zum Hotel war wesentlich weniger aufregend, als ich mir die Magnetschwebebahnfahrt ausgemalt hatte. Der Transrapid verbindet, wie nämlich nur den neuen, im Osten und weit außerhalb des Zentrums gelegenen Shanghaier Flughafen mit der Stadt...

11. September 2011
Ich habe ja lange gezögert mit der Entscheidung, ob ich nun ins Land der Mitte reisen soll, oder nicht. Und hier bin ich nun, im Land der Einzelkinder, in dem wie es scheint einerseits die Ellbogentechnik erfunden worden ist und anderseits Männer ihren Frauen die Handtaschen tragen.
Nach einem gewissen Anfangsschock ob der schieren Größe einer durchschnittlichen Chinesischen Metropole und der Anzahl an Menschen bin ich schnell wieder in die Leichtigkeit hineingekommen, die mich vor allem die letzten Wochen über begleitet hat. Eine sehr nette Diskussion mit einem Brasilianer, der sich nicht vorstellen kann, wie man in chinesischen Garküchen essen kann, habe ich dann leicht mit einem „1.3 Milliarden Chinesen können nicht irren“ abgetan.
Ich wollte die Ironie dessen, dass alles Elektronische in China gefertigt wird, man aber einfach gewisse Teile hier nicht kaufen kann nicht so stehenlassen und habe nach einigem Suchen ein passendes Kabel für meinen Computer auftreiben können.

10. September 2011
In Hong Kong ein passendes Kabel für meinen Computer aufzutreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Allein die Frage löst Blicke aus, die die nach Film für meine Kamera im Grad des Unglaubens noch übertrumpfen. Und nun geht es also nach einer Nacht und einem Vormittag, den ich mit einer „Mission Impossible“ in der Elektronik- und Elektronikschrottstraße in Kowloon verbracht habe, weiter mit dem Zug nach Guangzhou in „Mainland China“.
Jetzt bin ich wirklich auf Reisen! Elf Monate beständigen Unterwegsseins sind ins Land gezogen und heute bin ich so aufgeregt, als würde ich zum ersten Mal überhaupt reisen, wie absurd!
Der Zug selbst war bis auf die Toiletten sehr modern. Die Toiletten waren italienische/französische/türkische mit Loch direkt auf die Geleise. Wenn sechs Jahre Pilates irgendetwas gebracht haben, dann die Fähigkeit, selbst in schwankenden Zügen ohne sich irgendwo festhalten zu können über ebensolchen Toiletten die Balance zu halten und sich dabei auf eine gedachte Mittellinie zu konzentrieren, wo einen dann nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringen kann. Sehr nützlich war diese Fähigkeit auch am Wegesrand in Afrika, wo man sich oft von Horden Kindern ablenken muss, die touristennotdurftsmäßig beständig auf dem Beobachtungsposten liegen.
Gleich nach meiner Ankunft ist ein Wolkenbruch niedergegangen, der seinesgleichen sucht. Und als ich völlig durchnäßt (das Dach des Taxis war undicht) endlich eingecheckt war und mangels Strom am Laptop am Hotelcomputer meine E-Mails abrufen wollte, habe ich feststellen müssen, dass mein Account blockiert oder – wie auf dem Bildschirm zu lesen war – eventuell komplett gelöscht woden ist. Nach ein paar Klicks war dann auch alles auf Mandarin. Die Hotelangestellten sind zusammengelaufen, haben aber leider nicht adäquat übersetzen können. Ich will miemanden mit Details langweilen, aber nach einigen Stunden habe ich alles wieder irgendwie hinbekommen.
Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt gehabt habe, wollte ich ein wenig abschalten und bin aus dem Hotel hinaus, wo mich als erstes prompt beinahe ein Elefantenmensch mit einem kindskopfgroßen Gewächs am Hals (etwa fünf- bis sechsjähiges Kind) umgerannt hätte. Hinter ihm war ein kleiner Chinese in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Guten Tag“ (auf Deutsch!).

9. September 2011
Ich habe diesmal ein wenig bedachter gepackt und zum Beispiel alle Bücher bis auf die Biografie des „Devine Mad Man“ in mein Handgepäck gestopft. Insgesamt war mein Auftreten bei etwa 37 Grad Außentemperatur mit Pullover, Jacke und darüber noch dicker Jacke samt ausgestopfter Taschen etwas michelinmännchenmäßig, aber dafür habe ich ohne weiteres diesmal meine 20,9 von 20.0 erlaubten Kilo Gepäck einchecken können und wurde nicht wieder unfreundlich gebeten, die billigen Tickets von Kalibu über Manila nach Hong Kong mit Gepäckaufschlagszahlungen querzufinanzieren.
Eine letzte Massage am Flughafen von Kalibo. Neben mir ist ein Koreaner (anzunehmen aus dem Süden des Landes) im Sitzen massiert worden. Der Koreaner war voll auf sein iPad fixiert, auf dem er hochkonzentriert mit einer Maschinenpistole auf Fische in einem virtuellen Aquarium geschossen hat. Als kreuzwehgeplagter Mensch, dem eine Massage mehr oder weniger heilig ist, ist mir beim Anblick dessen nur eines eingefallen, nämlich das Zitat eines Werbeslogans einer bekannten österreichischen Versicherung: Ihre Sorgen möcheten wir haben.
Was man auf einem Flug von Philippine Airlines - die, wie erwähnt, nach wie vor unter den Spitzenreitern auf der schwarzen Liste derjenigen Airlines ist, die von der EU als nicht den internationalen Sicherheitsstandards entsprechend eingestuft werden - nicht hören möchte: Hier spricht Ihr Kapitän. Wir erleben im Augenblick - lange Pause, Krachen in der Leitung - heftige Turbulenzen. Stille.Genauso wenig vertrauensfördernd ist es, wenn die Person neben einem ein Buch mit dem Titel "Übergänge" von Ian. M. Banks liest. Bis heute war mir nur eine Rosie M. Banks bekannt, ein fiktiver Charakter in einem P. G. Wodehouse Roman.
Erhaltener Kommentar: Wunderbare Geschichten – viel Glück mit dem Laptop :-)
Erhaltener Kommentar: es hätte noch schlimmer sein können, stell Dir eine Durchsage vor wie: " Hier spricht Ihr Kapitän... Haben wir einen Mechaniker an Bord?"
Antwort: Stimmt…Was ich auch etwas bizarre gefunden habe, war die Durchsage am Ende des Fluges, nämlich dass das Mitnehmen jedweder Gegenstände wie etwa der Decken nicht nur verboten sei, sondern ein schweres Verbrechen darstellt. Man stelle sich vor, wegen einer unrechtmäßig akquirierten Flugzeugdecke in einem philippinischen Gefängnis zu landen...

8. September 2011
Ich komme wieder so richtig in dieses Inselfeeling hinein, bewege mich im Umkreis von wenigen hundert Quadratmetern - Baeckerei, Waescherei, Strassenverkehr beobachten vom Frühstueck im Cafe aus, Zimmer, Pool, Strand, Massage am Strand, mit Buch zum Cocktail zur Happy Hour, Abendessen nicht zu weit entfernt - und lasse den Herrgott einen guten Mann sein.

7. September 2011
Wer hätte sich gedacht, dass einem alle sechs Monate ein Laptopladekabel eingehen kann? Ich habe über 10 Jahre verschiedenste Laptops derselben Marke benutzt und nie ist ein Adaptor eingegangen und seit dem Wechsel nun innerhalb eines Jahres schon zwei. Auf der ganzen Insel ist leider kein entsprechendes Kabel aufzutreiben...
Als ich gestern Abend vom Essen zurueckgekommen bin, waren etwa 20 Ameisen in und auf meinem Bett. An andere Tier gewohnt - ich erinnere an Hunde in Mexiko und Chile, Schweine in Burma (gut, beides nicht IM Zimmer), eine Riesenspinne in Thailand, diverse Kakerlaken in Singapur oder die regelmässigen Froschbesuche in Sri Lanka - bin ich überraschend ruhig ans Werk gegangen, habe sie beseitigt um dann nach jedem Absatz in meinem Buch wieder zwei neue zu entdecken. Die Diskussion mit dem Nachtportier, ob die nämliche Sorte Ameisen nun bissig oder völlig harmlos ist, ist, wie sich der geneigte Leser wird vorstellen koennen, von meiner Forderung nach einem anderen Bett in einem anderen Zimmer im Keim erstickt worden. Dort - ameisenfrei - waren dann zwar die koreanischen Karaokekuenstler noch zu hören, allerdings wesentlich weniger aufdringlich und ich somit wieder sehr zufrieden.
Nachdem es heute leider geregnet hat, habe ich mich in die Hände der lokalen Frisörin begeben. Die obligaten Hochglanzmagazine waren aus dem Jahr 2001 und daher nicht mehr besonders glänzend, der Waschtisch ein umfunktionierter Liegestuhl vor einem Kaltwasserwaschbecken und sämtliche Spiegel blind. Der Sohn des Hauses ist immer wieder zwischendurch barbrüstig aufgetaucht, um mit seiner Mutter im Duett bei Radioschnulzen mitsingen zu können. Später hatte er dann ein T-Shirt mit dem Aufdruck "I have issues" (etwa: Ich hab einiges an Themen/Problemen) an. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
Heute Abend bin ich nun wieder im ursprünglichen Zimmer mit nur einer Ameise, die sich gut in Schach halten lässt. Dass mir ein Wurm beim Duschen zugesehen hat, habe ich schon fast nicht mehr registriert.
Erhaltener Kommentar: Dein Blog ist täglich spannend, und besonders interessant fand ich wieder einmal Deine philosophischen Anmerkungen über Sushi am 31. August. Appetitliche Gelegenheiten, Butterfisch, Reisbällchen, huh, Deine metaphorishe Bildsprache ist wieder mal köstlich, auch wenn ich nicht alle Versuchungen immer realen Ereignissen zuordnen konnte. Aber vielleicht willst Du das auch gar nicht. ;-)

6. September 2011
Um den koreanischen Touristenmassen am White Beach zu entgehen, habe ich mich per pedes zum Puka-Strand ganz im Norden von Boracay aufgemacht. Obwohl die Insel nur neun Kilometer lang und an der engsten Stelle einen Kilometer breit ist, habe ich natürlich einiges unterschätzt: ich bin nicht direkt von der Mitte aufgebrochen sondern südlich davon; die Strasse windet sich und ist hügeliger, als man meint; Flip-Flops sind nur bedingt langstreckentauglich und auch an einem bedeckten Tag kann so ein Unternehmen mit Fotorucksack recht schweißtreibend sein. Nach fast drei Stunden zähen Marsches und etlichen wenig ermutigenden Einheimischenkommentaren -unisono "Puka Beach, oh, das ist so weit weg!" - bin ich dann aber schlußendlich angekommen. Retour im Tricycle - einem Moped, das zur Rechten ein Passagierhäuschen fuer bis zu 6 Personen hat - war ich dann in 20 Minuten und bin noch rechtzeitig vor dem Beginn der Cocktail Happy Hour im Nachbarhotel zur Erfrischung förmlich in den Pool kollabiert. Alles nur eine Frage des richtigen Timings. Außer mir sind in meinem Hotel übrigens noch eine koreanische Familie und ein koreanisches Freundespaar Ende Zwanzig untergebracht. Letztere sind heute um 5h morgens laut grölend und obwohl nebeneinander hertrottend doch nacheinander rufend nach Hause gekommen und waren etwas perplex, von mir im Pyjama etwas brüsk zurechtgewiesen zu werden. Wir ignorieren uns seither.

5. September 2011
Aus mysteriösen Gründen hat mein Koffer mit einem Mal 24,8 Kilogramm und Philippine Airlines hat mir tatsächlich 10 Kilo Übergepaeck verrechnet, da ich angeblich einen Flug nach Boracay zu Sonderkonditionen und mit nur 15 Kilo Freigepäck gebucht habe. Als ich meine angeblich fast 25 Kilo aufs Band gestellt habe, waren zwischen meinem Koffer und der Schalterwand unglücklicherweise die Finger des unfreundlichen Check-In-Menschen...

4. September 2011
Gestern bin ich der Empfehlung meines Reisehandbuchs gefolgt und war auf der Suche nach einem der dort empfohlenen Restaurants. Schlußendlich habe ich es auch gefunden, was allerdings in den spärlich beleuchteten Straßen der Touristenzone nicht einfach war. Zum einen werden die Gehwege, wo es sie denn gibt, von schlafenden Obdachlosen belegt, die man meist erst im allerletzten Augenblick sieht oder erst dann bemerkt, wenn sie einen wie einen alten Bekannten grüßen. Der Rest ist irgendwie eine laute Freakshow. Kleinwüchsige werden von Karaokebars beschäftigt, um vor der Türe auf Barhockern sitzend Kunden anzulocken. Die meisten anderen Etablissements haben spärlich bekleidete Damen draußen vor der Türe, andere wiederum beschäftigen Transvestiten. Vor einem Club habe ich sogar einen blinden Transvestiten gesehen, der in einem seinen Augen farblich entsprechenden weißen, engsitzenden Kleid vorgeführt wurde. Zum Glück hat mein Reisehandbuch die Situation sehr treffend so zusammengefaßt: Man solle mit Massagen vorsichtig sein, denn unter Umständen würde man dann doch mehr bekommen, als man eigentlich wollte. Überhaupt scheint Nebensaison zu sein. Außer mir habe ich eigentlich keine Touristen ausmachen können, von den paar Nerds im Hotel, die ihre Katalogfrauen samt grimmig dreinblickenden Schwiegereltern bereits haben, einmal abgesehen.
Heute habe ich dem schlauen Buch eine andere Restaurantempfehlung entnommen.. Der einzige Gast im “Happy Veggie” war eine Dame an die siebzig in einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Rettet die Eisbären“. Sie hat irgendwie auch den Eindruck erweckt, kürzlich die nebenan angebotene Haarkur „Milchverbindung“ hinter sich gebracht zu haben – nicht, dass ich genau wüßte, was das eigentlich hätte sein sollen. Kurz, nachdem ich Platz genommen habe, ist ein Huhn am Restaurant vorbeimarschiert, anscheinend ein wenig abgeschreckt von dem großen Schild mit der Aufschrift: „Fleischprodukte sind hier nicht erlaubt“. Ich habe mich dann aber doch gefragt, wie es das „Beefsteak“ auf die Karte geschafft hat. Unter Umständen für die Vegatarier, die dann doch ab und zu die Fleischeslust packt?
Vor dem Restaurantbesuch habe ich mich in einem sogenannten Jeepney, einem überlangen, jeepähnlichen Gefährt, dem Lokalbus hier sozusagen, gen Divisoriamarkt und Chinatown aufgemacht. Das Hotelpersonal hat mir vom Marktbesuch eher abgeraten. Der Markt sei zu groß, ich würde mich sicher verlaufen. Oder zumindest würde mir jemand die Tasche stehlen. Nichts von alldem ist passiert, dafür hat der Jeepney einen Unfall gebaut und ist in einen Milchtransporter gekracht, zum Glück bei etwa 5km/h. Trotzdem bin ich unglücklicherweise auf den neben mir sitzenden, dürren Alkoholiker gefallen, was insofern unangenehm war, als es nicht nur eine harte Landung war sondern mir auch zusätzlich bestätigt hat, dass alle Alkoholiker weltweit gleich unangenehm riechen.
Erhaltener Kommentar: Guter Blog-Eintrag! Wohin geht es als nächstes?

3. September 2011
Ich muss zugeben, dass es etwas beunruhigend war, mit einer Airline zu fliegen, die in der EU auf der schwarzen Liste der Luftfahrtunternehmen steht, die mangels ausreichender Sicherheitsstandards nicht landen darf. Nichtsdestotrotz hat mich die nämliche Fluglinie gestern - so weit ich das beurteilen kann - sicher, pünktlich und samt Gepäck nach Manila gebracht. Die einzigen Anomalien waren eine Durchsage, dass aufgrund nationaler philippinischer Sicherheitsstandards nicht nur das Rauchen, sondern auch das Rauchen „elektronischer Zigaretten“ (was immer das auch sein mag) verboten sei. Darüber hinaus servieren die Stewards und Stewardessen von der gefühlt falschen Seite aus. Wo andere Airlines meist von A nach F servieren, also von rechts nach links von seiten des Servierwagens aus gesehen, wird hier von F nach A serviert, was einen auf einem A-Platz sitzend etwas aus dem Gleichgewicht bringt. Meiner Beobachtung nach zufolge zählen die Filipinos aber auch von links nach rechts wenn sie ihre Finger zum Zählen heranziehen, beginnend mit dem linken kleinen und endend mit dem rechten kleinen Finger. Seitens Philippine Airlines dürfte man übrigens mit Europa kein Problem haben; man fliegt sogar Airbus.
Der Taxifahrer, der mich zum Hotel gebracht hat, war aus welchem Grund auch immer, nicht davon abzubringen, dass ich aus der Türkei stamme. Nachdem er sich als Arnold, „wie Arnie Schwarzenegger“, vorgestellet hat und ich selbigen als Landsmann identifiziert habe, war er etwas irritiert. Arnie ein Türke? Er hat dann sofort das Thema gewechselt und gefragt, ob wir - in der Türkei - denn viel über die Philippinen in den Medien hören. Ich war irgendwie froh, dass er meine Antwort „nein, außer ein Flugzeug stürzt ab, eine Fähre sinkt oder Manila führt wieder einmal im Ranking derjenigen Städte mit den meisten Morden, dann nicht“ nicht ganz verstanden hat.

2. September 2011
Bevor ich die Fähre retour nach Hong Kong genommen habe, bin ich noch mit dem Bus nach Taipa gefahren. Auf dem Rückweg bin ich beim A-Má Tempel ausgestiegen, wo ich gestern Menschen Papiergeld, glänzende papierene Goldbarren, sehr schöne Papierschuhe und vieles andere verbrennen habe sehen. Nachdem ich weder die internationale Geste für “Papierfalschgeld zum Verbrennen”, noch die lokale in Macau gängige Variante kenne, ist mir meine unter einem 20-Hong-Kong Dollar Schein zündelnde Geste als Kaufgebot für folgende Waren ausgelegt worden: ein Feuerzeug, Räucherstäbchen, eine riesige, rosafarbene Kerze in Form einer Lotusblüte und schließlich, nach weiterem Gestikulieren meinerseits und Gelächter auf Seiten des lokalen Mönchs und seiner zahlreichen Gehilfen dann für wirkliche Papierscheine, ausgegeben von der „Bank of Hell“, der Bank der Hölle. Ich habe sie auf Anweisung der Umstehenden unmittelbar nach dem Ankauf einzeln in einem Ofen neben dem Tempel verbrannt. Meine verstorbene Oma dürfte nun wieder flüssig sein und einiges an Spielgeld zur Verfügung haben.

1. September 2011
Macao ist viel echter und unrsprünglicher als Hong Kong, wo nichts, aber auch gar nichts an die Kolonialgeschichte erinnernt. Die Hedonistin in mir freut sich natürich über Pasteis de Belem/Nata. In Macao fühlt man sich teilweise wie in Lissabon oder Porto, was fehlt, sind die kleinen Kaffeebars an jeder Ecke, die einem zu den Pasteis de Belem einen starken Espresso machen. Trotzdem gibt es dieselben hochglänzenden elfenbeinfärbigen und grauen Pflastersteine, wunderschöne alte Gebäude und auch der Casinobezirk hat etwas Würdevolles - im Vergleich zu Las Vegas ist er würde ich sagen unaufdringlich. In diesem Sinn bin ich froh, nicht nur für einen Tagesausflug hierhergekommen zu sein.
Eines der Casinos ist in einem riesigen Gebäude in Form einer Lotusblüte untergebracht und hat angeblich einen Preis im Rahmen der fünfzig bizarrsten Gebäude der Welt gewonnen. Es hat etwas Anziehendes, einen wirklichen Spieler dabei zu beobachten, wie er eine riesige Summe verliert und dabei wirkliche Größe zeigt.

31. August 2011
Ein paar Worte zum Essen: Nach zwei Abenden am Band vom Running Sushi-Lokal gegenüber meines Hotels habe ich gestern gedacht, es wird Zeit für etwas ganz Neues. Und so habe ich mich bei anderen Etablissements schlau gemacht, die folgendes unter den vegetarischen Gerichten auf der Karte hatten: Schweinevorderhaxen mit rötlichem Tofureis, Hühnersuppe, betrunkene Ochsenzunge, frittierte Schweinsinnereien und betrunkene Ziegenleber. Für drei Dollar zusätzlich hätte man „heißes oder kaltes Cola mit Zitrone oder Milch“ haben können. Man stelle sich vor, wie betrunkene Ziegenleber mit heißem Cola mit Milch schmecken würde.
Ich war dann doch wo anders und habe ein Menü bestehend aus Suppe und Pomfretfisch bestellt. In der klaren Suppe ist die Art von Riesenknochen geschwommen, vor der mir schon als Kind beim Fleischahcker gegraust hat. Der Fisch war auf der eher sehr schlanken Seite und ich habe all die Feinmotorik, die ich mir über die Monate in Asien hinweg aneignen mußte gebraucht, um ihm mit den Stäbchen das wenige Fleisch von den Rippen/Gräten zu kratzen. An der Fischoberfläche waren süße Klumpen und wie schon die Oma gesagt hat, man weiß eh nie genau, wovon man dick wird.
Und so bin ich am letzten Abend natürlich wieder retour beim Sushirestaurant meiner Wahl und denke über das Leben an sich nach. Manchmal ist ja das ganze Leben wie Running Shushi. Man muß geduldig warten, bis wieder einmal etwas für einen dabei ist und die nächste appetitliche Gelegenheit vorbeifährt. Und hat man sie dann beim Schopf/Tellerchen ergriffen kommt bestimmt etwas nach, was noch besser aussieht. Nicht alles ist Butterfisch, was glänzt. Das meiste ist dann doch nur dekorierter Reis und wie schon Hader als Bösel im Film „Indien“ so treffend gesagt hat: „ich bin in dem Sinn ja kein Beilagenesser“. Trotzdem fragt man sich dann von Zeit zu Zeit, ob der neben einem nicht ein größeres Reisbällchen hat. Manchmal machen Dinge die Runde, von denen man denkt, es gibt sie nicht. Dann führen einen Dinge in Versuchung und man ist gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Manches lauert um die Ecke und nähert sich unbemerkt und ganz langsam an, manches entfernt sich ganz unmerklich wieder.

30. August 2011
Alten Bildern zufolge muss Hong Kong früher einmal eine wunderschöne Stadt gewesen sein. Ich bin mit völlig anderen Erwartungen gekommen und habe angenommen, eine Mischung zwischen alter, englischer Kolonialarchitektur, modernen Gebäuden, chinesischen Geschäften und vielen, vielen Schneidern zu finden. Die Wirklichkeit ist so ganz anders. Die alten Gebäude haben allesamt neuen weichen müssen und selbt am Peak, dem Hausberg stehen keine feudalen alten Villen sondern Wolkenkratzer. Hong Kong ist heute wohl DAS Shoppingparadies und eine so freie Marktwirtschaft, dass sogar die Preise in ein under derselben Supermarktkette von Geschäft zu Geschäft variieren. Sehr sonderbar. Was Kleidung anbelangt hae ich keinen einzigen Schneider entdecken können, sondern nur prêt-à-porter Geschäfte, die vielfach allerdings nicht erlauben, dass man die Sachen anprobiert. Und so sind dann auch viele Menschen gekleidet.

29. August 2011
Nun habe ich auch Kowloon auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens durchwandert. Und wo ich schon einmal dort war, habe ich mir gedacht, ich schaue gleich einmal am Bahnhof vorbei. Im Moment bilde ich mir ein, unbedingt mit dem Zug nach China fahren zu wollen. Dabei fahre ich ja eigentlich nicht gerne Bahn, aber nun ja. Der Bahnhof ist natürlich riesig und ich bin im falschen Geschoß am U-Bahnschalter gestanden und wollte dort ein Ticket nach Shanghai lösen. Man kann sich das Gesicht des Menschen auf der anderen Seite des Schalters vorstellen. Wie alle war aber auch er sehr, sehr freundlich und hat mich eine Etage höher geschickt. Vor meinem geistigen Auge habe ich die Situation hypothetisch in Wien nachgestellt. Man stelle sich vor, so etwas passiert einem Touristen sagen wir einmal in Hütteldorf. Ich nehme an, die Reaktion wäre etwa „ich bin ja net der Kaiser von China“. Was in Kowloon auch sehr interessant war ist, dass es dort einen Goldfischmarkt gibt. Man macht sich keine Vorstellung davon, in wievielen Formen und Farben Goldfische vorkommen. Für goldfischaffine Menschen lohnt sich eine Reise nach Hong Kong allemal. Nebst Goldfischen gibt es weiters zu kaufen: eine erkleckliche Anzahl von Katzen (auch goldfischfarben, der Goldfischschwund würde mich interessieren), Schildkröten, Hamstern, Hunden, kleinen Meeresschlangen, Hasen und Fröschen, die gerade übers Kaulquappenstadium hinaus sind – ich kann hierüber mittlerweile mit einer gewissen Autorität sprechen.

28. August 2011
Heute habe ich mir die westliche Innenstadt von Hong Kong angeschaut. In der Gegend rund um die Hollywood Street gibt es etliche Antiquitätengeschäfte. Viele verkaufen riesige, aus Elfenbein geschnitzte Skulpturen. Manchmal sind es ganze Märchenlandschaften, manchmal Kriegsszenen. Ein paar Straßen weiter wird so ziemlich alles an getrockneten Meeresbewohnern verkauft, was man sich nur vorstellen kann. Getrocknete Seegurken in allen Größen, getrocknete Shrimps, schwarzes, haariges Seemoos, aber auch getrocknete Seesterne in der praktischen Zehnerpackung. Zwischendurch werden immer wieder auch ausgelöste Walnüsse und Cashewkerne angeboten, ganz nach dem Motto, der intelligente Kunde weiß, worauf zu achten ist und kann nach dem was-gehört-hier-nicht-dazu-Prinzip kleine getrocknete Seegurken von Cashews unterscheiden. Pilze sind eine weitere lokale Delikatesse und können selbst getrocknet jede Form, Farbe, Größe und Konsistenz haben.

27. August 2011
Heute habe ich das mit den Massagen einmal bleiben lassen, nachdem eines der vielen Massageinstitute sein „Fire Treatment“ beworben hat und ich mich nicht näher auf die Diskussion einlassen wollte, worum es sich dabei eigentlich genau handelt. Stattdessen habe ich die östliche Innenstadt rund um Causeway Bay erkundet. Die schiere Masse an Menschen und Einkaufsmöglichkeiten ist erdrückend. Es gibt hier wohl nichts, was sich nicht erwerben läßt. Mit dem Essen ist es allerdings schwierig. Entweder gibt es nur chinesische Speisekarten oder zwar auch englische, dafür aber ist vieles Definitionssache. So war etwa mit Fleisch gefüllter Tofu in einem Lokal unter den vegetarischen Gerichten gelistet.
Nachdem ich zum Abendessen mit Blick auf die Hong Konger Skyline in Kowloon gewesen bin und anschließend mit der Star Ferry wieder auf die Hauptinsel übergesetzt habe, hat mich knapp vor Mitternacht eine Gruppe Polen darauf angesprochen, wo denn die besten Bars zu finden seien. Beunruhigenderweise habe ich ihnen Auskunft geben können.

26. August 2011
Was ich bisher von Hong Kong gesehen habe, beeindruckt und erschlägt mich fast. Es fahren Doppeldeckerbusse und Doppedeckertramways durch die Stadt, jeder Zentimeter scheint genutzt, und Lindor Kugeln, Ritter-Sport Schololade und Nutella werden mehr oder weniger Seite an Seite mit gebratenen, glasierten Enten, Hühnern und anderem Getier (Hunden?) angeboten.
Gleich nach der Ankunft in Hong Kong habe ich mich zum Chinesischen Konsulat aufgemacht, um ein Visum für „den Rest von China“ zu beantragen. Allen Schauergeschichten zum Trotz dauert die Standardprozedur genau 4 Werktage und scheint trotz siebenseitigem überaus neugierigem Formular sehr professionell und effizient zu sein. Das ganze kostet dann auch genau den auf der Konsulatsinternetseite angegebenen Preis und somit etwa um das fünffache weniger als was mir mein Hotel gerne dafür verrechnet hätte.
Um die Kur nicht gleich ganz so abrupt enden zu lassen, habe ich mich abends noch massieren lassen. Mir war noch immer leicht übel, da ich beim Abendessen die meditative Wirkung von Running Sushi überschätzt bzw das Anstarren der vorüberfahrenden Reisteilchen übertrieben habe. Und ohne einen Fünfliterkanister Wasser in der Hand schaue ich wahrscheinlich auch seriöser aus. Wie auch immer, die Fleischhackerin hat versucht, Beuschel (Lunge) und Schleugel (Keule) vom restlichen Körper zu trennen und mit dem Ellbogen den Ischiasnerv freizulegen.

25. August 2011
Leider ist die Kur auf Sri Lanka viel zu schnell wieder zu Ende gegangen. Ich habe meinen Buddha übrigens treuen Handen übergeben und so hat er sich selbständig gemacht. Er reist privat nach München und legt dabei einen kurzen Stop in Dubai ein. Mein Koffer hat trotzdem wieder 21,8 Kilo, was soll ich dazu sagen. Die Reise geht nun also weiter und wieder einmal wäre ich beinahe unter falschem Namen abgereist und in weiterer Folge als Mister Magoswalati in Bombay gestrandet. Den entsprechenden Boardingpaß hatte ich schon in der Hand. Irgendetwas hat es mit Indien, das ich heuer ja bewußt nicht bereise auf sich. Sogar das Horoskop im Fluglinienmagazin wollte mich auf längere Aufenthalte in Delhi und Mumbai festnageln. Das liegt wohl daran, dass ich ständig mit dieser indischen Fluglinie unterwegs bin, in der jedes Gericht und sogar jedes Sandwich so mit Chilli durchtränkt ist, dass es einem die Sinne vernebelt, man seinen eigenen Hauch sehen kann und meist verzweifelt um Wasser jammert. Kein Wunder, dass sich auch die Mitarbeiter schlecht konzentrieren können. Apropos Fluglinienmagazin. Wie man Märchen doch mißverstehen kann – Hänsel und Gretel wurde dort als eines der appetitanregendsten Märchen überhaupt beschrieben (Stichwort Lebkuchenhaus), wobei die Tragik der Gefangennahme, des Knöchleins und der generellen Grausamkeit der Hexe leichtfertig unter den Teppich gekehrt wurden.
Indien ist, auch wenn ich wie gesagt diesmal nur den Flughafen von Bombay zum wiederholten Male gesehen habe, auch dort anders. Es verwundert einen einfach, wenn es „Mein Kampf“ erstens in einer Neuauflage zu kaufen gibt und dann noch im Kombiangebot mit einer Verfilmung auf DVD zum Schleuderpreis. Und gleich daneben eine skurille Reihe von Büchern mit den Titeln: Hühnersuppe für die Seele, Hühnersuppe für Indische Lehrer, Hühnersuppe für Indische Frauen, Hühnersuppe für die Seele der Indischen Braut, Hühnersuppe für Indische Väter, Hühnersuppe für die Indischen Streitkräfte (!),Hühnersuppe für die Indische spirituelle Seele und zu guter Letzt: Hühnersuppe für die Indische goldene Seele. Ich habe vom Ankauf aller vorgenannten Titel Abstand genommen und mir stattdessen einen guten britischen Roman von P.G. Wodehouse vergönnt.
Und nachdem ich seit Tagen „Du Bist Die Blume aus dem Gemeindebau“ vor mich hinsinge hätte ich dann auch fast noch den Anschlußflug nach Hong Kong verpaßt, weil ich ganz glückselig einer Aufnahme bei YouTube gelauscht und dabei beinahe den lezten Aufruf überhört hätte.

24. August 2011
Und was habe ich sonst - außer zu kuren - in der Münchner Enklave in Hambantota im Süden Sri Lankas eigentlich noch gemacht? In erster Linie habe ich Zeit mir interessante Menschen verbracht, wobei mir auch wieder einmal ganz deutlich vor Augen getreten ist, wie sehr ich Charisma und Authentizität schätze und genieße. Viele gute Gespräche also und interessante Strandspaziergänge.
Apropos Strandspaziergänge. Ich bin ich ja recht gut darin, schlecht zu sehen. So entgehen mir Fischer in traditionellen Holzbooten, auch wenn sie noch so farbenfroh gestrichen sind und ich muß mich auf die Berichte von anderen verlassen, die anscheinend im Detail Dinge wahrnehmen, die mir verborgen bleiben. So habe ich dann natürlich auch den lokalen Exhibitionisten übersehen. Die Umstände waren insgesamt auch nicht gerade ideal. Sonnenuntergangsstimmung und eine durch Salzwasser und Sand verdreckten Brille haben das ihre getan und mich etwas verdattert stehenbleiben lassen, als meine Spazierweggefährtin den Betreffenden filmreif zusammengebrüllt hat. Zu dem Zeitpunkt war der anscheinend zuerst offene Sarong allerdings schon beschämt wieder geschlossen, zur Anatomie des Betreffenden kann ich also leider nichts näheres berichten.
Gelesen habe ich relativ wenig, außer einen sehr unterhaltsamen alternativen Reiseratgeber namens „No Shitting On The Toilet“, ein sarkastischer Ratgeber für Situationen, in denen man wirklich nicht mehr weiter weiß und jede Sekunde davon trotzdem genießt. Durch einen Mobbyingratgeber, in dem niemand gemobbt worden ist und der somit eine klassische Themenverfehlung war habe ich mich gequält und an seichter Literatur gibt es auch genug, ich nenne nur einen Titel, dem glaube ich nichts hinzuzufügen ist: Ich trink Ouzo, was trinkst Du so.

22. und 23. August 2011
Ausflüge zum größten und heiligsten srilankesischen Pilgerort Kataragamatempel und zum verwunschen wirkenden Dschungeltempel Mandunagala.

21. August 2011
Kein Wunder, dass das Hotel hier Oasis heißt. Es ist umgeben von einem schönen, einsamen Strand mit einer wilden Brandung und einer Lagune mit Mangroven und vielen Süß- und Salzwasserkanälen. Aus meinem heutigen eher unambitionierten Vorhaben, zehn Minuten am Meer zu sitzen und hinauszuschauen ist ein Mörderspaziergang mit dem Fischer Limahl geworden, bei dem wir mangels gemeinsamer Sprache in stummer Zweisamkeit durch die Backwaters gewatet sind. Manche Kanäle waren hüfttief und nach Einbruch der Dunkelheit haben wir einander dann abwechselnd aus dem knietiefen Schlamm gezogen. Ich wollte manchmal gar nicht zu genau wissen, was mir zwischen den Zehen quietscht. Das letzte Stück war dann ein unwegsamer Pfad durch Dornenhecken. Meine Mitreisenden haben mich schlammverkrustet eintrudeln sehen was mir dann auch promt folgenden Vergleich beim Abendessen eingebracht hat„... und damals in woauchimmer haben wir bei bei dem und dem Amt vorgesprochen und waren dabei so dreckig wie Du immer...“.

18. – 20. August 2011
Mittlerweile bin ich ja im Froschfang geübt. Kleinere Frösche fange ich in Briefkuverts, die ich dann mit an die Rezeption nehme und dort dem erstbesten Angestellten aushändige. Gestern bin ich über mich hinausgewachsen und habe ein großes Exemplar in einer Teetasse samt passender Untertasse gefangen. Der Kellner im Restaurant hat gemeint, ich würde ihm eine unbenutzte Tasse retourbringen und hat etwas konsterniert reagiert, als ich ihm erklärt habe, dass es sich eigentlich um einen Frosch handle und er vorsichtig hineinspähen solle. Einen dritten Frosch habe ich wieder einmal weit von der Terrasse geworfen. Mittlerweile werde ich allerorts bereits gefragt, warum ich nicht zum Kuß schreite oder einen einmal gegen die Wand werfe. Aber solange sie nicht sprechen...
Erhaltener Kommentar: Frösche scheinen Dich irgendwie zu mögen, Du sie aber weniger. Hmm...
Erhaltener Kommentar: Nach diesen schönen Bildern und Schilderungen möchte ich mich liebend gerne als Frosch in Deinem Zimmer einnisten. In der Hoffnung als erster die Froschkönigverwandlung vollziehen zu können und die Ayurvedakur noch positiv zu unterstützen...

15 – 17 August 2011
Die Zeit vergeht hier auf Sri Lanka leider wie im Fluge. Ich mache meine Kur, gehe zu den diversen Behandlungen, genieße die Massagen, das Rauschen und die wunderschöne Aussicht auf das rauhe Meer in Hambantota. Die Rücken- und Nackenschmerzen der letzten Jahre kommen voll zur Geltung, alles tut mir weh, aber ich bin guter Dinge, dass mir die ayurvedischen Massagen und Behandlungen helfen werden zumindest einen Teil hierzulassen. Gestern habe ich einen Ausflug zu einem nahegelegenen Udawalhawe Nationalpark mitgemacht. Der Park hat eine große Ruhe ausgestrahlt und der Jeep hat in Mitten einer großen Elefanenherde anhalten können. In der Herde waren auch einige erst zwei Wochen alte Elefantenbabies. Die Stimmung und die Weite im Park waren wunderbar, auch die vielen Wasserbüffel, Pfaue und grünen Papageien und die großartige Seenlandschaft.
Froschseitig gibt es natürlich auch Neues. Ich bin gefragt worden, ob ich mich schon durchgerungen habe, den Frosch zu küssen umherauszufinden, ob es sich um den Märchenprinzen handelt oder ob der Frosch als solcher nun doch zu ungustiös war, um ebendies auch nur in Erwägung zu ziehen. Nun, mittlerweile sind es ja drei Frösche, die sich mit mir die Villa teilen. Einer springt mich immer an, wenn ich abends heimkomme und das Licht aufdrehen möchte. Der andere, ursprünglich an der Toilenttenwand heimische ist in der Zwischenzeit auf riesige Dimensionen angewachsen und lebt nun in der Toilette, weigert sich beständig, hinuntergespült zu werden und hat mir dadurch nebst dem Küssen auch den Weg zur Toilette verleidet. Der dritte und kleinste war dann aber langsam genug, um sich von mir fangen und hinauseskortieren zu lassen.
Erhaltener Kommentar: Ich habe mich köstlich unterhalten über deine Froschbegegnungen (erinnert mich auch an den berührungsvollen Schweinekontakt in Burma). Bei dieser forschen Seßhaftigkeit habe ich das Gefühl, dass ein Märchenprinz dabei sein muss. Aber wer die Wahl hat, hat die Qual. Viel Erfolg beim Casting und einen guten Kurverlauf!

12. August 2011
In meiner „Villa“ haust hinter der Toilettenschiebetüre ein kleiner, gelblich-weißer Frosch. Er klebt an der Wand und ist bereits in der ersten Nacht auf wundersame Weise auf das Doppelte seiner ursprünglichen Größe angewachsen. Am zweiten Abend ist er vorwitzig vom Deckenventilator abgespungen und hat sich danach im Zimmer breitgemacht, bevor er sich wieder auf den angestammten Wandplatz zurückgezogen hat. In der dritten Nacht hat er die Toilette für sich eingenommen und sich partout nicht hinunterspülen lassen.
Erhaltener Kommentar: Villa, Tropen, Massagen und ein Frosch. Was kann man sich eigentlich noch mehr wünschen? Ich muß sagen, ich fange an, Dich zu beneiden, auch wenn das Wetter hier in Toulouse auch sehr gut ist.

11. August 2011
Der weise Spruch einer weisen Großmutter: Neid muß man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt.

10. August 2011
In meinem Kurhotel hier gibt es normale und Superiorzimmer und eine einzige – von mir angemietete - Hütte, gennant Villa oder Kabana, die ausschließlich nach aurvedischen Gesichtspunkten gebaut ist. Das bedeutet im wesentlichen, dass es sich um einen allein und etwas abseits stehenden sechseckigen Bau handelt, der einem der vielen Garagenbaupläne meines Vaters alle Ehre machen würde. Das Gebäude hat ein Badezimmer, das im Freien an einer der sechs Kanten anschließt, ansonsten ist das Häuschen aber zwecks Luftzirkulation nach allen Seiten mittels abgeschrägter Fensterbalken und einem Ziwschenraum zwischen Mauern und Dach offen. Würde man im Inneren eine Windmühle aufstellen, könnte man wohl das ganze Resort günstig mit Strom versorgen. Ich schlafe also trotz eingeforderter Abdichtung eingemummt in eine Decke mit Fleecepullover, Schal und Mütze, was man sich im tropischen Gebiet einmal vorstellen muss.

9. August 2011
Ich bin im Süden von Sri Lanka auf Ayurvedakur, meiner dritten Kur seit 2004. Im wesentlichen läßt sich die Kur so zusammenfassen, dass man ein profundes Verständnis dafür erwirbt, wie sich eine durch Zufall überlebende Ölsardine vor dem Schließen der Dosen fühlen muß, wobei ich damit lediglich das Gefühl des runum Eingeöltseins ansprechen möchte. Anfangs werden einem sitzend etwa zwei Handvoll Öl in die Haare geleert, wobei das Ziel der anschließenden Kopfmassage darin bestehen dürfte, auch wirklich jedes profund eingeölte Haar mit jedem anderen zu verknoten.

8. August 2011
Unterwegs nach Sri Lanka wo ich wahrscheinlich für die kommenden 16 Tage keinen Internetzugang haben werde!

7. August 2011
Phnom Penh erinnert mich an Indien. An den touristischen Plätzen sieht man bettelnde, Mütter mit ihren Babies, Menschen mit schlimmen Augenkrankheiten, Landminenopfer, Menschen ohne Gliedmaßen, die als Torso bettelnd am Gehsteig humpeln bis sie jemand, nachdem sie alle Tische der Restaurants und Bars, die mit Happy Hour für „Cooktails“ werben, abgeklappert haben, aufhebt und in einem Rollstuhl davonschiebt. Straßenkinder wollen billige Ambänder oder Bücher verkaufen und schauen einem bei jedem Bissen in den Mund nach. Es ist nicht leicht, all das zu verarbeiten. Das Nationalgericht heißt „Amok“ – nicht, dass ich hier etwas unterstellen möchte.
Das wunderschöne Nationalmuseum konzentriert sich auf die Vor-Angkor und die Angkorperiode und ist neben dem Königspalast und der Silverpagode sicher eine der Hauptattraktionen der Stadt. Die Negativliste bzw die Liste der bedrückendsten Sehenswüdigkeiten führt sicher das S21-Gefängnis an, in dem während der Roten Khmer-Zeit 20.000 Menschen auf das schlimmste geoltert und getötet worden sind. Nur sieben haben überlebt.
Am sogenannten Russischen Markt wird der Trockenfisch mit der Schere zerteilt. Fischköpfe sind nirgendwo zu sehen, was mich sehr an Norwegen erinnert hat. Angeblich werden norwegische Trockenfischköpfe ja zu fast 100% nach Nigerien exportiert, wo sie als kulinarisches Statussymbol gelten. Wie auch immer. Für das Mittagessen habe ich etwas voreilig für ein lokales Restaurant entschieden. Vor Ort hat mein inneres Alarmsystem dann eigentlich nur Amöbenruhr geflüstert. In der Fischsuppe ist etwas geschwommen, was entfernt wie Schlangenleber ausgesehen hat – nciht dass ich wüßte, wie Schlangenleber aussieht. Nach einiger Diskussion und umfassender Betrachtung hat sich die Schlangenleber dann aber als Pilz entpuppt.

6. August 2011
Nachdem ich so viele Monate in buddhistischen Ländern zugerbacht habe, habe ich nun schlußendlich auch eine hübsche Buddhastatue gekauft. Der Budha ist vier Kilo schwer, aus Holz und stammt aus einem Fair Trade Geschäft zur Unterstützung der Landbevölkerung. Ich wollte mich auch gleich wieder von ihm trennen und per Post auf eine mehrmonatige Reise schicken, wogegen er sich aber heftig gewehrt hat. Auf der Hauptpost in Siam Reap hat an mir allerdings gesagt, alles könne man schicken, nur keinen Buddha. Aus welchem Grund (religiös? außer Landes Bringen von Antquitäten?) konnte man mir nicht sagen. Ich bin also quasi auf dem Buddha sitzengeblieben.
Erhaltener Kommentar: … und auf einem wesentlich schwereren Koffer. Wie viel wiegt er denn jetzt? Das letzte Mal, als ich dabei war hatte er 18.4 kg und 18.2 kg ein paar Sekunden davor....
Antwort: 21.9 kg und 21.8 einen Moment vorher. Und der Buddha wiegt wie gesagt 4 Kilo…

5. August 2011
Nicht nur im Zusammenhang mit Essen finden seltene oder gefährliche Tiere Erwähnung. So wirbt ein Massageinstitut mit folgendem Slogan: Dr. Fish – keine Piranhas. Ein anderer Dr. Fish auf der anderen Seite der Stadt sagt: Dr. Fish kann sie witzig und glücklich machen – eine Dose Freibier mit jeder 20 Minuten Massage für 3 USD. Aporpos Bier: auch hier interessante Werbung: „Jede große Reise beginnt mit einem Kingdom. Kingdom – das Bier für die noch nicht ausgetretenen Pfade.“
Am Nachmittag bin ich mit einem Tuk Tuk an den Tonle Sap See gefahren, dem angeblich größten See in Südostasien. Dort werden wohl auch die lächerlichsten Bootsfahrten in ganz Südostasien angeboten. Jeder bezahlt gleich viel, egal ob in einer großen Gruppe, allein oder zu zweit. Und dann bekommt eine Gruppe ein Boot für sich, aber auch jeder Individualreisende. Man wird auch alleine als Gruppe angesehen und hat dann wie auch viele andere ein Boot für 10 Personen für sich. Wie ineffizient. Der See ist dunkelbraun und allerorts waschen sich Menschen oder erledigen von den Hausbooten aus ihre Notdurft während sich der Nachbar die Zähne putzt. Vom schwimmenden Markt war weit und breit nichts zu sehen. Das einzig wirklich interessante war eine Krokodilfarm und die Tuk Tuk Fahrt hin und retour durch Reis- und Lotusblumenfelder. Die Frucht der Lotusblume kann man übrigens auch essen; sie schmeckt wie frische Haselnüsse. Und nein, ich glaube nicht, dass Haselnussallergiker auch auf Lotusblumen allergisch sind.

4. August 2011
Heute habe ich mit der perfekten Antithese zu Broken Muses gesprochen, Mr. Fix aus Alberta in Kanada. Über seinen Job befragt hat er gesagt: wenn etwas kaputt ist, repariere ich es. Im Telefonbuch sollten sie mich unter Mr. Fix führen.
Ansonsten habe ich nun endlich Angkor Wat und Ta Prohm, den Jungletemple besucht. Beide sind unbeschreiblich beeindruckend. Angkor Wat ist der größte Tempel der Welt, 900 Jahre alt und über einen Quadratkilometer groß. Ta Prohm ist ein verfallener Tempel, den der Jungel übernommen hat. Riesige sogenannte Wasserbäume haben ihre Wurzeln über die Mauern gelegt, manche wie Finger eines Riesen.
Weil man einen Teil von Angkor Wat nicht in Shorts besuchen darf, bin ich angehalten worden, eine lange Hose zu tragen. Jeans (für die geneignte Stammleserschaft: besagte Jeans sind seit dem letzten jeansbezogenen Eintrag bereist dreimal gewaschen worden, nur um jedesmal am darauffolgenden Tag wieder völlig einzudrecken) bei gefühlten 50 Grad sind eine Zumutung. Bis jetzt habe ich noch keinen Weg zur Abkühlung gefunden...
Mein heutiger Reiseleiter (ein anderer als gestern) hat mir von Kobras abgeraten, sich aber stark für den Tarantelsnack eingesetzt. Sie würden nach Erdnüssen schmecken, ein wahrer Genuß. Zum Glück war nirgendwo ein Straßenhändler zu sehen, der Taranteln im Angebot gehabt hätte.
Erhaltener Kommentar: Verkaufen die dort wirklich gebratene Küchenschaben und Taranteln auf der Straße? Und wenn ja, hast Du davon probiert?
Antwort: Ja, und zudem auc Insektenlarven und nein, zum Probieren ist mir jede Ausrede recht...

3. August 2011
Im Vergleich mit den Laoten sind die Kambodschaner außerordentlich gute Geschäftsleute. In Laos versucht ein Tuk Tuk-Fahere, seine Transportleistung mit einem lahmen „Tuk (Pause) Tuk“ ohne Intonation oder gar Frage an den Mann zu bringen. In Kambodscha hört man immerhin ein freundliches “Tuk Tuk Lady?” samt Lächeln. Was ich soweit sagen kann ist, dass mir Siam Reap gut gefällt. Mein Hotel ist wunderschön, hat ein Pool. Zum meiner Schande ist das einzige in Siam Reap, an das ich mich von der Lektüre meines Reiseführers zu Hause erinnern kann, eine Bar namens Angkor What? Nach langem Suchen habe ich sie dann auch entdeckt. Es könnte auch eine Untergrundbar in Berlin sein, wirklich trotz des originellen Namens nichts besonderes.
Während wir die Angkor Thom Tempel besichtigt haben, hat mein Reiseleiter davon gesprochen, dass das Verzehren von Kobras ja an sich verboten wäre, wenn ich aber gerne eine probieren würde, nun, es gäbe Mittel und Wege, er müßte nur den einen oder anderen Jäger anrufen und in ein paar Tagen könnte ich dann in einem Lokal seiner Wahl Kobra essen. Das Fleisch sei ja um so viel besser als Huhn! Obwohl er auch noch angeführt hat, dass der Kopf mit den Giftzähnen natürlich abgetrennt würde, habe ich höflich ablehnen müssen.

2. August 2011
Mein Flug nach Kambodscha hatte lediglich vier Stunden Verspätung. Zum Glück habe ich vor einigen Tagen ein recht gutes Buch gegen einen Schundroman getauscht und somit hunderte Seiten über Betrug und Vertrauensbrüche zu lesen gehabt. Unter den gegebenen Umständen war das bei näherer Betrachtung doch kein Schund.
Meine ersten Eindrücke von Siam Reap? Bücher werden scheints exklusiv von Landminenopfern verkauft; einer hat sogar seine eigene Geschichte als Buch im Sprtiment gehabt. Andere Dinge werden nicht auf der Straße verkauft. Ein großer Supermarkt im Stadtzentrum hat an der Kassa, dort, wo sonst Süßigkeiten und Kaugummi ausliegen, Viagra in der praktischen Viererpackung um wohlfeile zehn Dollar im Angebot.
Erhaltener Kommentar: Hast Du jemanden gesehen, der diese Tabletten gekauft hat? Wäre das nicht großartig, um in den lokalen Tratsch einzusteiegen? :-)

1. August 2011
Ich habe mich heute länger mit einem jungen Mönch unterhalten, der IT Administrator werden will. Daneben haben sich sich seine Mönchsfreunde im Armdrücken geübt. Eine Mönch hing klimmziehend im Baum. Nicht weit entfernt davon ist einer in der Kutte am Tempeleingang lesend am Bauch gelegen. Die Welt in Laos ist sicher auch nicht mehr das, was sie einmal gewesen ist. In unmittelbarer Nähe des Tempels sind einmal mehr riesige, lebende Schmetterlingsraupen als Snack angeboten worden. Manche sind giftgrün, die anderen hundstrümmerlbraun. Wespenraupen sind natürlich auch wieder im Angebot gewesen. Wer allergisch auf Wespenstiche ist, sollte keine Raupen essen. Mein Reiseleiter hat mir erklärt, er bekomme als Allergiker ab fünf verzehrter Raupen Erstickungsanfälle und einen unangenehmen, roten Ausschlag. Man muß eben wissen, wann genug ist, scheint er mir mit einem vielsagenden Blick zu bedeuten. Ich gebe eine wahrheitsnahe eine-Wespe-kann-mich-krankenhausreif-stechen-Allergie an und bin vom Raupenkosten somit befreit.
Erhaltener Kommentar: Ich bin frph, dass Du weißt, wann Du etwas nicht essen kannst. Ich habe einmal gesehen was passieren kann, wenn jemand mit einer Erdnußallergie etwas mit Erdnüssen ißt (wissentlich, da es auf der Speisekarte gestanden ist). Das Resultat war eine Einlieferung mit der Rettung ins Krankenhaus.
Erhaltener Kommentar: Ich weiß Deinen Blog wirklich zu schätzen! Apropos Blog: Glaubst Du nicht, dass Du Deinen Blog in ein E-Book umwandeln solltest, damit andere Reisende, die mit „bloßen Verspätungen von vier Stunden“ konfrontiert sind, auch etwas zu lesen haben? Illustriert natürlich mit vielen Margitangela-Bildern!

31. Juli 2011
Wannimmer ich meine Laosreise in den letzten Monaten gegenüber Leuten angesprochen habe, die schon einmal in Laos waren, war die einhellige Reaktion ein mit glänzenden Augen gehauchtes „oh Laos!“. Was ich nun besser verstehen kann. Laos ist sicher anderes. Entspannt, niemand will einem etwas verkaufen, alle scheinen sehr entspannt. Am lokalen Gemüsemarkt gibt es getrocknete Büffelhaut für die traditionelle Suppe, getrockneten Seetang aus einem Seitenarm des Mekong, frische Schnecken und lebende Schmetterlings- und Wespenlarven.
Im Nationalmuseum (dem ehemaligen Königspalast) habe ich die Buddhaskulptur Phra Bang gesehen, von der die Stadt ihren Namen ableitet.
Klöster heißen hier „Vat“ und nicht „Wat“ wie in Thailand. Die Mönche haben heute einen Pflanztag gehab. Allerorten sind Bäumchen, Blumen und Gemüse gepflanzt worden. Manche der Mönche haben ihre grellorangen Kutten so gekonnt zum Lendenschurz geknüpft, dass sogar Tarzan vor Neid erblassen würden. Aber auf der anderen Seite kann man sich Tarzan dann auch wieder schlecht als Gärtner beim Baumpflanzen vorstellen.
Ich bin sicher keine Expertin in Sachen Werbung, aber ein Slogan wie “wir tun unser bestes” ist meines Erachtens nicht unbedingt vertrauenserweckend.
Und noch in einer ganz anderen Sache: Ist es nicht interessant, dass man manchen Leuten gar nicht zu sehr nach dem Mund reden kann und andere wiederum mißtrauisch werden, wenn man ihnen einmal Recht gibt?

30. Juli 2011
Die gestrigen 170 Kilometer entlang des Mekong waren ganz und gar anders, als die heutigen 130 Kilometer nach Luang Prabang: gestern strahlende Sonne, heute Schnürlregen. Um ehrlich zu sein, war die Fahrt heute noch eindrucksstärker, gerade wegen des Regens.
Unterwegs haben wir die Tham Ting Höhlen mit den tausend hölzernen Buddhafiguren besucht und die darüberliegende Pak Ou Höhle.
Erhaltener Kommentar: Dein Blog ist so gut geschrieben; läßt mich an unsere letzten Gespräche denken.

29. Juli 2011
Zwischen Nordthailand und Laos ist der Mekong die Grenze. Von meinem Zimmer habe ich also bis heute Früh quasi nach Laos hinübergeschaut, bevor es dann mit einem kleinen Boot ans andere Flußufer und zum Grenzposten gegangen ist. Die Einreise- und Visaformalitäten sind harmlos und zum hölzernen Langboot nach Luang Prabang hat man zu Fuß gehen können. Angeblich wird in Laos immer noch Opium angbaut und verwendet. Davon bemerkt man allerdings entlang des Flusses nichts.
Die zweitägige Fahrt entlang des braunen Mekongs, der sich sehr malerisch von der tiefgrünen Landschaft abzeichnet, wird in Pakbeng unterbrochen, wo man auch die Nacht verbringt. Mein Hotelzimmer dort war ein perfekter Würfel, der einheitlich mit hochglanzpoliertem Teakholz verkleidet war: Decke, Wände, Boden, Türen, alles. Ich habe mich wie im Schiffsbauch eines antiken Schiffes gefühlt. Oder wie auf einer Almhütte in den Alpen, die dann natürlich nicht aus Teakholz wäre und mich nicht bei gefühlten fünfzig Grad und hoher Luftfeuchtigkeit langsam garen ließe, aber es ist ja auch nur eine Analogie.
Die lokalen Restaurants kennen als Hintergrundmusik wenig anderes als Bob Marley, unterbrochen von den Beatles. Warum muss es eigentlich so sein, dass egal wo man auf dieser Welt hinkommt, Bob Marley schon dort ist?
Eines der Geschäfte in Pakbeng war, soweit weiters nicht verwunderlich, auf Mobiltelefone spezialisert, hatte aber - und das war durchaus bemerkenswert - unter anderem gefälschte Nokia-Handies für vier SIM-Karten im Angebot. Das unmittelbar benachbarte Geschäft war auf Werkzeug und Motoröl spezialisiert – von letzterem hat es sicher 15 Sorten lagernd gegeben. Die BH-Auswahl dort war allerdings weniger berauschend: ein einziger weißer, bereits etwas vergilbter BH inmitten etlicher Arbeitshandschuhpaare.
Erhaltener Kommentar: Das klingt ja furchtbar! Stell Dir vor Du bist auf der Suche nach einem neuen sexy BH und hast nur solche Geschäfte!

28. Juli 2011
In Chiang wieauchimmer ist der Hund begraben. Wie angenehm! Der lokale Tempel wird nur von der benachbarten Mobilfunkantenne überragt und im Restaurant serviert man gebratene Franzosen („French Fried“). Der Guide Routard Thailande liegt dort im Regal ganz oben; den haben die Franzosen dort wohl noch rasch abgelegt, bevor sie herausgebraten wurden.
Mein Zimmer hat einen schönen Balkon mit Blick auf den Mekong. Zwischen der steilen Böschung und dem Fluß ist eine gepflasterte Strasse, die man entlangwandern könnte, wüßte man, wie hinuntergelangen. An der Rezeption starrt man mich nach zweimaliger Aufforderung, langsam zu sprechen nur entsetzt an. Dann steht eine Art Golffahrzeug bereit und bringt mich etwa 120 Meter weit zu grasüberwachsenen Stufen. Der Fahrer ruft mir nach „seien Sie vorsichtig!“ und klingt dabei wie der Australier vor ein paar Monaten, der mir als seiner Meinung einzig wirklich wichtige Warnung ein: „Vorsicht bei braunen Schlangen!“ mitgegeben hat. Der Abstieg und auch der Spaziergang waren überraschenderweise völlig harmlos. Mit Ausnahme der kleinen schwarzen Fliegen vieleicht, die sich am Mekong sehr wohl zu fühlen scheinen. Man fühlt sich mit der Zeit wie mit kleinen schwarzen Fruchtfligen überzogenes Obst.
Andernorts ist das gering toruistische Gebiet hier wie ein allgemeiner Intelligenztest nach dem Motto „streichen Sie, was nicht dazugehört“. Geschäftsreihen etwa: Thai Massage, Thai Massage, Café mit Sandwichangebot, Mönchsausstatter, Neonröhrenfachgeschäft, Thai Massage, Thai Massage.

27. Juli 2011
Nachdem ichmich die letzten zwei Tage lang im Hotel in Bangkok versteckt habe – nein, ich kann KEINEN Schneider empfehlen und nein, Glorious Tailors sind nicht glorios – bin ich heute nicht nach Chiang Mai, sondern nach Chiang Rai geflogen, um von dort zwei Stunden lang weiter in den Norden nach Chiang Khong zu fahren. Chiang Khong ist im Dreiländereck zwischen Thailand, Myanmar und Laos. Am Flughafen in Bangkok gibt es übrigens für Mönche reservierte Sitzplätze. Ältere, Behinderte, Schwangere und Frauen mit Kindern dürfen dort aber auch sitzen.

26. Juli 2011
Ein sehr treffender Kommentar zu meiner Anmerkung zu Brutus war: „Im Haifischbecken haben die vegetarischen Fische die schlechteren Karten - und sie sollten sich nicht zu sehr mit den netten Haien abgeben...“ Wie wahr, wie wahr.
Vor einiger Zeit habe ich mich hier gefragt, wie viele Leute wohl diesen Blog lesen bzw. meine Webseite frequentieren. Ein sehr hilfreicher Hinweis hat mich daraufhin auf Google Analytics gebracht. Und siehe da, seit ich das Programm vor vier Tagen installiert habe, hat es 103 Besuche von 6 Kontinenten und 18 Ländern gegeben!
Erhaltener Kommentar: Ich bin ein regelmäßiger Besucher Deines kultivierten Blogs und reise im Gedanken mit Dir!
Erhaltener Kommentar: Wir hoffen, dass Du die Reise trotz der Haie gebührend genießen kannst! Es gibt nur ganz wenig Menschen die so etwas durchziehen können. Du fliegst sozusagen souverän über das Haifischbecken!

25. Juli 2011
Jet Airways hat mich von Kathmandu via Neu Delhi nach Bangkok gebracht. In Neu Delhi bin ich leider lefiglich von einem zum anderen Ende des Fughafens gerannt, um mit den letzten in den Anschlußflieger einzusteigen, bevor sie hinter unseren vor Anstrengung roten Köpfen die Flugzeugtüren geschlossen haben. Es ist recht beunruhigend, wenn man den letzten Aufruf zum Einsteigen hört, wärhend man noch bei der Sicherheitskontrolle steht. Obwohl es einen weltweiten Trend dazu gibt frage ich mich doch, was eigentich der Grund dafür ist, dass die ankommenden Flugzeuge immer so weit wie nur irgend möglich von den Anschlußfliegern geparkt werden, sodaß Passagiere nur unter Aufbrinngung der wirklich allerletzten Kräfte und hilflos hechelnd ans andere Ende des Flughafengebäudes gelangen können...
Aber nach alldem bin ich dennoch pünktlich im Land der Tom Yam Suppe angekommen! Wenn ich darüber nachdenke, tut mir die Zehe von der letzten Thai Massage in Chiang Mai (siehe Blogeintrag vom 25. und 26. Februar 2011) immer noch weh, trotzdem habe ich es wieder einmal versucht und diesmal war die Massage einfach wunderbar. Diesmal bin ich nur zwei Nächte lang hier – das Hotel Me Style Place ist cool wie eh und jeh - und versuche, meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Hoffentlich keine Betrügereien diesmal!

24. Juli 2011
Nach einer letzten, langen Autofahrt von Pkhara zurück nach Kathmandu und einem letzen Besuch im wunderschönen Dream Garden bin ich noch für eine Nacht im I Kantipur Temple House Hotel, bevor es weiter nach Thailand geht. Viele Leute, die ich unterwegs treffe, scheinen ihren Aufenthalt in Nepal mit einer Indienreise zu kombinieren. Dort ist Varanasi ein Evergreen, eine der ältesten Städte der Welt und nicht zuletzt deswegen bekannt, weil dort einem hinuistischenRitual folgend Tote am Ufer des Ganges in der Öffentlichkeit verbrannt werden. Angeblich kann man allerdings nicht verbrannt werden, wenn man a) ein Kind, b) ein Mönch, c) ein Leprakranker oder d) von einer Kobra gebissen worden ist. In disen Fällen wird den Betreffenden lediglich ein riesiger Stein umgebunden, mithilfe dessen sie dann im Ganges versenkt werden.

23. Juli 2011
Gestern Abend habe ich eine Pizza „Nepalitalia“ mit Yakkäse gegessen. Der Kellner hat auf meine Frage „getrockeneter oder frischer Käse?“ gemeint, frisch, allerdings sei das Aroma „ein bißchen sehr gewöhnungsbedürftig“. Überraschenderweise war die Pizza dann aber wirklich ausgezeichnet. Überraschenderweise deshalb, weil ich ja in Bhutan getrockneten Yakkäse probiert habe, einen lokalen Snack aus der Bumthanger Gegend. Die steinharten, getrockneten Käsestückchen werden auf weißem Bindfaden aufgefädelt und als Art Halskette verkauft - sehr praktisch für längere Routen. Nachdem ich aber nur ein Stück kosten wollte und mir nicht nach einer ganzen, säuerlich-ranzig riechenden Kette zumute war, bin ich in ein Geschäft vorgedrungen, wo man auch Einzelstücke kaufen hat können, die in großen, durchsichtigen Plastikzuckerlbehältern aufbewahrt werden. Nach einem etwa fünfminütigen, hektischen Gespäch, in dem der Behälter mehrmals kräftig geschüttelt worden ist und in dessen Verlauf die Verkäuferin und meine Reiseleiterin sicher jeden Käse mindestens einmal in der Hand gehabt, begutachtet und gegen das Licht gehalten haben, ist dann die Entscheidung für mein Käsestück gefallen. Mein einziger Gedanke war, ich kann nur von Glück sprechen, wenn ich davon nun nicht krank werde. Zum Glück habe ich den Käse gut überstanden, wenngleich er aber sicher nicht das kulinarische Highlight meiner Reise war.

21. und 22. Juli 2011
Vom Chitwan Nationalpark bin ich weiter nach Pokhara gereist. Pokhara ist eine an einem See gelegene, angenehme Stadt im Nachbartal, etwa 200 Kilometer von Kathmandu entfernt. An sich gehen von hier die meisten Expeditionen ins Annapurnamassiv aus, aber nachdem Monsumsaison ist, sind nicht viele Wanderer hier. Eigentlich sind insgesamt nicht viele Touristen hier. An meinem ersten Abend war außer mir abends im strömenden Regen nur der lokale Drogendealer unterwegs. Man hat sich freudlich zugenickt.
Entlang des Sees gibt es mehrer Ruderbootanlegestellen, von denen man sich entlang des Sees und zu einem kleinen Tempel auf einer Insel bringen lassen kann. Die meisten Touristenattraktionen habe ich an den ersten beiden Tagen bereits abgeklappert. Neben einem recht interessanten Bergmuseum – viele der 8.000-ender sind von Österreichern, Schweizern und Franzosen zum ersten Mal erklommen worden – waren ein Wasserfall und eine Flußmpndung mitten in der Stadt recht interessant. Und dann natürlich eine Teppichmanufaktur in einem Tibetanischen Flüchtlingslager, das interessanterweise auch als Touristenattraktion bekannt ist.
Ansonsten kann man hier gut Kaffee trinken und Zeitung lesen, unterbrochen nur von der einen oder anderen Kuh, die am Rande des Gesichtsfeldes durch die Szenerie marschiert.

20. Juli 2011
Für Dante war Brutus das Musterbeispiel schändlichen Verrats. Im „Inferno“ der Göttlichen Komödie befindet er sich zusammen mit Judas Ischariot und Cassius im innersten Kreis der Hölle, wo Satan beständig an ihm nagt, ihn aber nie völlig verzehrt.
Seit gestern bin ich im Nepalesischen Chitwan Nationalpark. Leider herrscht hier ein Monsun, der diesen Namen auch wirklich verdient. Der Djungel und selbst die Wiesen sind matschig und es wimmelt nur so von Blutegeln. Heute sehr zeitlich am Morgen war eine Wanderung durch den Park auf dem Programm, aber außer ein paar Termiten, Vögeln und den besagten Blutegeln war leider nichts an „Wildlife“ auszumachen. Umso schöner war dann aber der Elefantenritt am Nachmittag. Ich habe mir mit einer dreiköpfigen nepalesischen Familie einen Elefanten bzw. die Sänfte auf dessen Rücken geteilt. Man erklimmt den Elefanten über eine Plattform, von der man bequem auf Sänftenhöhe zusteigen kann. Man sitzt jeweils an einer Ecke der Sänfte, läßt die Beine an der Seite des Elefanten baumeln und blickt im 45-Gradwinkel über den Elefantenkopf bzw. das Elefantenderriere. Das Highlight waren sicher ein Rhinozeroß, das drei Meter vom Elefanten entfernt gegrast hat und zwei Flußüberqeurungen, bei denen der Elefant teilweise geschwommen ist und dabei graziös das Schwänzchen in die Luft gehalten hat.

19. Juli 2011
Als ich gestern durch Kathmandu spaziert bin, habe ich eigentlich nur an eines gedacht, nämlich, dass ich mich am liebsten in einen Beserlpark setzen und den Herrgott einen guten Mann sein lassen würde. Kaum gedacht, bin ich auch schon vor dem Eingangstor eines wunderschönen Parks gestanden, dem sogenannten „Garden of Dreams“ – angelegt in den 1920er Jahren von Kaiser Sumsher Rana, einem Bewunderer von Kaiser Franz Joseph (daher auch der selbstgewählte Name „Kaiser“).
Die diversen Pavillions, idyllische Ecken, Statuen, der Seerosenteich und das Amphietheater sind über lange Zeit vor sich hin verfallen, bis ein Österreichisches Entwicklungshilfeteam den Park wirklich mit Liebe zum Detail restauriert hat. Daher auch das Kaffeehaus namens „Kaiser“ mit der Sachertorte, dem Wienerschnitzel und dem Backhendl auf der Karte, wo ich dann den restlichen Nachmittag zeitunglesend, melangetrinkend und sachertorteessend (!) verbracht habe.
Stimmt einen schon sehr melancholisch. Wien mit den Geräuschen von Kathmandu rundherum.
Erhaltener Kommentar: Ist das Schnitzel dort vom Kalb? Du siehst, welche Fragen einen Wiener wirklich bewegen!!
Antwort: Ich gehe davon aus, zumal die Kälber sich in Kathmandu ja sozusagen selbst frei Haus liefern und auf Gehsteigen und am Strassenrand herummäandern.

18. Juli 2011
Interessanterweise ist die Bhutanesische Gesellschaft anders als die - grob gesprochen – europäische nicht schuldbasiert. Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten zenh Tagen auch nur ein einziges Mal ein „tut mir leid“ oder „Entschuldigung“ gehört zu haben. Es gibt nicht einmal dann eine Entschuldigung, wenn etwas wirklich schief geht. Heute Morgen habe ich für den Rückflug nach Kathmandu eingecheckt (zwei Stunden 45 Minuten Verspätung, keine Entschuldigung), meinen Boardingpass bekommen, bin durch die Paßkontrolle gegangen, wo mein Boardingpass kontrolliert und abgestempelt wurde, habe mich in der Wartezone hingesetzt und eher zufällig auf den Boardingpass geschaut. Dort ist in großen Lettern gestanden Mr. Martin Donald James, Bestimmungsort: Neu Delhi. Also bin ich rückwärts wieder durch die Paßkontrolle (nicht einmal ein müdes Lächeln über den Fehler) und in die Check-In Halle, wo mir dann ohne den Wink eines Bedauerns ein Boardingpass auf meinen Namen ausgestellt und mein Gepäck statt nach Neu Delhi nach Kathmandu umgeleitet worden ist. All das erscheint einem durchaus bemerkenswert, wenn man aus einer Gesellschaft kommt, die sich ständig, zweihundert Mal am Tag und für alles und jedes entschuldigt.
Bevor ich mich in die Schalterhalle begeben habe, habe ich versucht, diesen Mr. Martin ausfindig zu machen in der Hoffnung, dass er meinen Boardingpass hätte. Das hat mich als positiven Nebeneffekt mit einer sehr netten Gruppe aus Australien bekanntgemacht.Schluendlich habe ich Herrn Martin auch tatsächlich gefunden und festgestellt, dass wir uns eigentlich ja kannten, da wir gestern schon längere Zeit in der Hotelbar geplaudert haben. Er wußte von nichts, auch nicht davon, dass er hätte nach Neu Delhi fliegen sollen. Sein Boardingpass lautete auf seinen Namen, nach Kathmandu und glücklicherweise auf einen eigenen Sitzplatz.

17. Juli 2011
Die Wanderung zum Tiger’s Nest, einem Kloster hoch über Paro auf etwa 3.000 Meter Seehöhe hat mich an meine Belastungsgrenze gebracht und mir klar gemacht, dass mein seinerzeitiger Einfall, bis zum Mount Everest Base Camp zu wandern eine vöölige Schnapsidee gewesen ist, von der mir Eltern und gute Freunde zum Glück milde kopfschüttelnd abgeraten haben. Ich hätte mich auch mittles Pferd zum Tiger’s Nest bringen lassen können, habe aber nachdem die Abwägung Pferdeangst versus Angst vor Höhenkrankheit zu Gunsten der Pferdeangst ausgegangen ist, davon Abstand genommen.
Beim Aufstieg habe ich eine neue Seite an mir entdeckt; ich scheine hochgradig giftig zu sein. Bei der ersten Fliege, die mich angeflogen, aufgesessen und mehr oder weniger augenbicklich verendet ist, habe ich mir noch nicht viel geacht. Nach Nummer zwei und drei wird man dann aber nachdenklich. Vielleicht ist es aber auch an der halben Dose Insektenvertilgungsmittel gelegen, die ich vorgestern in meinem Zimmer ausgesprüht habe, nachdem ich einer übergroßen Küchenschabe angesichtig worden bin.
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich nach so vielen Monaten des Reisens schmutzresistenter geworden bin oder leichter damit leben kann, dass ich oder um mich nicht immer alles ganz sauber ist. Leider nein. Aus dem einen oder anderen Grund habe ich etwa meine (einzige) Jeans seit Südafrika nicht mehr waschen können. Mit viel Phantasie kann man sich vorstellen, dass sie einmal blau gewesen sein muss. Wenn ich sie abends ablege, ist es nicht nötig, sie aufzuhängen; ich kann sie wie sie ist in eine Ecke stellen.

16. Juli 2011
Wieder eine lange Fahrt, dismal retour nach Paro. Wir haben unterwegs an einem Brunnen mit heiligem Wasser angehalten. Man nimmt einen Schluck oder zwei, wäscht sich Gesicht, Hände, Genick und was man sonst noch leicht erreicht und alle Sünden sind weggewaschen. Im ältesten Fort (Dzong) des Landes war der Onkel meiner Reiseleiterin. Er ist stellvertretender Abt im Klosterteil des Forts und hat uns zu sich in die Mönchszelle zu Tee und Gebäck bzw mit Butter abgeschmalzenem, gebratenem Reis (ein lokaler Snack, den man mit den Fingern ißt) eingeladen. Die Mönchszelle war überraschenderweise sehr gemütlich. Die Wände waren türkis gestrichen und mit Bildern anderer Mönche und der Königsfamilie behängt, der Holzboden einladend, das Bett mit einem rosa Moskitonetz verhangen, zwei Fauteils, eine dicke Meditationsmatte am Boden, eine schöne alte Kommode an einer Wand, ein Kühlschrank, Wasserspender, ein Fernseher. Der Fernseher war eingeschaltet und so haben wir erst Tee getrunken und der Ansprache des Königs im Fernsehen gelauscht. Ich habe natürlich kein Wort verstanden, aber der König ist sehr gutaussehend, hat eine angenehm sonore Stimme und eine sehr entspannte, gewählte Art zu sprechen und was will man eigentlich mehr von einem König? Die Reiseleiterin und ich sind auf den Fauteils gesessen, der Mönch selbst ist auf der Seite in seinem Bett gelegen, das rosa Moskitonetz schön über die dunkelrote Robe drapiert. Ich habe gesagt, er schaue as wie Buddha selbst. Er hat nur gelächelt und gemeint, seine Intention sei es, der künftige Buddha zu werden und warum nicht bei jeder Gelegenheit üben? Und zudem, als er klein war und in das Kloster eingetreten ist mußten alle Mönche in dieser Position schlafen.

15. Juli 2011
Von Bumthang ist es heute wieder über lange, gewundene Bergstrassen und nebelverhangene Täler zurück nach Punakha gegangen. Unterwegs gab es leider nur eine Sehenswürdigkeit, nämlich das größte Fort (Dzong) Bhutans, das Trongsa Dzong.
In so vielen Ländern habe ich mich schon gefragt, was was wir eigentlich vor der Einführung der Flip Flops bzw. der Plastiksandale an sich gemacht haben? Ganze Nationen scheinen nichts anderes zu tragen.
Mir klingt noch immer eine Geschichte im Ohr, die mir vor ein paar Tagen erzählt worden ist. Der Oma des Betreffenden ist im Bhutansischen Gebirge von einem Bären das Gesicht halb abgebissen worden, als sie 26 Jahre alt war. Angeblich hat sie die Episode stärker gemacht. Sie hat mit dem dürftig zusammengenähten, halbabgebissenem Gesicht weitergelebt und ist 96 geworden.

14. Juli 2011
Bumthang ist wie erwähnt die heiligste Stadt in Bhutan. Es gibt hier Tempel, die auf das 7. Oder 8. Jahrhundert zurückgehen und Festungen aus dem 17. Jahrhundert, die heute noch teils als Klöster, teils als Regierungs- und Verwaltungssitz Verwendung finden. Die Anzahl der Gottheiten ist im allgemeinen für den Laien unübersichtlich. Guru taucht immer wieder auf, er hat den Buddhismus nach Bhutan gebracht, Pema Lingpa aus dem frühen 16. Jahrhundert, Held und Stifter vieler Klöster, Zhabdrung Ngawang Namgyal, der das Land vereint hat und natürlich Buddha in seiner früheren, gegenwärtigen und künftigen Form samt seiner 16 Jünger, auch Arhats genannt.
Die LKWs sind bunt und haben an der Frontseite oft Äuglein aufgemalt, was ihnen ein sehr heiteres Antlitz verleiht. Entlang der Strassen sind Frauen mit Ochsen kein untypisches Bild. Im wesentlichen unterscheidet sich das ja kaum von Europa, nur, dass dies dort oft im übertragenen Sinn der Fall ist.
Marihuana wächst hier als Unkraut am Straßenrand und wird an die Schweine verfüttert, was sie, wie mir die Einheimischen versichern, zu glücklichen Schweinen macht.

13. Juli 2011
Nach 10 langen Autostunden bin ich ausgehend von Punakha in Bumthang angekommen, dem spirituellem Zentrum von Bhutan. Unterwegs haben wir einen Abstecher ins Phobjikha Valley gemacht und dort ein Kloster besucht, in dem die Mönche gerade dabei waren, Pferde und Ponys wie Pfingstochsen aufzuputzen. Tradition und Moderne vermischen sich zusehends. Um zum Allerheiligsten der buddhistischen Tempel vorzudringen, muss man die Schuhe ausziehen, alles ist sehr feierlich, oft musizieren ein paar Mönche oder rezitieren Gesänge und immer gibt es einen Mönch, der die Gläubigen segnet und ihnen heiliges Wasser anbietet. Anders als in Myanmar dürfen die Mönche hierzulande auch Besitz haben. Manche haben Autos, fast alle Handys. Und so ist es immer wieder erstaunlich, wenn man seitens der Reiseleitng flüsternd in die Details des Tempels eingeführt wird und gleichzeitig ein Mönch nicht nur einen Anruf erhält, sondern diesen auch annimmt und lautstark telefoniert.
Eine Reisebekanntschaft, die in dieselbe Richtung unterwegs war hat sich als vietnamesischer Exhippie entpuppt, der 160 Länder auf dem Landweg besucht hat und jedem, der ihm unterkommt, ungefragt die Landkarte mit seinem beschrittenen Weg unter die Nase hält. Man könne ihn, wie er nicht müde wird zu betonen, alles fragen, alles, was sich allerdings insofern als haltloses Versprechen entpuppt, als man einfach nie zu Wort kommt.
Es ist schön, der einzige Gast in einem Hotel zu sein. Man bekommt ein schönes Zimmer, Tee wann immer man will und hat zudem den Wachhund für sich. Exklusiv vor der Zimmertüre. Auch ein Grund, das Zimmer nicht zu verlassen.

12. Juli 2011
Der Devine Madman wird mir immer sympathischer. Heute habe ich seinen Tempel aufgesucht und bin dort, schneller als ich bis drei zählen habe können, gesegnet worden. Die Segnung ist mittels dreier Phalli vonstatten gegangen, die ein Mönch simultan auf meinen Kopf hat fallen lassen. Einer war aus Holz, der zweite, relativ überdimensionale aus Elfenbein und der dritte, relativ gesehen eher mickrige aus Stein. Die überraschende Segnung und vor allem glaube ich der doch harsche Aufprall des hölzernen sowie des steinernen Phallus hat verhältnismäßig weh getan.
Nun bin ich vier Tage in Bhutan und esse eine der Nationalspeisen, in die Hälfte geschnittene und mit Tomaten, Zwiebeln und Käse gebratene Cillis als gäbe es kein Morgen.
Am gestrigen Abend habe ich eine längere Diskussion mit einem Buddhisten geführt, in der wir die relativen Vorteile des Stupaumrundens im Falle betagter Buddhisten besprochen haben, im wesentlichen zwei, nämlich a) führt dies dazu, dass im Verhältnis zu einem Altersheim weniger Zeit zum Besprechen der Krankheiten besteht und b) dass es sich um einen idealen Ort für Romanzen im Alter handelt. Wir sind weiters zum Schluß gekommen, dass sich das Konzept leider nicht 1:1 auf Europa übertragen läßt, da man höchstwahrscheinlich relativ schief angesehen würde, würde man den ganzen lieben Tag lang im Uhrzeigersinn um eine Kathedrale mrschieren.
Erhaltener Kommentar: Das Kirchenumrunden machen wir beim 4-Bergelauf auch, dürfte doch vertiefend oder glaubensverfestigend wirken. Habe wieder einmal Deinen Blog gelesen……..sehr schöne und vielseitige Eindrücke! Alles Gute und komme mit der Reise gut voran.
Antwort: Mea maxima culpa für die Ignoranz!

11. Juli 2011
Abgesehen von manchen jüngeren Männern, die – angeblich wegen einem Film im vergangenen Jahr, in dem der Held ein solches Leiberl angehabt hat – vorwiegend in Superman T-Shirts herumlaufen trägt man in Bhutan noch stolz die Nationatracht. Für Männer besteht sie aus einem riesigen Tuch, das gekonnt um die Schultern geschlungen und mit einem Gürtel so verknotet wird, dass es ein Kilt und eine Bluse gleichzeitig ist. Die Bluse ist angeblich die größte Tasche, die man(n) weltweit am Körper trägt. Man kann dort alles aufbewahren, wie mir versichert worden ist. Ich vermute dass dann, wenn jemand unangenehm zu riechen beginnt in dieser Tasche nach Verdorbenem gesucht wird.
Auf der extensiven Sightseeingtour durch die Hauptstadt (Nonnenkloster, Nationalbibliothek, Volkskundemuseum, Zentrum für traditionalle Medizin, Weberei, Hauptpostamt, Nationalbank und Handwerkszentrum) haben wir heute zweimal die Queen Mother begegnet, trotz Besichtigung des Königspalstes allerdings nicht den König selbst. Im Prinzip ist das auch kaum nötig, prangt doch sein Konterfei so gut wie überall. In Bhutan kennt man keinerlei Stress, gearbeitet wird von 9 bis 5 und wenn man alt ist, hat man nur im Uhrzeigersinn rund um eine Stupa zu marschieren, wenn möglich mit einer Gebetsmühle in der Hand.
Erhaltener Kommentar: Wie schnell die Zeit vergeht! Eben warst Du noch in Sansibar am Strand und schon bist Du in Bhutan. Schade wegen der Dusche in Kathmandu, aber immerhin hast Du den Everest gesehen, ich beneide Dich!
Antwort: UND die BIG FIVE in Südafrika auch!

10. Juli 2011
Beim Frühstück sagt mir die Kellnerin, sie würde viel lächeln, weil nämlich schon ihre Großmutter gesagt hätte, lächeln kostet nichts. Sie fragt mich weiters, ob ich denn wohl auch glücklich sei in Bhutan. Nach etwa 20 Stunden im Land kann ich nur sagen, soweit ja. Nach dem Frühstück geht es von Paro in die Hauptstadt Bhutans, Thimphu. Am Wegesrand naschen Kühe an den niedrigen Ästen der Bäume. Auf Hausmauern und gern auch über Eingangstüren prangen enorme aufgemalte Phalluse. Was moralisch ist und was nicht, divergiert stark zwischen den Kulturen. Angeblich hat ein etwas ungewöhnlicher, im 15. Jahrhundert aus Tibet eingewanderter Heiliger, bekannt auch als Heiliger Verrückter, das Symbol zur Abwehr von Dämonen eingeführt. Seine Anhänger pinseln es daher heute noch an die Hausmauer.
Werbetafeln sind in Bhutan verboten und so sieht man oft erst auf den zweiten Blick, was Geschäfte hier so verkaufen. Manche sind Herren- manche Mönchsausstatter. In der lokalen Buchhandlung hängt eine Tafel mit der aktuellen Frage: „Die wichtigste Lektion, die ich im Kindergarten gelernt habe, war...“. Man kann PostIts mit Kommentaren anbringen. Was bisher dort angeschlagen ist, ist eigentlich nicht der Rede wert. Meine Kindergartenerfahrungen waren mir dann aber doch zu pesönlich, als dass ich sie hätte an die Wand heften wollen.

9. Juli 2011
Zeitlich morgens bin ich bei recht ordentlicher Sicht entlang der Himalayas nach Bhutan geflogen. Mein Reiseführer sagt, Bhutan sei Nepal für das Jet Set, verlangen die Behörden Bhutans doch, dass man alles über ein akkreditiertes Reisebüro organisiert und dafür mindestens 200 US Dollar pro Tag ausgibt. In dieser Summe ist allerdings dann alles enthalten, was man als Tourist so braucht, Verpflegung, Unterkunft, Transport, Sightseeing mit Guide etc. Wie schon in Nepal ist mir wieder eine Frau als Guide zur Seite gestellt worden, diesmal jemand, der einen Hochschulabschluß in Englisch hat und dadurch sehr gut zu verstehen ist. Bisher haben wir lediglich das Nationalmuseum besichtigt, alles sehr interessant. Bhutan hat nur etwa 700.000 Einwohner, ist seit 2008 eine konstitutionelle Monarchie wobei es die Einwohner angeblich lieber bei einer Monachie belassen hätten. Als Indikator für Wohlstand wird hier nicht das Bruttoinlandsprodukt gemessen, sondern die allgemeine Zufriedenheit, vulgo der Bruttoglücklichkeitsindex.

8. Juli 2011
Wieder in der Metropole Kathmandu scheint zur Abwechslung die Sonne. Auf der Straße wird mir beständig Haschisch angeboten, was strahle ich eigentlich dieser Tage aus? Eine Bekanntschaft aus Jordanien sagt mir, das sei ganz normal, als Mann würde ihm auch noch anderes angeboten werden. Von einem Fremden gefragt zu werden, was bisher die beste bzw die schlimmste Erfahrung während der Reise war, hat mich zum Nachdenken gebracht. Die beste war sicherlich, in Mandalay meinen Geburtstag am vorangeheden Tag vorhergesagt zu bekommen. Und die schlechteste Erfahrung? Ich habe gebrochene Versprechen angeführt, was aber eigentlich, und das stimmt wohlt, nicht die Reise direkt betrifft. In diesem Sinn war es dann wohl, in Saigon bestohlen und in Bangkok betrogen worden zu sein. Alles in allem kann ich mich aber nicht beklagen, die neun Monate seit ich am 1 Oktober in Richtung Los Angeles aufgebrochen sind, waren fantastisch!

7. Juli 2011
Leider ist Regenzeit in Nepal. Und es regnet wirklich oft heftig, was es umso erstaumlicher macht, dass unter einem Knirps bis zu drei Nepalesen Platz finden. Nepal hat zu Mitteleuropa vier Stunden und 45 Minuten Zeitunterschied, angeblich, um sich von den viereinhalb Stunden abzugrenzen, die Indien Europa voraus ist. Was es hier auch gibt, ist eine „lebende Göttin“, Kumari Devi genannt. Es handelt sich bei der Kumari um ein junges Mädchen, dass etlichen Anforderungen und Schönheitsidealen entsprechen und eine Mutprobe bestehen muss, um bis zu ihrer ersten Menstruation als lebende Göttin verehrt zu werden.
Kathmandu hat kulturell unglaublich viel zu bieten. Paläste, Stupas und Tempel, wohin man blickt. Gestern war ich bei der größten tibetischen Stupa (Boudha) außerhalb Tibets, sehr malerisch mit all den Gebetsflaggen und den aufgemalten Augen Buddhas, die einem überallhin zu folgen scheinen.
http://en.wikipedia.org/wiki/Bouddhanath_Temple
Nach dem gestrigen Besuch in der zweiten Königsstadt neben Kathmandu, Patan, war ich heute in der dritten Königsstadt Bhaktapur. Danach ist es nach Nagarkot in den Bergen weitergegangen, wo mein Hotel „Country Villa“ nicht nur einen schönen Ausblick auf die Himalayas hat, sondern auch einen Stromausfallsplan!

6. Juli 2011
Ich habe heute Morgen einen Mount Everest Experience Flug mit Buddha Air absolviert. Das Motto der Airline ist: “Ich habe den Mount Everest nicht erklommen, ihn aber mit dem Herzen berührt.”. Zum Glück sind wir nicht so nahe gekommen. Obwohl die meisten Berge wolkenverhangen waren, hat man den Everest selbst bzw seine Spitze sehr gut sehen können. Aus der Distanz hat er mich sehr an den Zuckerhut von Rio de Janeiro erinnert. Same same wie die Thailänder sagen, nur rein wenig höher (8.848 Meter).

5. Juli 2011
Nach einer schlaflosen Nacht am Bombayer Flughafen bin ich dann doch noch heillos übermüdet nach Kathmandu gekommen. Übermüdet ist ein deutsches Wort für das es in vielen Sprachen interessanterweise kein Äquivalent gibt. Spricht Bände, aber das nur nebenbei. Mein Hotel hier ist sehr hübsch und sehr umweltfreundlich ausgerichtet. Nur die ersten drei Punkte der Hausordnung hier: A: Bitte nicht zu oft die WC-Spülung betätigen. B: Wasser sparen, zusammen duschen! C: Möchten Sie Ihre Handtücher wirklich jeden Tag gewechselt haben? Wir hoffen nicht! Die Regeln D bis G informieren weiters näher über die Möglichkeit, dass man sich an der Rezeption eine Stofftragtasche für Einkäufe ausborgen und seine Wasserflasche am Trinkwasserbrunnen auffüllen kann, sowie darüber, dass es Usus ist, das Licht abzudrehen, sobald man ein Zimmer verläßt. Soweit habe ich mich tunlichst um die Einhaltung der Regeln bemüht, mangels unschuldiger, duschwilliger Passanten dann aber doch alleine geduscht.

4. Juli 2011
Zeit, Afrika wieder zu verlassen. Das nächste Ziel ist Nepal. Manche Reisen beginnen aber leider nicht gerade ideal. Mein Ticket hätte mich von Johannesburg via Mumbai und Neu Delhi nach Kathmandu bringen sollen. Nachdem ich in Indien nur umsteigen wollte, habe ich mich nicht weiter um ein Visum bemüht, was sich in weiterer Folge allerdings leider als Fehler herausgestellt hat. Um in Mumbai zum Domestic Terminal zu gelangen hätte ich formal nach Indien einreisen müssen und ohne Visum nur ein Nein in Form einer liegenden Acht am wiegenden Kopf des eincheckenden Stewards. Nachdem mein Herz etwa fünf Minuten lang ausgesetzt hatte, ist zu meiner großen Erleichterung eine Lösung in Form eines Fluges Johannesburg – Mumbai – Kathmandu gefunden worden. Immer noch eher aufgeregt habe ich dann im Flugzeug feststellen müssen, dass mein Sitzplatz zwischen einer unangenehm ungewaschen riechenden Person zu meiner Linken und einem enorm übergewichtige - zugegebenermaßen neutral richenden - Menschen zu meiner Rechten war. Nach einiger Überzeugungsarbeit habe ich mir dann eine Alternative an einem geräumigen Notausgangsplatz erkämpft. Leider war die Beinfreiheit dort eine gemäßigte, haben sich doch dort in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Männer vor mir auf Flugzeugdecken auf die Knie geworfen. Meine ersten Gedanken war „müde“ bzw „desperat“, aber natürlich war beides falsch; wir waren in nordöstlicher Richtung untwerwegs und Mekka somit in Richtung Mittelgang.

29. Juni – 3. Juli 2011
Gleich nach Ankunft im Krüger Nationalpark haben wir uns auf die Terrasse unserer Ferienlodge zu einem Mittagessen mit Salat setzen wollen, was leider von zwi Affen durchkreuzt worden ist, die sich am Salat bedient haben. Ich war so überraschz und gebannt von dem Bild “kleiner grauer Affe mit knallroter Babytomate”, dass ich leider mehr oder weniger handlungsunfähig war. Der Park selbst ist großartig! Wir haben die „Großen Fünf“ – Löwen, Leoparden, Elephanten, Rhinos und Büffel – aber auch Hippos, Giraffen, Krokodile, Schildkröten, Adler, Zebras, Affen, Wildschweine und viele, viele Vögel. Was mir am besten gefallen hat? Eine wunderbare, riesige, ebenmäßige Elefantendungkugel im allerbesten Nachmittagslicht. Und ein vom Bauch der Mutter hängendes Affenbaby.

28. Juni 2011
Auf meinem Afrikaschnelldurchlauf habe ich Dar Es Salaam verlassen und bin nach Johannesburg weitergereist. Nachdem ich vorgehabt habe, den Krügerpark zu besichtigen habe den Serengetinationalpark in Tansania dann doch nicht besucht und – wie aufmerksame Leser sicher schon festgestellt haben, wesentlich mehr Zeit auf Sansibar verbracht, als ursprünglich gedacht.

27. Juni 2011
Nach einigen Wutanfällen gegenüber unfähigen Hotelangestellten, Taxifahrern und Autovermietern und der Feststellung, dass ich keine drei Stunden halb aus einem lokalen Bus hängend verbringen kann, habe ich doch noch einen Fahrer samt Taxi gefunden, der mich nach Bagamoyo hat bringen können. Leider hat sich dann auf halbem Wege herausgestellt, dass er selbst erst einmal und das als junger Bub im Jahre 1984 dort gewesen war. Wir haben die Hauptstadt der ehemaligen Deutsch-Ostafrika-Kolonie also gemeinsam erkundet, was ob der Sprachbarriere beliebig schwierig war. Mehrmalige Polizeikontrollen und die Notwendigkeit, ab und zu die Muttern an den reifen nachzuziehen, haben mich aber dann wieder milde gestimmt und dankbar gemacht, keinen Leihwagen genommen zu haben. Die Stadt selbst ist eher ein Nest mit langem Küstenstreifen, Daufrachtverkehr nach Sansibar und vielen bis zur Unkenntlichkeit verfallenen Kolonialbauten.

26. Juni 2011
Schweren Herzens bin ich wieder nach Dar Es Salaam übersetzt. Man kann sich schnell eingewöhnen und zuletzt war ich dank eines Muslimen namens Jesus direkt in den Klatsch und Tratsch auf der Insel involviert. Zum Abschluß war ich auch noch im Palastmuseum, wo einen Franz-Josef und Sisi anlachen. Es sind mehr oder weniger die einzigen beiden Gemälde dort und wurden anläßlich eines Handelsabkommens zwischen Österreich-Ungarn und Sansibar dem Sultanshaus seitens Franz Josef geschenkt. Die Bilder selbst sind noch ganz passabel, die Rahmen haben allerdings sehr gelitten.

25. Juni 2011
Nach langem habe ich wieder einmal zwei originelle T-Shirts gesehen, eines mit dem Aufdruck ‚Vertraue mir, ich bin Arzt‘, das andere bedruckt mit: ‚Mein Blog gefriert mir in den Adern‘. Ich habe das T-Shirt später noch einmal gesehen und muss leider zugeben, dass ich mich verlesen habe und es wohl nur ‚Mein Blut gefriert mir in den Aderen‘ geheißen hat.
Ich habe heute einen fast unmenschlichen Aktivitätsschub gehabt und 4 (in Worten vier) Postkarten geschrieben, ein paar Suveniers gekauft und tatsächlich die Stone Town vorgelagerte Insel ‚Prison Island‘ besucht, auf der es eine Riesenschildkrötenkolonie gibt.

24. Juni 2011
Heute war also der große Tag, der Abschluß des Sansibarer Film und Musikfestivals und der krönende Auftritt von Shaggy. Es hat Tickets für Einheimische und – doppelt so teure – für Fremde gegeben. Ohne Diskussion oder dass ich etwa danach gefragt hätte hat man hat mir ein Einheimischenticket verkauft. Ich bin anscheinend mittlerweile wirklich schon zu lange hier und so entschleunigt, vulgo langsam, dass ich das Konzert dann zu allem Überfluß fast noch verpasst hätte. Wobei ich im Endeffekt nicht viel versäumt hätte, denn ein etwas aus der Fasson und in die Jahre geratener Shaggy hat in Strandkleidung, die jedem Pauschalkreuzfahrtstouristen peinlich gewesen wäre, zwischen ein paar alten Hadern abwechselnd nur ‚are you ready?‘ und ‚put your hands up in the air‘ gebrüllt. Immerhin brüllt er in einem schönen Bariton.

23. Juni 2011
Die Zeit vergehet und ich kann mich nicht aufraffen, Sansibar zu verlassen. Stone Town ist wie ein orientalisches Venedig mit engen Gassen und sich windenden Straßen, zu eng für Autos. Natürlich gibt es keine Kanäle.

22. Juni 2011
Und wieder bin ich vom Dhow Palace Hotel in ein anderes Hotel namens Emerson Spice umgezogen. Es ist wiederum ein uralter Palast, manches ist noch unfertig, es wird noch heftig um- und ausgebaut. Mein Zimmer hat eine große, holzgeschnitze Veranda, von der ich auf einen kleinen Platz mitten in Stone Town schauen und das hiesige Leben von oben beobachten kann. Frauen mit bunten Kopftüchern eilen vorbei und manchmal sieht man kleine Mädchen im weißen oder rosa Sonntagsstaat mit zu kleinen Knöpfen geflochtenen Haaren vorbeieeilen. Direkt gegenüber der Veranda ist eine Moschee, deren Lautsprecher auch mich fünf Mal täglich wenn nicht aus den Schuhen, so doch aus den Angeln hebt.
Im alten Fort finden täglich Konzerte tansanischer Musiker und Filmvorführungen von hauptsächlich schwierigen Dokumentationen über das Leben in Afrika statt. Alles wartet auf Shaggy, mit dem das jährliche Film und Musikfestival am Freitag zu Ende gehen wird.

21. Juni 2011
Da ich wieder einmal einen kleinen Haarschnitt gebraucht habe, bin ich nach langem Suchen am Stone Towner Bazaar bei einem Männerfrisör mit Rastazöpfen gelandet. Der Mann hat eine Schere hervorgezogen, die jeder Drittklässler aus seinen Bastelsachen ausmisten würde und damit eine erst ungemein schiefe Linie quer über meine Stirnfransen geschnitten, die dann nach und nach zu ungunsten der Länge mehr oder weniger gerade geworden ist. Diverse Schaulustige haben mich ebenso besorgt wie ich beobachtet, unterbrochen nur von einem fliegenden Krabbenhändler, der sich durchgezwängt und mir zu allem Überfluss zur näheren Begutachtung eine große, schlammgrüne Krabbe unter die Nase gehalten hat.

20. Juni 2011
Ich habe den zweiten Teil von Stephen Frys Autobiografie fertiggelesen, beeindruckend!
Angeblich sind Menschen dann am glücklichsten, wenn sie eine bestimmte Sache tun und dabei voll und ganz bei dieser Sache, mit anderen Worten „im Hier und Jetzt“ sind. Ich bin in meinem Fiebertraum auf Sansibar und kann trotzdem nicht schlafen.

19. Juni 2011
Wie man auf Sansibar so sagt (ein Buchtitel mit einer Sammlung von 2000 Sprichwörtern aus 110 Ländern):
„ Wenn zwei Elephanten kämpfen, leidet das Gras.“
„ Für eine Ameise ist Wasser in einer Kokosnußschale das Meer.“

18. Juni 2011
Die Werft ganz im Norden von Sansibar schaut aus wie ein holländisches Gemälde aus dem 16. Jahrhundert. Vor dem weißen Sand treiben auf türkisem Wasser kleine bis mittlere Dauseegelschiffe, manchmal schiebt sich eine dunkle Wolke in den Himmel und läßt nur noch einzelne Sonnenstrahlen durch, die die vorbeifahrenden Schiffe fast übernatürlich beleuchten. Im Sand vor der Werft sind zwei tote Thunfische angespült worden, auf die sich nun die Krähen stürzen. Den knöchernen Pelikanschädel, der auch immer wieder angewaschen wird, lassen sie links liegen.
Ich wollte ja eigentlich meinen Traum über den Siamesischen Eisbären unerwähnt lassen, habe mich aber nun doch anders entschieden. Das Aufbäumen des Oberkörpers mit den beiden Köpfen beim Versuch, sich auseinanderzureißen war doch sehr sprechend. Daneben sind die über eine Mauer springenen Kühe und die Albinokuh mit dem Löwenantlitz ein wenig verblasst.

17. Juni 2011
Am Strand gehen nebst dem schon erwähnten einen oder anderen Massailaenschauspieler die illustresten Charaktäre vorbei. Sobald ich die Kamera parat habe sind sie natürlich wie vom Erdboden verschluckt.
Interessanterweise sind ja die Massai relativ unbeliebt. Manche sprechen so abfällig über sie als wären sie lediglich eine andere Spezies Tier, die man in gewissen Reservaten ungestört beobachten könne. Trotz dieser nicht einmal verhaltenen Ablehnung sind sie mehr oder weniger das einzige Motiv, das die unzähligen lokalen Maler in leuchtendsten Farben – und meist von hinten wahlweise mit Speeren, Neugeborenen oder Holzbündeln, immer aber mit Hand- und Fußschmuck – abbilden. Ach ja, und ständig soll ich diese Bilder oder nicht besonders kunstfertige Schachspiele aus Ebenholz kaufen.

16. Juni 2011
Was ist Manie? Wenn einen derselbe Polizist drei Mal innerhalb von anderthalb Tagen kontrolliert und jedesmal den Führerschein sehen will.

14. und 15. Jui 2011
An Sansibars Nordostküste kann man zwar keine Sonnenuntergänge beobachten, dafür aber vormittags einen Spaziergang bis zum Riff machen. Wo sich am Nachmittag mehr oder weniger tiefes Wasser befindet, watet man bei Ebbe höchstens knietief zwischen Seeigeln und lokalen Bäurinnen, die Seetang züchten, zum Korallenriff hinaus. Ein norwegischer Beautykonzern beschäftigt die hiesigen Frauen damit, rosa und blaßlilanen Seetang zu ernten und zu trocknen. Ab und zu liegt zwischen tausdenen von Seeigeln auch einmal ein knalloranger Seestern. Ich habe meine Reisebegleitung überzeugt, mir einen der Seesterne zu Fotozwecken an Land zu tragen und empfohlen, ihn während der ungewöhnlichen Reise ab und an zu wässern; ein Bild für Götter!

13. Juni 2011
Auf Sansibar sagt man zum Aperitiv “Sundowner” und der anscheinend wohl beste Platz dafür ist auf der Terasse des ehemaligen britischen Clubs, dem heutigen Africa House. Von dort sieht man antiquiert anmutende Seegelboote, die auch vor 400 Jahren schon so ausgesehen haben müssen und die mit den Palmen insofern konkurrieren, als sich beide in die Sonnenuntergangsstimmung drängen und man nicht weiß, was malerischer ist. Mein Hotel (Dhow Palace) hier ist wie ein Palast aus 1001 Nacht und durch eine gute Fügung nur ein paar Schritte vom Africa House entfernt. Massailaienschauspieler sieht man auch zuhauf, meist dadurch erkennbar, dass sie in weißen Plastiksandalen und nie ohne ein Handy am Ohr mehr oder weniger wie die richtigen Massai regungslos in der Landschaft stehen.

12. Juni 2011
Stone Town ist interessant, verwinkelt, zeugt von früherem Glanz und hat eine beeindruckende Architektur vorzuweisen. Auf dem Gelände des früheren Sklavenmarkts ist heute eine Kathedrale wobei der Altar just an der Stelle steht, wo Sklaven früher ausgepeitscht wurden. Es war er am längsten betriebene Sklavenmarkt unter freiem Himmel, der erst 1873 durch erfolgreiche Intervention seitens Livingstones abgeschafft wurde.

11. Juni 2001
Ich bin mit der Fähre nach Sanisbar übergesetzt und habe Stone Town schon ein wenig erkunden können.
Wie auch am Festland sind hier gewisse Gespräche zum Scheitern verurteilt: A: Morgen sollten Sie unbendingt gleich morgens das Museum besuchen, dann den Bazar und später den Sklavenmarkt! B: Ich würde sagen eher umgelehrt oder, wenn ich frische Sklaven möchte...

10. Juni 2011
Das gute alte österreichische Motto von wegen wo eine Kirche, da auch ein Kirchenwirt respektive wo eine Post, da auch ein Poststüberl läßt sich so leider auf Afrika nicht anwenden. Ich befinde mich aber auch in einem überwiegend muslimischen Land. Nichtsdestotrotz hat der lokale Kirchenchor in der Lutherkirche ein Schlagzeug, ein Keyboard und eine E-Gitarre mit Verstärker. Bei der Probe wird das Mikrofon statt mit den sonst üblichen 1, 2, 3 abwechselnd mit kräftigen „Halllujahs“ oder „Jesus(en)“ getestet.
Als ich mich heute bei einem Safaritourveranstalter nach Möglichkeiten, die Serengetti zu besuchen erkundigt habe, bin ich darüber aufgeklärt worden, dass im Tourpreis alles inklusive sei bis auf Zigaretten und Whiskey. Ich war dankbar für den Hinweis.

9. Juni 2011
Meine erste Unterhaltung nach der Ankunft gestern hätte recht amüsant werden können, wurde aber irgendwie im Keim erstickt. Der Taxifahrer hat sich sehr freundlich als „Hey, I am Dead“ vorgestellt, worauf ich gesagt habe, dafür dass er tot sei, schaue er sehr lebendig aus. Leider war unser Gespräch damit beendet. Nicht viel besser im Hotel, wo meine Frage, was denn das für eine Suppe sei, die der Kellner serviert von diesem eher einsilbig mit „Cremesuppe“ abgetan worden ist.
Eine gewisse mangelnde Geschäftseinstellung kann aber durchaus charmant sein. So hat mir ein Angestellter einer Hotelrezeption heute erklärt, ich könne mir gerne im nahegelegenen Supermarkt etwas kaufen und dann in der Hotelbar auf der Dachterasse trinken.
Apropos einkaufen: Nur ein kleiner Auszug der Dinge, die es hier auf der Straße zu kaufen gibt: Unmengen an hochhackigen Schuhen für eher unebenes und für derartige Schuhe definitiv ungeeignetes Stadtgelände; die lokalen Schuster sind aber bestens vorbereitet und haben eine gute Auswahl an hohen, meist knallroten Absätzen vorrätig. Dann gibt es noch fliegende Händler mit wahlweise bereits vorgebundenen Krawatten, Nüssen, Äpfeln, Afrikalandkarten, Tischflaggen aus aller Herren Länder, Handyautoladegeräten, einzelnen Zigaretten, Kindermosquitonetzen und Puppen.
Insgesamt ist es aber wahrlich nicht einfach, mich einfach so unters Volk zu mischen. Nach über acht Monaten des Reisens bin ich immer noch nicht gebräunt genug um nicht als weit und breit einzig Weiße aufzufallen. Nicht gut, was das Photographieren anbelangt. Ein Einheimischer hat mich gefragt, ob ich andere Weiße ihren Ländern zuordnen könne, ohne sie sprechen zu hören. Ich habe gesagt, teilweise und gefragt, wie es denn bei ihm und den anderen Afrikanern sei. Die Antwort war recht originell, nämlich, nein, er müsse die Leute sprechen hören, denn schließlich würden sie alle gleich aussehen und keiner hätte etwa blonde Haare.

8. Juni 2011
Mark Twain hat angeblich gesagt dass derjenige, der keine guten Bücher lese demjenigen, der diese nicht lesen könne, nichts voraus habe.
Mir ist übrigens wieder eingefallen, was ich über Neuseeland noch berichten wollte. Es gibt dort rein weiblich geführte Bestattungsunternehmen, die mit „von Frauen für Frauen“ werben, etwa White Lady Funerals. Eine kleine Internetrecherche hat ergeben, dass dies seit den späten 1990-er Jahren auch in Großbritannien in Mode ist. Die Neuseeländer Bestattervereinigung – ihr Moto lautet: „weil das Leben es verdient, gefeiert zu werden“ - wirbt auf ihrer Webseite für einen „Begräbnis-Kit“ und bietet nebst Traueranleitungen auch „prepaid Begräbnisse“ an.

7. Juni 2011
Ich bin wieder aufgebrochen, dismal zum IV. Teil meiner Weltreise, der mich zu Beginn via Äthiopien nach Dar Es Salaam in Tansania bringt. Ich reise noch immer nicht federleicht, habe mich aber das Einpacken betreffend dramatisch verbessert und nur mehr 18,2 Kilo in meinem Koffer, wobei das Stativ alleine schon zwei Kilo wiegt. Aus mysteriösen und weiter nicht nachvollziehbaren Gründen sind daraus aber während der zwei Minuten des Eincheckvorgangs und somit quasi beim Hinschauen schon 18,3 und dann gar 18,4 Kilo geworden. Wie schon früher (siehe Eintrag vom 1. April 2011) bemerkt, scheinen die Gesetze der Physik auf mein Gepäck schlicht und ergreifend nicht anwendbar zu sein.
Erhaltener Kommentar vom einzigen Zeugen der mysteriösen Gewichtsveränderung: Ich hoffe, Du hattest einen guten Flug. Hast Du den Koffer schon wiegen können und wenn ja, was wiegt er jetzt?
Ich habe leider noch keine Gelegenheit dazu gehabt, habe aber das Gefühl, dass er sich schwerer anfühlt als zuletzt in Brüssel...

6. Juni 2011
Die Belgier haben es nicht gerne, wenn man zu ihrem König “unser” König sagt. Sie sind da irgendwie beitzgierig und erlauben es Fremden wie mir nicht, sich seiner zu bemächtigen. Der Einfachheit halber haben wir uns auf „mein Adoptivkönig“ geeinigt, was aber selbigem, sollte er je davon hören, sicher nicht gefallen würde.

5. Juni 2011
Dass das Manneken Pis der ultimative Kitschbrocken ist, war ohnehin klar. Dass er manchmal angezogen ist und einmal im Jahr Bier „spendet“, ist auch bekannt. Dass aber nun eine Kopie von einem Süßwarengeschäft in einen Schokobrunnen umgewandelt worden ist und nun also zähflüssige Schokolade aus dem Kind tröpfelt, ist irgendwie unerhört.

4. Juni 2011
Die weitere Planung meiner Reise ist etwas zäh angelaufen. Ich habe bisher lediglich einen one-way Flug nach Tansania gebucht – eher nicht der übliche Reiseverlauf: Brüssel – Dar es Salaam – Ende.

3. Juni 2011
Wie hat die Oma immer gesagt? Was einen nicht umbringt, macht einen nur härter. Sie hat wohl auch ab und zu gesagt, es kommt oft anders, als man denkt.

2. Juni 2011
Deutsche Sprache, schwere Sprache. Kleine Fehler können sehr erheiternd sein wie etwa die Aussage eines begeisterten werdenen Vaters über die Fortschritte in seinem Deutschkurs: „Ich werde das Baby futtern!“
Der Untergang des Abendlandes ist übrigens wieder einmal näher gerückt. In Österreich gibt es mittlerweile Wasabi- und – noch schlimmer – Kernölkartoffelchips!

1. Juni 2011
Steven Pinker denkt in seinem Buch “The Blank Slate” darüber nach, ob es eher „Gehirntransplantation“ oder „Körpertransplantation“ heißen sollte und zitiert dabei Dan Dennett der meiner Meinung durchaus richtigerweise sagt, dass eine Gehirntransplantation die wohl einzige Transplantation sei, in der man besser der Spender als der Empfänger sein möchte.

31. Mai 2011
Wie mir zugetragen worden ist, führt die US Webseite, wo das Department of Justice fein säuberlich alle Hingerichteten mit ihren „Last Statements“ auflistet.

23. bis 30. Mai 2011
Ich muss mich für die Blogferien in Belgien bzw. Österreich bei allen Lesern entschuldigen ...

22. Mai 2011
Ich habe einen wunderschönen Bumerangschmuckanhänger geschenkt bekommen, der mich nicht nur an Australien sondern auch an eine Zeit erinnert hat, in der ich folgendes Gedicht auswendig gelernt und zwecks richtigen Tonfalls und sehr zum Leidwesen meiner Mutter immer wieder auf Tonband gesprochen habe:
Bumerang von Joachim Ringelnatz
War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.

21. Mai 2011
Wider Erwarten einiger ist die Welt heute doch nicht um 18 Uhr untergegangen. Man kann froh sein.

20. Mai 2011
Was ich nicht alles versäumt habe während meiner Reise! Vor nicht ganz einer Woche war in Wien die „Lange Nacht am Wiener Zentralfriedhof“ mit so interessanten Programmpunkten wie:
* Präsentation Fuhrpark und Kutsche (bei Kirche)
* Laternen basteln und Sarg bemalen (Kinderprogramm)
* Leistungsschau der Bestattung Wien
* Museums-Präsentation mit Klapp- und Sitzsärgen
* Ausstellung Prachtbegräbnisse und internationale Parten
* Sargheben
Ein weiteres Highlight war wohl das „Sarg-Probeliegen“. Angeblich – so eine ausländige Zeitung – hat ein Kind beim Sargbemalen eher trocken vermerkt: Ich will da nicht hinein.

17. bis 19. Mai 2011
Brüssel steht noch und die Falken brüten das siebten Jahr in Folge im Dom, was immer noch keine Entschuldigung für das ewig falsche Glockenspiel ist. Das Viertel rund um die Rue Froissart hat sich rasant weiterentwickelt und ist direkt urban geworden.

16. Mai 2011
Allem Anschein nach ist die Erde wirklich eine Kugel und heute ist es offiziell, dass ich einmal ganz rundherum gekommen bin. Am 6. Jänner bin ich aus Brüssel aufgebrochen und bin durch Singapore, Myanmar, Malaysien, Vietnam, Thailand, Neuseeland, Australien, Fiji, Hawaii und San Francisco gereist und heil wieder in Brüssel angekommen. Und Belgien vulgo Absurdistan hat mich wahrlich nicht enttäuscht und mir einen interessanten Empfamg bereitet: Als ich auf mein Gepäck gewartet habe ist immer wieder eine ansonsten leere graue Kiste mit einem einzelnen, knallrosa BH im Kreis gefahren. Wie man beim Einchecken einen BH verlieren UND sicherstellen kann, dass er unbeschadet am Zielort ankommt, ist mir ein Rätsel. Es war übrigens soweit ich sehen konnte keine Lasche mit Bestimmungsort dran.

15. Mai 2011
Zeit, San Francisco Adieu zu sagen und mich auf die letzte Strecke der zweiten Etappe meiner großen Reise aufzumachen. Gute Werbung mit Esprit ist dieser Tage ja nicht einfach zu finden und so war ich recht angetan von einer Kampagne für ein Vorsorgeimpfprofgramm, das am San Franciscoer Flughafen ausgehängt war. Auf dem Foto war ein kleines Mädchen vor einem riesigen Koffer zu sehen. Über dem Bild stand die Frage: Was hat Marie aus dem Urlaub mitgebracht? Anzukreuzen war: A: T-Shirt B: Schneekugel oder C: Masern.
Der Fairness halber muß ich hier noch anführen, dass mich “Washaria” als Name für eine Münzwäscherei amüsiert hat und ein großes Schild an einem Obststand nahe der Autobahn mit der Aufschrift: “Geschenk der Natur: Knoblauch und Kirschen“ auch nicht schlecht war.

14. Mai 2011
Ich könne in San Francisco Tage damit verbringen, über die diversen Brücken zu fahren. Die Golden Gate Bridge ist malerisch, vor allem bei Sonnenuntergang. Wie auf einer Postkarte, nur dass man bei den Postkartenbidern nie daran denkt, wie windig und kalt es dort sein kann. Und ja, ich bin noch einmal die Lombard Street hinuntergefahren! In einer hügeligen Stadt wie San Francisco ist ein Auto ein wahrer Segen, auch wenn Parken natürlich wie in jeder Großstadt ein Problem darstellt. Wenn ich an meine erste San Franciscoreise vor 12 Jahren denke, erinnere ich mich am besten an das lange, lange Bergauf- und Bergabgehen. Auch wenn ich diesmal mehr gefahren als gegangen bin, so waren es doch auch wieder erkleckliche Strecken zu Fuß. Ich hätte mich gerne massieren lassen, allerdings bin ich nur auf dubiose Etablissements wie “Die Nächte in Paris – Massagen und Spa” gestoßen und habe es dann doch bleiben lassen.

13. Mai 2011
Die Valencia Street in San Francisco ist immer wieder eine Inspirationsquelle. Ich habe ein Schild vor einem Geschäft gesehen, das mit „nachhaltigem Sex“ geworben hat. Man bat Leute näherzutreten, um mehr über „die umweltfreundliche Methode“ zu lernen. Wahrscheinlich kann man auf die eine oder andere Weise zu Co2-Ausgleichspunkte für den Emissionshandel kommen. Auf der anderen Seite ist es ja heutzutage kaum mehr möglich, mit jemandem in einem Café zu flirten. Die Cafés können noch so gemütlich, stilvoll, interssant eingerichtet und voller jeweils einzeln Sitzender sein, sobald kostenloses Schnurlosinternet angeboten wird, findet absolut keine Kommunikation an Ort und Stelle mehr statt, weil alle mit oder ohne Kopfhörer an ihre Bildschrime gefesselt sind.
Ich bin die Lombard Street hinuntergefahren, ein alter Fiebertraum, den ich hege, seit ich diese unglaublich steile, sich in Miniserpentinen windende Straße zum ersten Mal gesehen habe. Das beste daran waren die neidischen Blicke der anderen, nicht motorisierten Touristen!

12. Mai 2011
Ich werde versuchen, heute nach San Francisco zurückzufahren. Mein I love New York T-Shirt sollte ich wohl besser nicht tragen.
Unterwegs habe ich Santa Cruz besichtigt, das zum Teil strandseitig einfach ein riesiger Vergnügungspark ist. Ein Stand hat sich „The Stinky Feet“ genannt. Man konnte sich jeweils zu zweit auf Toiletten setzen und dann im Wettbewerb gegeneinander Seife auf natürlich nicht wirklich stinkende Füße von Puppen werfen. Wo der springende Punkt der eigentlichen Reinigung war bzw wie der Reinheitswert der Füße gemessen wird, konnte mir der dort beschäftige Mensch leider nicht näherbringen. Die gaze Sache hat mich sehr an Las Vegas erinnert, wo es einen Stand gibt, an dem man Gummihühner in Spielzeugkochtöpfe katapultieren muss. In beiden Fällen frage ich mich, wie Leute, die dort arbeiten ihren Job beschreiben. Wahrscheinlich, dass sie in der Entertainmentbranche sind oder so.

11. Mai 2011
Ich fühle mich immer noch elend und habe das wunderbare Auqarium in Monterey gar nicht richtig genießen können.

10. Mai 2011
Habe mich nach Napa City geschleppt und dort Kaffee getrunken. Pathetisch oder, in Mitten einer der bekanntesten Weinregionen der Welt Kaffee zu trinken?

9. Mai 2011
Ich habe eine Grippe oder Angina und bin mittlerweile in eine Phase eingetreten, in der Freunde eine Überdosis Vitamin C anraten, ich Orangensaft zweiliterpackungsweise trinke und mich nicht und nicht daran erinnern kann, wie es war, ohne Schnupfen, Schluckbeschwerden und Kopfweh zu sein.
Die gute Nachricht des Tages, wie mir ein lieber Kommentator mitteilt, ist, dass meine Webseiten im Gegesatz zu Google, Picasaweb oder Xing in China nicht mehr gesperrt sind!

8. Mai 2011
Ich bin weiter ins Napa Valley gefahren und am Weg dorthin durch Berkeley und Richmond gekommen. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist ja, mich durch Buchhandlungen zu stöbern. Wie so oft sind mir auch hier sehr dubiouse Titel untergekommen, etwa: „Zen Judentum“, „Bleiben Sie ruhig und an Ihrem Kreuzworträtsel dran“, „Das Buch der allgemeinen Ignoranz – alles was sie meinen zu wissen ist falsch“ oder „Der Guerillakunstaustattung“. Leider hat die Buchhandlung geschlossen, bevor ich mich zum Erwerb eines der Werke habe durchringen können.
Als ich dann bei meinem neuen Hotel angekommen bin hat mich ein anderer Gast mit folgenden Worten begrüßt: Willst Du einen deutschen Schäferhund? Ich verkauf Dir einen für einen Nickel!

7 May 2011
Ich habe einen sehr angenehmen Tag in Oakland verbracht, das mir übrigens ausgezeichnet geafallen hat. Es gibt dort einige sehr nette Viertel (Rockridge/College Street, Montclair Village, Piedmont Avenue und Old Oakland) mit interessanten Geschäften, Cafes und Restaurants. Manche Etablissements haben auch interssante Namen, so etwa „Ich zum Quadrat“, „Gottes Fitnesstudio“ oder „Piekfeiner Nagellack“. Ein Restaurant hat ein “bodenloses Weinglas” im Angebot gehabt, wobei man mit einem Essen so lange Wein triken kann, wie man will. Die Conga Lounge, eine Hawaiibar auf der College Street, die von sich selbst sagten, sei seien “powered by pineapple”, setzt sich basierend auf der Behauptung, er sei in Oakland erfunden worden, beflissen dafür ein, den Mai Tai zu Oaklands offiziellem Dink zu machen.

6. Mai 2011
Es wird Zeit, Hawaii wieder zu verlassen. Ich habe einen Nacktscanner vermeiden können, indem ich leider wahrheitsgemäß kundgetan habe, dass ich meinen linken Arm immer noch nicht richtig heben kann. Moralische Gründe haben demgegenüber keinelei Gewicht; erst habe ich es nämlich damit versucht, dass ich den Scanner einfach nicht will. Es hieß nur lapidar: Sie sind die nächste, daher gehen Sie hier durch, basta.
Manchmal ist es wirklich schade, dass man gewisse Dinge nicht fotografieren kann. Ein Mitreisender hat heute ausgesehen wie ein Koffer. Seine khakifärbige Jacke war über und über mit Abzeichen von Ländern dekoriert, die er offensichtlich besucht hat. Wenn er sich nicht ab und zu bewegt hätte, hätten ihn beflissene Flughafenmitarbeiter sicher zum Lost and Foundschalter getragen und dort neben all die anderen Koffer gestellt.

5. Mai 2011
Captain Cook war omnipräsent in Australien und ist auch auf Hawaii eine illustre Figur. Ich bin zu der Stelle gefahren, wo sie ihn dann am Ende gegessen haben. Sein strategischer Fehler war es, sich im Rahmen der Verabschiedung eines Crewmitglieds implizit als Sterblicher zu outen. Und Sterbliche können im Gegensatz zu Göttern halt auch verspeist werden.
Man würde es ja nicht erwarten, aber eigentlich hat es seit ich auf Hawaii bin die meiste Zeit über geregnet. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es aber auch Bier auf Hawaii.
Erhaltener Kommentar: Ich habe begonnen, Deinen Blog zu lessen, bin dann aber von den Grand Canyonbildern abgelenkt worden. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so hochwertige Bilder gesehen zu haben! Ich bin beeindruckt von Deiner Arbeit!!!

4. Mai 2011
Auf der rechten Straßenseite zu fahren ist auf der einen Seite einfach, auf der anderen aber nach drei Monaten Linksverkehr mit einem Mal ungewohnt. Reisefüher sind manchmal eine wahre Quelle der Inspiration. Wie sonst würde man wissen, dass es beim Altwarenhändler das beste Eis gibt, dass ein Geschäft namens „Eselshoden“ eine Schokoladenmanufaktur beherbergt und eine Massageschule daneben günstigst Massagen feilbietet. Angeblich, so wiederum das schlaue Buch, gibt es auch auf Hawaii viele Frösche, in Hilo auf der Ostseite mehr als in Kona auf der Westseite, was die Autoren zur Aussage hingerissen hat, Hilo sei „froschiger“. Wie dem auch sei, ich habe weder in Hilo noch in Kona auch nur einen einzigen Frosch gesehen. Dafür bin ich heute mit einer Schildkröte geschwommen! Um ehrlich zu sein - und Menschen, die mich in der Nähe anderer Tiere und vor Hühnern Respekt habend gesehen haben werden verstehen - bin ich hinter einer Seeschildkröte hergeschnorchelt und habe mich möglichst nicht zu erkennen gegeben.

3. Mai 2011
Ich bin meiner Zeit nun offiziell hinterher. Mir ist ein Termin für den 4. Mai angekündigt worden, der für mich aber am 3. stattgefunden hat. Sehr verwirrend, aber wenn es in Asien Vormittag ist, dann ist es in Hawaii noch Nachmittag des vorigen Tages...
Gestern oder für die meisten meiner Leser dann vorgestern war ich im Süden von Kona unterwegs und bin bis zum Place of Refuge im Pu‘uhonua o Honaunau National Historical Park gekommen. Heute bin ich einmal rund um die Insel gefahren, die größer ist, als man annehmen möchte. Leider ist der berühmte Vulkan zum einen zu aktiv und so ist die Kraterstraße teilweise gesperrt; dann aber ist er auch wieder zu wenig aktiv und man sieht leider entgegen der Ankündigungen auf vielen Bildern kein Magma und keine rote Lava.

2. Mai 2011
Ich frage mich ja oft, was künftige Archäologen und Antropologen über die Menschheit rund um das Jahr 2000 sagen werden. Beispielsweise, wenn sie auf Trinkbrunnen stroßen. Werden sie aufgrund von Skelett- und Petflaschenfunden darauf schließen, dass im Schnitt 1,50 bis 1,90 große Menschen in einem mehr oder weniger großen Winkel vornübergebeugt und mit der Hand einen komplizierten Pumpmechanismus betätigend getrunken haben. Und werden sie meinen, dass das unsere vorwiegenden Wasserquellen waren? Werden sie weiters annehmen, dass andere Menschen an ebendiesen Brunnen Petflaschen für Betuchtere angefüllt haben?

1. Mai 2011
Von Honolulu ist es heute weiter nach Hawaii (der „großen Insel“) gegangen. Hawaiian Airlines verlangt für einen Koffer, den man einchecken will, zehn Dollar extra, allerdings nur von US-Bürgern, Greencardbesitzern und sonstigen Menschen, die sich länger legal in Amerika aufhalten. Für alle anderen werden die Koffer kostenlos transportiert. Eine seltene und sehr interessante Form der Inländerdiskriminierung. Normalerweise ist es ja eher umgekehrt. In Australien und Neuseeland etwa gelten nur heimische Behinderte als behindert, alle anderen sind formal pumperlgesund.

30. April 2011
Wilkommen also in Hawaii und gewissermaßen sehr in Amerika. Anstatt der Blumenkränze erwartet einen ebenso quälerische Einreiseformalitäten wie überall sonst in den USA: enorme Warteschlangen bei der Paßkontrolle, mißtrauische Fragen, wie lange man denn nun wirklich im gelobten Land bleiben wolle und Kühlschranktemperaturen in der Wartehalle, im Taxi und im Hotel. Honolulu ist trotzdem eine Klasse für sich, auch wenn am Waikiki Beach leider keine Spur von Elvis mehr zu sehen ist, auch wenn alles mit Hochhäusern und Hotels zugepflastert ist und auch wenn man seinen Blumenkranz kaufen muß. Apropos einkaufen: ich habe versucht, zur Feier des Tages eine Minimenge Alkohol zu erstehen und bin an der Kasse prompt gefragt worden, wie alt ich denn sei. Ich habe lachend Auskunft gegeben und bin von der Kassierin mit sehr ernster Mine nach einem Ausweis gefragt worden. Da ich leider keinen Ausweis bei mir hatte, hat sie nur wortlos auf ein Schild gedeutet, auf dem stand: Für Alkohol: Personen, die wie 30 oder jünger aussehen, müssen sich ausweisen. Für Tabak: Personen unter 40 müssen sich ausweisen.

1 Mai 2011
Abreise aus Fiji am 1. Mai um 9:45 Uhr und Flug nach Hawaii! Und hey, nach sechseinhalb Stunden Flug und nur zwei Stunden Zeitverschiebung ist es bei der Ankunft wieder 30. April, 18:15 Uhr! Schon bei der Planung dieser Reise habe ich diesem Tag entgegengefiebert. Vielleicht klingt es kindisch, aber die Symbolik der internationalen Datumsgrenze hat etwas. Vor allem in einem Jahr, in dem ich nicht arbeite, zweimal Tag der Arbeit zu feiern (und wie es sich ergibt, auch zweimal einen 30. April zu haben) ist schon etwas besonderes!

30. April 2011
Ich habe an einer Kavazeremonie teilgenommen. Kava wird aus einer Wurzel hergestellt, riecht entfernt nach Kakau und schmeckt, als Puder mit kaltem Wasser vermischt wie kalter, chinesischer Tee mit einem Hauch Chilli. Wenn auf Fiji um die Hand der Tochter angehalten wird, hat der künftige Schwiegersohn dem Schwiegervater ein Kilogramm Kava und einen Wafischzahn zu bringen. Ich nehme einmal an, mein Vater hätte für den Zahn wenig Verwendung.
Es wimmelt auf Fiji übrigens vor Fröschen, meiner konservatven Schätzung nach gibt es pro Quadratmeter an die fünf bis zehn schlammgrün-braune Exemplare. Leider sind sie sehr mobil; ans Küssen ist nicht zu denken!
Erhaltener Kommentar: Eigentlich wollte ich ja gerade schlafen gehen, hier ist es 0.30h. Aber nach einem letzten Blick in Deine neuesten Blog-Einträge muss ich Dir unbedingt noch mal Dankeschön sagen. You made my day! Deine letzten Einträge sind wirklich wieder mal Margit vom Feinsten, obwohl Du ja offenbar mittlerweile mit dem Namen Eva zu liebäugeln scheinst. :) Gibt es ein Foto von Dir mit dieser Mütze? Bittebitte! Ach, und lass das mit den Fröschen sein! Menschliche Männer wissen Deine Küsse eher zu schätzen.
Hi Putzi, im Blog vom 30.April meinst Du, ich hätte für einen Walfischzahn keine Verwendung. Dazu muß ich sagen: Für einen steilen Tahn wie Dich, müsste der Betreffende mit einem ganzen Walgebiss ankommen. Ich würde daraus ein Gartentürl machen, das wäre schon was. Bussi Papa

28. und 29. April 2011
1. Notiz an mich selbst: Wenn man in einem sogenannten Surferaparadies in einem Surferhotel absteigt, darf man sich nicht darüber wundern, auf Surfer zu stoßen, die kein anderes Thema als Surfen kennen.
2. Notiz an mich selbst: Fiji mag es im Schnitt auf 300 Sonnentage bringen, man kann allerdings auch Pech haben und während der restlichen 65 zu Gast sein.
3. Notiz an mich selbst: sich in eine kleine, traditionall gebaute Strandhütte einzumieten kann eine romantische Idee sein, die einem aber schnell vergeht, wenn man von sturzbachartigen Regengüssen, die sich ihren Weg durch das Strohdach auf die Matratze gebahnt haben, aus dem ohnehin leichten Schlaf gerissen wird. (Der Name der Hütte “rock lobster bure” ist in dem Sinn eigentlich durchaus angebracht; ich nehme an, ein Hummer würde sich ebenso mit letzter Kraft an Steinen festklammern, um nicht weggeschwemmt zu werden.)

26. und 27. April 2011
Nach Fiji zu fliegen hat eine weitere Kontrolle mit sich gebracht und natürlich habe ich meine verbleibenden Cornflakes wieder angegeben. Die Dame am Zollschalter hat mir tief ind ie Augen geschaut und festgestellt: Sie haben nichts zu verzollen. Ich habe schwach entgegenet, doch, ich hättte es auf dem Formular auch angekreuzt. Sie hat, diesmal mit noch festerer Stimme darauf bestanden, dass ich NICHTS zu deklarieren hätte und hat mich brüsk weitergewunken. Nach einer Nacht in Nadi bin ich mit einer Fähre weiter auf die Mamalukainseln gefahren. Das Resort, in dem ich untergekommen bin, ist von vielen im Internet als ein „Zuhause fern der Heimat“ beschrieben worden. Bei näherer Betrachtung muss ich sagen, dass es für eine solche Beschreibung im allgemeinen wohl darauf ankommt, was man zu Hause als „daheim“ bezeichnet. Ich bin in einer Mückenzone, die schlimmer ist als die in Cairns. Aber abgesehen davon ist die Insel hier sehr hübsch, entspannend und abgelegen. Ich würde fast soweit gehen und sagen, dass ich an einem äußeren Rand der Ziviisation gelandet bin. Und es gefällt mir sehr gut hier.
Erhaltener Kommentar: Was ist eigentlich so schlimm, wenn man Essen per Flugzeug mirbringt? Ich hoffe, Du hattest trotzdem angenehme Flüge!

25. April 2011
Gleich hinter der Sicherheitskontrolle steht auf alle den Australischen Flughäfen, die ich gesehen habe, ein freundlicher Flughafenangestellter, hält stichprobenartig ausgesuchten Passanten ein Schild unter die Nase, auf dem höflich um Kooperation bei einem Sprengstofftest gebeten wird, den man selbstverständlich auf Freiwilligkeit aufbaue. Im Falle der Verweigerung wird einem allerdings der Zugang zum Flugzeug verwehrt. So viel zum sanften Zwang. Wie auch immer, ich werde jedesmal ausgewählt und habe gestern nur noch grinsen müssen, als ich wieder einmal gebeten wurde, mich für dem Test zur Verfügung zu stellen. Zum Glück hat der Mensch nicht genau zugehört als ich gemurmelt habe: irgendwann wird einer Ihrer Kollegen etwas finden...
An sich darf man nach Neuseeland und Australien keine Nahrungsmittel einführen, es sei denn, man deklariert sie. Andernfalls stehen drakonische Strafen ins Haus. Ich habe also eine angebrochene Müslischachtel und einen Apfel (in Mandarinengröße) angegeben und durfte die Erstkontrolle einmal passieren. Bei der Zweitkontrolle ist das gesamte Gepäck geröntgt worden, woraufhin mir eine eisige Stimme anklagend an den Kopf geworfen hat, ich hätte einen APFEL bei mir! Ich habe bejaht und gesagt, ich hätte ihn auch brav deklariert. Ich habe den Apfel wunschgemäß aus der Tasche gezogen, bin einige Minuten lang wie eine verhinderte Eva mit dem dunkelroten Miniapfel auf der ausgestreckten Handfläche pflichtschuldig dagestanden und habe auf den Kontrolleur gewartet, der mir den Apfel dann angewidert weggenommen und anschließend weggeworfen hat. Im Bus ins Zentrum hat mir ein neuseeländischer Mitreisender dann erzählt, ihm sei es ähnlich gegangen, allerdings hätte er auf den Apfel vergessen und prompt 400 Dollar Strafe bezahlen müssen. Nach etwa fünfzehn Minuten angeregter Unterhaltung hat mir selbiger Mitreisender dann ein Kompliment bezüglich meiner hervorragenden Französischsprachkenntnisse gemachtl. Meinem etwas verwirrten Blick ausweichend – schließlich ist kein einziges französisches Wort gefallen – hat er dann entgegnet, mein Bootsführerkapperl hätte ihm irgendwie nahegelegt, ich sei Französin. Es war wohl ein langer Abend für alle...

24. April 2011
Frohe Ostern! Heute ist mein letzter Tag in Australien bevor ich heute Nachmittag noch einmal nch Neusseeland fliege (kann ich bitte dortbleiben???) und dann übermorgen weiter nach Fiji.
Was kann ich zusammenfassend über Australien berichten? Ich habe viel von meinen jeweiligen Leihautos gesehen, aber natürlich auch von diesem riesigen Land und glaube ich einen guten Eindruck von den Dimensionen bekommen. Als ich das Autoradio zum ersten Mal eingeschaltet habe, wurde interessanterweise genau DAS Australienlied gespielt, “I come from a land down under”.
Die Australischen Buchandlungen führen interessante Titel wie: Ich bin nicht verrückt, ich bin nur nicht du“, „Der freie Wille, ein Ratgeber für den Ratlosen“ oder, sehr interessant, „Obama und das Reich” von Fidel Castro. Preise für gebrauchte Bücher erreichen hierzulande höhere Werte als die ursprünglichen Neuverkaufspreise. Und insgesamt ist das Preisniveau genauso atemberaubend wie die landschaftliche Schönheit mancher Orte. Jedermann hat mir versichert, dass 16-20 Dollar (etwa 14-18 Euro) für ein Kilo Bananen nur deshalb verlangt warden, weil die Überschwemmungen in Queensland die Ernte großteils zerstört haben. Sieben Dollar für eine Flasche Wasser und 20 Dollar für ein kleines Stück australischen Käses waren nicht mehr so einfach zu erklären.
Die Australier sind Abkürzungsfanatiker. Die 2008-er Finanzkrise heißt hier GFC – global financial crisis, BYO ist ein normaler Hinweis auf Speisekarten und steht für bring your own, man kann also seine eigenen Getränke mitbringen. Das beste Schild war meiner Meinung nach aber “Die Seemöwen nicht füttern oder sie s.o.y.“ (bleibt unübersetzt…).
Erhaltener Kommentar: Vergiß nicht zu erwähnen, dass Belgisches Bier 12 Euro kostet; man genießt dann jeden Tropfen!
Erhaltener Kommentar:Sehr informative Seite. Kann man in keinem Reiseführer so ausfürhrlich im kleinen Detail erfahren. Schöne Ostern noch! Schöne weitere Reise!!!

23. April 2011
Ich habe mich um kurz vor sechs aus dem Bett gequält um zum Sonnenaufgang beim Ayers Rock zu sein, was sich aber absolut gelohnt hat. Der Fels verändert seine Farbe fast minütlich, von schwarz zu orange eine Stunde später. Am Nachmittag bin ich zu den Olgas gefahren, die heute allerdings (wieder) Kata Tjuta heißen. Mit meinem schicken Fliegennetz ausgestattet habe ich mich zu einer Wanderung durch das sogenannte Valley of the Winds aufgemacht. Die Landschaft dort könnte in Neuseeland sein, sehr schön!

22. April 2011
Meine letzte Station in Australien ist der Uluru, der Ayers Rock. Schon der Landeanflug war grandios, die Olgas und der Ayers Rock in der Ferne, rote Riesen in der roten Wüste. Obwohl rote Wüste ja gar nicht stimmt. Es hat ungewöhnlich viel geregnet in letzter Zeit und so sind die sonst trockenen Seen im Umland durchaus teilweise mit Wasser gefüllt und vieles an Steppengras ist grün. Leider – und hier kann ich wiederum leider an gestern anschließen – hat das auch zu einer Vielzahl von schwarzen Fliegen geführt. Die Westaustralische Grenze ist nah und somit bin ich wieder im Gebiet der schwarzen Fliegen. Die schiere Anzahl ist überwältigend. Vorzugsweise ziehen sich diese Fliegen sofort in Ohren, Nase oder Mund zurück und wenn diese Plätze besetzt sind, sitzen sie auf einem. Überall. Immerhin stechen sie nicht. Ich habe mir also wie viele andere auch eine Art Fliegenschleier gekauft, ein Netz, das den gesamten Kopf bedeckt, sehr kleidsam...
Aber zurück zum Felsen an sich. Er ist imposant. Und ja es stimmt: auch wenn man ihn schon so oft auf Postkarten und sonstigen Abbildungen gesehen hat, es geht nichts darüber, selbst davor zu stehen.

21. April 2011
Ich bin gefragt worden, wie es mit dem berühmt-berüchtigten "wild life" in Australien aussieht. Nun, es gibt Zeiten und Orte, wo ich nicht unglücklich darüber bin, auch mit Brille sehr schlecht zu sehen. Vor allem gestern und heute bei diversen Spaziergängen durch die sogenannten „wet tropics“, wunderschöne Regenwälder, dunkel, unheimlich und wie im Bilderbuch mit spirallförmig gedrehten Luftwurzeln, Lianen, Urwaldriesen, Farnen und noch vielem mehr, wollte ich manchmal gar nicht genau hinschauen, wenn sich wieder einmal etwas bewegt und geraschelt hat. Fazit: ich habe bisher keine Schlangen gesehen, wilde Kängurus nur aus der Ferne, Koalas und Cassowarys nur im Zoo und Krokodile und Box Jellyfish-Quallen nur auf Hinweisschildern. Dafür habe ich seit vorgestern etwa 400 Mückenstiche, Tendenz steigend. Mein Insektenschutzmittel hilft anscheinend nur dabei, noch mehr von ihnen anzuziehen. Und ja, man würde es zwar nicht für möglich halten, aber die hiesigen Mücken können zweimal in dieselbe Wunde stechen, wenn sie sonst keinen günstigen Platz mehr finden. Der Unterscheid zu Westaustralien für mich als Nichtbiologin besteht diesbezüglich darin, dass die Mücken im Osten fast unsichtbar klein sind und überall stechen, außer in der Kopfzone. Im Westen sind es schwarze, große Exemplare, die eher nicht stechen, sich dafür aber gerne in unmittelbarer Augennähe aufhalten oder sonstwo ins Gesicht setzen.

20. April 2011
Die weitere Erkundung rund um Cairns hat mich von Port Douglas aus im Norden bis zur Cow Bay und dann weite bis Cape Tribulation geführt. Das Daintreeregenwaldgebiet ist gut erschlossen und mit vielen Wanderwegen durchzogen. Am Weg zu den Table Mountains bin ich an der Mossman Gorge vorbeigekommen, über den Mount Malloy gefahren, war kurz in Marreeba und Atherton und dann in Yungaburra und Milla Milla. Rund um Milla Milla habe ich dann einen Wasserfall nach dem anderen angeschaut, insgesamt sechs oder sieben und ja, sie waren alle anders, wobei mir die Milla Milla Falls am besten gefallen haben. Schön ist, dass man meist erst einige hundert Meter durch den regenwald marschieren muss, bis man am Wasserfall ankommt. Nach Innisfall wo ich mich am Flying Fish Point vorerst vom Meer verabschiedet habe, bin ich dann noch über einen weiteren Wasserfall (Josephine Falls) und die Babinda Boulders wieder retour nach Cairns gefahren.

18 und 19. April 2011
Ich bIn weiter nach Port Douglas gefahren. Ein nettes Örtchen mit einem wunderschönen Strand. Und vor der Küste ist das einmalige Great Barrier Reef – auf dem Captain Cook seinerzeit natürlich auf Grund gelaufen ist! Unbeschreiblich! Ich bIn mit einem Schnellboot bis an den äußeren Rand nahe des Kontinentalsockels gefahren. Man sieht dort Fische und Korallen in allen Farben und Formen. Es war, wie in einem Aquarium zu schwimmen, einmalig!

17. April 2011
Die Australier haben es mit Captain Cook und die Aborigines haben es nach wie vor schwer mit ihm wie es scheint. Cook hat einen Faible dafür gehabt, alles was er an Landschaftlichem gesehen hat zu benennen. Und nur mit Mühe gelingt es, dieursprünglichen Namen wiederherzustellen. Zum Ausgleich dafür gibt es dann aber wieder eine James Cook University und einen Captain Cook Highway.
Ich kann mich nicht und nicht entscheiden, welche von den gefühlt 150 verschiedenen Grand Barrier Reef-Touren ich machen soll und so bin von Cairns ein wenig ausgeschwärmt und bis zum Ellis Beach gefahren, wo mir das Baden allerdings ob der vielen Hinweisschild auf Quallen und Krokodile trotz 35 Grad Außentemperatur gleich wieder vergangen ist.

15. und 16. April 2011
Immer noch Brisbane und Umgebung. Der Australier an sich ist ja sehr stolz darauf, entspannt, sorgenfrei und gemütlich zu sein. Das nimmt oft sehr geschäftige und unechte Ausmaße an und scheint irgendwie stressig zu sein.

14. April 2011
Brisbane gefällt mir gut, hat eine gute Atmosphäre. Im Lone Pine Koala Park habe ich endlich Koalas und Kängurus aus nächster Nähe sehen können. Die Koalas sind wirklich süß.

13. April 2011
Wieder einmal eine lange, lange Autoreise, diesmal von Black Head nach Brisbane. Im Radio diesmal eine ausführliche Sendung über spannende Themen wie „die englische Burg über die Jahrhunderte“ – waren sie ein Erbe der Normannen oder doch dazu da, um als Zeichen von Dekadenz und Extravaganz Frauen zu beeindrucken. Ein Thema, das die Gemüter hierzulande zur Zeit erhitzt ist der Vorschlag, das Tempolimit von bisher maximal 110 auf 80 Stundenkilometer zu reduzieren. Ich hoffe, etwaige Beschlüsse werden nach meinem Aufenthalt gefällt werden.

11. und 12. April 2011
Ich habe zwei sehr nette und entspannende Tage in Black Head bzw. Hallidays Point verbracht. Eine sehr schöne Gegend mit wieder einmal traumhaften, großteils leeren Stränden. Wenn man auf sich hält, fischt man hier und wenn man wirklich zu den alten Hasen zählen will, dann fischt man mit Strandwürmern, die man eigenhändig aus dem Sand zieht. Sehr spannend. Die genannen Würmer können über einen meter lang sein. Was so alles unter der Oberfläche krecucht und fleucht...

10. April 2011
Von vielen Seiten habe ich nur Gutes über die Blue Mountains gehört und so bin ich also von Sydney aus hingefahren. Alle anderen Bewohner und Gäste Sydneys hatten offenbar dieselbe Idee und die Straßenverwaltung war zuvorkommend genug, nahezu die gesamte Strecke durch die Blue Mountains als meist einspurige Baustelle zu deklarieren. Ich nehme an, dass wir alle guten Mutes bei strahlendem Sonnenschein und 26 Grad in Sydney aufgebrochen sind, nur um am Ende des Staus bei Regen und 13 Grad aus dem Auto zu steigen, keinerlei Berg oder Hügel, geschweige denn die ach-so-gerühmten Three Sisters zu sehen. Und so haben wir uns dann wiederum alle mehr oder weniger gleichzeitig schweren Mutes wieder ins Auto geschwungen und haben uns gemeinsam aus dem Tal wieder hinausgestaut. Ich habe es dann noch bis Newcastle gebracht.

9. April 2011
Heute wäre meine Oma 95 geworden und hätte sicher Tränen in den Augen gehabt, hätte sie gehört, dass ich an ihrem Geburtstag vor dem Opernhaus in Sydney stehe. Ich habe die gesamte Stadt zu Fuß erkundet und bin glaube ich an die 15-20 Kilometer gegangen. Ich glaube heute weiß ich, wovon ich müde bin!

8. April 2011
Ich verstehe nicht, warum mir so von Canberra als Hort der Politik abgeraten worden ist. Mir hat es gut gefallen! Wo kann man in einer Jauptstadt in der Parlamentstiefgarage drei Stunden lang kostenos parken und von dort alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen? Das Parlament als solches ist architektonisch interessant und die geführte Tour war wirklich gut. Und die National Gallery hat mich sowohl was das Gebäude betrifft, als auch bezüglich der Ausstellungen beeindruckt.

7. April 2011
Ich habe zu wenig Zeit für Melbourne eingeplant und so habe ich mich heute schon wieder auf den Weg machen müssen, den Hume Highway entlang nach Canberra. Fahren auf den Australischen Straßen erinnert mich oft an den Spruch der Oma, Du bist ja net allein auf der Straße. Manchmal doch. Es ist flach, flach, flach. Ab und zu steht irgendwo ein Baum. Die Straßen sind schnurgerade und 650 Kilometer zu fahren ist ermüdend. Mittlerweile verstehe ich wirklich, warum die Australier sagen, die meisten Unfälle hier entstünden durch Müdigkeit. Man sieht außer einer erkläcklichen Anzahl von Radarkameras, Koalabärwarnschildern (auf manchen sitzen die dargestellten Koalas nur und schauen freundlich, auf anderen winken sie zaghaft) und gelegentlichen Känguruhwarnschildern eigentlich nur ab und zu eine Tankstelle. Und der einzige Radiosender, den man empfangen kann, spielt keine Musik sondern diskutiert über Stunden hinweg Themen wie die Milchpreisentwicklung über was sich wie die letzten 200 Jahre anhört oder die Geschichte des Stofftaschentuchs und seine künftigen Aussichten. Alles in allem und wenn man die ganze Fahrt betrachtet war der Stofftaschentuchbeitrag sicher am interessantesten.

6. April 2011
Stadt, ich bin wieder einmal in einer Stadt und was für einer Stadt! Am ehesten erinnert mich Melbourne stimmungsmäßig an San Francisco. Ich war in einem ganz besonderen Viertel, in Fitzroy und dort in einer Strasse (Brunswick Street) voller schräger Leute, Geschäfte und Cafés. Ich habe ja eine Schwäche für originelle Namen und daher mu ich hier einiges anführen was es in der Brunswick Street so gibt. Etwa eine Boutique namens Halsinky oder eine Bar mit Namen Naked for Satan. Nachdem davon auszugehen ist, dass es in der Hölle heiß ist, wäre „Dressed for Satan“ glaube ich argumentativ gesehen mit dem größeren Opfer verbunden. Und wenn ich schon bei interessanten Neuerungen bin: Ich habe gelesen, dass es einen neuen Samsonite Koffer gibt, der gleichzeitig Scooter ist, sehr praktisch. Was ich heute in Melbourne gesehen habe, ist ein „Lego Architektur“, mit dem man zum Beispiel das New Yorker Guggenheimmuseum bauen kann, oder das Rockefeller Center oder die Seattle Space Needle. Apropos Melbourne und kurios Neues: In Chinatown und auch außerhalb gibt es auch immer wieder Japanische Restaurants, von denen manche gerade ihren rohen Fisch abverkaufen. Anscheinend ist seit dem Erdbeben und der anschließenden Atomkatastrophe der Sushikonsum zurückgegangen. Viele haben interessanterweise Sushi mit braunem Reis im Angebot.

5. April 2011
In Australien ist das Nationalgericht anders als in England sicher immer noch Fish and Chips. In England ist es mittlerweile angeblich Curry, aber das nur so nebenbei. Der eher unangenehme Nebeneffekt von Fish and Chips ist leider, dass es an allen Ecken und Enden nach altem Bratfett und Frittiertem riecht. Man nimmt ja auch einen olfaktorischen Eindruck eines Landes mit.

4. April 2011
Ich bin heute durch ein Mißverständis zur Italienerin geworden. Ich habe in Fremantle einen Espresso bestellt und auf die Frage, ob ich denn müde sei, lächelnd mit „ja“ geantwortet. Die Frage muss allerdings gewesen sein, ob ich Italienerin sei, denn wie die nette Dame weiter ausgeführt hat, hätte sie das gleich gewußt. Allein das Wort „Espresso“ hätte wie Musik geklungen. Ich habe sie in dem Glauben gelassen.

3. April 2011
Nach den 750 Kilometern von Esperance nach Perth bin ich völlig ermattet an meinem Ziel, einer Jugendherberge, in der ich aus Gründen, die hier konkret nichts zur Sache tun, ein Zimmer reserviert habe, angekommen. Als ich aus dem Auto geklettert bin hat mich ein vollkommen betrunkener Achtzehnjähriger angelacht. Seine Mine hat sich nach dem Hallo aber sofort verfinstert und er hat sehr ernst nachgelegt und gesagt: Du bist aber keine Rucksacktouristin! Ich glaube ich muss zugeben, dass er Recht hat.
Mein erster Eindruck von Perth ist sehr angenehm, eine nette Stadt. In der Innenstadt werden gerade viele Gebäude restauriert und einige bewerben die Dienste eines Innenausstatters dessen Name übersetzt in etwa „Troijanisches Pferd Interior“ lautet. Pbwohl ich mich sehr für die kreative Namensgebung erwärmen kann bin ich nicht ganz sicher, ob das gegebenenfalls der Innenausstatter meines Vertrauens wäre.

2. April 2011
In Esperance habe ich wild laufende Kängurus gesehen, ein Segelrennen, noch mehr traumhafte Strände (speziell im Cape Le Grand National Park und rund um Esperance) und einen rosafarbenen See!

1. April 2011
Die Hälfte meines Sabbaticals ist um, Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen. In Neuseeland habe ich gelernt würde eine Reise wie die meine „Überseeerfahrung“ heißen und für jeden eigentlich fast selbstverständlich sein.
Es gibt auch in den entlegendsten Gegenden Wasabinüsse, was die Welt nicht unbedingt spannender macht.
Meiner Beobachtung nach geht die Sozialisierung künftiger Pauschaltouristen meist so so vonstatten, dass sie als Rucksacktouristen getarnt in Riesenbussen sitzen und dann vom Reiseleiter an der richtigen Stelle für einige Minuten ausgesetzt werden.
Ohne das Internet ist so eine Reise heute nicht plan- oder durchführbar und ohne GPS wäre ich an vielen Stellen mit wesentlich angespannteren Nerven unterwegs.
Mit meinem vorletzten Tribut an die analoge Welt, dem Film (oder Flim in Südostasien) für meine Kamera, bin ich ein Kuriosum, das nur kopfschüttelnd angestarrt wird. Wenn Geschäfte Schilder wie „wir arbeiten Film immer noch aus“ aufhängen, ist das Ergebnis wie ich feststellen mußte wenig berauschend.
Mein letzter Tribut an die analoge Welt, Bücher, tragen sicherlich auch dazu bei, dass die Gesetze der Physik auf mein Gepäck anscheinend leider nicht angewandt werden können. Im Jänner bin ich mit einem 19 Kilo schweren Koffer aufgebrochen (von den x Kilos im Handgepäck möchte ich gar nicht erst reden). Meines Wissens habe ich abgesehen von den 3 Anzügen und 12 Blusen in Bangkok (...) nur 40 Rollen Film, eine kurze Hose, ein Kapperl, Sonnenmilch, eine Tasche, zwei Bücher und drei Reiseführer gekauft. Eines der Bücher habe ich gegen ein anderes getauscht und dann irrtümlich bevor ich es gelesen habe nach Österreich geschickt. Insgesamt habe ich seit Jänner fünft Pakete mit einem Gesamtgewicht von 16 Kilo nach Hause geschickt, die nebst den Anzügen und Blusen auch etliches der urprünglichen Ausrüstung enthalten haben. Netto, so würde man annehemen, müßte ich mittlerweile weniger als am Anfang haben. Erst vor ein paar Tagen hat aber ein Quantasmitarbeiter milde lächelnd ein „besonders schwer, in die Knie gehen beim Heben“-Schild an meinem 25kg Koffer angebracht.

31. März 2011
Ich bin von Denmark nach Esperance weitergefahren. Ich habe nun insgesamt 1400 Kilometer in Australien zurückgelegt und dabei neun Känguru-Hinweissschilder und drei überfahrene Kängurus gesehen. Man könnte entweder sagen, dass die Australier durchaus auf bestehende Gefahren hinweisen. Andererseits könnte man auch sagen, dass sie ein wenig knausrig mit ihren Schildern sind. Leider ist die Strecke, die ich gefahren im Landesinneren und etwas monoton. Man sieht viel braune, trockene Ebene. Radiosender gibt es auch nur in der Nähe der Ortschaften und die sind spärlich gesät.

30. März 2011
Meine heutige Etappe hat mich bis nach Denmark gebracht. Auf dem Weg dorthin habe ich einen Abstecher zum sogenannten Tal der Giganten („Valley of the Giants“) gemacht. Dort stehen die wohl riesigsten Bäume in ganz Australien und man hat ähnlich wie im neuseeländischen AH Reed Memorial Kauri Park einen Hängebrückenweg mitten durch den Wald gespannt. Die australische Variante ist – das muß man neidlos zugestehen – um einiges beeindruckender als die neuseeländische. Die Edelstahlbrücken sind in einer Art Zick-Zack vom Boden aus bis in eine Höhe von 38 Metern gespannt. An den Ecken sind jeweils Plattformen, die auf enormen Pfeilern ruhen, oder bessergesagt nicht ruhen. Alles schwingt, Plattform wie Brücke.Man hat ein etwas mulmiges Gefühl, während man über die Baumwipfel schaut. In der Nähe von Denmark ist eine Bucht („Greens Pool“), die türkisgrün ist, wunderschön!

29. März 2011
Ich bin nach Margaret River weitergefahren und habe nebst einer Schokoladefabrik eine von 200 Weinkellereien und einen Kaffeeröster besucht. Was mich aber am meistesten beeindruckt, sind die Strände und die Wellen, die sich meterhoch auftürmen, türkisgrün durchsichtig werden, brechen und dann über Felsen hinwegbrausen und nur weiße Gischt zurücklassen. Welche Urgewalt!

28. März 2011
Meine ersten Eindrücke von Australien? Über das Land zu fliegen war wie im Geobildband „Die Erde von oben“ zu blättern. Salzseen, trockene, rote Landschaft, Felder, Seen. Sehr schön, sehr weitläufig und sehr beeindruckend. Australien scheint um so viel trockener und daher brauner als Neuseeland.
Auf der Erde habe ich bisher drei Hinweisschilder auf Känguruhs gesehen und ein überfahrenes (Känguruh, nicht Schild) am Wegesrand. Ich hoffe inständigst, dass mir keines vor die Motorhaube läuft!

26. und 27. März 2011
Es heißt Abeschied nehmen von Neuseeland. Die Reise ist heute, am 27. März weitergegangen nach Perth (per Flugzeug, erst vier Stunden nach Brisbane und dann noch einmal fünf Stunden nach Perth) und von dort per Auto nach Bunburry. Im Fliger haben mich zwei Australier vor braunen Schlangen gewarnt. Ich solle aufpassen, wenn ich ihr Revier verletze (das der Schlangen) würden sie auch die Jagd nach mir aufnehmen. Sie seien relativ schnell und ein Biß sei tödlich. Ich habe ernsthaft überlegt, einfach im Flieger sitzenzubleiben in der Hoffnung, erst in einer wirtlicheren Gegend entdeckt und hinausgeworfen zu werden. Die Australier habenmich ungläubig angestarrt und gemeint, ich solle mich nicht so haben, wir in Europa hätten schließlich Bären und die würden einen im Fall einer Attacke auffressen. Ich habe mir die Diskussion gespart, aber bei mir gedacht, dass es wohl debattierbar ist, ob ein Tod durch einen Schlangenbiß dem Gefressenwerden vorzuziehen ist. Ich nehme an, es macht keinen allzugroßen Unterschied, ob man versehrt oder scheinbar unversehrt tot ist.

25. März 2011
Ich bin nach Waitomo weitergefahren und war in einer sogenannten Glühwürmchenhöhle. Man geht durch eine wunderschöne tropfsteinhöhle und kommt durch einen riesigen Raum, der Kathedrale genannt wird und in dem wegen der besonderen Akustik sogar die Wiener Sängerknaben einmal aufgetreten sind. Bvon dort sind es nur einige Stufen hinunter zu einem nachtschwarzen See, den man mit einem Boot durchquert. An der Höhlendecke sind tausende Glühwürmchen, die aussehen wie ein unterirdisches Firmament. Oder wie sehr viele LED Lämpchen.
Ich übernachte heute in einer kleinen Frühstückspension namens Abseil Inn. Mein Zimmer heißt „Höhle“. Das Himmelbett ist mit schwazem Chiffon dekoriert und Vorhänge und Tagesdecke sind aus einem zotteligen Stoff. Auf dem Bett sitzt ein Mammut. Ein Stofftiermammut.

24. März 2011
Ich habe die Tongariro Alpenüberquerung hinter mich gebracht! Mein Reiseführer sagt, es würde sich dabei um die beste Eintageswanderung in Neuseeland handeln. Ehrlichgesagt würde ich zwei solche Achtstundenwandertage fitnessmäßig auch nicht überstehen, vor allem nicht mit der schweren Fotoausrüstung am Buckel. Das Leben ohne Sherpa ist nicht einfach. Trotzdem und trotz meiner düsteren Gedanken nach dem Verbleib einer Seilbahn war die Wanderung die Anstrengung absolut wert. Herzstück des Tongariro Nationalparks sind drei Vulkane und die Wanderung führt einen entlang dieser Vulkane. Der rote Krater und die smaragdfarbenen Seen sind unbeschreiblich und die Namen sind nicht nur sprechend sondern absolut passend...

23. März 2011
Der gestrige Art Deco Spaziergang in Napier war gelungen. Nachdem ein Erdbeben in den frühen Dreißigerjahren die Stadt dem Erdboden gleich gemacht hat, haben sich die Bewohner dafür entschieden, die Stadt im Art Deco Stil wiederaufzubauen. Vom architektonischen Standpunkt ist die Stadt daher ein absolutes Juwel. Ich bin daher heute noch einmal hierhergefahren, um mir die Gebäude mit mehr Ruhe anschauen zu können bevor ich weiter nach Tongariro gereist bin. Mein Hotel dort (das Bayview Chateau Tongariro) ist auch ein wunderbares Gebäude. Im Keller gibt es ein Gästekino, in der Lobby steht ein riesiger Billiardtisch, durch die Panoramafenster sieht man die Vulkane und insgesamt hat man ein 1920ier Thomas Mann Gefühl.

22. März 2011
Die Früstückspension in Havelock North erwartet von mir, dass ich mir in der Cottagehütte nicht nur das Frühstück mit den bereitgestellten Köstlichkeiten selber mache, sondern ermutigt mich auch dazu, hernach das Familiensilber und das teure englische Familienporzellan im Badezimmerwaschbecken abzuwaschen. Zum Glück haben die werten Herrschaften keine Ahnung von der Glasbruchstatistik ante Geschirrspüler (Rate der zerbrochenen Gläser pro Hundert per Hand abgewaschenen Gläser). Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, während derer meine verwzweifete Mutter während der Ausverkaufszeiten Großhandelsmengen günstiger Trinkgläser erstanden hat.

21. März 2011
Ein weiteres Detail in der neuseeländischen Kinderzeichnung ist, dass es immer nur eine Sorte von Tieren gibt, etwa schwarze Kühe mit weißen Köpfen, schwarze Kühe mit schwarzen Köpfen oder schwarzweißgefleckte Kühe mit gemischtfarbenen Köpfen.
Habe ich schon erwähnt, dass ich meinen Frieden mit McDonald’s gemacht habe? Früher habe ich dort höchstens die Toiletten aufgesucht, aber seit es dort recht anständigen Kaffee und in vielen Ländern kostenloses Interent gibt, bin ich manchmal sogar Gast. Apropos Internet: das ist wohl einer der wenigen Minuspunkte, die ich bisher an Neuseeland zu vergeben habe. Entweder es gibt irgendwo Internetzugang und er ist teuer bis unverschämt teuer oder es gibt einfach keinen Zugang, was meistens der Fall ist. Was für ein Unterschied zu Vietnam und Thailand! Leider macht mir das das Leben etwas schwer, zumal ich meine weitere Reise gerne planen würde, was heutzutage ohne Internet eigentlich nahezu unmöglich ist.

20. März 2011
Heute habe ich einen Ausflug zum ehemaligen achten Weltwunder gemacht. Am Rotomahanasee im Weimangu-Park waren ursprünglich weiße und rosarote Sinterterrassen, die leider beim Vulkanausbruch des Mount Tarawera am 10. Juni 1886 zerstört wurden. Angeblich waren diese Sinterterassen vor 125 Jahren die Sehenswürdigkeit und der Auslöser für erste Reisen nach Neuseeland. Erst vor kurzem haben neuseeländische Wissenschaftler Reste der vermeintlich zerstörten Terassen wiederentdeckt!

19. März 2011
Neuseeland hat etwas Friedliches und Ruhiges und schaut großteils aus wie einer Kinderzeichnung: Hier ist der Wald, hier sind die Schafe, hier die Straße, ein Felsen, ein Geschäft, die Kirche, ein Bahnübergang, eine Tankstelle, das Cafe, wo es das Eis gibt und hier ist die Bücherei. So habe ich mir immer die Astrid Lindgren Landschaften vorgestellt und hätte mir nicht gedacht, dass es sie tatsächlich so gibt!
Ich bin über die Kiwihaupstadt De Puke nach Rotorua weitergefahren. Leider ist keine Kiwisaison, dennoch sind die Kiwihaine durchaus interessant. Enorme Hecken (sicher 7 oder 8 Meter hoch) grenzen sie voneinender ab.
Rotorua ist DIE Thermalstadt auf der Insel. An den Schwefelgeruch muß man sich erst gewöhnen, aber an sich ist es ein hübsches Städchen.

18. März 2011
Grundsätzlich sind die neuseeländischen Straßen in einem sehr, sehr guten Zustand, nur geht es immerzu bergauf, es ist kurvig und meist unübersichtlich, kurz wie eine Art Fahrtraining. Noch dazu fährt man links, was ich ja eigentlich gut finde, weil es einen immer wieder in die Schranken weist, wenn es um „wir fahren auf der richtigen/falschen Seite“ geht und die Koordination fördert. Was mich ein wenig stresst ist das Schalten mit der linken Hand.
Ein Ausflug heute war eine einstündige Motorbootfahrt, unter anderem zur Cathedral Cove, sehr schön, allerdings in Hochgeschwindigk (12 Kilometer in einer hochmotorisierten Nußschale).
Ein anderer Ausflug hat mich zu einem Heißwasserstrand geführt, was aber ein ziemlicher Reinfall war. Ich habe mir einen Spaten ausgeliehen und insgesamt zwei tiefe Löcher gegraben, leider aber ohne Erfolg, sprich kein heisses Wasser weit und breit, dafür zahlreiche Schaulustige, die mit meinem Spaten im jeeiligen Loch für ein Bild posieren wollten. Am Rückweg ist dann eine riesige Welle über mich hinweggeschwabbt und hat mein neuestes Handy bzw. dessen Bildschrim ruiniert, was mich besonders ärgert, da dieses Handy recht anständige Bilder gemacht hat und nun anscheinend kaputt ist.

17. März 2011
Ich war auf dem Weg nach Tairua in einem sehr unpretentiösen Thermalbad. Im wesentlichen war es nur ein riesiges Becken mit heißem Wasser. Außer mir waren noch vier andere Gäste dort. Der Eintritt war interessanterweise für Nichtschwimmer billiger. Da ich mich schulterbedingt noch immer nicht schwimmfit fühle habe ich kurz überlegt, die Sache anzusprechen, dann aber doch verworfen.
Man muss beim neuseeländischen Essen wirklich aufpassen und vor allem die Verpackung genau studieren. Beinahe hätte ich folgenden Text auf meiner Stundentenfutterpackung übersehen: Meine Lieben, es kann sein, dass sich in Eurer Packung Stundentenfutter unter anderem echte Perlen, Rubine oder andere Edelsteine befinden. Also schaut genau, freßt nicht einfach so in Euch hinein oder ihr werdet es bereuen!“ Ich vermute, dass die neuseeländische Zahnarztlobby hier ein Wörtchen mitzureden hatte!

16. März 2011
Friedensreich Hundertwasser hat zu meinem Erstaunen zwischen 1973 und 2000 in Neuseeland gelebt und die öffentlichen Toiletten in der kleinen Ortschaft Kawakawa gestaltet. Auf eine wenig subtile Weise fühlt man sich daher dort heimisch, was trotzdem komisch ist, denn weiter von Österreich weg könnte keine Hundertwassertoilette sein.
Ich bin heute nach Mangawhai weitergereist und habe am Weg dorthin den AH Reed Memorial Kauri Park besucht. Was man dort gemacht hat ist recht interessant. Eine Holzbrücke oder bessergesagt ein hölzener und rollstuhlgerechter waagrechter Wanderweg samt Geländer ist in etwa 10 bis 15 Metern Höhe quer durch einen Kauriwald gespannt worden und das ohne die uralten (manche werden bis zu 2000 Jahre alt), mächtigen Bäume zu beschädigen. Sie sind nicht einmal angebohrt worden. So hat man einen interessanten Blickwinkel aus mittlerer Höhe.
Später bin ich dann noch den Mangawhai Cliffs Walkway entlangmarschiert und habe wieder eine andere Perspektive auf Neusselands prächtige Natir gehabt.
Abends war ich dann in einem Restaurant, dessen Name sich in etwa als „pürrierter Urin“ übersetzen ließe (smashed pipi). Wenn man so nachdenkt, hätte der Name auch schlimmer sein können, das Essen war überraschenderweise hervorragend!
Erhaltener Kommentar: Immer wenn ich Zeit hab schau ich auf deinen Blog. Eine kleine Reise zwischendurch für mich. Danke, ich amüsiere mich sehr über deine trockenen Berichte!

14. und 15. März 2011
Ich habe eine Bootsfahrt in der Bay of Islands mit Übernachtung an Bord der “The Rock” gemacht, eine einmalige Erfahrung! Am moisten beeindrucken mich die Farben in Neuseeland. Alles ist so klar und die Kontraste zwischen den üppig grünen Wiesen und dem türkisblauen Meer etwa sind viel intensiver als ich das jemals zuvor gesehen habe.
Kann man einem Frisör vertauen, der folgendes auf einem Schild vor dem Salon aushängt: „Alles kann sich ändern und deshalb versuche ich nichts, was passiert zu ernst zu nehmen!“? Nun, nachdem ich einmal drüber geschlafen habe, habe ich den Schritt dann doch gewagt und bin recht zufrieden.
Wir haben definitiv ein Problem mit der Globalisierung. Einer der Gründe, warum ch unbedingt einmal nach Neuseeland kommen wollte war ja, dass ich als alte Kiwifreundin Kiwis im Usprungsland essen wollte. Und was entdecke ich im Supermarkt? Die Kiwis, die hier verkauft warden, stammen aus Italien!!!

13. März 2011
Ich habe meinen Tag heute mit einem Joghurt begonnen und zu meinem Erstaunen festgestellt, dass die Verpackung wesentlich mehr hergibt als die üblichen Nährewertangaben. So haben die Hersteller des sogenannten „Mammoth Yoghurt“ folgendes mitzuteilen: „Das ist ein Johurt für Männer. Sie müssen nun nur mehr einen Löffel, eine Gabel oder einen Spaten finden und dann können Sie zuschlagen! Sie haben ein dickes, cremiges, sättigendes Marillen-Honigjoghurt vor sich, gemacht von Männern für Männer (im Ernst: es ist von einem Mann namens Brian gemacht worden). Wir teilen Ihnen ebenfalls mit, dass Weinen für Männer inakzeptabel ist. Was akzeptabel ist, ist Joghurt zu essen, speziell wenn es dick und voller Marillenteilchen ist und für Männer gemacht wurde!“
Nach der Joghurterfahrung bin ich von Auckland aus 400 Kilometer nach Keo im Norden der Nordinsel gefahren. 400 Kilometer auf einer „Autobahn“ klingt nicht nach besonders viel oder nach einer anstrengenden Fahrt. Allerdings sind die Autobahnen hier so wie bei uns im besten Fall Bundesstraßen, einspurig mit Gegenverkehr und winden sich über zig Hügel und durch Urwälder. Viele Brücken haben überhaupt nur eine Spur und man muß auf den Gegenverkehr (so vorhanden) auch noch achtgeben. Die Landschaft ist wunderbar und ändert sich alle paar Kilometer. Das Licht ist das was mir am meisten Eindruck gemacht hat. Alles ist klar und die Farben sind viel intensiver als anderswo. Manchmal sieht man die absolute Idylle. Grüner als grüne Wiesen mit Bäumen um die sich viele, viele Schafe tummeln. Die ganze Insel scheint Weinbaugebiet zu sein und alle paar Kiometer gibt es Cafés mit so interessanten Namen wie „Eutopia“ oder „Ingwerkatzencafé“.
Eine etwas bizarre Unterhaltung in einem Touristeninformationsbüro hat folgendermaßen stattgefunden: A: Und woher kommst Du? B: Aus Österreich. A: Habt ihr auch so viele Schafe in Österreich? B (leicht überfragt und daher eher ausweichend): Nun ja, ich glaube, wir haben mehr Kühe als Schafe. A (mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck): Ha, dann haben wir mehr Schafe als ihr!

12. März 2011
Wärhend ich meine Zähne mit einer vietnamesischen Zahnpasta putze denke ich gleichzeitig an einen thailändischen Sonnenuntergang und an ein Glas neuseeländischen Weißweins. Dann vermischt sich die Szenerie mit der wirklich überwältigenden landschaftlichen Schönheit von Neuseeland und dem Geschmack von frischem Kokosnußssaft. Ich bin wirklich durcheinander heute glaube ich...

11. März 2011
Auf dem Weiterflug von Sydney nach Auckland habe ich ein eine Art Fazit über meine beiden Monate in Südoastasien gezogen:
In Singapore funktioniert alles wie am Schnürchen und trotzdem ist es noch exotisch genug, nicht nur in Little India und Chinatown. Ein Gericht wie „Lebender Frosch im Tontopf“ wird ganz selbstverständlich auf Foodcourts um die Ecke angeboten. Mit meinem Hang zum Film bin ich aber auch in Südostasien auf verlorenem Posten. Meist sagen die Menschen wie in Singapur dazu „Flim“ und schon die Frage allein ruft mesit nur hochgezogene Augenbrauen hervor.
Kuala Lumpur ist irgendwie ähnlich wie Singapur und dann doch nicht. Das Beeindruckendste dort war ein an einer Kreuzung regungslos verharrender nackter Inder, der dann von der Polizei zu seinen auf der anderen Straßenseite liegenden Kleidern eskortiert und dort gezwungen worden ist, sich wieder anzuziehen.
Neben den Männer in Longys und den Frauen in ihren farbenfrohen traditionellen Gewändern ist der westliche Tourist in Myanmar (und natürlich auch anderswo) outfitmaessig oft eine wahre Zumutung. Alles in allem war Myanmar mit Abstand das beeindruckendste Land, das ich in Südostasien diesmal gesehen habe. Die Ballonfahrt über Bagan und die Prophezeihung meines anstehenden Geburtstags zählen sicher zu den bleibenden Erinnerungen.
Neben unangenehmen Erfahrungen in Saigon, wo ich bestohlen worden bin und angenehmeren in Hanoi (Wasserpuppentheater) muß ich sagen, dass die Inschrift am Mausoleum des letzten Kaisers die Stimmung in Vietnam am besten zusammenfasst: „Wo die Traurigkeit lächelt und die Freude schluchtst“.
In Thailand ist Österreich-Ungarn weiterhin als Weltmacht präsent. Anders als in Europa, wo man auf in Drogerien ständig auf Bräunungscremes stößt gibt es hier kaum etwas, das nicht einen Aufhellungseffekt verspricht, von simpen „Whitening Creams“ bis hin zu „Whitening Deos“. Bangkok ist entgegen anderen Hauptsädten, die ich bisher bereist habe weltoffen genug, um Le Monde und den International Herald Tribune an Zeitungsständen anzubieten. Mein Eindruck ist dennoch gemischt. Nachdem ich einem ausgemachten Betrug bei einem Schneider aufgesessen bin und diverse eigenwillige Erlebnisse bei Thaimassagen mitgemacht habe (eine Masseurin ist während der Massage eingeschlafen, eine Massage hat mich mit Verdacht auf eine gebrochene Zehe ins Krankenhaus gebracht und bei der allerletzten war die Masseurin ein ein Transvestit bzw Ladyboy - durchaus bemerkenswert), muss ich natürlich auch sehr nette Begegnungen erwähnen, unter anderem eine in einem Fish-Spa, eine auf der Insel Koh Pha Ngan und ein angenehmes heimatliches Wiedersehen mit einer Reisebekanntschaft aus Myanmar.

10. März 2011
Flug von Bangkok nach Sydney. Neun Stunden. Ich bin noch nie in einem derart leeren Flugzeug gewesen. Es ist ein Airbus 340 mit acht Sitzen pro Reihe in der Economyclass. Manche Reihen sind frei und in den anderen sitzt maximal eine Person. Die Premium Exomomyklasse ist vollständig leer und wenn ich fünf oder sechs Businessclass-passagiere einsteigen habe sehen, war das viel. Sogar die Stewardess hat eben zugegeben, dass sie sich einsam fühlt.
Ich selbst sitze alleine und völlig ungestört an meinem persönlichen Notausgang, der sehr hübsch und modern ist. Er hat sogar ein kleines Fenster. Anstatt die Türe aus dem Rahmen zu nehmen und hinauszuwerfen muss man angeblich nur an einem Hebel ziehen, um sich dann bequem auf ein Floß gleiten lassen zu können. Ich bin darüber unterrichtet worden, dass ich die anderen Passagiere im Notfall hier hinausdirigieren soll. Das wäre im konkreten Anlaßfall denkbar schwierig, da mehr oder weniger jeder Passagier seinen persönlichen Notausgang hat und man sich sicher beim Anpreisen der Attraktivität des jeweiligen Ausgangs in die Quere käme. Ob wohl jeder ein Floß hat?

9. März 2011
In einem fernen Land, in dem man sich schwer verständigen kann, empfiehlt es sich, Sprachkundige dazu zu bringen, Überlebenswichtiges wie die Hoteladresse oder Lieblingsgerichte in der Landessprache und lokalen Schrift auf kleine Zettel zu notieren. Mit einem solchen Zettelchen ausgestattet bin ich zu meinem letzten thailändischen Abendmahl aufgebrochen, habe ein paar Lacher seitens des Restaurantpersonals geerntet und mich dann kurze Zeit später vor einem durchsichtigen, oben sorgfältig verknoteten Plastiksackerl mit meiner Suppe wiedergefunden. Die lokale Variante das Takeaways findet meist im Plastiksackerl statt. Man sieht Menschen aus Sackerln Saft trinken und diverse Speisen mit sich herumtragen, die im Sackerl feinsäuberlich auf oder unter einer Reisschicht gebettet sind. Nach einigem Hin und Her ist die Suppe dann in einen Teller gewandert. Es war eine sogenannte Tom Yam Suppe. Von der landesweiten Verfügbarkeit und vom Bekanntheitsgrad her könnte man sagen handelt es sich um eine Art thailändische Wiener Schnitzel. Anders als das Wiener Schnitzel steckt die Suppe allerdings voller Überraschungen und wird gerne variiert. Nicht nur, das es sie jeweils mit oder ohne Fleisch, Meeresfrüchte, Pilze oder Nudeln gibt, so ist das Erstaunlichste an ihr, dass sie erstaunlich viel Ungenießbares enthält. Es schwimmen Blätter und Wurzeln in ihr und manches ist so gut getarnt, dass es entweder eine Bohnenschote (vulgo grüne Bohne), eine riesige grüne Chillischote oder ein Bambusstengel sein kann. Man bemerkt das wahre Selbst des Objekts oft erst, wenn es schon zu spät ist und man daraufgebissen hat. Im Herzen, und das wird nun nicht mehr verwundern, ist die Suppe ungemein scharf. Um aromatische harte Stengel schmiegen sich gerne grüne Chillischoten, die man dann unbemerkt mitnascht. Auch wenn ihr Kokosmilch beigemischt ist, wird die Schärfe damit nur nur scheinbar genommen. Wegen der Schärfe und weil man beständig Essbares von Gewürzen sondern muss handelt es sich bei der Tom Yam Suppe notgedrungen um Slow Food. Man muss auch immer wieder pausieren, weil einem die Schärfe die Hitze ins Gesicht und Tränen ind die Augen treibt. Im konkreten Fall hat mich das die vorbeilaufende schwarze Ratte nicht allzu schweren Herzens ignorieren und fast vergessen lassen, dass die Wäscherei etliche Paar Socken verschlampt hat, ich bei einer Thaimassage ein Sit-In machen mußte um den Nacken auch noch massiert zu bekommen (ich sitze hier solange bis...) und dass die frischgeschneiderten Blusen auch im gewaschenen und gebügelten Zustand noch erbärmlich aussehen.

8. März 2011
Ich bin mitunter im coolsten Hotel seit Beginn meiner Reise. Es heißt Mestyle Place und ist in Bangkok oder sagen wir in einem Außenbezirk von Bangkok. Man stelle sich ein etwas belebteres Floridsdorf vor (für diejenigen, denen das ein Begriff ist). Das Hotel ist ein umfunktionierter Plattenbau und insgesamt sehr bunt. An der Einfahrt ist eine Art VW-Busskulptur, die Rezeption ist ein bzw in einem alten dunkelgrünen Minicooper und die Bar im Außenbereich ist in einem alten Kleinbus untergebracht. Ein Sammler hat alte Maschinenteile in Dekorobjekte umgewandelt. Ein hölzernes Kanu oder bessergesagt ein Einbaum ist das zentrale Element des Barraums. Eine Glasplatte liegt auf dem aufgebockten Einbaum und wird von unten blau beleuchtet. Am Eingang stehen knallrote Ölfässer und in der Lobby diverse alte Zahnarztstühle und ein ultramoderner blauer Wuzelapparat (Tischfußballtisch). An der Restaurantdecke hängen Besteckskulpturen und an der Lobyydecke alte Fensterrahmen und Fahrräder.

7. März 2011
Mein Computerladegerät ist mir eingegangen... Eine lange Reise ist manchmal gar nicht so anders als das Leben zu Hause. Man ist eigentlich ständig auf der Suche nach irgendetwas, muss etwas besorgen oder erledigen, planen etc. Ich habe mich in der sogenannten IT City, einem Einkaufszentrum, das auf Computer, Handies und sonstiges Zubehör spezialisiert ist, durch endlose Reihen von diversen Computerfachhändlern geschleppt und bin leider nicht richtig fündig geworden.
In einem anderen Enkaufszentrum in der Haupteinkaufsmeile von Bangkok habe ich nun schlußendlich das richtige Kabel aufgetrieben...
Erhaltener Kommentar: Ich bin (nach meinem Südamerikaaufenthalt) wieder zu Hause in Deutschland und lese oft sehr vergnügt deine Blog-Einträge. Ich wünsche dir und mir viele interessante Städte, Erlebnisse und Geschichten von deiner großen Reise.

4. bis 6. März 2011
Nach ein paar angenehmen Tagen auf der Insel bin ich nun also wieder in Bangkok, wo mir ein Mann mit Haarspangerl im schneeweißen Ziegenbart nebst Katalogfrau (etwa 40 Jahre jünger) untergekommen ist. Manches kann man leider nicht fotografieren.
Auf den hiesigen Flughäfen bekommt man wenn man möchte Gratissimkarten, die man dann in jedem 7/11 Supermarkt aufladen kann. Das ist schon ein ungemein krasser Unterschied zu Myanmar, wo es kein Roaming gibt und jede Simkarte 1.500 US Dollar kostet. Eine nette Reisebekanntschaft hat mich auf ein weiteres nationales Unikum aufmerksam gemacht, nämlich die Reaktion auf das Airlineessen, das es immerhin noch gibt. Es werden Pappkartonschächtelchen ausgeteilt, die der Thai Fluggast öffnet, den Inhalt mit einem angewiderten Gesichtsausdruck scannt und dann angeekelt wieder schließt. So schlecht ist es aber dann gar nicht. Man muß sich nur daran gewöhnen, dass der meist beigepackte Marmorkuchen manchmal braun/gelb, manchmal grünlich/gelb, aber manchmal auch lila/gelb sein kann.

1. bis 3. März 2011
Die Tattooshops haben hier auf Koh Pha Ngan definitiv Kundschaft. Ich habe selten so viele Tätowierte auf einem Fleck gesehen, scheint groß in Mode zu sein. Ansonsten sieht man Unmengen von Aussteigern, deren beste Zeit längst vorbei ist. Die Dreadlocks verdrecken mehr und mehr und die Ersparnisse sind sichtlich seit Jahren aufgezehrt. Die Insel ist soweit meine Mopederkundung die Beurteilung zuläßt, längst nicht mehr das versteckte Fleckchen Erde, von dem nur Insider wissen. An manchen Strandabschnitten reiht sich Resort and Resort. Ich bin in den Norden vorgedrungen und habe in einem Restaurant gegessen, das folgendes auf der Karte hat: „no name with chicken or pork“. Ich habe mich dann für etwas mit Namen und Tintenfisch entschieden. Gleich daneben war das “The World's End Café”, das zum sicheren Entsetzen eines lieben Freundes den ganzen Tag über Frühstück anbietet.
Ich logiere übrigens mittlerweile in einem Spinnen und weitgehend auch sonst insektenfreien Zimmer.

27. und 28. Februar 2011
Ich bin von Chiang Mai über Bangkok nach Surat Thani geflogen und von dort mit Bus und Fähre nach Koh Pha Ngan weitergereist. Für die erste Nacht habe ich ein Upgrade auf einen Luxusbungalow bekommen, in dem ich lediglich eine Ameise erlegt und einen großen schillernden Käfer in einem Wasserglas gefangen und so ruhiggestellt habe. Mein neues und nicht mehr ganz so schickes Zimmer gleicht nun leider einem Schlachtfeld. Ich habe mich erfolgreich gegen etwa 30 Ameisen und eine Riesenwespe gewehrt. Nach letzterer habe ich in Ermangelung eines Wasserglases einige Schuhe werfen müssen. Eine enorme Spinne (etwa 10cm Durchmesser, schwarz, etliche Beine) im Badezimmer ist einer zweifachen Schuhattacke geschickt ausgewichen und hält sich seither im Hintergrund auf. Ansonsten bin ich im Augenblick im allgemeinen froh, nicht besonders gut zu sehen.
Abgesehen von diversen Insekten sind Insel und Strand soweit sehr schön. Ich bin ungemein müde und wie eine böse Zunge heute festgestellt hat, darf man sich nicht wundern, nach fünf Monaten Urlaub müde und erhoungsbedürftig zu sein. Und so habe ich heute nur die nähere Hotelumgebung erkundet und mich danach in die etwa 50 Meter weiter am Strand entlang liegende Pirates Bar geschleppt. Rund ums Hotel kann man sich an jeder Ecke massieren lassen, einen Scooter mieten und betanken, seine Wäsche waschen oder sich tätowieren lassen. Was man halt so braucht.

25. und 26. Februar 2011
Der 25. Februar war ein sehr unbeschwerter Tag and dem ich mich eigentlich nur gefragt habe, ob ich am Abend eine ein- oder eine zweistündige Thaimassage buchen sollte. Ich habe mich dann für eine einstündige Rücken- und Nakenmassage entschieden. Aus nicht weiter nachvollziehbaren Gründen hat die etwas beleibte und kräftifge Masseurin darauf bestanden, mir vorab die Füße zu waschen. Beim Abtrocknen hat sie dann recht heftig an allen Zehen gezogen, was nicht unbedingt angenehm war. Über Nacht ist dann der zweite Zeh rechts aufs Doppelte angeschwollen und hat sich nur unter großer Pein bewegen lassen. Ich habe meinen Tagesausflug mit Wanderung absagen müssen und bin stattdessen zu einem Krankenhaus aufgebrochen. Nach drei Stunden und nachdem man Blutdruck, Blutzucker, Fieber und mich in der Länge gemessen und anschließend gewogen hatte, durfte ich endlich mit einem Arzt sprechen. Das Röntgenbild hat dann ergeben, dass dieser Zeh nicht gebrochen ist, dafür aber der große Zeh eine Fraktur zeigt. Nachdem er aber nicht weiter schmerzt ist der Arzt davon ausgegangen, es handle sich um eine alte Verletzung. Ich solle für den dicken zweiten Zeh Entzündungshemmer und Schmerztabletten nehmen. Und lächelnd hat er beigefügt, ihm gehe es auch oft so: nach einer Thaimassage täten ihm zwei Wochen lang diverse Körperteile weh. Weiters, und da war es dann schon wieder witzig, hat er mir die unvermeidliche Frage nach meiner Herkunft gestellt. Mein „Österreich“ ist hellerfreut auf „Österreich-Ungarn!“ ausgebessert worden. Wir hätten ja so ein riesiges Reich und was für ein schönes Schloß in Wien!

24. Februar 2011
Die Buchhandlungen in Chiang Mai sind nicht viel besser als die Flughafenbuchhandlungen (siehe 23. Februar 2011). Nur zwei der Titel, die ich gesehen habe zur Illustration: “Verrückte Mönche auf der Straße” und “Ich bin zu sexy für meinen Volvo”.
Zum Sightseeingprogramm: Heute habe ich den Doi Suthep Tempel und den Phra Tamnak Palast besichtigt.

23. Februar 2011
Es ist neun Uhr morgens und ich bin eben aus einer Buchhandlung am Bangkoker Flughafen herausgekommen. Nicht dass ich noch ein Buch bräuchte, die 25 Kilo in meinem Koffer, den ich vorhin aufgegeben habe verdanke ich glaube ich den drei neuen dicken Reiseführern, die ich unlängst gekauft habe. Als alte Buchliebhaberin will ich es fast nicht zugeben, dass auch ich manchmal mit einem e-book Lesegerät liebäugle, aber dann denke ich mir wieder, dass es doch einen Unterschied macht, ob man einen Bildschirm oder ein Buch in Händen hält. Das grundlegende Problem mit Buchhandlungen auf Flughäfen ist aber ein anderes. Man kann nicht erwarten, in einem Zuckerlgeschäft (Süßwarenladen) mit ein paar Bücherregalen wirkliche Kleinode zu entdecken. Nebst ungefähr 15 Titeln über diverse ihrer Meinung nach zu Unrecht einsitzenden Gefängnisinsassen (teils autobiographisch, die Gefänginsse quer über die Welt verteilt) hatte ich die Auswahl zwischen etwa 30 Memoiren verschiedener weiblicher, männlicher und transsexueller Sexarbeiter und -sklaven. Daneben waren natürlich auch die Flughafenevergreens Dan Brown, Stieg Larsson, John Irving und John Grisham vorrätig, wobei meiner Beobachtung nach letzterer – weltweit betrachtet - zusehends an Flughafenbuchhandlungsregalfläche einbüßt. Der Horrortitel “Eat, Pray, Love” wird weiterhin in Augenhöhe gehandelt und hat nun zu meinem Entsetzen einen Fortstetzungsband mit Titel „Das Ja-Wort: Wie ich meinen Frieden mit der Ehe machte“ bekommen. Was mich aber dann schlußendlich die Flucht hat ergreifen lassen waren die Harry Potter Bücher auf Latein und Altgriechisch.

22. Februar 2011
So nun habe ich auch eine Ladyboyrevueshow („Calypso“) gesehen, sehr beeindruckend!

21. Februar 2011
So, nun habe ich ein wenig mehr von Bangkok gesehen und bin immer noch sehr angetan! Es gibt so viel zu entdecken! Chinatown war sehr interessant, genauso der japanische Markt und der Wat Pho. Der Marmortempel war sensationell schön. Ich habe den massivgoldenen Buddha (Wat Traimit, er wiegt über 5 Tonnen und ist aus reinem Gold!) gesehen, bin aber anscheinend am Königspalast und am Smaragdbuddha vorbeigegangen, ohne beides zu bemerken.
Was ich noch zu erwähnen vergeseen habe: Gestern habe ich meine erste Thaimassage „genossen“. Leider ist die Masseurin nach etwa 30 Minuten Massage eingeschlafen. Nachdem ich sie geweckt habe, war leider kein Staat mehr mit ihr zu machen.

20. Februar 2011
Mein Reiseführer ist wirklich ungemein schlecht. Anstatt zu erklären, wie man vom Flughafen am besten ins Zentrum von Bangkok kommt, ergeht sich der Autor in der Erläuterung des von ihm als Backpacker’s Burnout bezeichneten Phänomens, ihm zufolge eine Art Lethargie, die Rucksacktouristen angesichts zu vieler Bilderbuchstrände und Traumsonnenuntergänge überkommt und sie in die Städte und ins Chaos zurücklockt. Ansonsten habe ich nur noch gelesen, man dürfe sich nicht über den König lustig machen, da würden die Thais keinen Spaß kennen, Land des Lächelns hin oder her. Leider ist es dann aber nicht leicht, keine Bemerkung zu machen, wenn man in einem Taxi vom Flughafen in die Stadt sitzt, der Fahrer vor sich hinkichert, am Amarturenbrett ein Plastikschweinchen sitzt, dessen Kopf unabläßlich wackelt und am ersten Banner über der Autobahn „lang lebe der König“ steht.
Viel habe ich noch nicht gesehen in Bangkok, aber ich war am Wochenendmarkt Chatuchak und war begglückt. Ein Traummarkt mit viel ausgefallener Kleidung, Ramsch, Krimskrams, Geschirr, Dekoartikeln und vielem mehr. Man kann dort sogar Hundewelpen erstehen. Oder Bücher. Oder Zahnersatz (ob neu oder gebraucht war nicht festzustellen). Gekochtes Essen gibt es an jeder Ecke. Nach langem habe ich wieder einmal ein paar interessante T-Shirts bzw. T-Shirtsprüche gesehen: Ein T-Shirt etwa mit einer Badeente, eines auf dem Tut Ench Amun eine 3D-Brille trägt oder eines mit der Aufschrift „Ich bin nicht perfekt aber dafür gibt es mich nur in begrenzter Auflage“ oder „Mein Blog ist besser als deiner“.
Ansonsten habe ich bisher nur einen tanzenden Ladyboy und nur eine Handvoll westliche Männer mit Katalogfrauen gesichtet.

19. Februar 2011
Was die Veitnamesen so beschäftigt ist schon interessant. Anders als in Europa, wo ein Kußmarathon wahrscheinlich niemand hinter dem Hofen hervorlocken würde, bewegt dieser "Kissathlon" hier die Gemüter und regt heftige Diskussionen an. Den Artikel gibt es leider nur auf Englisch.
Ich bin wieder in Saigon angekommen und war positiv überrascht. Das Hotel, in dem mir das Geld abhanden gekommen ist, hat mir das wahrscheinlich beste und ruhigste Zimmer gegeben. Gratis. Und mit einem handgeschrieben Brief der Hotelmanagerin, einer Rose und zwei Äpfeln als Geschenk auf dem Zimmer. Nachdem sie bereits die Taxifahrt zum Flughafen vor zwei Wochen übernommen hatte, ist das schon sehr nett!

18. Februar 2011
Noch immer in der komischen Pension mit nur vier Zimmern auf Phu Quoc. Heute hat das Frühstück ein wenig auf sich warten lassen, da erst im Vorgarten ein bereits gekochtes Huhn auf einem Altar geopfert werden mußte. Ich wäre eher dafür gewesen, das Opfer im oder zumindest unmittelbar danach zum Kühlschrank zu bringen.
Jedenfalls wollte ich mein Glück nicht weiter herausfordern und bin heute nicht mehr Moped gefahren, sondern war nur am Strand.
In der Halongbucht ist übrigens zwei Tage nachdem ich dort war ein Schiff gesunken. Ich war wie soviele andere auf einem ähnlichen Schiff unterwegs und habe dort auch übernachtet...

17. Februar 2011
Um der „zweiten Heimat“, die mitten im Dschungel und zugegebenermaßen nahe dem schönsten Strand der Insel liegt, zu entkommen kann man sich eigentlich nur per Moped davonmachen. Leider habe ich nie Mopedfahren gelernt, was ich mir allerdings nicht anmerken lassen wollte. Und so bin ich unter den Argusaugen der Zimmerwirtin einige Male auf der Sand- bzw. Staubstraße vor dem Haus hin- und hergefahren. Mit dem Gesichtsausdruck „Du verursachst sicher einen Totalschaden“ und weinerlicher Stimme hat sie mir mitgeteilt, dass es mir sehr teuer zu stehen kommen würde, würde das Moped zu Schaden kommen. Und so habe ich mich hauptsächlich auf der Inselhauptstraße, die kaum breiter als die heimatliche Übelsteinerstrasse ist - und die ist für alle ortsunkundigen gesprochen einspurig – teilweise von LKWs abgedrängt zur Inselerkundung (An Thoi an der Südspitze, Ham Ninh mit Kunstperlzucht und Duong Dong, die Hauptstadt) aufgemacht. Es herrscht Helmpflicht aber die hiesigen Helme sind eher ein Modestatement (rosa, blau, grün, gescheckt, manche sogar im Burberrymuster) und bedecken kaum den Hinterkopf. Zum Glück und zur Verwunderung der Madame sind sowohl ich als auch das Moped abends wieder unbeschadet in der entlegenen „Oase“ eingetroffen.

16. Februar 2011
Nach einer kurzen Nacht bin ich vom kalten Hanoi via Saigon auf die tropisch-heiße Phu Quoc-Insel geflogen. Meine Wohlfühltemperatur ist wiederhergestellt! Die Insel hat in etwa die Form von Südamerika und ich bin in Feuerland untergekommen. „Home away from home“ wird hier so verstanden, dass einem angesagt wird, man müsse sich eincremen, bevor man an den Strand geht. An den Strand habe ich auch nicht selber gehen dürfen, sondern wurde vom Sohn der Hausherrin per Moped hingebracht. Sie hatte Angst, ich koennte mich a) auf dem zehnminütigen Marsch im Urwald verlaufen und mich b) auf selbigem Marsch alleine langweilen. Weiters bin ich gefragt worden, ob ich vor dem Abendessen wohl brav geduscht hätte.

14. – 15. Februar 2011
Nach einem zweitägigen Ausflugg in die Halongbucht – einer UNESCO-Weltkulturerbestätte - bin ich trotz sechs Schichten Kleidung (und somit allen warmen Schichten, die ich bei mir habe) als Halbgefrorenes wieder nach Hanoi zurückgekehrt. Wenn die Sonne scheint und frühlingshafte Temperaturen herrschen ist es sicher wunderschön dort. Bei feuchtkaltem Wetter sieht man leider kaum etwas. Morgen geht es wieder in den Süden!

13. Februar 2011
Der Vietnam ist und bleibt nicht mein Land. Heute war es feuchtkalt, eiskalt um genau zu sein und ich habe eine Ausflug zur sogenannten Parfumpagode gebucht gehabt. Soweit hat der Ausflug zwar stattgefunden, die 60km Busfahrt im ungeheizten Bus haben allerdings Stunden gedauert, die Ruderbootsfahrt zur Pagodengegend wäre bei Schönwetter sicher interessant gewesen – heute war sie in erster Linie kalt – und die heute offiziell 51.000 gezählten Pilger haben dann leider den Weg zur Pagode so verstellt, dass ich gar nicht hingekommen bin. Man kann sich die Massen auf glitschigen, matschigen Steinen kaum vorstellen. Und Pilger stellt man sich an sich auch anders vor. Das ganze hat leider nichts Bedächtiges oder Feierliches an sich gehabt. Friere immer noch, während ich dies schreibe.

12. Februar 2011
Heute ist ein Tag wie Weihnachten und Ostern zusammen. Ich habe die Filme der letzten Wochen zum Entwickeln gebracht (ja, tatsächlich habe ich in Hanoi ein Labor aufgetrieben) und warte nun gespannt auf das Ergebnis! Ich verstehe ja immer noch nicht, wie sich Menschen dieses Erlebnis so leicht haben aus der Hand nehmen lassen. Oder bessergesagt wie sie sich Geräte in die Hand haben geben lassen, mit denen das Ergebnis der photographischen Handlungen sofort begutachtet werden kann. Obwohl ich mittlerweile viele hochgezogene Augenbrauen und die Blicke, die die Ewiggestrigen treffen, aushalten muss, bin ich nach wie vor davon ueberzeugt, dass den Menschen die Gabe, mit Belohnungsverzoegerung umzugehen, vom Tier unterscheidet.

11. Februar 2011
Ich bin eben von der Abendvorstellung des Hanoier Thang Long Wasserpuppentheaters zurück, was für ein entzückendes Erlebnis! Man muß sich ein Becken in der Größe eines Heimswimmingpools vorstellen, in dem sich ein Pagodentor spiegelt. Nach verschiedenen Trommelwirbeln und einer Art Harfenspiel kommen erstmals die Puppen ins Spiel, die wild gestikulierend mittrommeln und dabei ins Wasser klatschen. Beim Drachentanz speien Puppendrachen Wasser und beim Stierkampf kämpfen ein herziger kleiner weißer gegen einen ebenso niedlichen schwarzen Bullen. Das beste war allerdings die Darstellung des bäuerlichen Lebens. Die Bauern pfügen ihr Land und fahren mit Ochsenkarren durch das Pool, pflanzen Reis und ernten später. Der Puppendarsteller, dem die weng dankbare Rolle des reifen Reises zugefallen ist (man hat ihn nicht sehen können), hat mich sehr an die wenig glanzvolle Theaterkarriere meines Vaters erinnert, der in einem Stück einmal den Wald mimen mußte. Was auch sehr nett war, war ein Pferderennen, bei der eine Pferdemarionette unabsichtlich geköpft wurde. Der Pferdekopf ist bis zum Ende der Vorstellung entwaffnet im Pool geschwommen. Nach etwa einer Dreiviertelstunde war alles vorbei und ich muß sagen, es war sehr amüsant!

10. Februar 2011
Ich bin jetzt in Hanoi und fühle mich hier wesentlich wohler als zuletzt! In der Stadt herrscht eine gute Stimmung!
Wie hat die Oma immer gasagt? Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Zum Beispiel, dass es Hotels gibt, in denen man bei der Haustür die Schuhe ausziehen muss (Hotel Huenino, Hué), Hotels, in denen der Boden gefliest ist, die Fliesen aber wie mit Lack versehene Steine aussehen, oder Hotels, die in jedem Zimmer einen Laptop mit Internetzugang haben (beides Elegance Hotel, Hanoi). Von im Badezimmerspiegel eingebauten Fernsehern habe ich ja schon berichtet (Hilton, Kuala Lumpur). Was weiters bemerkenswert ist, ist dass man Frühlingsrollen nicht frittieren muss, sondern in Krautblätter verschiedene Salate rollen kann (Hanoi) und dass in einer Gemüsesuppe Fleisch- und Meeresfrüchteatrappen aus Gemüse sein können (in der Form von Speck, Scampi, Tintenfisch und Muscheln, alles in einem „Hot Pot“ in Hué).

9. Februar 2011
Die Weiterreise per Bus nach Hoi An hat leider statt 2 bis 3 Stunden ohne sichtliches Problem im Endeffekt fast 6 Stunden gedauert. Dass eine Fledermaus über die offene Dachluke hereingefallen ist hat uns dabei nämlich nur marginal aufgehalten. Der Buschauffeur hat sie recht nonchalant mit der dreckigen Fußmatte gepackt und in hohem Bogen aus dem Fahrerfenster geworfen. Ob die Fußmatte dabei auch dran glauben hat müssen ist mir leider entgangen. Sie war jedenfalls danach nicht mehr zu sehen (Die Matte. Die Fledermaus aber auch nicht.)

8. Februar 2011
Für Hué, die ehemalige Residenz der Vietnamesischen Kaiser, hätte ich mehr Zeit gebraucht, denn sie hat durchaus ihren Charme.
Das Tet-Fest ist vorüber, aber man sieht immer noch Zeichen davon. Die kegelförmigen traditionellen Hüte hängen in den Bäumen und beschatten dort ebenfalls hängende kleine Weihnachtssterne. Hué und alle kaiserlichen Denkmäler genießen - obwohl alles sehr sauber ist und keinerlei Tauben- oder Hundsdreckinvasion festzustellen ist - UNESCO-Weltkulturerbestatus (warum das nicht selbstverstädnlich ist, siehe Einträge vom 20. Dezember 2010, 4. Dezember 2010, 28. November 2009 und 25./26. April 2009). Einige der Grabmäler im Tu Doc Mausoleum drohen zusammenzubrechen und wurden mit häßlichen Stahlpfeilern abgestützt. Immerhin EIN untrügerisches Zeichen dafuer, dass die UNESCO hier ihre Finger mit im Spiel gehabt hat! Wobei man faierweise sagen muss, dass das ganze nicht annähernd so störend ist wie im äthiopischen Lalibela...
In der Thien Mu Pagode habe ich erstmals im Vietnam einige Mönche gesehen. Die Kleider sind hier entweder dunkelbraun oder aber schreiend gelb. Die Novizen tragen ein ausgewaschenes Graublau und haben im Gegensatz zu den kahlköpfigen Mönchen sehr originelle Haarschnitte. Die meisten haben eine Art Halbglatze mit zackenförmigen Stirnfransen und einer Strähne an der rechten oder linken Schläfe, die teils bis zur Mitte des Rückens reicht.

7. Februar 2011
Ho Chi Minhs Portrait ist allgegenwärtig. Was etwas bizarr erscheint iat, dass Ho Chi Minhs Portrait in der ehemaligen Hauptstadt Hué auch den Eingang der Zittadelle und somit den ehemaligen Kaisersitz ziert. Als charismatische Führungspersoenlichkeit hilft es ungemein, über ein passables Äußeres zu verfügen, dass sich auch 70 Jahre nach Erstveröffentlichung noch verwenden läßt. Ob sich die lokale Bevölkerung wohl schon sattgesehen hat? Das frage ich mich bei den Fidel- und Chéportraits in Kuba ja auch. Lenins schnittiges Äußeres ist ja in den touristischen Zonen Moskaus auch noch durchaus stark präsent. In Kalkutta, einer der wenigen Städte mit kommunistischer Regierung, ist mir seinerzeit (Anfang 2008) kein markanter indischer Kopf aufgefallen.

6. Februar 2011
Heute habe ich eine durchaus teure Lektion gelernt: Traue dem Hotelpersonal nicht, auch wenn es noch so nett wirkt! Bisher war ich ja immer der Meinung, dass Menschen, die im Hotel angestellt sind oder es reinigen dies deswegen machen, um ehrlich ihr Geld zu verdienen. Wannimmer mir jemand erzählt hat, dass ihm Geld oder andere Wertsachen abhanden gekommen sind, habe ich milde gelächelt und gemeint, das sei mir noch nie passiert. Das hat sich nun leider ziemlich grundlegend geändert. Während ich gestern auf der nicht unbedingt großartigen Mekongdeltafahrt war, sind mir 170 Euro, 50 Dollar und etwa 25 Dollar in lokaler Vietnamesischer Währung aus dem Hotelzimmer abhanden gekommen. Die Hotelmanagerin war unglaublich betroffen und ist mit mir zur Polizei gegangen, um Mitteilung zu machen. Und dort haben wir gleich die nächste Lektion über Macht und Ungleichheit gelernt. Ein mit vier Sternen behängter Polizist hat die Managerin ignoriert, sie weder angesehen noch richtig mit ihr gesprochen und wollte partout keinen Bericht verfassen. Der zweite - mit nur zwei Sternen dekoriert - war ebenso unmöglich und mußte bekniet werden, um seine Arbeit zu tun. Viele Fragen später ist er dann zum Schluß gekommen, ich hätte vorsichtiger sein sollen und all das sei ohnehin mein Problem. Die Sache hätte insgesamt sicher anders ausgesehen, wäre die Managerin ein Manager gewesen und ich ebenso ein Mann.

5. Februar 2011
Schlußendlich war ich nun doch im Mekongdelta, was ich mir allerdings hätte sparen können. Im Endeffekt war die Fahrt eine bessere Heizdecken-Kaffeefahrt; wir wurden von Ort zu Ort gebracht, wo man Diverses, von Honig über getrocknete Bananen bis hin zu Cocosbonbons ständig hätte einkaufen sollen. Das tatsächliche Delta und die Landschaft wurden links liegen gelassen und man hatte kaum Gelegenheit, auch nur irgendwie auf die landschaftliche Schönheit zu achten. Die Rückfahrt nach Saigon, die mit anderthalb Stunden im Schnellboot angekündigt war und dann vier Stunden gedauert hat, war noch das Beste. Zumindest wollte dort niemand etwas verkaufen und man konnte sich ausgiebigst die wunderschöne Deltalandschaft ansehen.

4. Februar 2011
Endlich habe ich mich fit genug für einen ersten Ausflug gefühlt. Es gibt hier im Südvietnam eine Rekigion, die sich Caodaismus nennt und Christentum, Hinduismus, Buddhismus, Laozetum und Konfuzianismus vereint. Nach einer interessanten Mittagszeremonie in einem Cao Dai Tempel (in der Nähe von Tay Ninh) - die leider durch die Scharen von Touristen sehr an Stimmigkeit eingebüßt hat - ging es weiter zu den Cu Chi Tunnels, einer bemerkenswerten Anlage aus den Zeiten des Vietnamkriegs. Ein ungemein enges Tunnelnetz hat den vietnamesischen Partisanen im Kampf gegen die Amerikaner gedient und ist heute zu einer Art Touristenthemenpark umgestaltet worden.

2. – 3. Februar 2011
Langsam fange ich mich von meiner leichten Grippe. Saigon habe ich soweit erkundet. Das Chinesische Neujahrsfest wird noch bis zum 6. Februar dauern und bis dann sind die meisten Geschäfte geschlossen, die größeren Touren finden nicht statt und insgesamt geht das Leben in der Stadt einen gemächlicheren Gang. Leider komme ich dadurch aber auch nicht wie geplant für drei Tage ins Mekongdelta, sondern mußte meine Ausflüge und Weiterreise etwas umdisponieren...

31. Jänner – 1. Februar 2011
Nach einer weiteren Nacht retour in Singapur bin ich nun in Saigon im Vietnam angekommen, wo ich gegen eine aufkommende Grippe kämpfe. Dadurch sind die ersten Eindrücke wohl nicht so stark, als ich mir gedacht hätte. Was auffällig ist, ist allerdings, was alles auf der Straße verkauft wird. In den touristischeren Zonen sieht man überall fliegende Händler, die mit Buchstapeln herumlaufen und von aktuellen Bestsellern über Reisefüher versuchen, kopierte Bücher an den Mann zu bringen. Ansonsten gibt es auch noch Sonnenbrillen, Zigaretten, Armbänder und interessanterweise Menschen mit riesigen Personenwaagen. Als ob sich Restaurantgäste sofort nach Einnahme ihrer Mahlzeiten wiegen lassen wollten...

29. – 30. Jänner 2011
So, nun habe ich alle wesentlichen Sehenswürdigkeiten in Kuala Lumpur besucht, inclusive der Petronastürme, des Telekomturms und des Orientalischen Kunstmuseums.Was für ein Unterschied doch zwischen dieser modernen Stadt und den Sttädten besteht, die ich in Myanmar gesehen habe. Man kann sich bei all den rieseigen Einkaufszentren kaum vorstellen, dass nicht allzuweit entfernt auf Märkten sogar getrocknete Ratten verkauft werden. Wie bei Trockenfisch muß man sie erst in Wasser einweichen, bevor man sie kochen kann.
Aber was ich natürlich dazusagen muß ist, dass ich ab und zu auch durchaus eine Schwäche für Luxus habe. So habe ich mein riesiges KLer Hotelzimmer mit in den Toilettspiegel eingebautem Fernsehbildschirm, seiner hypermodernen Toilette, dem riesigen Bett und großartigen Ausblick doch sehr genossen.

28. Jänner 2011
In Kuala Lumpur bin ich heute Nachmittag an einem Fish Spa vorbeigekommen. Nur der Vollständigkeit halber: Dieses Etablissement war ein Massage- und Beautysalon und im Gegensatz zu dem in Singapur kein Internetcafe. Es gibt dort drei Aquarien, eines mit kleinen, eines mit mittelgroßen und ein weiteres mit verhältnismäßig großen Fischen. Ich habe mir sagen lassen, dass die Fische die abgestorbene Haut an den Füßen wegknabbern, wobei die kleinen Fische als Art Vibration wahrgenommen werden, die mittleren vor allem bei der Erstbehandlung kitzeln und oftmals ein hysterisches Kichern hervorrufen und die großen wirklich knabbern. Ich war relativ feig und habe mich für eine klassische chinesische Rückenmassage entschieden.
Wie schnell man wieder ins moderne Leben einsteigen kann wird einem in Singapur und Kuala Lumpur schnell bewußt. Alles funktioniert bestens, man kann in Singapur mit der U-Bahn vom Flughafen ins Zentrum fahren, im Zug vom Flughafen zum Zentrum von Kuala Lumpur gibt es sogar superschnelles Internet - im Fahrpreis inkludiert während am Fenster die Palmenhaine vorbeizischen.
Die Menschen sind nicht unfreundlich, registrieren andere aber kaum, da sie in erster Linie damit beschäftigt sind, auf ihre Telefone und sonstigen Gadgets zu starren und auf ihnen herumzuwischen, oder ihnen sonstige tappende, streichelnde oder pieksende Berührungen zukommen zu lassen. Heutzutage denke ich ja manchmal ist der ultimative Beweis von Intimität wohl der, jemanden sein Telefon oder iPad berühren zu lassen.

27. Jänner 2011
Zum Abschluß einer großartigen Reise durch Myanmar war ich heute Vormittag noch einma in der Schwedagonpagode in Yangun/Rangoon. Dieser Ort hat etwas ungemein Kraftvolles, ein guter Ort zum Nachdenken und Schwadronieren. Ich hätte dort ganze Tage verbringen mögen. Immer wieder nähern sich Mönche oder andere Menschen an und verwickeln einen in mehr oder weniger absurde Dialoge.
So etwa: A: Woher kommst Du? B: Austria. A: Aha, Sidney. B: Nein, Wien. Oder: A: Woher kommst Du? B: Österreich. A: Wie heißt Du? B: Margit. A: Wohin gehst Du? B: Im Moment nirgendwohin. A (das Thema abrupt wechselnd): Bist Du verheiratet? B: Nein. A (forsch): Hast Du einen Liebhaber? B: ... (!) A (nicht um mehr Vertrauen bemüht, dafür sehr interessiert): Wieviel verdienst Du? B: Das kommt ganz aufs Monat an. A: Bei mir auch. A: Wie lange bleibst Du in Myanmar? B: 3 Wochen. A (etwas verärgert): Warum nur drei Wochen, alle anderen Touristen bleiben vier Wochen! B: Nun, meine Rundreise war halt nur drei Wochen. A (leicht zornig): Du mußt 4 Wochen bleiben! Warum bleibst Du nur 3 Wochen? B (leicht irritiert): Tja, da kann man jetzt wohl nichts machen. A: Woher kommst Du? B (noch irritierter): Aus Österreich. A: Ach, genau. Wie heißt Du? B (säuerlich): Ich glaube, ich muss jetzt gehen.
Abschließend zur Reise hat es in der Gruppe noch eine Diskussion rund um die lästiger werdenden Stechmücken gegeben: Angeblich, so ein an der Fauna sehr interessierter Mitreisender, stechen nur trächtige Mückenweibchen. Ob dessen hat seine Begleitung, ansonsten ungemein beliebt bei den Mücken, ein Gerät bei sich, das für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbare Mückenbrunfttöne aussendet. Nachdem das Weibchen schon befruchtet ist, meidet es Männchen im allgemeinen und brunftige im besonderen und somit auch den Träger des genannten Gerätes. Mein Schmunzeln ist leider nicht unbemerkt geblieben und prompt mußte ich mich erklären. Wahrheitsgemäß habe ich zugegeben, dass ich mir die Betreffende gerade vor meinem geistigen Auge als brunftiges Mosquitomännchen vorgestellt habe.

26. Jänner 2011
Nachdem die Reise durch Myanmar nun langsam zu Ende geht und ich wieder in Yangon/Rangoon bin habe ich endlich wieder eine Internetverbindung, die auch ein Blogupdate zuläßt. Es ist schon interessant wie schnell man sich daran gewöhnt, nicht ständig per Mobiltelefon errreichbar zu sein und keinen verläßlichen Internetzugang zu haben. Ich glaube nachdem beides ja mehr oder weniger erst über das letzte Jahrzehnt Teil unseres täglichen Lebens geworden ist und wir uns anscheinend unglaublich schnell daran gewöhnt haben, so ist es ebenso schnell wieder vergessen. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, nun wirklich auf einer Reise zu sein, weit weg in einem fernen Land.

25. Jänner 2011
Ich habe heute eine Heißluftballonfahrt über Bagan gemacht, ein einmaliges und auf seine Art unbeschreibliches Erlebnis! Der Sonnenaufgang über der leicht nebeligen, mystischen Pagodenlandschaft dieser uralten Stadt ist sagenhaft. Auch das Gefühl des Schwebens ist ganz besonders. Man gleitet sehr sanft dahin und hat einen grandiosen Ausblick!

24. Jänner 2011
Bagan ist ein märchenhafter Ort. Über 4000 Tempel, Stupas und Pagoden sind auf einer riesigen Fläche verteilt und wohin man schaut macht man eine Zeitreise in die Vergangenheit. Das einzig befremdliche ist, dass diese Zeitreise in die Vergangenheit in Farbe stattfindet und man die Bauten, Ochsenkarren und Pferdekuschen nicht wie man von alten Bildern oder Fotos erwarten würde in Schwarzweiß sieht sondern bewegt im Hier und Jetzt und wie gesagt in Farbe.
Die Sounvenirverkäufer sind lästig, haben aber teilweise intressante Dinge, so etwa ein geschnitzte Schachbretter mit bronzenen Figuren bei denen die Bauern aussehen wie streitbare und zu allem bereite Gartenzwerge.
Der Sonnenuntergang von der Sonnenuntergangspagode aus betrachtet war wunderschön. Die Pagodenlandschaft erscheint in einem dunstigen Licht und dahinter geht die Sonne groß und glutrot unter.

23. Jänner 2011
Ein Geburtstag wie er meiner langen Reise entspricht: 9 Stunden Fahrt mit einem Boot auf dem Irrawaddy von Mandalay nach Bagan... Der Sonnenaufgang war malerisch.

22. Jänner 2011
Beim Aufstieg auf den Mandalay Hill habe ich heute (ungewollt) von einem Wahrsager auf den Kopf zugesagt bekommen, ich würde am nächsten Tag meinen 35. Geburtstag feiern...

21. Jänner 2011
Mandalay ist eine an sich relativ junge Stadt, im Schachbrettmuster angelegt und voller Mopeds und Autos. Trotzdem gibt es sehr viel Sehenswertes, etwa die Blattgoldherstellung. Man kann sich diesen mühsamen Prozeß nicht vorstellen, wenn man ihn nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Angeblich schafft man es mit Maschinen nicht, auch nur annäherend so dünne Plättchen herzustellen, wie in Handarbeit. Dafür schlagen Männer mit riesigen Hämmern stundenlang auf kleine Goldklümpchen ein und plätten sie so nach und nach zu im wahrsten Sinn des Wortes hauchdünnen Blättern. Wo diese Blätter dann verpackt werden darf nicht gesprochen werden, sonst würden die Goldblätter wegfliegen. Eines der größten burmesischen Heiligtümer, die Mahamuni-Pagode, steht auch in Mandalay. Dort wird der Körper eines großen Buddhas imZentrum der Pagode seit Jahrhunderten mit immer mehr Blatgoldschichten überzogen. Interessanterweise passen Kopf und massiger Körper proportional immer noch zusammen.
Was mich fasziniert hat war der Sagainhügel in Amarapura, etwa 11km von Mandalay entfernt. Dort reiht sich Kloster an Kloster, man sieht hunderte Novizen, Novizinnen, Mönche und Nonnen. Vom Kloster ganz oben hat man einen herrlichen Ausblick, aber das schönste ist die absolute Ruhe dort.
Zum Sonnenuntergang waren wir an der malerischen U-Bein Brücke in Amarapura, wo ich mich lange mit einem Mönch unterhalten habe. Erst hat er mir eine Liste unregelmäßiger englischer Verben unter die Nase gehalten und wollte er wissen, wie man einige der Wörter ausspricht. Später haben wir dann über Gott und die Welt geplaudert, vor allem aber über die Welt, da ich bei den 10 Geboten auch nach zweimaliger Ermahnung, ich solle mich anstrengen bei Gebot 8 kläglich versagt habe. Er konnte seine 10 Regeln sehr wohl hersagen, hat aber eingestanden, manche nicht immer einhalten zu können. So würde er ab und zu auch nach 12 Uhr mittags etwas essen. Und Musik fände er, sei Teil der Kultur und sollte ihm nicht verboten sein. Und trotz des Bildschirmverbotes würde er gern ins Internet und Fußball schauen.

20. Jänner 2011
Mandalay, wie verheißungsvoll allein dieser Name klingt! Mandalay ist die Stadt des letzten burmesischen Königs Thibaw Min, der von den Briten gestürzt und ins Exil vertrieben worden ist. Mandalay oder bessergesagt die Geschichte rund um diesen letzten König war eigentlich der Grund, warum ich überhaupt nach Myanmar reisen wollte. Nach der Lektüre von Amitav Ghoshs Roman „The Glass Palace“, der die historischen Detais geschichtsgetreu widergibt, wollte ich mir das Land einmal anschauen. Der Roman beginnt mit den letzten Tagen des burmesischen Reiches spinnt dann die Geschichte über vier Generationen weiter und deckt sogar noch den Teakholzboom und -hunger der Briten ab. Dass wir heute auch durch Teakholzwälder und -lager gefahren war da natürlich besonders interessant.

19. Jänner 2011
Bei gewissen Gesprächsthemen im Rahmen einer ausgedehnten Wanderung rund um Kalaw hat sich wieder einmal eine gewisse nationale Note gezeigt. Während sich andere ob der delikaten Themenwahl dezent verabschieden, können sich Österreicher unter Beteuerung, die Geschichte sei gar nicht witzig, köstlich darüber amüsieren, dass anno dazumal eine Großmutter anscheinend lebendig bestattet worden ist. Das ganze hat sich erst nach einigen Jahren herausgestellt, als nämlich bei der nächsten Beerdigung und nachdem der Holzsarg verrottet war, die Gebeine der Großmutter mit dem Kopf nach unten aufgefunden worden sind, sprich, nachdem sie sich buchstäblich im Grab umgedreht hat. In nämlicher Gegend erzählt man sich angeblich immer wieder Geschichten von Totgesagten, die dann auf dem Weg zur Kirche noch im Sarg klopfen.

18. Jänner 2011
Ich wundere mich ja manchmal, wie stoisch Männer sein können und wie wenig sensibel sie auf Sarkasmus reagieren. So etwa heute bei einem Gespräch zwischen einem Thailänder und seiner burmesischen Reiseleiterin. Der Thai: Also wirklich, Du findest, dass ich gut aussehe? Die Burmesin: Nun ja im großen und ganzen schon.
Ein wenig später habe ich in der Nähe einer Papiermanufaktur ein Kind fotografieren wollen und bin ob dessen einige Zeit in der Hocke verharrt, jäh unterbrochen durch einen riesigen schwarzen Hund, der mir genüßlich quer übers Gesicht geschleckt hat. Interessanterweise – und wenn ich „interessanteweise“ sage werden mir diejenigen, die meine Hundepanik ansonsten kennen zustimmen - hat mich das nur moderat aus dem Konzept gebracht. Ich habe das Kind anschließend doch noch fotografieren können, bevor ich mir das Gesicht abgewischt habe.

17. Jänner 2011
Ein Mitreisender hat eine besondere Auffassung von Hilfe. Er trägt seine mitgebrachten Hemden zwei Tage lang und gibt sie dann – getragen und ungewaschen – an Bettler. Das stößt nicht immer unbedingt auf Gegenliebe oder Dankbarkeit. Die Erstreaktion ist – wie zu beobachten war - leichte Verwunderung. Dann wird das Hemd begutachtet und an den nächsten, dünnen Mann gehalten, dem das Hemd natürlich auch von Weitem betrachtet viel zu groß ist. Dann kommt die Phase des ungläubigen Beschnupperns. Das Hemd wird anschließend gefaltet, der nächsten Dame weitergereicht, die es wieder begutachtet, gleich beschnuppert und etwas konsterniert an den nächsten dünnen Mann hält und so fort.

15. und 16. Jänner 2011
Sich in Myanmar fortzubewegen ist nicht einfach, aber in der organisierten Gruppe natürlich möglich. Nach dem um Stunden verspäteten Flug nach Heho, der dann unerwartet erst nach Mandalay geflogen ist, sind wir schlußendlich abends am 16. Jänner in Nyaungshwe am Inle/Inlaysee angekommen. Der See ist, wie man in einem überaus vollgepackten Tag hat sehen können, eine Welt für sich: man befährt ihn mit motrisierten Einbäumen - naja, meinetwegen sind es Kanus – und entdeckt ganze Pfahlbautenstädte. Es gibt schwimmende Gärten mit einer Tomatenmonkultur, wobei angeblich bis zu 50 Tonnen Tomaten pro Tag am Inle/Inlaysee geerntet werden. Diese schwimmenden Gärten sind 10 Meter lang, zwei Meter breit und zwei Meter tief mit zwei Metern Abstand zueinander, um per Kanu ernten zu können. Durch die Überdüngung ist leider ein immenses Fischsterben im Gange. In den Pfahlbautendörfern gibt es Seidenwebereien, die noch wie anno dazumal vor Erfindung des mechanischen Webstuhls arbeiten. Was mir neu war, waren Lotusstoffe. Dabei wird in mühseliger Kleinstarbeit aus Lotusblumen bzw. deren Stengeln Fasern gewonnen, gesponnen und dann zu Tuch verwebt.
Beeindruckend war auch ein Ruinenfeld von etwa 1000 Stupas, eine verfallener als die andere. Manche werden gerade renoviert, wobei aber mit der historischen Bausubstanz aus Laiensicht nicht gerade zimperlich umgegangen wird. Die schiere Anzahl der übrigen, brökelnden ist faszinierend.
Das Spektakel, auf das ich eigentlich gespanntesten war, habe ich dann leider aus widrigen Umständen nicht sehen können: ein Kloster, in dem die Mönche Katzen das Springen durch Ringe beigebracht haben. Als wir angekommen sind, waren die Katzen leider beim „Abendessen“ und danach, so wurde uns versichert, seien sie nicht mehr zur Akrobatik aufgelegt. Schade.

14. Jänner 2011
Auf dem Weg zurück nach Ragoon/Yangon haben wir noch Bago besucht, eine große Stadt mit einer der größten Pagoden und einem der größten liegenden Buddhas im ganzen Land. Es fällt mir schwer, mich an das Gruppenreisen zu gewöhnen. Obwohl es natürlich angenehm ist, per Bus von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gebracht zu werden, so ist es doch zu einem großen Grade unselbständig und fremdbestimmt. Sich die Dinge selbst zu organisieren ist dagegen um ein Vielfaches intensiver.
Ach ja, was ich noch erwähnen wollte: Ich habe keinerlei Mobilfunkzugang hier. Es gibt zwar ein Netz aber anscheinend keine Roamingvereinbarungen und eine SIM-Karte zu kaufen scheint schwierig bis unmöglich.
In Rangoon habe ich abends eine Fahrradrikscha zu meinem Hotel genommen, was nicht unbedingt ungefährlicher war als zu Fuß zu gehen, zumal der Mann zwar allen Schlaglöchern geschickt ausgewichen ist, zu diesem Behufe aber auf der vierspurigen Strasse in die Gegenrichtung unterwegs war. Ohne Licht, dafür aber mit einer lauten Glocke.

13. Jänner 2011
Eine lange Busfahrt hat uns heute nach Kyaikto und somit zum Goldenen Felsen, einer der heiligsten buddhistischen Stätten in Myanmar gebracht. Der Felsen ist auf der Spitze eines Berges, den man zumindest teilweise zu Fuß erklimmen muss. Man kann sich sein Gepäck von Sherpas tragen lassen und an sich könnte man statt einer Stunde Wanderung auch eine von vier Männern getragen Sänfte wählen. Ich war einen kurzen Moment lang schwach, habe mich dann aber doch auch als Nicht-Bergfex für die Wanderung entschieden. Der Felsen selbst ist faszinierend. Er liegt auf einem Hang, hängt über, scheint jeden Moment zu fallen und fast zu schweben.

11. + 12. Jänner 2011
11.1.11. was für ein schönes Datum! Aber das Allererstaunlichste vorweg: Es gibt hier in Yangon/Myanmar tatsächlich Internetzugang, wer hätte sich das gedacht! Zwar sind viele Seiten gesperrt/zensiert, auch die meisten internetbasierten E-Mailkonten, aber immerhin.
Mein erster Eindruck: Die Shwedagon-Pagode Rangon/Yagon ist überwältigend! Welcher Prunk! Alles scheint vergoldet, ein Türmchen neben dem anderen und eine sehr entspannte Stimmung bestimmen den Ort. Der liegende Buddha in der Kyaukhtagyi Pagode war auch eindrucksvoll.
Auf den Strassen wimmelt es von barhäuptigen Mönchen in orange, braun und braunrot und interessanterweise auch von rosagekleideten, ebenfalls barhäuptigen Nonnen. Obwohl der Verkehr an sich recht gesittet ist, empfiehlt es sich, hinter Nonnen oder Mönchen die Strassen zu queren in der Hoffnung, dass die niemand absichtlich überfahren wird. Die Gehsteige sind wackeliger als in Brüssel und zwar ungemein wackeliger: man muß sich auf Sprunggelenke, Knöchel und das Gleichgewichtssystem gleichzeitig verlassen können, um nicht auf einer der wackeligen Platten zu kippen, von den teils bis zu einem Meter tiefen Löchern ganz zu schweigen.

10. Jänner 2011
Habe ich vor einigen Jahren nicht einmal gesagt, ich würde den Aufwand mögen Film einzukaufen, Fotos machen, Film zum Entwickeln tragen und dann auf das Ergebnis gespannt sein? Nun, die Sache artet irgendwie aus. Es war schon in den USA nicht einfach, Film zu finden, aber über Empfehlung und Internetrecherchen habe ich dann doch ein Fachgeschäft gefunden. Film heißt hier in Singapur universell „Flim“ und schon allein die Frage wird als skurill abgetan. Den Sonntag habe ich hier zum Großteil damit verbracht, alle Fotogeschäfte der Stadt Singapur abzuklappern, nur, um immer wieder zu hören: Flim? No. Immerhin ist der Ton freundlich und man ist beflissen, zu helfen. So wurde ich in diversen Einkaufszentren von Etage zu Etage geschickt: Vielleicht im 2. Stock! Dort wiederum: Vielleicht im 5. Stock. Und dort: Vielleicht im Einkaufszentrum nebenan. Oder: Nach Flim hat schon lange niemand mehr gefragt. Wir bekommen auch nicht mehr so viel herein, vielleicht gibt es noch Restposten... Heute bin ich nun endlich fündig geworden. Ruby Photo war meine Rettung! Ein Fotogeschäft mit Kühlschrank für Filme, so wie es sich gehört!
Ansonsten ist Singapur eine Stadt, in der man teilweise nur noch staunt. Man kann sich in Chinatown die Füße und den Nacken massieren lassen (leider hilft das auch nur bedingt gegen meine Schulterpein) und dann drei U-Bahnstationen weiter in Little India dann indisch essen. Auf dem Rückweg bekommt man – so man will - dann in einem Einkaufszentrum in einem Fish Spa Internet Cafe (Bild hier) für 41 Singapurdollar folgendes: einen Soft Drink, 30 minuten Fish-Spa (sprich, an einem kleinen Tischlein sitzen und seine Füße in ein Aquarium mit vielen Fischlein halten, wobei dieses Aquarium von der Straßenseite aus sichtbar ist) und 30 Minuten Internetzugang. Die drei Dinge werden so scheint es kombiniert, sprich man trinkt und surft während man die Füße im Fischtrog hat. Und nein, ich habe es NICHT ausprobiert!
Erhaltener Kommentar: Das ist ja köstlich. Gut zu wissen, dass es dir ok geht!
Erhaltener Kommentar: "Fatima" birgt natürlich definitionsmäßige Risiken in sich, bei "Madonna" wäre ja alles klar gewesen...

8. – 9. Jänner 2011
Singapur ist die perfekte Inszenierung der postmodernen Gesellschaft: keine Kriminalität, hohe Strafen für alles (man hat zwischendurch sogar Sorge, dass das Trinken aus Wasserflaschen auf der Strasse verboten sein könnte), ein Shoppingcenter neben dem anderen, unterbrochen vielleicht von Entertainmentkomplexen. Wo Kirchen noch als Kirchen genutzt werden, finden Messen zeitlich gestaffelt in allen vier offiziellen Sprachen statt. Gegenüber meines Hotels ist ein ehemaliges Kloster, dessen Innenhof und Anbauten in einen Restaurantkomplex umgebaut worden ist. Das Kirchengebäude selbst ist leer und kann für Spezialveranstaltungen gebucht werden.
Auf einer Tafel war zu lesen: „Fatima kommt nach Singapur“. Man fragt sich dabei, ob das nun eine neue Rockband ist, oder ob es sich um einen sakralen Besuch handelt. Dem Poster nach zu schließen wohl um letzteres.
In einer ehemaligen Katholischen Schule ist das Singapurer Kunstmuseum untergebracht. Im Moment ist ein Teil des Gebäudes einer Soloausstellung eines jungen Mannes, dessen Name mir entfallen ist, gewidmet, der mit Vorliebe den Hinterkopf seiner Mutter portraitiert. Das beste Bild im ganzen Museum war meines Erachtens ein Foto eines Banners, das den 5. Jahreskongress einer islamischen Gesellschaft zur Abschaffung der Polygamie beworben hat.

7. Jänner 2011
Ich bin gut in Singapur angekommen. Mein erster Eindruck ist eigentlich in erster Linie, dass sich das generelle Vorurteil einer ungemein sauberen Stadt bestätigt. Der erste Einheimische, den ich abgesehen von der Grenzkontrolle gesehen habe, hat lächelnd einen Besen geschwungen und die Flughafenhalle gefegt.
Mein GPS hatte einige Adaptionsschwierigkeiten zumal es davon ausgegangen ist, ich würde die 12.800km von Brasilia, wo ich es zuletzt verwendet habe, gerne zu Fuß nach Singapur gehen.
Beim Abendessen war die Spezialität des Hauses „Lebender Frosch“. Zum Glück stand in der Speisekarte „minimum zwei Personen”. Die Auswahl war zwischen “ Lebender Frosch im Tontopf”, “ Lebender Frosch mit Frühlingszwiebeln”, “ Lebender Frosch in Hühneressenz” und “Betrunkener Lebender Frosch im Tontopf”. Ich frage mich ja wirkIich, was es mit letzterem auf sich gehabt hätte. Ist der Frosch dabei, im irdenen Töpfchen in Alkohol zu ertrinken? Und warum muß er überhaupt lebendig auf den Tisch kommen? Meine gemischtes Gemüse war übrigens vorzüglich und gar nicht betrunken.

6. Jänner 2011
Es ist zwischendurch wirklich ärgerlich, wenn einen Menschen zu gut kennen. Solche Leute können einen telefonisch daran erinnern, dass man sicher um 14:00 noch nicht für einen Flug um 19:00 zu packen begonnen hat. Und sie haben sogar um 15:00 noch Recht. Zu meiner Rechtfertigung sei zu sagen, dass es ja immer auch noch so viele andere Dinge zu erledigen gilt wie Rechnungen zahlen, Kaffee trinken oder ein Visum für Australien beantragen.

5. Jänner 2011
Ich habe gehört, dass man meinen Blog dann unterhaltsamer findet, wenn Dinge nicht so ganz rund laufen oder schief gehen. Nun, dann sollte ich vielleicht noch das Ende der Geschichte meiner leidigen Visabeantragung erzählen (der Beginn findet sic him Eintrag vom 26. November). Nach meiner Rückkehr aus Brasilien am 23. Dezember bin ich sofort vom Flughafen zur Botschaft des von Europa doch sehr weit entfernten Landes geeilt und war etwa eine halbe Stunde nach Ende der groß an der Türe angeschlagenen nachmittäglichen Visaabholzeit zu spät dort. Nachdem aber noch jemand vor Ort war und meinen Kniefall akzeptiert hat kam ein süffisantes: Wie können Sie in Brasilien sein, wenn ich Ihren Paß habe? Meine Antwort von wegen Zweitpaß hat unseren kleinen Machtkampf vom November wieder aufleben lassen. Mein Paß wurde nach ausgedehntem Showsuchen unter einigen anderen hervorgekramt und hat im letzten Monat äußerlich sichtlich gelitten. Anscheinend habe ich das etwas zu unbeeindruckt hingenommen und habe daher statt eines Zwanzigers und eines Fünfers fünfundzwanzig einzelne Euromünzen als Wechselgeld für einen Fünfzigeuroschein (und eine 25 Eurogebühr) erhalten. Zum Abschied hat er mir noch zu bedenken mitgegeben, dass ich sein Land sicher sehr schön finden würde, besonders aber sei wie freundliche und charmant seine Mitbürger seien. Meine Antwort war – Paß und Wechselgeld festhaltend - nur, dass mich das sicher ob meiner überaus angenehmen Erfahrungen hier in Brüssel nicht überraschen würde.

3. Jänner 2011
Romeo und Julia sind immer noch unter uns. Man kann tatsächlich einen Brief, respektive ein(e) E-Mail an Julia senden und bekommt innerhalb von zwei Wochen eine persönliche Antwort...

2. Jänner 2011
Ich habe endlich (ja, ich weiss, ich habe ein Jahr frei...) Zeit gefunden, Bilder meiner ersten beiden Reisen online zu stellen. Bilder meiner Reise durch den wilden Westen finden sich hier und Bilder meiner Mexikoreise hier. Man kann nun auch auf die entsprechenden Länder auf der Weltkarte klicken.

1. Jänner 2011
Resümee nach drei Monaten des Reisens: Die Ziffernblatt meiner Uhr wurde repariert und ist schon wieder gebrochen. Das Stativ ist nun völlig hinüber aber ich habe ein neues zu Weihnachten bekommen. Ich vermisse Kaff Country (den Radiosender) immer noch und mein linker Flügel ist ob der Schulterverletzung sehr beleidigt.

31. Dezember 2010
Nach ein paar Tagen Weihnachtsurlaub vom Blog in Österreich ist es Zeit für ein weiteres Resümee nach 3 Monaten des Reisens bzw eine Art Jahresrückblick: Kaff Country fehlt mir immer noch. ist der Flügel immer noch lahm, obwohl nun der Doktor eine weiterhin gute Reise gewunschen hat.

24. Dezember 2010
Frohe Weihachten vom Brüsseler Flughafen! Niemand will mit mir zusammenlegen und einen Weihnachtsbaum kaufen! Nachdem ich gestern mehr als pünktlich von Brasilia nach Brüssel gekommen bin, bin ich heute also hier hängengeblieben. Mein Flug nach Wien ist annuliert und ob es heute noch einen geben wird, ist mehr als unklar. Nun ja, alles halb so schlimm. In Zeiten moderner sozialer Netzwerke hätte die Weihnachtsgeschichte übrigens ausgesehen wie in diesem Video.

22. und 23. Dezember 2010
Heimreise von Brasilia über Sao Paulo und Madrid nach Brüssel. Viele Wartezeiten, aber an sich bin ich pünktlichst in Brüssel angekommen. Ein T-Shirtaufdruck, der meinen Brasilienaufenthalt wohl treffend zusammenfaßt habe ich noch in Brasilia gesehen: „Ich bin verloren!“

21. Dezember 2010
Ich habe mir ein Auto ausgeliehen und bin in Brasiliens zweite geplante Stadt, Goiania, gefahren. 1933 hat man sie zu bauen begonnen. Was soll ich sagen? In insgesamt sieben Stunden Autofahrt hat man viel Zeit zum Nachdenken. Vor allem, wenn man nur 80 oder maximal 100 km/h fahren darf. Bei den meisten 80-er Tafeln war ein Zusatzschild mit der Aufschrift: „Jesus liebt Dich“ angebracht, bei den 100-er Tafeln hieß es meist: „Lies die Bibel“. Überholt hat mich eigentlich nur ein Auto, die große Aufschrift auf der Heckscheibe war: „Ich gehöre zu Jesus!“. Was ja an sich interessant ist, denn wie ich wie berichtet in Rio de Janeiro zu meiner Frustration feststellen mußte, heißt Jesus hier ja eigentlich nur Christus. Wenn einen Jesus liebt bzw. man sogar sagen kann, man gehöre zu ihm, betet man dann trotzdem zur Sicherheit auch noch zu Christus?
Wie auch immer, Goiania ist furchtbar und als Stadt noch lebloser und uninteressanter als Brasilia. Der Mensch ist anscheinend nicht dazu geboren, in geplanten Städten zu leben, auch wenn er sich dann millionenhaft dort einfindet.

20. Dezember 2010
Ich habe heute den anderen Touristen in Brasilia getroffen! Er ist Architekt und spricht Engisch!
Brasilia ist in nur drei Jahren gebaut worden und feiert heuer sein 30-jähriges Bestehen. Als Gesamtkonzept hat Brasilia UNESCO Weltkulturerbestatus und wie schon zu einem früheren Zeitpunkt hier reflektiert habe ich ja so meine Zweifel, worauf die UNESCO Bewertungen wirklich beruhen. Auch Brasilia ist eine Stadt voller Tiere, diesmal sind es zum Glück keine Hunde, dafür aber Tauben, die all die Monumente feindlich übernommen haben.
Was die Gebäude angeht kann ich sagen, sie seien interessant, anders und irgendwie bizarr. Als künstliche und vollständig durchgeplante Hauptstadt ist Brasilia auf jeden Fall einzigartig und bemerkenswert.
All jenen, die ihre Staatslehrevorlesungen versäumt haben kann ich nur anraten, hierher zu kommen. Man spaziert quasi lehrbuchhaft und architektonisch ansprechend durch Legislative, Judikative und Exekutive. Eine Staatsreform scheint allerdings fast unmöglich, denn die Anzahl der Ministerien (bzw der Ministerialgebäude) ist fix vorgegeben, Verwaltungsverschlankungen sind also eher unwahrscheinlich, wobei für jedes Ministerum leicht ein Annex dahinter möglich scheint.

19. Dezember 2010
Es war eine neue Erfahrung, in Brasilia mit dem Taxi zum gebuchten Hotel zu fahren und zu erfahren, dass es nicht mehr existiert. Nun bin ich in einem anderen, zentraleren gelandet, das ungemein laut ist, da direkt an der die Stadt teilenden Autobahn gelegen.

18. Dezember 2010
Die filmbasierte Photographie hat wohl endgültig ausgedient. Nun werden schon auf Flohmärkten Filme, die im Jahr 2002 abgelaufen sind, als ideal für die Lomografie angepriesen. Anscheinend ist das einzige, was noch halbwegs en vogue ist, die Lomo. Auf selbigem Flohmarkt ist auffallend viel Kupfer (in allen möglichen Formen) verkauft worden und – für Südamerika doch etwas ungewöhnlich – viele Buddhas. Und ich habe, auch am Flohmarkt, wieder einen Anwalt kennengelernt (wieder kein Arzt, dabei tut die Schulter immer noch so weh). Ich muss übrigens an meiner Jobbeschreibung arbeiten, denn sobald ich erwähne, ich sei Firmenjuristin (weiß immer noch nicht, ob Lobbyistin wirklich besser klingt, bezweifle es aber), tritt lähmende Langeweile ein. Im konkreten Anlaßfall hieß es: Laß uns ins Lokal hineingehen und ein Fußballmatch anschauen. Das war aber zum Glück nur ein Zwischentief, danach waren wir in einer Orientausstellung mit wunderbaren Schwarzweißfotos von Frauen in Burkas beim Staubsaugen, Radiohören und Fernsehen. Sehr ästhetisch. Die Bilder haben mich an meine in Vorbereitung auf meine Iranreise beinahe erstandene 5 Euro XXL Burka erinnert, die mir mit folgenden Worten angepriesen worden ist: Die können Sie zu Hause tragen beim Putzen oder wenn nicht so wichtige Verwandte kommen.
Ein anderer, sehr interessanter Markt und zwei Sambaclubs haben den Rioaufenthalt würdig ausklimgen lassen.

17. Dezember 2010
Ich fahre zwar nicht mit dem Radl nach Rio, sondern nur mit dem Bus durch Rio, aber muß sagen, daß mir der 511er dirkekt ans Herz gewachsen ist. Er hat mich verälich von allen Ecken dieser riesigen Stadt aufgelesen und wieder zur U-Bahn oder zur nächsten Sehenswürdigkeit gebracht. Apropos Sehenswürdigkeiten: Der Zuckerhut ist übrigens per Seilbahn erreichbar und wie die Copacabana touristisch überlaufen, die Christusstatue per überlaufener Zahnradbahn oder Bus und wiederum Bus und nicht nur überlaufen, sondern auch irgendwie als Skulptur überbewertet. Apropos Bus- und Ubahnfahren: Interessanterweise will im Bus nie jemand neben mir sitzen. Komisch. So komme ich, abgesehen davon, dass die Verständigung nach wie vor fast unmöglich ist,kaum zu einem Tratscherl. Apropos Verständigung: Die Jesusstatue heißt Christus und nicht Jesus. Bei Jesus reagiert einfach niemand. Und selbst bei Christus, auf tirolerisch ausgesprochen, reagieren die Menschen erst bei phantomimischer Untermalung, in meinem Fall (einarmig) erst ein wenig später.
Abends war ich dann Pizzaessen und habe dabei leider das Angebot des Kellners, mir die Pizza zu schneiden, in Anspruch nehmen lassen. Leider war es kein süffisantes „Darf ich dir deine Pizza schneiden?“, sondern die abrupte Geste eines kruden Dorffleischhackers, der die Pizza, hätte ich nicht protestiert, nicht nur gezwanzigstelt, sondern sicher auch vorgekaut hätte. Merke: Die schönen Menschen spielen Volleyball am Strand und arbeiten nicht in Pizzarias.

16. Dezember 2010
Spät gestern Nacht bin ich nun also in Rio an- und in mein Hotel gekommen, dass auf der Webseite Trip Advisor über den grünen Klee gelobt worden ist. Ich muß davon ausgehen, dass niemand der Lobenden dort in letzter Zeit abgestiegen sein kann. Um ein Uhr morgens war die Baustelle noch in vollem Gange und drei Mann damit beschäftigt, den Lobbyboden mithilfe einer Flex herauszustemmen. Teile des neuen Bodens wurden parallel dazu verlegt, der Silikongestank unerträglich. Nun ja, immerhin hat man im Zimmer dann nichts mehr davon gehört.
Vielleicht habe ich es nicht so mit den Brasilianern, denn irgendwie verstehe ich vieles nicht. Davon abgesehen, dass ich mich absolut nicht verständigen kann (auch nicht mit Händen und Füßen), ist mir das brasilianische Wirtschaftswunder unerklärlich. Ich habe noch keinen getroffen, der wirklich Geschäfte machen wollte. Zum Beispiel, gegenüber einem Kellner: M: Ich hätte gerne einen Mangosaft. K bleibt stumm und kann nicht dazu bewogen werden, auch nur irgendetwas zu unternehmen. Oder in einem Fotogeschäft, dass Fotoausarbeitung in einer Stunde per Poster und große, Schild bewirbt: M: Sprechen Sie Englisch? F: Nein. M: Auch nicht ein klein wenig? F (auf Englisch): Vielleicht ein bißchen. M: Ich würde gerne 12 Filme ausarbeiten lassen, 36 Bilder pro Film. F (stoisch): Nein. M: Was heißt nein? F: Nein. Und dreht sich um, läßt mich links liegen, spricht nicht mehr mit mir und hat nicht einmal einen Gruß übrig.
Nach diesen und anderen durchaus unangenehmen Erfahrungen hat mich dann bei der ungemein häßlichen Kathedrale ein etwa 400-jähriger Schweizer angesprochen, weil er einen Blick auf meinen Stadtplan werfen wollte. Als ich ihm den Plan überreicht habe und ihn freundlich siezend gefragt habe, ob er den aus Zürich sei, hat er etwas uncharmant gemeint, ja, aber ich könne ihn ruhig duzen, da er ja nur unerheblich älter als ich sei. So wird man anscheinend älter.

16. Dezember 2010
Spät gestern Nacht bin ich nun also in Rio an- und in mein Hotel gekommen, dass auf der Webseite Trip Advisor über den grünen Klee gelobt worden ist. Ich muß davon ausgehen, dass niemand der Lobenden dort in letzter Zeit abgestiegen sein kann. Um ein Uhr morgens war die Baustelle noch in vollem Gange und drei Mann damit beschäftigt, den Lobbyboden mithilfe einer Flex herauszustemmen. Teile des neuen Bodens wurden parallel dazu verlegt, der Silikongestank unerträglich. Nun ja, immerhin hat man im Zimmer dann nichts mehr davon gehört.
Vielleicht habe ich es nicht so mit den Brasilianern, denn irgendwie verstehe ich vieles nicht. Davon abgesehen, dass ich mich absolut nicht verständigen kann (auch nicht mit Händen und Füßen), ist mir das brasilianische Wirtschaftswunder unerklärlich. Ich habe noch keinen getroffen, der wirklich Geschäfte machen wollte. Zum Beispiel, gegenüber einem Kellner: M: Ich hätte gerne einen Mangosaft. K bleibt stumm und kann nicht dazu bewogen werden, auch nur irgendetwas zu unternehmen. Oder in einem Fotogeschäft, dass Fotoausarbeitung in einer Stunde per Poster und große, Schild bewirbt: M: Sprechen Sie Englisch? F: Nein. M: Auch nicht ein klein wenig? F (auf Englisch): Vielleicht ein bißchen. M: Ich würde gerne 12 Filme ausarbeiten lassen, 36 Bilder pro Film. F (stoisch): Nein. M: Was heißt nein? F: Nein. Und dreht sich um, läßt mich links liegen, spricht nicht mehr mit mir und hat nicht einmal einen Gruß übrig.
Nach diesen und anderen durchaus unangenehmen Erfahrungen hat mich dann bei der ungemein häßlichen Kathedrale ein etwa 400-jähriger Schweizer angesprochen, weil er einen Blick auf meinen Stadtplan werfen wollte. Als ich ihm den Plan überreicht habe und ihn freundlich siezend gefragt habe, ob er den aus Zürich sei, hat er etwas uncharmant gemeint, ja, aber ich könne ihn ruhig duzen, da er ja nur unerheblich älter als ich sei. So wird man anscheinend älter.

15. Dezember 2010
Auf der Reise von San Pedro de Atacama nach Rio de Janeiro habe ich einen langen Aufenthalt in Santiago de Chile und Gelegenheit gehabt, meine letzten 6.500 Pesos auszugeben, und zwar für: Ein Schließfach für den Großteil meiner Fotoausrüstung (2.500), ein Retourbusticket zum Flughafen (2.500), eine Empanada mit Getränk (1.000) und einmal Schuhe putzen (500). Letzteres war die beste Investition von allen, nicht nur, weil meine Schuhe nach vier Wüstentagen wirklich dreckig waren, sondern weil ich noch nie so oft in so kurzer Zeit (und für so wenig Geld) „Königin“ genannt worden bin.

12 – 14. Dezember 2010
Die Atacamawüste ist ungemein trocken, man ist ständig durstig, alles wirkt sehr klar, aber der rote Staub ist überall. Bei unter 1% Luftfeuchtigkeit spannt die Haut ungemein. Apropos, ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich in Vina del Mar, in der Nähe von Valparaiso, im archäologischen Museum war. In einer Sektion dort wird detailliert beschrieen, wie man Schrumpfköpfe anfertigt. Sehr beeindruckend! Es gab sogar einige Exemplare, um die Beschreibung Schritt für Schritt auch mehr oder weniger haptisch zu begleiten. Es scheint sehr darauf anzukommen, welchen Kräutermix man in den (zuvor in Expertenmanier geöffneten und geleerten Schädel) stopft, wie und wie lange man den Kopf kocht und anschließend trocknet. Wenn man den Prozeß klar und ordnungsgemäß vollzogen hat, ist einem anscheinend der Geist des Schrumpfkopfes sehr zu Diensten.
Aber zurück in die Atacamawüste. Wo war ich? Genau, es ist trocken und heiß. Der Ort San Pedro de Atacama liegt auf 2500m Höhe, tagsüber ist es sehr warm (25-30 Grad), nachts kühlt es ab. Man sieht die Sterne gut, auch den Mond und die vier Mobilfunkmasten, letztere eigentlich, verglichen mit Mond und Sternen, am besten.
Die Landschaft ist spektakulär. Am ersten Tag wollte ich mir nicht zu viel zumuten und habe nur eine Halbtagsbustour zum Sonnenuntergang im Mondtal gebucht, die sich dann als über zweieinhalbstündige Wandertour durch ausgetrocknete Flußbetten und über Sanddünen entpuppt hat. Schön, aber sehr anstrengend. Am zweiten Tag ist es dann schon um 4 Uhr Früh weitergegangen, in Windeseile von 2500m auf 4300m zu heißen Thermalquellen und Geysieren, was mich leider wiederum etwas geschafft hat. Höhenkrank sein fühlt sich sonderbar an. Trotzdem sind natürlich Phänomene wie Geysiere beeindruckend, sowas sieht man nicht alle Tage! Vor einem Jahr ist angeblich ein schweizer Arzt in eines der Becen getürzt und dort im kochenden Wasser umgekommen. Der Reiseleiter hat das mit einer gewissen beunruhigenden Seelenruhe von sich gegeben und erstaunt auf Fragen nach etwaigen Rettungsversuchen reagiert. Warum? Man hätte sich ja ebenfalls verbrennen oder gar sterben können! Das Bad in der Thermalquellen bei minus neun Grad draußen war trotzdem ganz nett. Am dritten und letzten Tag war ich schlußendlich noch bei den Altiplanoseen, auch wieder auf gut 4000m. Die Farben dieser Seen sind einmalig von tiefblau bis helltürkis. Flamingos gibt es in der Salzwüste auch.

11. Dezember 2010
Der zweite Teil meiner großen Reise ist zweifellos etwas dicht, um nicht zu sagen hektisch. Daher war ich leider wieder nur eine Nacht und einen halben Tag in Santiago de Chile. Aber man muss das beste aus der knappen Zeit machen...

10. Dezember 2010
Nachdem ich mich vor einiger Zeit durch das unglaublich gehypte Buch „Eat Pray Love“ (Plot: frisch geschiedene Frau fährt ein Jahr lang um die Welt und mach in Italien Station um stereoptyp zu essen, in Indien um ebenso dem Stereotyp folgend in einem Ashram zu meditierern und um schließlich, physisch wie psychisch aufgepäppelt in Bali einem Latin Lover zu erliegen) gequält habe, ist mir auf dem Rückflug von der Osterinsel nun der (überlange) ungemein schlechte Film untergekommen. Warum kommt Pathos eigentlich derart gut an?

9. Dezember 2010
Gustostückerln von der Osterinsel: Kellner:„Das ist nicht das beste Restaurant der Insel, aber ich arbeite hier und deswegen muss ich damit leben“.
Oder – nach einem langen Spaziergang vom Vulkan im Süden, dem Flughafen entlang Richtung “Stadt” folgend – gegenüber einer Kellnerin in einem Lokal an einer Straßenkreuzung: A: Welche der beiden Strassen (und es gibt nur zwei Hauptstraßen om Ort) führt den ins Zentrum bitte? B: „Ich habe keine Ahnung, ich bin nicht von hier, tut mir leid!“
Oder, in einer Diskussion, ob das Inselleben nicht oft einsam ist mit einer Person, die vor 11 Jahren aus Chile auf die Insel übersieldelt ist. Die Aussage war: „Lassen Sie es mich mit den Worten eines berühmten Kubanischen Poeten ausdrücken: Armes Kuba, so weit von Gott und so nahe an Amerika!“
Was anderes: Ich habe nach reiflicher Überlegung einen (kleinen, nachgebildeten) Moai erstanden, sehr hübsch! Und ja, ich stimme mit einem meiner Leser überein wenn er sagt, dass es eigentlich schade ist, dass es auf der Osterinsel Internet und Mobilfunk gibt. Das moderne Leben macht auch vor den letzten Paradiesen nicht halt.

7. und 8. Dezember 2010
Die Osterinsel hält absolut, was sie verspricht. Ich habe selten oder wahrscheinlich noch nie einen abgelegeneren Ort gesehen, der eine solch mystische Ausstrahlung hat. Die Insel zieht einen in Bann, die Skulpturen haben etwas sehr Surreales an sich und sind auf der anderen Seite auch wieder höchst ätherisch. Der Legende zufolge waren die Einheimischen bis zu ihrer „Entdeckung“ der Auffassung, die einzigen Menschen auf der Erde zu sein und somit quasi der Nabel der Welt. Wenn man auf dem fünfeinhalbstündigen Flug von Santiago aus nur Wasser unter sich sieht und auch am Bildschirm vor einem nur ein schematisches Flugzeug über einer blauen Fläche unterwegs ist, bekommt man ein gutes Gefühl dafür. Es muss ein solcher Schock gewesen sein, die ersten holländischen Seefahrer zu Ostern 1722 landen zu sehen. Das Weltbild der Rapa Nui muss völlig ins Wanken gekommen sein!
Auf der Insel gibt es etwa 900 Maoiskulpturen. Ich liebe Skulpturen ja über alles, muss aber sagen, dass diese Skulpturen auf ihre Art die schönsten und beeindruckendsten sind, die ich je gesehen habe.

6. Dezember 2010
Auf dem Weg zurück nach Santiago de Chile habe ich ein anderes Weingut besucht – Indomito. Das Gut liegt malerisch auf einem Hügel und hat einen grandiosen Blick über das gesamte Tal.
Santiago hat mich ein wenig an Brüssel erinnert,insodern nämlich, als der Charme von Santiago sich einem ebensowenig auf den ersten Blick erschließt wie der von Brüssel. Was recht interessant ist sind die – ausschließöich männlichen – Schachspieler am Hauptplatz. Ihre schiere Zahl ist schon beeindruckend und die Konzentration, die sie für ihr Spiel unter freiem Himmel aufbringen, noch viel mehr. Sie lassen sich durch nichts stören, auch nicht durch die vielen streunenden Hunde, die auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen zwischen den Tischen herumstreichen. Hat ein Hund dann seinen Platz gefunden, liegt er meist mehr oder weniger hechelnd auf der Seite und spielt Hot Dog.

5. Dezember 2010
Valparaiso ist anders. Viele Häuser snd bemalt oder mit Graffiti überzogen, die steilen, kurvigen Straßen führen im Zickzack über die vielen Hügel und die vielen alten Zahnradbahnen sind jede für sich genommen eine kleine Art Zeitreise. Eines von Pablo Nerudas Häusern steht in Valparaiso. Heute ist es ein Museum. Wenn man die spektakuläre Aussicht von den moisten Zimmern sieht, versteht man besser, woher er seine Inspiration haben mußte.
Mit dem schon erwähnten nicht besonders geglückten Reiseführer in meiner Tasche bin ich der Küste entlang nach Norden gefahren, unter anderm in ein vielgepriesenes Hippiedörfchen. Auch heute laufen dort noch einige in die Jahre gekommene Hieppies herum. Mit den langen, nunmehr grauen Haaren und den ausgewaschenen Blumenkleidern sehen sie etwas entrückt aus. Ich habe so bei mir gedacht, dass ich wohl auch damals nicht zu ihnen gehört haben würde.
Ein anderer Gedanke, der mir bei näherer Betrachtung der letzten Begegnungen so genkommen ist, war dass es schon sonderbar ist, dass man wenn man einen Arzt ganz gut gebrauchen könnte (schultermäßig) interessanterweise nur auf Anwälte trifft.

4. Dezember 2010
Wie schlecht kann ein Reiseführer eigentlich sein? Der Aufhänger, mich in ein etwa 50 Kilometer entferntes Kaff zu locken war „ein Restaurant als spektakulärer Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten“. Die Sonne ist dann leider hinter den Bergen und nicht über dem Pazifik untergegangen und die Spezialität des Hauses waren mit Käseersatz krustenfrei gratinierte, in Schlagobers gekochte Reste von Meeresfrüchten (hauptsächlich Schalentierschalen, um genau zu sein). Zumindest am aus dem Casablancatal stammenden Wein war nichts auszusetzen.
Valparaiso selbst ist eine Reise wert. Die Stadt ist anders, nicht schön im klassischen Sinn, aber interessant. Seit 2003 hat Valparaiso UNESCO Weltkulturerbestatus, was einen zum Nachdenken darüber bringt, wonach die UNESCO ihre Entscheidungen eigentlich wirklich fällt. Porto in Portugal etwa genießt ja auch Weltkulturerbestatus, wobei die halbe Stadt leersteht,die leerstehenden Häuser von Tauben bevölkert sind und folglich ein schier unerträglicher Gestank nach Taubenexkrement über der Stadt liegt. Valparaiso seinerseits beherbergt wohl alle heimatlosen Hunde mit Verdauungsstörungen – hauptsächlich Verstopfung, wie ich als Laie annehmen muss. Man kann innerhalb weniger Meter Fußweges wahrscheinlich alle möglichen flüssigen wie festen Formen von Hundeexkrementen studieren. Ein schaler, die Stadt beinahe gleichmäßig überziehender Geruch kommt dem olfaktorischen Eindruck, den die Stadt beim Besucher hinterläßt, wohl am nächsten.
Erhaltener Kommentar: Habe Deinen Blog gelesen, sehr unterhaltsam!
Erhaltener Kommentar: Ich muss sagen, Du bist eine der farbenfrohsten Schreibenden, über die ich bisher im Internet gestolpert bin... "heimatlose Hunde mit Verdauungsstörungen " ... sehr kreativ! Und hoffentlich geht es der Schulter schon besser.

3. Dezember 2010
Ich habe es – trotz verletzter Schulter – nach Chile und am Weg nach Valparaiso sogar zur Besichtigung eines Weinguts (Veramonte im Casablanca Valley) geschafft.

2. Dezember 2010
Nach wie vor in Sao Paulo. Bald mehr.

1. Dezember 2010
Ich habe gedacht, wir hätten uns weltweit auf Englisch als neue Lingua Franca geeinigt; leider haben wir dabei anscheinend vergessen, den Brasilianern bescheid zu geben. Was auch bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass es nirgends fremdsprachige Zeitungen gibt, weder in den USA, noch in Mexiko oder Brasilien. Zumindest in großen Städten hätte ich das schon erwartet. Und die Neigkeit zum 1. Dezember ist, dass ich mir (nach langen Jahren wieder einmal) die inke Schulter ausgerenkt habe, diesmal ärgerlicherweise im Schlaf (!), der damit aber ein jähes Ende gefunden hat.

30. November 2010
Mein Alter Ego, die andere Margit Brandl, die kürzlich geheiratet hat, ist vor einigen Tagen mit der Bahn von Wien Hüttelforf nach Wels gefahren. Die Österreichischen Bundesbahnen waren so freundlich, mir das Ticket zuzumailen. Ich kann hier in Sao Paulo nur hoffen, dass die Dame mit ihren extravaganten Reisen nur meine E-Mail-Adresse verwendet und nicht auch mein Konto belastet.
Ich habe heute einen Gutteil des Tages in der Kathedrale von Sao Paulo zugebracht. Nicht ganz freiwillig, sondern in erster Linie wegen eines immensen Wolkenbruchs. Was dort ganz interessant war, war nicht sosehr die schiere Größe – angeblich faßt die Kirche an die 8.000 Menschen – sondern die witterungsbedingten Schlangen vor den Beichtstühlen. Schiere Schlechtwetterbeichtstuhlschlangen haben sich gebildet!

29. November 2010
Und so bin ich also wieder unterwegs, dismal nach Brasilien. Auf langen Flügen liest man Dinge wie das Bordmagazn etwas genauer und macht dabei ja seltsame Entdeckungen. Speziell Erdnußallergien scheinen die Fluglinien zu belasten. Ich zitiere: „XYZ Airlines stellt fest, dass manche Passagiere auf Erdnüsse allergisch reagieren. Obwohl wir keine Erdnüsse servieren, haben wir andere Nußprodukte im Angebot, die nicht weiter spezifizierte Ernußspuren enthalten können... Natürlich kann es auch vorkommen, dass andere Passagiere Erdnußprodukte mit an Bord bringen. Aus den eben genannten Gründen können wir nicht ausschließen, dass unsere Kunden während des Fluges Erdnüssen ausgesetzt sind. Wir empfehlen daher allen betroffenen Kunden, von sich aus alle erforderlichen Schritte zu setzen, um im Falle einer Ernußexposition adäquat gerüstet zu sein.“ Klingt ein wenig radikal in meinen Ohren um ehrlich zu sein.

28. November 2010
Ein absoluter Klassiker! Hape Kerkeling gibt sich als Queen Beatrix auf Staatsbesuch aus.

27. November 2010
Ich habe mich ja immer noch nicht entschieden, auf die digitale Fotografie umzusteigen und interessanterweise könnte das in manchen Landstrichen von Vorteil sein. Kuwait hat eben ein Verbot für digitale Spiegelreflexkameras erlassen, wobei ich mir vorstellen kann, dass in der Praxis kein Unterschied zwischen analogen und digitalen Spiegelreflexkameras gemacht werden wird.

26. November 2010
Machtspiele werden ja oft unter interessanten Bedingungen gespielt. Hier eine Variante, die sich kürzlich in der in einem Keller befindlichen Visabateilung einer Botschaft eines von Europa doch sehr weit entfernten Landes abgespielt hat. A wird
Nach einer unerklärlichen Stunde im ansonsten menschenleeren Warteraum wird A schlußendlich aufgerufen. A: Ich würde gerne ein Visum beantragen. B: Antragstellung vormittags, Abholung Nachmittags (4 wochen nach der Beantragung). A: Ah. Aber könnten Sie zumindest meine Unterlagen durchsehen? B sieht die Unterlagen durch und sagt: Das Bild ist nicht gut. A (überrascht): Warum? B: Was ich sagen wollte, das Bild ist gut aber viel zu groß. Und wir können nur ihr Gesicht sehen. A (fragt sich, was mansonst auf einem Paßbild sehen sollte): Aha, nun… B: Sie müssen ein anderes Bild vmachen lassen und damit morgen wiederkommen.
Ein Tag später, drei Leute im Wartezimmer, keine frei ersichtliche Aktivität. Nach mehr als einer Stunde: B zeigt keinerlei Zeichen, A wiederzuerkennen. A: Sie erinnern sich, wir haben gestern kurz über meinen Visaantrag gesprochen und Sie haben mich um ein neues Bild geschickt. Hier ist es! B (erfreut): Das Bild ist jetzt perfekt! Lassen Sie mich die CD (mit der ebenfalls in einem Spezialformat erforderlichen Paßbildkopie) anschauen! Bs Miene verfinstert sich. B: Aber das ist ja das ANDERE Bild! A: Ja, gestern hatten Sie es sich angesehen und waren damit zufrieden. B (den Kommentar übergehend): Aber das ist ja das Bild das auf Ihrem eigentlichen Visum verwendet werden wird! Warum haben Sie das neue nicht auch auf die CD gebrannt? A: Ich habe es erst heute bei einem Automaten machen lassen... B: Und warum haben Sie es nicht gescannt? A (an Urheberrechtsverletzungen dem Paßbildmaschinenbetreieber gegenüber denkend, das wahrscheinlich wenig zielführende Argument dann aber doch verwerfend): Ich hatte keine Zeit dafür. B (sich der Absurdität der Situation langsam bewußt werdend): Aber warum haben Sie es nicht gescannt? A: Nun, wissen Sie... B (aprupt das Thema wechselnd, interessanterweise um mit einem konstruktiven Vorschlag aufzuwarten): Wenn Sie aus dem Gebäude nach rechts bis zur Ampel gehen, sehen Sie schräg gegenüber ein Fotogeschäft, wo man Ihnen das Bild im vorgegebenen Format scannen kann. Schauen Sie zum in 15 Minuten wieder hier zu sein, denn danach sperren wir zu. Nach 15 Minuten, einer eher unangenehmen Diskussion über die Dringlichkeit der Lage im Geschäft und ein paar Minuten Dauerlauf. B (keinerlei erkennbaren Wiedererkennungseffekt zeigend): Gehen Sie ins Wartezimmer. A: Ich wollte Ihnen nur schnell die CD geben. B: Ah. A übergibt die CD. B: Und Sie haben Ihre Quittung? A (einen tiefen Seuftser unterdrückend): Ja, vielen Dank.
Erhaltener Kommentar: Besorg Dir eine Kolumne im Wochenendstandard, das wird Dich berühmt machen!

22-25 November 2010
Kurzer Heinmaturlaub in Österreich. In Bruck an der Mur ist in meiner Abwesenheit kein Stein auf dem anderen geblieben. Eine der vielen Brücken, bessergesagt eine lange Hochbrücke und Stadtumfahrung wird gerade abgerissen, was der Stadt ein völlig neues und schöneres Gesicht gibt.

21 November 2010
In Brüssel geht alles seinen gewohnten Gang. Die einzige wirklich sichtbare Neuerung ist eine Umbenennung eines ohnehin schon sehr eigenwillig genannten Lokals von „Und, wer wird mit dem Hund spazieren gehen?“ auf „Und, wer wird den Hund heinbringen?“ (Et Qui Va Ramener Le Chien?)

19 – 20. November 2010
Wieder in Brüssel. Was ich jetzt schon vermisse:
- Die Weite von Arizona und den Radiosender Kaff Country. Glücklicherweise hat Kaf Country einen Internet live stream.
- Idiosynkrasien in Mexiko wie etwa: Zigarettenpackungen in den Hotelminibars von Nichtraucherzimmern
- T-Shirt Aufdrucke wie “Wunderbar geschmacklos und immer noch unkultiviert.” Und – an einem jungen Mann – “Schuldig”, an einem Mädchen “Kiss Me” und – wieder an einem etwas übergewichtigen jungen Mann: “Sexiest Man Alive”.

18. November 2010
Ein paar Beobachtungen zur modernen Art des Reisens und den vielen Licht- und Schattenseiten: Wie kann es sein, dass ein Flughafenhotel den versprochenen und vielfach angepriesenen Weckruf vergißt? Warum klingen mittlerweile alle Flugkapitäne gleich desorientiert, wenn sie die ewig gleichen Sätze sagen wie: Wir… aaaahhh… fliegen heute nach …aaaahhh… Dallas. Und was denken eigentlich Flugbegleiter über die Zukunft des Bargeldes wenn sie bemerkenswerte Sätze wie folgende von sich geben: Wir verkaufen Snacks und Getränke und akzeptieren alle Kreditkarten. Wir nehmen kein Bargeld. Ich wiederhole: Wir erinnern Sie daran, dass wir kein Bargeld annehmen! Ich frage mich ja manchmal, wann Flughäfen beginnen werden, für die Toilettbenutzung Gebühren zu verlangen. Zu bezahlen mit Kreditkarte.

17. November 2010
Ein letzter Besuch im Zentrum von Mexico City hat zu einer Reihe von Erledigungen geführt: Die Uhr ist repariert, eine lose Dichtung meiner Kamera ebenfalls, ich habe eine wunderschöne Buchhandlung (El Péndulo, Cafebreria) besucht und sechs Käfertaxis gezählt. Kurios war ein in Luftpolsterfolie eingewickelter Jesus in einem Jesus- und Heiligenfigurengroßhandel.

16. November 2010
Sehr wertvolle Gedanken von J.: Es ist gut, eine Sache anzugehen, aber es ist besser, eine Sache zu Ende zu bringen. Wenn es um das Abschließen einer Sache geht, ist Perfektionismus der größte Stoplperstein.

15. November 2010
Die Anzahl der geählten Beetletaxis ist auf stattliche 756 gestiegen, wobei ich nicht ausschließen kann, manche doppelt gezählt zu haben. Die Fahrer erkennen mich mittlerweile wieder und grüßen mich bereits mit “Hello Austria”. Es scheint doch etwas dran zu sein an dem Lied „Going Loco Down in Acapulco“...
In einem Gespräch über Panama ist mir heute aufgefallen, dass, egal wo man hinkommt, Menschen sich dafür entschuldigen, was sie beim Frisör lesen. Die Einleitung ist immer dieselbe: Ich würde das ja an sich nie lesen und diese Hefte nie kaufen, aber, wissen Sie, ich war nun einmal beim Frisör und da gab es nichts anderes und jetzt, wo ich daran denke erinnere ich mich an diese Geschichte...

14. November 2010
Ich könnte meine Tage hier mit Käfertaxifahren verbringen! Die üblichen drei Fragen (wie heißt du, woher kommst du, bist du verheiratet) sind gestern auf wundersame Weise anders gestellt worden, zugegeben nach ein wenig Plauderei über den schönen Käfer (Modell 2003, einer der letzten, der vom Band gerollt ist). Die Fragen waren diesmal: Wie heißt du? Woher kommst du? Möchtest du mit dem Käfer fahren? Ich habe erst gemeint, dass sei ein Scherz, aber nein, es war ernst! „Und jetzt spielst du die „taxista“ und ich den Fahrgast!“ Eine einmalige Erfahrung! Vor allem steil bergan mit 40 PS zum Hotel Los Flamingos war es eine reine Freude. Die verschiedenen Taxifahrer sind hier alle besonders stolz auf ihre Käfer, weil sie bergauf angeblich jedem anderen Auto voraus sind.
Was ich auch noch erwähnen und nicht nur erwähnen sollte sind die wagemutigen Klippenspringer von La Quebrada. Sie werfen sich aus 35 Metern Höhe in eine enge Schlucht hinunter, mit Saltos, teilweise zu zweit, manche springen sogar nach hinten und lassen sich fallen, nicht ohne noch einen Salto einzubauen. Ich habe mir die Show gestern Nacht gleich zweimal angesehen und heute tagsüber noch einmal.

13. November 2010
Wenn ich mit vielem gerechnet hättem, aber nicht damit, dass es in Acapulco nun schlußendlich all die Käfertaxis gibt, die ich in Mexico City vermißt habe! Allein bei der Anreise gestern habe ich von der Stadtgrenze bis zum Hotel satte 200 gezählt. Mit Nummer 202 bin ich dann heute ins Zentrum gefahren, recht unsozial und nicht unbedingt zum Smalltalk aufgelegt, zumal ich ja mit Zählen beschäftigt war. Auch im Zentrum habe ich im Gespräch meist den Faden verloren, oder – käferzählend – unhöflich über die Schulter meines Gegenübers geschaut. Mit Ende des Tages waren es 543.
Acapulco wirkt in die Jahre gekommen, manche Badeanzüge, die an den vielen Ramschbuden angeboten werden sind, geht man vom Schnitt aus, sicher noch aus den 50er-Jahren.
Wie in Mexico City auch gibt es in der Nähe der Kathedrale Jesusfiguren zu Großhandelspreisen und in Großhandelsmengen. Für umgerechnet etwa 30 Euro ist man mit einem passablen Babyjesusexeplar mit dabei. Man kann sogar zwischen dunkler und heller Hautfarbe wählen.
Folgender Dialog hat sich heute beim Frühstück mit dem Frühstückskellner entsponnen: A: Wo ist denn hier eigentlich der Friedhof und wie komme ich da hin? B (sehr milde): Warte, ich zeichne es Dir auf. Am besten nimmst du vom Zentrum an der soundso-Ecke einen gelben Bus mit der Aufschrift „Maxitunnel“ und hinter dem großen Tunnel ist dann der Friedhof. A (denkt, wie passend): Aha, danke! B (noch milder und sehr mexikanisch): Wenn ich fragen darf, wem erweist Du denn die Ehre? Familie? A (würde gerne einen entfernten Onkel aus dem Gut ziehen, antwortet aber ehrlich und daher etwas nüchtern): Johnny Weissmueller. Tarzan! B (konstaniert und bereits etwas reserviert): Den? A: Ja, ich habe im Internet gelesen, dass auf seinem Grabstein „Johnny Weissmueller, Tarzan“ eingraviert ist und seine Frau bei der Beerdigung, als der Sarg abgesenkt worden ist, wunschgemäß den Tarzanschrei hat brüllen lassen. (Wen sie dafür angeheuert hat oder ob das ganze auf Tonband war, habe ich noch nicht rausfinden können, das hat aber den Frühstückskellner eh nicht mehr interessiert). B (nunmehr sehr reserviert): Aber der liegt ja auf einem ganz anderen Friedhof begraben und da kannst du nicht hingehen! A (irritiert): Warum nicht? B (abweisend): Viel zu gefährlich. Was die Friedhofstouristin zumindest für den heutigen Tag ein wenig abgeschreckt hat und „nur“ zum größeren der anscheinend zwei oder mehr lokalen Friedhöfe pilgern hat lassen, der Empfehlung des Frühstückskellners folgend per Bus, der ob seines Fahrstils (auf der Gegenfahrbahn trotz heftigem Verkehrs überholend, manchmal durch Tankstellen kurvend, um rechts überholen zu können) beinahe alle Insassen zum Friedhof gebracht hätte.

12. November 2010
Nun bin ich also per Autobus weiter nach Acapulco gefahren und in einem auf seine Art und Weise grandiosen Hotel gelandet. Es heißt Los Flamingos und hat früher einmal John Wayne und Johnny Weissmüller gehört. Es gibt auch noch einen Tarzan Pavillion, wo Johnny Weissmüller seine Flitterwochen verbracht hat. Im und um das Hotel sind anscheinend auch einige Filme gedreht worden. Es ist knallrosa gestrichen und recht abgewohnt, dafür aber wunderschön auf den Klippen von Acapulco gelegen. Ich kann es gar nicht recht fassen, hier zu sein. Mein Zimmer hat einen großen Balkon, der mich gen Westen auf den Pazifik und die Steilküste hinunterschauen läßt. Sehr romantisch, aber auf eine eigenartige Weise auch verlassen. Das rührt sicher daher, dass hier nicht mehr die Hollywoodstars aus- und eingehen und ich auch sonst bisher nur eine Handvoll Gäste gesehen habe.

11. November 2010
Die Zahl der gezählten Käfertaxis ist leider nur auf magere 82 angeschwollen und von diesen 82 war kein einziges weiss-grün.
Mexico City ist unvorstellbar groß. Mit U-Bahn und Vorortezug hat es fast anderthalb Stunden gedauert, um nach Xochimilco zu kommen, einer Art Venedig von Mexico City. Man fährt mit Gondeln durch ein über 180km langes Kanalnetz, sehr malerisch.

10. November 2010
Mexico City hat sich rechts stark verändert, seit ich erstmals im Sommer 2003 hier war. Was mir aus der Historie betrachtet natürlich am särksten auffällt ist, dass die VW Käftertaxis wirklich weitgehend verschwunden sind. Im Frühjahr 2003 habe ich in der Zeitung gelesen, dass Mexico City mit Ende 2003 aus Umweltschutzgründen alle grün-weißen VW-Taxis aus dem Verkehr ziehen würde. Meine erste Reaktion war damals: Die einzige (und die größte) Stadt der Welt, in der es VW-Taxis gibt will genau dieses Unterscheidungsmerkmal ausphasen? Ich muß dort umgehend hin, bevor es soweit ist! Also habe ich mich im Sommer dann dorthin aufgemacht und in drei Tagen über 3.600 grün-weiße Käfertaxis gezählt. Eigentlich habe ich damals nicht viel anderes gemacht, als zu zählen. Heute schaut die Welt wirklich ganz anders aus. Zum einen sind nun alle Taxis gold-dunkelrot und zum anderen gibt es nun eine Vielzahl von verschiedenen Automarken als gold-dunkelrote Taxis. Was am ärgerlichsten ist: Ich habe bisher erst 39 gold-dunkelrote Käfertaxis gezählt und noch kein einziges grün-weißes!
All das erinnert mich an einen Satz in Malcolm Gladwells herrlichem Buch “Was der Hund sah”, nämlich: Veränderung ist nicht unbedingt mit Fortschritt gleichzusetzen.

9. November 2010
Die Anonymen Alkoholiker von Puerto Escondido haben im beliebtesten Café ein Schild angebracht, mit dem sie die mehrfach wöchentlich stattfindenden Gruppensitzungen bewerben. Die spanischsprachige Gruppe trifft sich jeweils von 16:30 bis 18 Uhr, die englischsprachige von 18 bis 19 Uhr. Was einem dabei auffällt ist, dass letztere damit exakt auf den Zeitraum der im ganzen Ort ebenfalls stark beworbenen Happy Hour zusammenfällt und erstere genau zu diesem Zeitpunkt wieder frei ist.

7 - 8. November 2010
Puerto Escondido ist ein kleines, unaufgeregtes Küstenstädtchen. Die Leute, die hierherkommen, scheinen an schönen Stränden, Surfen, gutem Essen und, interessanterweise, drahtlosem Internet und Tattoos interessiert zu sein. Viele Menschen unter 45 haben hier ein Tattoo, meist in Mustern und Formationen, die sich relativ gesehen ästhetisch ausbreiten, wenn der Träger/die Trägerin an Gewicht zulegt (was anscheinend oft vorkommt). Andererseits gibt es dann die Gruppe der meist über sechzigjährigen Männer, die vornehmlich im hinteren Teil diverser Cafes sitzen und mit sehr kleinen Notebooks mittels drahtlosem Internetzugang im Netz surfen.

6. November 2010
Heute Morgen ist die Reise von Oaxaca nach Puerto Escondido weitergegangen, diesmal in einer sehr kleinen Cessna – eine Erfahrung für sich, zum Glück bei Schönwetter! Nach Temperaturen von rund 10 Grad in Mexico City und abends auch in Oaxaca tut die Sonne und die 25-30 Grad hier sehr gut.
Für die Leser, die sich für Kochen mit Alkohol interessieren: Ich habe heute eine Tomatensuppe mit Pernod probiert, wobei der Pernod das beste an der Suppe war. Frei nach dem, was die Oma immer gesagt hat: Das bißchen essen kann man auch trinken!

5. November 2010
Nach dem Besuch der Teotihuacanruinen bei Mexico City haben wir das Auto retourniert und sind per Bus nach Oaxaca weitergefahren. Nichtmexikaner können den Namen der Stadt nicht so aussprechen, dass Mexikaner verstehen, was gemeint ist, was vor allem beim Ankauf von Bustickets zu einer gewissen Frustration führt. Richtig gesprochen klingt es etwa wie o-a-ha-ha-ka, ausgesprochen im Stadium einer mittelschweren Angina. Das mexikanische Bussystem ist beeindruckend. Die Busbahnhöfe schauen aus wie kleine Flughäfen und auch das Gepäck checkt man wie am Flughafen ein. Die Sicherheits- und Paßkontrolle hat mir beinahe die Reise vermiest, nachdem mein Ticket auf Margarita Brandooooooo ausgestellt war. Eine etwas halbherzige Erklärung, dass der Paß leider im bereits eingecheckten Koffer sei hat mir die Kontrolle dann aber erspart und so bin ich ohne weiteres in den Bus gekommen. Im Bus ist reichlich Platz, man bekommt Kopfhörer und kann so Musik hören oder wie im Flieger Filme ansehen, was dem Spanisch wieder etwas auf die Sprünge hilft. Die Fahrt hat dann aber leider über sieben statt sechs Stunden gedauert, was bei allem Komfort ermüdend ist.
Oaxaca selbst ist ein nettes Städtchen Irgendwo habe ich vor Monaten gelesen, dass die Schokolade hier erfunden worden ist. Die Trinkschokolade ist auch wirklich gut, wobei die normale Schokolade natürlich mit der Belgischen nicht mithalten kann. Was interessant ist, ist, dass mit Schokolade gekocht wird und es diverse sogenannte „Mole“-Soßen gibt, die auf Chili und Schokolade basieren, nicht unbedingt süß aber sehr schwer sind und zu diversen Gerichten gereicht werden.
In der Nähe von Oaxaca gibt es am Monte Alban wie Teotihuacan eine riesige antike Stadt zu besichtigebn, die zwar ein wenig kleiner, aber immer noch ungemein beeindruckend ist.

4. November 2010
Heute Morgen beim Hotelfrühstück in Mexico City war es unmöglich, die folgende Szene am Nebentisch nicht zu hören: Am Tisch saßen ein Ehepaar aus Australien, Mitte sechzig, ein alleinreisender Amerikaner, abenfalls Mitte sechzig, ein blinder Mann um die 40 und seine Mutter (?), sowie ein Pole Ende dreißig oder Anfang vierzig. Der Pole, Typ Staubsaugervertreter, hat allen am Tisch lauthals zu erzählen begonnen, dass seine Karriere erst seit drei Jahren so richtig abhebt, seit er sich dafür entschieden hat, für diese einmalige Firma zu arbeiten. Die Firma sei in der Gesundheitsbranche tätig und würde dieses wunderbare Produkt führen, das wahre Wunder vollbrächte. Erst kürzlich sei ihm eine schielende Frau untergekommen und wenn er etwas trotz Job in der Gesundheitsbranche nicht aushalte, dann seien das schielende Menschen. Er hätte sich zu ihr vorgewagt und ihr das Produkt anempfohlen, was – und hier schwöre er - unmittelbar zur Korrektur der Fehlsichtigkeit geführt habe. Bewunderndes Murmeln seitens der Australier und des Amerikaners. Die Australier meinen, sie würden auch gerne eine Flasche kaufen, ob man eine Visitenkarte haben könne. Der Blinde und seine Mutter waren hingegen mehr als nur still.

3. November 2010
Was früher einmal „wenn mich das Reisebüro nicht vermittelt hätt“ geheißen hat, heißt heute wohl „wenn mich das GPS nur nicht geleitet hätte“. Unglaublich, wie man sich verfansen kann, wenn man keine ordentliche Landkarte hat und sich auf das eher minder schlaue Kasterl verläßt. Vor allem, wenn man in Form des Handies auch noch ein schlaueres GPS Kasterl mithat und nicht daran denkt, es vielleicht einmal damit zu versuchen (was bestens funktioniert hat). Dennoch ist das Fahren in Mexico City ein hartes Training für die Nerven.
Interessanter war da ein eher irrealer Dialog, der sich gestern in Uruapan entsponnen hat: A: Wissen Sie, ich finde keine Arbeit und ich bin etwas knapp bei Kasse. B: Aha. A: Ich würde gerne in die USA gehen und dort arbeiten. B: Aha. A: Woher kommen Sie denn? Aus den USA? B: Nein, aus Österreich und (C) aus Belgien. A (sichtlich enttäuscht und eher zu sich selbst): Mhmmm, dann können Sie mich wohl nicht in die USA mitnehmen. Hm. Österreich, Belgien, das ist in der Sovietunion, der UDSSR, oder? A (leicht verdutzt): Nein, in Europa und die Sovietunion gibt es schon seit über 20 Jahren nicht mehr. A (aufrichtig entsetzt): Nein? B (weiß nicht ob lachen oder weinen): Nein. A: Und Rußland, gibt es Rußland auch nicht mehr? B (beschwichtigend): Doch doch, Rußland gibt es schon noch.

2. November 2010
Der Dia de los Muertos wird hier ausgiebigst gefeiert! Man macht sich keine Vorstelung, wie bunt die Friedhöfe sind und wie ausgelassen die Menschen feiern. An manchen Orten hat das ganze eher abschreckenden Volksfestcharakter, mit lauter Blasmusik etc. An anderen Orten ist es sehr besinnlich, alte Frauen beten, der Priester geht von Grab zu Grab und spricht mit den Familien Gebete für die kürzlich Verstorbenen. Und überall wird gegessen! Man bringt en spezielles Totenbrot mit, meist süß - es schaut unseren Osterpinzen ein wenig ähnlich - Orangen, Guaven, kandierten Kürbis, gekochte Maiskolben und isst mit Verwandten und Bekannten.
Die Friedhöfe sind unglaublich vielfältig und vielfärbig! Die Gräber sind über und über mit orangen Blumen und Gestecken dekoriert, es gibt Wettbewerbe zum schönstgeschmückten Grab, Skulpturen, Kreuze aus Orangen Blumen, sogar ein Fahrrad und ein Flugzeug aus Blumen habe ich gesehen.

1. November 2010
Das Fazit nach einem Monat des Reisen lautet in aller gebotenen Kürze: Uhr kaputt, Stativ kaputt, Schal verloren, Jacke verloren, beinahe von einem Hund gebissen.
Die ersten vier Dinge sind halb so schlimm, aber der Beinahebiss hat es schon in sich gehabt. Mitten auf einem Ausstellungsgelände oder eigentlich einer Art Museumsinnenhof sind auf einmal drei Hunde auf mich zugelaufen, wobei mich der größere von hinten angesprungen ist und meinen linken Oberarm ins Maul genommen hat. Der kleinere ist nich ebenfalls von hinten angesprungen, was den größeren wohl vom finalen Biß abgehalten hat. Der mittlere war eher passiv. Überhaupt gibt es in Mexico sehr, sehr viele streunende Hunde.
Erhaltener Kommentar: Internationaler Tipp aus Albanien/Georgien zum Thema Hunde: Hand heben, sich energisch größer machen, ein bisserl aufplustern, den Blick aufsetzen, den Männer haben, wenn sie ein Meeting eröffnen von dem sie nicht wissen, was sie erwartet und so tun als hätte man einen Stein in der Hand und würde ihn gleich werfen. Hat bis jetzt überall funktioniert. Sogar in Mali, wo die Hunde nur Bambara sprechen.

31. Oktober 2010
Patzcuaro liegt an einem riesigen See und ist wohl der Zenit aller Allerheiligenfestivitäten. Im Ort selbst hat es heuten nur so von Besuchern gewimmelt. Aus dem diversen Ramsch, der verkauft wird, stechen natürlich die Skelette besonders hervor. Eines ist dann aber wohl des Guten zu viel gewesen: Ein schwangeres Skelett mit einem Babyskelett (Kopf unten) im Bauch.

30. Oktober 2010
Mehr und mehr komme ich zur Überzeugung, dass der Tod nicht ein Wiener, sondern ein Mexikaner sein muss. Es ist schon erstaunlich, welcher Aufwand hier um den Allerheiligen- und den Allerseelentag getrieben wird! Sogar Restaurants sind mit Totenköpfen dekoriert. In Morelia, laut Reiseführer der besten Stadt, in der man noch nie gewesen ist (und von der man noch nie gehört hat), ist die ganze Stadt und der Stadtpark mit diversen Skelettfiguren in allen Größen und orangen Blumen verziert. Es gibt Skelette, die Kutschen fahren, Skelette, die kokette Kleider tragen und ein kochiges Knie zeigen, Skelette mit Schnurrbart, Skelette mit Patronengürtel und Gewehr.

29. Oktober 2010
Queretaro ist auch eine ehemalige Silberstadt, wobei der schöne Stadtkern sehr gut in der Peripherie, die überall sein könnte, versteckt ist. Es gibt unzählige, wunderschöne Kirchen, ein Kustmuseum, das in einem alten Kloster untergrbracht ist und viele trumhafte Innenhöfe. In Queretaro ist Maximilian I. 1867 zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.
Überall in Queretaro sieht man, wie übrigens auch schon in San Miguel de Allende, Stände, an denen Süßigkeiten in Totenkopfform angeboten werden. Die Köpfe sind aus Schokolade, aus Zucker oder aus Marzipan und Mandeln. Sehr bizarr, aber sehr, sehr interessant! Mehr und mehr sieht man auch verkleidete Gestalten. Gestern Abend etwa hat ein Tod rote Rosen verkauft. Eine Familie, die auf den Bus gewartet hat, hatte ihren kleinen Sohn in einem selbstgebastelen schwarzen Kartonsarg neben sich abgestellt. Auf einer Seite hatte der Sarg ein weißes Kreuz, auf der anderen war er offen und der kleine Bub war gerade damit beschäftigt, sich eine Totenmaske mit Totenschädelmuster überzuziehen.

28. Oktober 2010
Wir einen sehr schönen kleinen Ort namens San Miguel de Allende besichtigt, laut Reiseführer eine Art Disneyland für alternde Amerikaner. Und wirklich, es war sozusagen das mexikanische Traumörtchen, an dem alles irgendwie stimmig ist. Der Unterschied zu einem künstlichen Ort war nur, dass es dort auch Einwohner gibt und viele Amerikaner dort heimisch geworden sind und ihre eigenen kleinen Geschäfte haben.
Gestern beim Abendessen ist mir nicht mehr eingefallen, was „Löffel“ auf Spanisch heißt. Also habe ich mit einem Löffel gestikulierend und leicht in Richtung Kellner deutend ihn, den Kellner, gefragt: ..."y se llama?", was der wohl als etwas herablassendes "... und er nennt sich?" verstanden hat. Etwas irritiert hat er "Pablo" geantwortet.

27. Oktober 2010
Von Guadalajara, wo die Reise begonnen hat, ist es heute nach Guanajuato weitergegangen. Guanajuato ist eine Stadt, die Uneso Weltkulturerbestatus genießt und Heimatstadt von Diego Rivera ist. Es hat hier früher viele Silberminen gegeben, was auch den Reichtum und die vielen, wunderschönen Gebäude erklärt. Die Stadt ist ungemein bunt und hat mich abwechselnd an Positano, Peruggia und Budapest erinnert, letzteres aber nur wegen der Markthalle. Guanajuato liegt auch nicht am Meer und hat viele sehr steile Gäßchen, aber nun ja, man erinnert sich wohl immer an andere Plätze, an denen man gewesen ist. Der Verkehr wird hier großteils unterirdisch geleitet, wobei sich in den Tunnels Kreuzungen mit Querverkehr von anderen Tunnels befinden. Sehr schräg. Die Tunnels an sich sind entweder alte Stollen oder das ehemalige Flußbett, aus Urgestein und kaum beleuchtet oder sonst abgesichert. Sehr gespenstisch eigentlich. Wir haben auch Katakomben besichtigt, wo ähnlich wie in Palermo mumifizierte Leichen ausgestellt werden. Vor dem Museum werden Mumienlollies angeboten, was wohl etwas ungustös ist. Wie auch immer, ich habe dann doch keinen Lolly gekauft.
Zu den erhaltenen Kommentaren: Dass das Bloglesen manchmal nicht ganz befriedigend ist, kann ich nachvollziehen. Die etwas indiskrete Frage, ob ich einen Orgsmo probiert habe, möchte ich eigentlich nicht beantworten.
Ja, Brandl ist unaussprechbar und Brando eignet sich eher.
Im Yosemite hat mich das GPS ja an sich richtig geleitet. Nach dem Höllenritt bin ich wieder auf eine Art Highway aufgefahren und habe die letzten 4 Meilen dann angenehm zurücklegen können. Der Waldweg war eine Art Abkürzung und im GPS als Straße verzeichnet...

26. Oktober 2010
Guadalajara ist eine sehr nette Stadt, in der es einiges zu Sehen gibt. Um in Mexico leichter durchzukommen habe ich meinen Namen auf Margarita Brando geändert, was sehr gut ankommt. Heute Nachmittag haben wir Ajicic am Chapalasee besichtitm auch sehr sehenswert und eine Bar gefunden, die die folgenden Drinks anbietet: Vampiro, Gin and Toni (wer ist Toni?) und Orgasmo. Die ersten beiden waren mit 39 Pesos angeschrieben, der dritte mit 59 Pesos.

25. Oktober 2010
Eine elektronische Hotelumfrage wollte folgendes zu einem meiner letzten Hotelaufenthalte wissen: Wurde Ihnen beim Einchecken ein Keks angeboten? Und dann noch zusätzlich: War der Keks warm, als Sie ihn erhielten?

24. Oktober 2010
Tequila ist eine wirklich hübsche, kleine, ungemein farbenfrohe Stadt! Und überhaupt, was für ein Kontrast zu den Vereinigten Staaten! Die Häuser sind bunt gestrichen, Menschen flanieren und zeigen ihre beste Garderobe, vieles ist sehr pittoresk und alles scheint voller Bilder! Die Besichtigung einer Tequillamanufaktur war besonders interessant. Der riesige Agavenstrunk, der gepreßt und dann vergoren wird, sieht aus wie eine riesige Ananas und wiegt bis zu 60 Kilogramm. Im Hof der Manufaktur waren Unmengen dieser Strunke aufgestapelt, und das vor einer wunderbar abbröckelnden gelben Mauer. Sehr, sehr malerisch!

23. Oktober 2010
Die Weiterreise nach Mexico war nicht ganz unproblematisch, obwohl sie an und für sich ganz gut begonnen hat. Ich konnte das Mietauto ohne weitere Probleme in wenigen Minuten retourieren und war mehr als rechtzeitig am Flughafen in Los Angeles. Der Flug nach Dallas ging überpünktlich ab, was aber nur dadurch begründet war, dass Obama sich angekündigt hatte und die Komplettsperre des Flughafens in Los Angeles bevorstand. Der Anschlußflug in Dallas war an und für sich pünktlich, leider hat dann aber ausgerechnet über mir etwas zu tropfen begonnen. Tropfen ist nicht der richtige Ausdruck, eigentlich ist ein kleines Rinnsal von der Decke heruntergeronnen. Ein Techniker mußte kommen, der Pilot dann auch noch, beide haben abwechselnd mit den Schultern gezuckt und schienen dem Problem keine weitere Tragweite zuzumessen. Dann ist lange gar nichts passiert. Nach einer Weile ist eine Stewardess aufgetaucht und hat gefragt, ob ich denn nass würde. Und wenn ja, man würde mich gerne in die erste Klasse setzen. Ich war guter Dinge. Für etwa 2 Minuten. Dann mußten nämlich alle aussteigen, zu einem anderen Terminal fahren, dort stundenlang auf ein Ersatzflugzeug warten und als es endlich da und alle wieder auf ihren Plätzen waren (ich natürlich auf dem alten Platz weit hinten) hieß es, die Crew müsse nach 15h Arbeistzeit nun ausgetauscht werden, man hätte schon eine neue angefordert. Die dann nach weiteren anderthalb Stunden auch eingetroffen ist. Im Endeffekt hat die Reise von 8 Uhr morgens bis Mitternacht gedauert...

22. Oktober 2010
Der Aufenthalt in den USA neigt sich leider dem Ende zu und auf dem Weg nach Mexico komme ich dazu, mir ein paar Gedanken zu machen über Dinge, für die ich einfach nicht sozialisiert bin. Zum Beispiel kann ich mich nicht daran gewöhnen, Kaffee aus Papier- oder Plastikbechern zu trinken. Wie trinkt man allgemein gesehen aus einem Becher mit Deckel? Wie schafft man es, in einen randvollen Becher noch Milch zu gießen, ohne dabei oder knapp danach alles zu verschütten? Wo gehört der Strohhalm in die jeweiligen Becher hinein und wo bekommt man überhaupt einen Strohhalm? Warum muss ich meinen Kaffee eigentlich überhaupt mit einem Strohhalm trinken? Wie befestigt man den Deckel, ohne sich anzuschütten bzw. wie bekommt man den Deckel samt dem eventuell vorinstallierten Strohhalm vom Kaffeebecher, ohne sich lächerlich zu machen?
Was ich auch schwer verkraftbar finde sind die diversen Feedbackrunden während einer einzelnen Mahlzeit. Der durchschnittliche Kellner übt meiner Ansicht nach eine Form von Rache für das „give them your best smile“-Mantra, indem er immer dann unter zwanghaftem Lächeln fragt, ob wohl alles in Ordung, wie das Essen insgesamt so sei oder ob man noch etwas bringen könne, wenn man gerade den Mund voll hat. Da der Betreffende immer nur im Vorbeigehen fragt und dabei nie wirklich stehen bleibt, ist man in einem mittleren Dilemma. Einerseits ist man höflichkitshalber gewungen zu antworten, andererseits will man aber - ebenfalls höflichkeitshalber - nicht mit vollem Mund antworten. Da wildes Gestikulieren auch nicht in Frage kommt, ist diesem Dilemma ist einfach nicht beizukommen.

21. Oktober 2010
Am Weg zurück nach Los Angeles (und wieder habe ich die schiere Größe dieses Landes unterschätzt) habe ich das Hearst Castle besichtigt. Überwältigend, was ein Mensch hier mit der Hilfe einer großartigen Architektin schaffen hat können! Er hat der Nachwelt wirklich etwas hinterlassen. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie es in den 30-er Jahren gewesen sein muß, als so illustre Gäste wie Chaplin oder Lindbergh zu Gast waren. Hearst hat angeblich anregende Gesellschaft geschätzt und sich daher interessante Menschen auf das Anwesen eingeladen.

20. Oktober 2010
Ich habe San Francisco in südlicher Richtung verlassen und bin über den Highway Nummer 1 sowie auch den 17 Miles Drive entlanggefahren. Mehr kann ich darüber leider nicht berichten, denn das Wetter war miserabelst und man konnte vor lauter Nebel meist die Hand nicht vor den Augen sehen. Ich habe daher auch nicht viel vom Meer sehen können. Meine Fahrt hätte im Prinzip auf jeder kurvigen Strasse stattfinden können, es hätte keinen Unterschied gemacht. Schade, denn auf diesen Teil der Strecke habe ich mich besonders gefreut gehabt...
Ich habe übrigens eine Hitparade meiner persönlichen Lieblingscountrysongs zusammengestellt:
1. Anything Like Me - Brad Paisley
2. Bullets in a Gun - Toby Keith
3. I loved her first - Heartland
4. Three Wooden Crosses - Randy Travis
5. Every Light In The House - Trace Adkins
6. Farmer's Daugher - Rodney Atkins
7. Whiskey Lullaby - Bill Anderson
8. Toes (I call it rather “Life Is Good Today) - The Zac Brown Band
9. All Over Me - Josh Turner
10. Little White Church - Little Big Town

19. Oktober 2010
San Francisco ist schon ein besonderes Pflaster. Heute war ich in einem Geschäft, das auf Piratenausstattung spezialisiert ist. Man verkauft dort auch Glasaugen. Neben den Glasaugen ist ein Schild, auf dem die am häufigsten gestellte Frage vermerkt ist, die da lautet: Können mich diese Augen sehen? Antwort: Wahrscheinlich.
Gleich daneben wurde auch eine Broschüre zum Thema Kuß angeboten. Ich zitiere: „Man unterbreche nie einen Mann, wenn er gerade betet, flucht oder küßt.“ Aus: Rote Perlen von Charlotte Mansfield.

18. Oktober 2010
Als ich nach San Francisco hineingefahren bin, habe ich an der Mautstation auf der Bay Bridge anhalten müssen, um meine Gebühr zu entrichten. Der Mann in der Kabine hatte anscheinend Zeit für ein kleines Tratscherl, hat mir aber interessanterweise nichtd ie drei normalen Fragen (Wie heißt Du? Woher kommst Du? Bist Du verheiratet?) gestellt, sondern hat die Fragen entsprechend abgewandelt. A: Woher kommst Du? B: Österreich. A: Ah, Australien! B: Nein, Österreich. A: Ah, im Süden von Deutschland! B: Na ja… A: Aber da kommt ja auch der Arnie her! B (entschuldigend): Genau! A (das Thema wechselnd): Wie groß bist Du? B (leicht verdutzt): Ah, einen Meter und, nein, fünf Fuß… A (nicht auf eine Antwort aus): Du bist so fesch! Einen schönen Tag noch!

17. Oktober 2010
Auf dem Weg nach Sacramento. Ein paar Überlegungen zur Fahrt durchs Land:
Ich fahre ja ständig an Ortschaften vorbei, die höchst eigenwillige Namen haben. So etwa Red Bluff. Man stelle sich vor zu sagen, nun, ich komme aus Red Bluff. Oder aus Bad Water. Nun ja, eigentlich, bei näherer Betrachtung sollte ich, beinahe aus Übelstein stammend nicht über übles Wasser lästern.
Es gibt aus einem sehr simplen Grund in Amerika mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Möglichkeit mehr, es vom Tellerwäscher zum Millionär zu bringen, denn die meisten Teller sind aus Plastik und werden nach Gebrauch weggeworfen. Genauso hätte man wahrscheinlich mit einem Kaffeehaus kein rechtes Glück. Die Amerikaner nehmen unser gutes, altes „auf einen Kaffee gehen“ viel zu ernst und gehen lieber mit einem Wegwerfbecher herum, als dass sie sich zum Kaffeetrinken zusammensetzen. In dem Sinn gehen sie eigentlich eher mit einem Kaffee als auf einen Kaffee.

16. Oktober 2010
Noch immer etwas wackelig auf den Beinen habe ich mich doch in den Yosemite-Nationalpark aufgemacht. Sehr schön, wieder einmal und nicht umsonst hat Ansel Adams hier manche seiner eindrucksstärksten Naturaufnahmen gemacht.

15. Oktober 2010
Am Weg von Las Vegas zum Yosemite-Nationalpark bin ich bereits an die 800km gefahren und war bereits über 11 Stunden unterwegs (man darf ja leider meist nur etwa 90-100km/h fahren), als das GPS auf einmal gesagt hat: "Bitte rechts auf dei Foresta Road abbiegen!". Und da das die richtige Richtung war, ich vielleicht noch 15km vom Ziel entfernt war und trotz Dunkelheit ein recht großes, grünes Schild auch wirklich diese Foresta Road angekündigt hat, bin ich dort abgebogen. Ich hätte es wissen müssen. Foresta klingt ja wie forest und das war es dann auch. Nach ein paar hundert Metern war die Straße nicht mehr asphaltiert und zu schmal zum Wenden. Ab dann ging es steil bergab. Der Weg war schlimmer als jeder Waldweg bei uns zu Hause. Wenige Meter waren Erdbelag, das meiste war Urgestein mit kindskopfgroßen Steinen und 30, 40 cm tiefen Rillen und Spalten im Gestein. Ich habe keinen Geländewagen, sondern einen ganz normalen Van hier und ich muß sagen, selbst mit einem Geländewagen hätte ich mich dort eigentlich nicht fahren getraut. Da ich nicht zurück konnte, habe ich weiterfahren müssen, im Schrittempo oder noch langsamer. Sändig hat etwas an der Bodenplatte des Autos geschabt oder es haben Zweige links und rechts das Auto gestreift. Dort ist dem Bewuchs zufolge sicher seit Jahren niemand mehr gefahren. Nach einigen Kilometern war rechts nach wie vor natürlich die Bergseite, links war dann aber kein Wald mehr, sondern nur noch eine Schlucht. Der Weg war nicht breiter als das Auto. Ich habe Blut geschwitzt, gezittert, bin aber ganz, ganz ruhig und konzentriert geblieben.
Zum Glück habe ich erst später gelesen, dass die Gegend im und um den Yosemitepark eine Braunbärengegen ist. Ich habe mir die ganze Zeit über gedacht, was, wenn ich ein Rad wechseln muß? Gott sei Dank war das nicht nötig und ich bin wie auch immer durchgekommen.

14. Oktober 2010
Nachdem ich gestern noch im Zion National Park war und dann durch die Wüste Nevadas nach Las Vegas gefahren bin kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, wieder einmal in einer Stadt zu sein. Ich hatte schon das Gefühl, jeden Tag an einem anderen Abgrund zu stehen.
Die Country Radiosender sind nun auch weniger geworden, wobei mir Highlights von Anruferinnen, die endlich durchkommen und dann nicht genau wissen, was sie sagen sollen und den Moderator dann fragen: „... na ja, sagen Sie, ich kann über mein Pferd, meinen Mann oder über Whiskey reden....“ (man beachte die Reihenfolge!) schon fast wieder fehlen.
Las Vegas ist jedenfalls ein Kapitel für sich, vor allem abends.

13. Oktober 2010
Gestern habe ich den Red Canyon und den Bryce Canyon gesehen; wiederum zwei völlig unterschiedliche und unvergleichliche Landschaften. Meist funktionieren hier nur ein oder maximal zwei Radiosender. Mit sehr lokalem Liedgut und Nachrichten, die nicht weit über die jeweilige Regionalgrenze hinausgehen. Einer dieser Sender hat heute eine CD einer anscheinend hier durchaus nicht unbekannten Band verlost, deren Name mir wieder entfallen ist. Der Nummer Eins Hit auf der CD heißt übersetzt: Recht gut im Biertrinken. Wenn ich darüber so nachdenke, hätte ich gleich daheim in der Steiermark bleiben können, die Unterschiede sind marginal. Übrigens bin ich gerade durch „Garfield County“ gefahren, als die CD verlost wurde. Kein Witz. Es gibt doch Unterschiede...

12. Oktober 2010
Der Fotograf Carl Warner ist wirklich ein wahrer Künstler. Er verwendet Lebensmittel, um seine Landschaften zu designen, die er dann statt „landscapes“ einfach „foodscapes“ nennt…

11. Oktober 2010
Telekommunikationstechnisch bin ich in einer relativen Wüste unterwegs. Entweder haben meine diversen geräte keinen Empfang, es gibt gar kein Netz oder die diversen Betreiber haben keine Abkommen. Mein Belgisches Telefon ist auch wieder zum Leben erwacht, aus oben erwähnten Gründen aber nur kurz. Nur diesmal liegt das Problem nicht auf der belgischen Seite...
Für einen Stausee ist der Lake Powell wirklich mehr als schön und zu Recht ein Nationalpark. Ganz außergewöhnlich ist aber der Antelope Canyon.

10. Oktober 2010
Meine Reise hat mich heute ins Monument Valley and der Grenze zwischen Arizona und Utah geführt. Die Distanzen in diesem Land sind enorm und dabei bewege ich mich nur in einem kleinen Teil der USA. Das Monument Valley ist, man kann es kaum anders beschreiben, monumental. Man fährt durch dieses von den Navajos verwaltete Gebiet über Sandstraßen und kommt aus dem Staunen über diese roten Felsen nicht heraus. Ich habe mich ein wenig wie Joanna Wayne gefühlt, allerdings wie eine Joanna Wayne mit einer furchtbaren Verkühlung. Anscheinend haben mir die Klimaanlagen und eisigen Getränke oder aber auch der vierzigminütige Fotostopp im eiskalten Grand Canyon bei Sonnenuntergang vor ein paar Tagen nicht bekommen.

9. Oktober 2010
Zwei Videos, eines wurde mir als Art interkulturelles Training für Amerika verschrieben, das andere (Ich hab Dich relativ gern) ist einfach nur nett.
Reisetechnisch bin ich heute am Chanyon de Chelly angekommen, wieder ein wunderbares Naturschauspiel mit dramatischen Abhängen.

8. Oktober 2010
Gestern bin ich am Grand Canyon angekommen. Das einzige, was ich abends noch sehen konnte, waren Geschäfte mit Elchkitsch. Erinnert an Norwegen...
Aber dann der Grand Canyon selbst! Mir fehlen die Worte, um dieses Naturwunder zu beschreiben! Sicher, man kennt Bilder oder hat den Canyon schon einmal im Fernsehen gesehen, aber davor zu stehen ist noch einmal etwas ganz anderes. Diese Farben, diese Weite. Außer den kalbenden Gletschern im Süden Argentiniens habe ich glaube ich noch kein ähnlich beeindruckendes Naturschauspiel gesehen!

7. Oktober 2010
Ich habe ungünstigerweise noch eine Detour in den Süden Arizonas eingelegt, ungünstig deswegen, weil ich dadurch heute den zweiten Tag in Folge an die 700km gefahren bin. Nichtsdestotrotz war es den Umweg schon wert. Ich war beim AMARC Flugzeugfriedhof in Tucson, Arizona. Dort werden alte Flugzeuge der Air Force ausgesondert und gelagert. Daneben ist ein Museum, das die interessantere Sammlung an alten, ausrangierten Flugzeugen hat. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es sich hauptsächlich um Kampfflugzeuge handeln würde. Insgesamt läßt einen die schiere Anzahl von verschieden gearteten Bombern, Tank-, Cargo und anderen Flugzeugen schaudern; anscheinend sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Waffen zu entwickeln.

6. Oktober 2010
Von San Diego aus bin ich heute über Palm Springs nach Phoenix/Scottsdale in Arizona gefahren. Angeblich sind die USA ja Gottes Land. Das zeigt sich neuerdings an einer Werbeplkatkampagne, wo Gott twitterähnlich Dinge von sich gibt wie: 'Fühlst Du Dich erloren? Mein Buch ist Deine Landkarte! - Gott. Man beachte das Minus! Es gibt dazu sogar eine Webseite, die sich 'Gott Spricht' nennt.

5. Oktober 2010
Weiter nach San Diego... Eine nette Stadt, sehr hip. Angeblich regnet es ja nie im Süden Kaliforniens. Leider stimmt das nicht. Es ist kalt, es regnet und ich bin ähnlich gekleidet wie vor kurzem in Norwegen.
Folgenden Aufdruck habe ich heute auf einer Karte gelesen: Geburtstage tun Dir gut! Es ist statistisch erwiesen, dass die Menschen, die die meisten Geburtstage haben auch am ältesten werden. (Larry Lorenzoni)

4. Oktober 2010
Wie erwartet ist mein Belgisches Handy heute gestorben. Vielleicht kann ich es ja wieder zum Leben erwecken, was aber sicherlich einiges an Aufwand bedeutet. Apropos zum Leben erwecken: Ich habe eine Tour mitgemacht, die von einem Veranstalter namens "Dearly Departed" (etwa: „schmerzlich vermißt“ „inniglich von uns gegangen“) angeboten wird und „Hollywood's Tragical History Tour“ heißt. Für etwa zweieinhalb Stunden wird man von einem Ort, wo ein Hollywoodstar oder -einwohner umgekommen ist, zum nächsten geführt. Sehr interessant. Fast Wienerisch. Noch dazu ist genau heute der vierzigste Todestag von Janis Joplin, die im Landmark Hotel (heute Highland Gardens Hotel) in Hollywood umgekommen ist. Das Zimmer ist angeblich am 4. Oktober immer ausgebucht. Auch heute hat Licht darin gebrannt...

3. Oktober 2010
Disneyland. Eine Welt für sich. Es hat nur so von Prinzessinen und Menschen mit Mickeymausohren gewimmelt. Erwachsene Menschen mit Ohren in diversen Farben, selbst Männer tragen Haarreifen mit Mickeymausohren, schon erstaunlich. Der Park an sich ist aber auch ein Erlebnis, unglaublich, wie die Disneygeschichten hier zum Leben erwachen!

2. Oktober 2010
Gettymuseum und Hollywood, zwei Gegensätze. Die Photosammlung im Gettymuseum war mehr als interessant, vor allem die Bilder von Leonard Freed und Heinrich Kühn haben es mir angetan. Der Walk of Fame in Hollywood ist gerade 50 Jahre alt geworden. Es gibt über 2000 Sterne und interessanterweise wird das ganze anscheinend gar nicht gepflegt. Manche Sterne brechen schon auseinander. Überhaupt erscheint mir das ganze Hollywoodviertel etwas heruntergekommen zu sein.

1. Oktober 2010
Die große Reise und das Sabbatical haben begonnen!!! Irgendwo habe ich gelesen, dass es über 50 Muskeln für ein Lächeln braucht, aber nur einen, um zu sitzen. Nach einem neunstündigen und einem vierstündigen Flug kann ich nur bestätigen, dass das stimmt...

30. September 2010
Es wird immer schwieriger, Film zu kaufen. Ich war in drei Gechäften und es gab keinen mehr im Angebot. Oder nur Fujifilm, was dem eben Gesagten gleichkommt.

29. September 2010
Was ich beim Eintrag über die Photokina vergessen hatte zu erwähnen war ein sehr nettes Statement betreffend die Analogphotographie: Die Rückkehr von Glück, Zufall, Eventualität, Aussicht, Glück und Überraschung.

28. September 2010
Wirkliches Pech: Der Segway Chef ist mit einem Segway verunglück. Der wohl gemeinste Kommentar war, dass der Segway angeblich während der gesamten Fallphase absolut waagrecht blieb...

27. September 2010
Eine herrliche Webseite, wo endlich jemand gegen die erzwungen positive Grundhaltung im Marketing aufbegehrt. Die Demotovatoren verkaufen Kalender, Kaffeetassen, T-Shirts und anderes, jeweils mit sehr, sehr klaren Botschaften.
Zum Beispiel:
BLOGGING: Nie zuvor haben so viele Leute so wenig zu sagen gehabt, und das zu so wenigen.
AHNUNGSLOSIGKEIT: Es gibt keine dummen Fragen, aber sehr viele wissbegierige Idioten.
SERVICEWÜSTE FÜR KUNDEN: Weil wir erst zufrienden sind, wenn Sie unzufrieden sind!
VERZWEIFLUNG: Es ist gerade dann am Dunkelsten bevor es pechschwarz wird.
ZIELE: Man sollte vermeiden zwischen einem konkurrenzbetonten Dummkopf und seinen Zielen zu stehen.
INSPIRATION: Genie ist zu einem Prozent Inspiration und zu 99% Genius is 1 percent inspiration and 99% Ausdünstung, warum auch viele Ingenieure so schlecht riechen.

26. September 2010
Ich war in Köln auf der Photokina, der größten Photographiemesse der Welt. Die Messe erschlägt einen. Unzählige Aussteller, ein unglaublicher Massenauflauf. Nikon hat eine neue Werbelinie rund um Ich bin eine Nikon-Kamera, die schon auf den Stufen hin zum Ausstellungsstand folgendes wissen läßt: Ich bin farbenfroh, Ich bin Vorstellungskraft, Ich bin glücklich, Ich bin neugierig, Ich bin hier, Ich bin zu Hause, Ich bin ambitioniert, Ich bin präzise, Ich bin witzig, Ich bin gestylt, Ich bin mutig, Ich bin der nächste Schritt, Ich bin innovativ, Ich bin intelligent, Ich bin fantastisch, Ich bin cool, Ich bin Perfektion, Ich bin deine Muse, Ich bin Passion.

25. September 2010
Die Dinge sind meist nicht so einfach wie im Film, wo es Machos und Nichtmachos, Geliebte und Zurückgewiesene gibt.

24. September 2010
Was sagen einem eigentlich die jeweiligen Klingeltöne über die Personen, die sie für ihre Mobiltelefone verwenden? So zum Beispiel (übersetzt): Dein Lippenstiftabdruck hat sich auf dem Frontallappen meiner linken Gehirnhälfte eingebrannt... (Beginn des Liedes Hey Soul Sister von Train)

23. September 2010
Im Radio hat jemand gesagt, Konsum sei ein säkularisiertes Heilsversprechen.

22. September 2010
Was bewegt Menschen dazu, sich zum Zungenbrecher „Zwanzig Zwerge machen einen Handstand, zehn im Wandschrank und zehn am Sandstrand“ rhythmisch zu bewegen und zu klatschen?

21. September 2010
Idyosynkratien:
- Einen langen, gelehrten Zeitungsartikel über Analphabethismus lesen.
- Belgier, die in der Schweiz Schololade kaufen.
- Eine ob Nebels verzögerte Landung eines Fluges in Zürich mit einem Anschlußflug nach Brüssel, der trotz des Nebels überpünktlich abhebt und mich somit zwischen den Welten hängen läßt.

20. September 2010
Nachdenken über Widersprüche: Schließen sich gewisse Dinge wirklich gegenseitig aus? Angeblich hat schon Schopenhauer darüber nachgedacht, dass man manchmal zwar einen allgemeinen Satz aufstellen kann, dann aber doch nicht in jedem beliebigen Fall anwenden kann. Selbst wenn es allgemein so sein sollte, dass man etwas, was zwei oder mehreren Spaß macht, auch gemeinsam machen könnte, so gilt das doch in folgender kleinen Geschichte nicht. Jemand sagt, er gehe gerne alleine spazieren. Sein Gegenüber sagt, na fein, er gehe seinerseits auch sehr gerne alleine spazieren, man könne folglich also ja auch gemeinsam gehen.

17. September 2010
Es sollte viel mehr spritzige Zeitungsartikel geben wie diesen hier (aus der Süddeutschen Zeitung vom 18. August 2010):
"Mal angenommen, man könnte im Laufe eines langen Lebens nur einen einzigen Satz sagen, wie würde der lauten? Für Romantiker ist die Sache klar: „Ich liebe dich“, und damit ist im Grunde wirklich alles gesagt, es sei denn, man irrt sich im Adressaten,was leider häufig vorkommt. Misanthrophen entscheiden sich vielleicht für ein knappes „Tür zu, von außen!“. Unentschlossene setzen wägend an: „Tja, was soll man da sagen?“, und dann erst geht ihnen auf, dass es das schon war. Satz gesprochen, Satz verschenkt. Das ist natürlich nur ein Spiel der Gedanken, denn niemand spricht im Laufe eines langen Lebens nur einen einzigen Satz. Vielmehr sprechen alle dauernd, stets und ohne Unterlass, und immer, zumindest fast immer, ist es dummes Zeug, Papperlapapp, Gewäsch. Als Ausnahme können der Deutschlandfunk und der Hund Pluto gelten – ersterer, weil auf seinen Wellen bisweilen kluges Zeug gesprochen wird, letzterer, weil er im Laufe seines langen Lebens tatsächlich nur einen Satz sagte. Er lautete: „Kiss me“, zu Deutsch: Küss mich. Da Pluto, der Hund von Micky Maus, nicht näher spezifizierte, wo genau er geküsst werden wollte, bleibt unklar, ob er eher ins Romantische oder doch ins Misantrophische tendiert, oder ob er gar jener kleinen Gruppe verzweifelter, innerlich zerrissener Kreaturen angehört, in denen beide Wesenszüge angelegt und ausgeprägt sind. Möglich ist es, und das würde auch Plutos besondere Rolle in Walt Disneys Kosmos erklären. All die Tiere, Micky und Minni Maus, Goofy, Klarabella Kuh, Rudi Ross, der finstere, an Mario Adorf gemahnende Kater Karlo (um nur einige zu nennen), laufen auf zwei Beinen herum und sprechen, sie sind vermenschlicht. Pluto hingegen ist einfach ein Hund. Er ist meist Mickys Hund, aber er war auch schon der Hund von Donald Duck. Pluto war sogar mal der Hund von Goofy, der selber ein Hund ist, was bedeutet, dass der Hund Pluto dem Hunde ein Hund war. EinHundejahr entspricht sieben Menschenjahren.Also ist Pluto, der am 18. August 1930 erstmals in einem Cartoon namens „The Chain Gang“ auftrat, umgerechnet 560 Jahre alt. Wer so viele Jahre und so wenige Sätze zusammenbringt, dem eignet das Maulfaule ebenso wie das Weise. Gesprochen hat er übrigens, nachdem Micky während einer Jagd versehentlich auf ihn schoss. Pluto stellte sich tot, Micky eilte herbei, um dem geliebten Hund in die Pupillen zu sehen, woraufhin dieser im Falsett den einzigen Satz seines langen Lebens sprach. Dass er seither schweigt, obwohl er jederzeit sprechen könnte, macht ihn zur interessantesten Figur der Disney-Welt. Es verleiht dieser stets so fürchterlich heilen Welt eine angenehm dunkle Note, dass es der schweigende Hund ist, mit dem man am ehesten mal auf ein Bier gehen würde.“

16. September 2010
T-Shirt Aufdruck: Vereinigte Staaten von Belgien.

15. September 2010
Was für ein Gustostückerl von automatisierter E-Mail Antwort: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich am 15. September nachmittags auf Urlaub bin.

14. September 2010
Hektische Zeiten…

13. September 2010
Oft hört man ja heutzutage, dass jemand “aktiv“ an etwas interessiert ist. Wie es sich wohl anfühlt, wenn jemand „passiv interessiert“ ist?

12. September 2010
Schon den ganzen Tag geht mir ein Lied nicht aus dem Kopft: Shirley Bassey, Kiss Me Honey Honey Kiss Me…

11. September 2010
Angeblich war heute in Guangzhou in Chine die Schlagzeile des Tages folgende: Ein 30-jähriger Mann sei 47 Meter über der Guangzhou Haiyin Brücke eingeschlafen. Er ist dort in Selbstmordabsicht hinaufgeklettert, hat aber davor auch sechs Schlaftabletten genommen. Er wurde von der Feuerwehr gerettet.

10. September 2010
Amazon verkauft Eiswürfelbehälter, mit denen man Eiswürfel in der Form von Osterinsel-Mauistatuen machen kann…

9. September 2010
Ich mag Idiosynkratien, wie Menschen, die auf einer Insel in äußerst feuchten klimatischen Bedingungen leben und dabei Regenschirme nicht ausstehen können.

8. September 2010
Nach langer Zeit ist mein Name wieder einmal verdreht worden: Margrit

7. September 2010
Heute ist eine E-Mail von einer Hochzeitsphotographin in meinem Postfach eingetrudelt, die mir freudig mitgeteilt hat, dass sich im Anhang an die 8MB Bilder von meiner Hochzeit von letztem Samstag befänden. Den Bildern zufolge bin ich blond, mein Mann heißt Thomas und wir haben einen etwa zweijährigen Sohn. Anscheinend hat meine Namensverwandte eine ähnliche E-Mail-Adresse wie ich…

6. September 2010
Eine Routineuntersuchung im Tropeninstitut hat mit der Aufforderung geendet, ich solle am Leben bleiben und auf Reisen immer einen Sicherheitsgurt tragen. Nach wie vor kämen mehr Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben als Menschen an Malaria etc sterben.

5. September 2010
Im Internet kann man im Augenblick über das Jugendwort 2010 mitabstimmen. Zur Auswahl stehen unter anderem: copypasten = abschreiben, egosurfen = sich im Internet suchen, emotional flexibel = launisch, Phantomvibration = Einbildung, dass das eigene Handy vibriert und Speckbarbie = aufgetakeltes Mädchen in zu enger Kleidung.

4. September 2010
Ein zweijähriges Kunstüprojekt, das vor kurzem geendet hat, hatte zum Zweck, Kaputtes im öffentlichen Raum zu reparieren. Bilder davor und danach kann man hier sehen.

3. September 2010
Brüssel ist schon ein komisches Pflaster. So hat das enorm verstimmte Glockenspiel der Kathedrale bis vor kurzem Freude schöner Götterfunken`' gespielt. Nun spielt es ebenso falsch 'Oh Du lieber Augustin'.

2. September 2010
T-Shirt Aufdruck: Mein Freund ist diese Woche nicht in der Stadt.

1. September 2010
Nachdenken über Kant: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?

31. August 2010
Coca Cola punktet seit einiger Zeit ja nicht mehr so sehr mit dem Light-Produkt aber vielmehr mit der "Zero"-Variante, die übrigens in erster Linie Männer ansprechen soll, was ja auch eine Diskussion wert wäre.

30. August 2010
Ein neues Internetservice, das wirklich nett ist, ist Grooveshark. Man kann Musik abspielen, Playlisten machen, super!

28. August 2010
Bald geht es auf die große Reise. Nun stellt sich die Frage: Neue Nikonobjektive oder nicht?

27 . August 2010
Es ist immer wieder einmal unterhaltsam, sich Gunkels Tips und Überlegungen zum Tag durchzulesen...

25. August 2010
Was soll man von einer Softwareapplikation halten, die einem sagt: Falls Sie eine Sicherheitswarnung bekommen, klicken Sie auf 'ignorieren'.

24. August 2010
'The Baseballs' sollten viel bekannter sein, was für eine Musik!

23. August 2010
An einer Münchner Autobahneinfahrt prangt ein Graffiti, das folgendes zum besten gibt: München ist blau. Nun ja, Wien wirbt ja auch mit ‘Wien ist anders’.

21. August 2010
McDonalds Österreich hat zwei riesige Burgerwerbeplakate für ihre Chinawochen aufgehängt, eines wirbt für Mei Lie Bling und das andere für Lang Tsu.

18 – 21. August 2010
Aufenthalt in Kroatien, in Tisno bei Murter und in Zagreb.

17. August 2010
Schweigen kann eine Form der Lüge sein. So hat es zumindest eine Philosoph im Radio gesagt.

16. August 2010
Wieder in Österreich. Die Norwegen/Finnland/Schwedenreise war sehr, sehr intensive. Ich bin immer noch damit beschäftigt, alle Eindrücke zu verarbeiten: Lanschaft, Stockfisch, Lachsleitern, Rentiere, Fjorde, helle Nächte!

15. August 2010
Fähre von Helsinki nach Stockholm, die mit Abstand schönste Stadt im Norden. In Stockholm waren wir dann im Astrid Lindgren Museum, was wirklich nett war. Man fährt mit einer Bahn durch die verschiedenen Lindgrengeschichten, sehr nett!

14. August 2010
Helsinki: Die ‘Falsche Nudel Bar’ ist gleich neben der ‘Arctic Icebar’ und DER Frisör am Platz wirbt mit einer erklecklichen Zahl von Sprüchen, so zum Beispiel:
Hairway to heaven.
Forget the brain, use the hair.
One single hair can make your day.
Sweet dreams are made of hair.
I love your thoughts under your hair.
Crazy little thing called hair.
You’re haired.
Hairs truly.

13. August 2010
T-Shirt Aufdruck: Ihre Lesefähigkeit ist um einen Punkt gestiegen.12. August 2010
Meine Finnischkenntnisse sind ja eher dünn. Nebst meinen Lieblingsworten ‘banani’, ‘banki’, ‘posti’, ‘ravintola’ and ‘hissi’ habe ich aber zwei neue gelernt: ‘grammofoni’ and ‘messinki’.

11. August 2010
Dialog auf einem finnischen Boot: A: Wo kommen Sie her? B: Aus Österreich. Schweigen. B: Und Sie? A: Von hier. B: Von hier??? A: Nein, aus Turku, in der Nähe von Helsinki. B: Und hier machen Sie Urlaub? A: Ja, und das hier ist mein Hund.

10. August 2010
Überfahrt nach Finnland. In Gedanken bin ich noch am Nordkap. Die dortige Kapelle ist eine ökumenische. Ein Franzose und sein kleiner Sohn kommen herein. Vater: „Ist das das Kino? Nein? Ah, das ist die Kapelle!“ Zum Sohn: „Wir müssen gehen, sag Au Revoir!“

9. August 2010
Lappland, Nordkap. Frei nach Qualtinger: „Was brauch i um Mitternocht a Sun? Fjorde? Fjorde? Kann ma jo nirgends baden! Und die Lappen, de Lappen? Gscherde im Pelz!“

8. August 2010
Ich habe das Gefühl, in Norwegen durch die Kalenderbilderlandschaft meiner Großmutter zu fahren.

7. August 2010
Sicherheitshinweise im Hotelzimmer: Ihr Zimmer ist mit * (roter Punkt auf einem Plan) markiert. Machen Sie sich mit dem Notausgänger (!) bekannt. Rauchen Sie nicht im Bett.

6. August 2010
Der Stockfisch ist nicht mit dem Klippfisch zu verwechseln. Ersterer wird ungesalzen auf Holzgestellen aufgehängt und durch Lufttrocknung steinhart, zweiterer wird stark eingesalzen auf den Klippen getrocknet. Bei beiden ist offensichtlich die Zunge eine besondere Delikatesse, wird dem Fisch frühzeitig entnommen und extr verkauft. Die getrockneten Köpfe der norwegischen Stockfische werden zu nahezu 100% nach Nigeria verkauft, wo ein norwegischer Stockfischkopf eine Art Statussymbol darstellt.

5. August 2010
Es hat was, am Polarkreis zu stehen.

4. August 2010
Fahrt nach Trondheim, einer sehr, sehr netten nordischen Stadt.

3. August 2010
Ausflug zum Briksdalsgletscher und Bootsfahrt durch den Geirangerfjord. Sehr beeindruckend. Was für ein Land!

2. August 2010
Sehr beeindruckend war auch der Frognerpark mit den Skulpturen von Gustav Vigeland. Weiterreise über Lillehammer (Freilichtmuseum) nach Lom. Sehr netter Postkartenspruch (50er-Jahre Postkarte, die eine Frau mit einem Toaster gezeigt hat): Wenn es in einen Toaster passt, kann ich es kochen!

2. August 2010
Oslo hat früher, von 1624 bis 1925, Christiania geheißen. Das Rathaus ist irgendwie eigen, es könnte auch wesentlich weiter im Osten sein. Am Holmenkollen wird eine neue Schisprunganlage gebaut, sehr beeindruckend.

30. Juli 2010
In bin ja an sich gerne in der Steiermark und weiß auch die landestypischen Spezialitäten zu schätzen. Eine Stunde im Stau hinter einem LKW zu stehen, der den Spruch 'Steirerkraft: Der Kern – Die Bohne – Das Öl' am Heck aufgedruckt hat, schafft einen aber trotzdem. Der Kern – Die Bohne – Das Öl wird in einer solchen Stausituation ungewollt zum Mantra.

29. Juli 2010
Aus einer Münchner Speisekarte: 'Ein Hauch von Meer, Wind und Wohlgeschmack' gefolgt von 'Feine Desserts für alle, die sich gerne mal verwöhnen lassen'.

28. Juli 2010
Wenn einem im Smalltalk die Situation das Gesprächsthema gibt, so definiert nicht notwendigerweise die Umgebung die Emotion. Manche Ashrams gibt es im Kopf.

27. Juli 2010
Zitate aus dem Brüsseler Alltag: 'Man muss nicht dominant sein, um signifikant zu sein, es geht eher um Relevanz als um Dominanz.’

26. Juli 2010
Die Brüsseler Buchhandlung Passa Porta hat an einer Wand folgenden Spruch stehen: 'Die babylonische Sprachverwirrung ist eigentlich kein Fluch, sondern ein Segen.'

25. Juli 2010
Oscar Wilde: 'Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.'

24. Juli 2010
Interessant: Ein Perrückengeschäft namens 'Zweitfrisur'.

23. Juli 2010
Gewisse Lücken in der Allgemeinbildung von Gesprächspartnern tun mir fast körperlich weh. Solche Lücken können im eigentlichen auch wahre Gräben sein.

22. Juli 2010
In der Abgrenzung zu vernunftorientiertem Verhalten bezeichen Psychologen ein Verhalten, das unter Belastung evolutionär ältere und einfachere Denkstrategien zum Einsatz kommen läßt, prärational.

21. Juli 2010
Ich entdecke gerade (mir) neue Lieder in alten Operetten. So zum Beispiel den sehr klingenden Refrain von 'Küssen ist keine Sünd' aus 'Die Goldn’e Meisterin’ von Edmund Eysler:
Küssen ist keine Sünd’,
Mit einem schönen Kind;
Lacht dir ein Rosenmund,
Küß ihn zu jeder Stund'!
Pflücke die Rosen kühn,
Die dir am Wege Blüh'n,
Nimm dir, was dir bestimmt,
Weil's sonst ein andrer nimmt.

19. Juli 2010
'Ich höre Dir so gern beim Denken zu' ist glaube ich das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe.

18. Juli 2010
YouTube ist eine wahre Fundgrube. Sogar der Duracelhase hat es dorthin geschafft!

17. Juli 2010
Ein Lied, dass ich ja schon seit Jahren nicht mehr gehört habe ist „Heut' kommen d'Engerln auf Urlaub nach Wean“. Die Version von Peter Alexander ist fast noch besser.

Was is denn heut nur los,
was is denn heut nur g'schehn,
heut san so überfüllt,
die achtadreiß`ger Wäg`n,
der Schaffner, den i frag`,
der schwitzt vor lauter Plag`,
und sagt mir gleich den Grund für diesen Feiertag.

Heut kommen d'Engerln auf Urlaub nach Wean,
denn dort war´n s´z´Haus,
drum hab´n s` d`Weanastadt gern,
hör`n dann die Schrammeln und singen dazua,
d`Leuteln beim Weinderl, die kriag`n gar net gnua.
Hinter an Bam steht Gott Amor und lacht,
viel wird er anstell`n in Wean heute Nacht,
der Petrus im Himmerl schaut runter auf Wien,
Weanaleut`, Weanafreud`, da liegt was drin!

Der Petrus sagt verschmitzt,
wie er beim Herrgott sitzt,
die Engerln möchten gern
auf Urlaub gehn nach Wean,
der Herrgott sieht das ein,
drum sagt er auch nicht nein
und unterschreibt für d`Engerln einen Urlaubsschein.

Heut kommen d'Engerln auf Urlaub nach Wean,
denn dort war´n s´z´Haus,
drum hab´n s` d`Weanastadt gern,
hör`n dann die Schrammeln und singen dazua,
d`Leuteln beim Weinderl, die kriag`n gar net gnua.
Hinter an Bam steht Gott Amor und lacht,
viel wird er anstell`n in Wean heute Nacht,
der Petrus im Himmerl schaut runter auf Wien,
Weanaleut`, Weanafreud`, da liegt was drin!

16. Juli 2010
In einem Gespräch habeich heute einen sehr interessanten Kommentar zu einigen meiner Bilder gehört: Schon aus der Malereigeschichte ist angeblich bekannt, dass ein direkter Blick eines Aktmodells in Richtung des Betrachters diesen in der Wahrnehmung des Bildes unangenehm beeinflusst. Deshalb ist der Blick angeblich oft abgewandt. Meine Puppen seien deshalb immer dann interessanter und auch erotischer, wenn der Blick der Schaufensterpuppe von der Kamera abgewandt ist. Die fast aggressiv in Richtung der Kameras blickenden Puppen würden als beinahe abschreckend empfunden.

15. Juli 2010
Ich höre dass es eine Hierarchie von Verdienstorden im Britischen Beamtenwesen gibt und zwar in der folgenden Rangordnung:
* CMG = Komptur (Companion in the order)
* KCMG = Ritterorden (Knight Commander)
* GCMG = Großkreuz (Grand Cross)
Bissig übersetzt werden diese Orden aber meist so:
* CMG = Nenn mich Gott (Call Me God)
* KCMG = Bitte nenn mich Gott (Kindly Call Me God)
* GCMG = Gott nennt mich Gott (God Calls Me God)

13. Juli 2010
Es gibt ein Leben nach dem Tod! Aus der Frage und Antwortsektion eines Newsletters: Frage: Wie wirkt es sich auf mein Versicherungsverhältnis aus, wenn ich privat in ein Hochrisikoland reise? Antwort: Wenn Sie privat in ein solches Land reisen, müssen Sie, sollten Sie im Todesfall Ansprüche stellen wollen, vorab eine Zusatzpolizze abschließen.

12. Juli 2010
Ich bin zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der hochauflösendes Fernsehen gezeigt werden soll. Der Text auf der Einladung ist leider verschwommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

11. Juli 2010
Was die Heimat nicht so alles zustande bringt. Zotterschokolade und nun auch Murtalerinnen, die sich Chilli da Mur nennen. Süß!

10. Juli 2010
Dilberterfinder Scott Adams vertritt die These, dass man nur in solche Firmen investieren soll, die man wirklich hasst. Was mir aber fast noch besser gefällt ist seine Beschreibung der emotionalen Kontrolle, die Apple über ihn ausübt. Leider nur auf Englisch.

9. Juli 2010
Wie wahrscheinlich ist es, dass gewisse Dinge passieren? Ich eile zu einer Besprechung, habe Papier und Kuli dabei, kann aber den Kuli nicht nutzen, weil sich in seine Metallhülle justament eine Delle so ungünstig gewölbt hat, dass sich die Kulimine trotz tatkräftiger Unterstützung der um mich Sitzenden nicht mehr herausbewegen lässt.

8. Juli 2010
Für die Zitatensammlung: '… und lassen Sie mich hier einigermaßen ehrlich antworten: wir können nicht zulassen, dass das Beste der Feind des Guten wird!'

7. Juli 2010
Das Leben in der Großstadt ist immer wieder eine Herausforderung. Ich musste heute mit dem Auto zum Reifenwechseln in eine Werkstatt. Gegenüber der Werkstatt war ein Supermarkt und nachdem ich ohnehin eine Stunde Zeit hatte, habe ich mich also zum Einkaufen dorthin begeben. Der Einkaufswagen hatte die Aufschrift: Bitte bringen Sie mich zurück! Irgendwie nett, habe ich mir noch so gedacht und wollte die Strasse überqueren, um die Einkäufe zum Auto zu bringen, als die Räder des Einkaufswagens blockieren. Ich denke mir, dass ich wohl über etwas drübergerollt bin und hole einen neuen Wagen, lade um, schiebe einen Meter weiter und wieder: blockierte Räder. Etwas entnervt schleife ich das manövrierunfähige Gefährt zum Kassenbereich retour, wo ich schon mit den Worten, ach, Sie waren das, die das Gelände verlassen wollte! Begrüßt wurde. Man hätte eine elektronische Sperre in allen Wägen, die das Verlassen des Supermarktgeländes verhindert, eingebaut. Die Aufschrift: Bitte bringen Sie mich zurück! hätte besser heißen sollen: Wagen Sie es erst gar nicht, mich wegzubringen!

6. Juli 2010
Ende Juni sind 20 führende Experten in Paris zur ‘Ersten Internationalen Konferenz zum Thema Gähnen’ zusammengekommen, um die Herausforderungen dieses neuen, sehr dynamischen Forschungsfeldes zu diskutieren. Mehr hier.

5. Juli 2010
Zur Zitatensammlung auf dieser Seite gehört nebst 'Auch Ihnen wünschen wir für Ihre Zukunft noch alles Gute!’ natürlich auch: 'Es tut uns leid, ihnen mitteilen zu müssen, dass wir uns für Idee x und nicht für ihre Idee y entschieden haben … Für sie ist das natürlich ein Pech.'

4. Juli 2010
Ein Lied, dass ich schon ewig nicht mehr gehört habe: Adieu mein kleiner Gardeoffizier…

3. Juli 2010
Ich habe auf einer Hausmesse erstmals die neuesten Hasselbladkameras im Einsatz sehen können. Beeindruckend. Der Preis ist allerdings leider auch.

2. Juli 2010
Die Ausstellungseröffnung bei Expression Deco war trotz der tropischen Hitze sehr nett und stimmig. Interessante Kommentare zu den Bildern. Die Balkonsitzerin etwa ist mit einer Gallionsfigur verglichen worden.

1. Juli 2010
Heute Abend ist die Ausstellungseröffnung bei Expression Deco!

30. Juni 2010
Nach einer eintägigen Reise nach Wien habe ich heute noch die Ausstellung bei Expression Deco aufgehängt. Hektisch, hektisch.

29. Juni 2010
Ich habe gelesen, dass Bakterien in Kläranlagen besser arbeiten, wenn sie mit Mozart beschallt werden. Nun war ich auf einer Toilette mit Radetzkymarschbeschallung. Vielleicht hilft das bereits in der Vorverarbeitung.

28. Juni 2010
T-Shirt Aufdruck: Jeder will so sein wie ich!

27. Juni 2010
Mein Vater hat mir zum Thema Snobismus folgenden Witz mitgegeben: Ein englischer Gentleman ist – als Gestrandeter - schon seit Jahren auf einer einsamen Insel. Endlich kommt jemand vorbei und sieht, dass der Gestrandete drei Häuser gebaut hat. Er fragt ihn, warum drei? Der Getleman antwortet: Nun, in einem wohne ich natürlich. Das andere dort drüben ist der Club, den ich frequentiere. Und das dritte, möchte der Besucher wissen? Nun, das ist der Club, den ich nicht frequentiere.

26. Juni 2010
Ich habe gehört, das Wort des Tages sei ‚finster’. Warum, weiss ich auch nicht genau.

25. Juni 2010
Eine erkleckliche Anzahl von Spanieren trägt den Vornamen 'Jesus’. Manchmal habe ich das Gefühl, dass nur ich schmunzle, wenn wieder einmal eine Sitzung mit den salbungsvollen Worten '… und wir feuen uns besonders, dass heute auch Jesus wieder unter uns ist’ eröffnet wird.

24. Juni 2010
Wie kann ein Computer einfach so sterben und keinen Mucks mehr von sich geben???

22. Juni 2010
Ein wirklich interessanter Künstler aus Larnaca hat sich unter anderem auf Schaufensterpuppen spezialisert. Mehr auf seiner Webseite.

22. Juni 2010
Ist es wirklich ein Kompliment, wenn jemand über jemand anderen sagt: 'So sehr er auch dauernd mit Arbeit beschäftigt ist, so findet er dennoch immer wieder Zeit für andere'?

21. Juni 2010
Wie oft muss man eigentlich etwas sagen, um sagen zu können: 'ch sage ja immer...'?
Erhaltener Kommentar: Sieben mal.

20. Juni 2010
Ich lese 'Zu Hause' von Billy Bryson.

19.Juni 2010
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Man muss sich nur dieses Bild einer BP-Tankstelle mit der Warnung: „Zapfhähne nicht unbeaufsichtigt lassen; Sie werden für ausgeflossenes Öl zur Verantwortung gezogen“ ansehen.

18. Juni 2010
Ich zitiere aus seiner Reisefiebel, die ich für eine anstehende Österreichreise von einem Reisebüro geschickt bekommen habe. Man lernt ja nie aus:
- Nennen Sie Österreicher nicht Deutsche und nehmen Sie nicht an, dass die Kultur dieselbe sei.
- Vermeiden Sie, über Religion, Geld und Politik zu diskutieren, außer Sie kennen ihr Gegenüber wirklich sehr gut.
- Im Westen gehöt es sich, einen größeren Respektsabstand vom Gesprächspartner einzuhalten, wohingehen in der Gegend um Wien bei geselligen Anlässen auch näher beisammen gestanden werden kann.
- Österreicher vermeiden Konfrontationen und sind eher bereit, Kompromisse einzugehen, als zu widersprechen.
- Das Justizsystem ist nicht korrupt und unabhängig von der Legislative. Die Polizei ist kompetent und manche Polizisten sprechen sogar Englisch.

17. Juni 2010
Gedanken über die Ästhetik im Alltag: Ist es normal fuer erwachsene Maenner, ein Handy in einer handgestrickten Socke herumzutragen, riesige Kopfhoerer ueber die Ohren gestuelpt zu haben und eine glaenzende, abgewetzte, mehrfach absichtlich ramponierte Schnürlsamthose zu tragen?

16. Juni 2010
Wenn ein Entscheidungsträger sagt, er sei in der Zuhörerrolle, heißt das wahrscheinlich nicht, dass er auch nur irgendetwas zu ändern gedenkt.

15. Juni 2010
Ein neues Gustostück aus meiner Serie „logisches Argumentieren oder das Fehlen jeglichen logischen Denkens in der Argumentationskette“ (siehe auch Eintrag vom 8. Dezember 2008): “Wir haben offensichtlich ein Problem mit dem zugang zu unserem neuen Server. Mit anderen Worten gehen wir im Augenblick davon aus, dass Sie zur zeit keinerlei Zugang zu diesem Server haben. Wir versuchen, das Problem schnellstmöglich zu beheben und haben für einen besseren Überblick über den Status der Problembehebung eine Webseite eingerichtet, nämlich http://www.server-den-du-nicht-erreichen-kannst.com. In diesem Zusammenhang wollen wir Sie nicht direkt mit Statusupdates spammen. Die nächste und endgültige Information wird [natürlich nicht von Dir, da Du ja wie eben gesagt keinen Zugang hast] am http://www.server-den-du-nicht-erreichen-kannst.com einzusehen sein. Eventuell schicken wir auch noch einmal ein E-Mail an Sie, wenn wir die Situation im Griff haben und das Problem geläst ist [aber darüber sind wir uns noch nicht im klaren. Es könnte ja der Eindruck entstehen, dass wir es ihnen zu leicht machen wollen].” Kommentar: Die Kommentare sind lediglich eine Interpretation der Bloggerin.

14. Juni 2010
Obwohl die Ölkatasthrophe im Golf von Mexico natürlich furchtbar ist; dieses Video ist wirklich böse, aber gut! Was, wenn BP verschütteten Kaffee auftunken müßte….

13. Juni 2010
Was für eine eigenartige Markentreue ist es eigentlich, dass ich immenses Fernweh bekomme, wenn ich am frankfurter Flughafen vorbeifahre und Flugzeuge starten sehe, mich aber kein so startkes Gefühl übermannt, wenn ich Charles de Gaulle passiere?

12. Juni 2010
Wer hat eigentlich Bonusprogramme und Pay-Back-Systeme erfunden und warum meine ich mich daran zu erinnern, dass die allerersten Programme eine Rückvergütungsratio von etwa 3% hatten?

11. Juni 2010
Was man nicht über USB so alles anschließen kann... Sogar Wein kann man anscheinend zapfen ;-)

10. Juni 2010
Leute, die sich selbst in den Mittelpunkt stellen, stehen sich gerne selbst im Weg.

9. Juni 2010
Ich hatte versprochen, ein Bild des M&M-Spenders online zu stellen. Nun, hier ist es!

8. Juni 2010
Ein kleiner Unfall. Ich habe einen Finger knacken gehört, mir gedacht, er ist gebrochen, bin in leichte Panik verfallen und habe ein Krankenhaus angerufen. Man hat mir gesagt, ich möge bei der Notaufnahme vorbeikommen, man würde den Finger untersuchen. Gesagt getan. Notaufnahme, alles ist hell erleuchtet, aber die Türe ist geschlossen. Ich läute und erkläre dem Herrn am anderen Ende, ich hätte eben mit ihm telefoniert, ich wäre wegen des gebrochenen Fingers da. Er fragt mich, ob ich mir da auch ganz sicher wäre. Etwas verdutzt sage ich, nun ja, sicher sei ich mir sicher. Er wiederum hat darauf eher trocken geantwortet, er würde mir ja gerne helfen, sei allerdings Psychiater und ich könne es mir ja noch überlegen, ob ich nicht ihn konsultieren wolle. Ich habe mich dann doch für das Röntgenbild entschieden, das in einer anderen Abteilung des Krankenhauses nach etwa zwei Stunden angefertigt wurde und einen, trotz Quetschung, dennoch knochenmäßig heilen Finger gezeigt hat.

7. Juni 2010
Dilbert`sche Momente: A erfährt, dass B eingeladen werden wird, bei X teilzunehmen. C und D sollen B beraten, ob B teilnehmen soll. C bittet E, mögliche Vor- und Nachteile einer Teilnahme aufzuschreiben, um B adäquat beraten zu können. A empfiehlt, B solle annehmen. B sagt, B wolle annehmen. E sagt, Problem gelöst. C sagt, nein, eine umfassende Abhandlung der Vor- und Nachteile einer Teilnahme seien noch ausständig. E bittet A um Input. A seufzt und füllt ein anderthalbseitiges Formular aus, dass Bs Entscheidung, an X teilzunehmen, guttheißt.

6. Juni 2010
Ich mag die Atmosphäre auf Märkten, wenn sie gerade zusperren, wenn alles weggeräumt wird. Standbesitzer kümmern sich nicht mehr um mögliche Kunden, sind stattdessen damit beschäftigt, alles zusammenzupacken und so schnell wie möglich abzufahren. Manche Marktbesucher wühlen noch im Liegengelassenen während schon die Müllabfuhr kommt, und alles saubermachen möchte. Heute Nachmittag sind meine Mutter und ich an so einem in der Auflösung begriffenen Markt vorbeigekommen. Ein Blumenhändler hat uns im Vorbeigehen 100 (!) Tulpen geschenkt!

5. Juni 2010
Ausflug nach Gouda und Delft. In Holland gibt es sogar grasgrünen, mit Basilikum versetzten Käse!

4. Juni 2010
Moderne Gesellschaften und ihre Verhaltensmuster: Wenn eine an sich ziviliesierte Person sagt: “Entschuldigt bitte, ich esse hier wie ein Schwein!” heißt das, das man beschwichtigen sollte? Will die Person ein Kompliment hören? Und ist, unter den gegebenen Umständen, ein entschuldigungsheischendes Kopfnicken eine Beleidigung? Wie bewahrt man in solchen Situationen ein Pokerface und, wichtiger, wie bekommt man seine Augenbrauen unter Kontrolle?

3. Juni 2010
Manchmal ist ungewollte Post durchaus interessant. Wie vor kurzem hier angesprochen habe ich ja unlängst bei einem Powerpoint-Karaoke einen M&M-Spender gewonnen. Nun bekomme ich ein E-Mail, das mir personalisierte M&Ms anbietet. Man kann auf eine Seite der M&Ms etwas drucken lassen. Das führt natürlich in Versuchung. Broken Muses M&Ms würden schon irgendwie cool sein…
Erhaltener Kommentar: Ich werde Dir eine große Box zerdrückter M&Ms in den Postkasten legen!
Erhaltener Kommentar: Was hältst Du davon, ein Bild des M&M-Dispensers online zu stellen?

2. Juni 2010
Zitat: “Wir haben eine zeitgemäße Webseite.” Ich frage mich, was das genau heißt.

1. Juni 2010
Ein recht interessantes Zitat: “Das iPad ist die Killerapplikation des mobilen Internets”. Obwohl ich es bisher nur von Bildern kenne, scheint es doch ein wenig bullig für eine Anwendung. Zumal es ja angeblich der sichere Hafen für so viele verschiedene Anwendungen ist.

31. Mai 2010
Das ist auch Europa: Ich habe mein Mietauto in Zypern geparkt, bin durch die Fußgängerzone geschlendert, an einem Kontrollpunkt angekommen und habe dort – nach Visabeantragung und Passkontrolle – in die Türkei einreisen können. Abgesehen von der sehr bizarren Situation einer geteilten Stadt muss ich sagen, dass der nördliche, türkische Teil der Altstadt viel interessanter ist, als der südliche. Sehr pittoresk, leider war es aber schon zu dunkel für Bilder.

30. Mai 2010
Beobachtungen vom Flughafen: Die meisten Menschen sind nicht gut angezogen. Jeans, die in der Länge nicht passen, im Schritt oder generell zu eng oder zu weit sind und insgesamt einfach nicht gut sitzen, scheinen sich heutzutage besonders gut zu verkaufen. Auch zu hohe Schuhe, die zu einem tapsigen und Stiefel, die oft zu einem schlurfenden Gang führen sind beliebt. In Summe muss man leider sagen, dass die Eleganz auf der Strecke bleibt oder anscheinend einfach kein Faktor mehr ist.

29. Mai 2010
Meine nächste Ausstellung wird den ganzen Juli über bei Expression Deco in Brüssel (Avenue Louise 226A) zu sehen sein. Vernissage: 1. Juli 2010.

28. Mai 2010
Ein Besucher im Büro, der auf die Toilette wollte, hat heute gefragt: Kann ich Ihr Schlafzimmer benutzen? Wie kann man in einer solchen Situation ein Pokerface bewahren?

27. Mai 2010
Ich fühle mich ja immer nur wohl in einer Stadt, wenn es dort ein potentielles Lieblingscafé gibt. Ein ebensolches habe ich unlängst in Addis Abeba entdeckt. Es hat recht neu gewirkt, war trotzdem gemütlich und direkt neben dem - leider aufgelassenen - Bahnhofshauptgebäude. Dass die Bahnstrecke Addis Abbeba - Djibouti seit Jahren nicht befahren wird, ist jammerschade, aber eine andere Geschichte. Zurück zum Café: Eben habe ich erfahren, dass diese wunderbare kleine Oase namens Café Choché erst vor ein paar Monaten eröffnet wurde und der Frau des Belgischen Botschafters gehört.

26. Mai 2010
Eine herrliche Aussage aus einem E-Mail, das ich heute Nachmittag bekommen habe: "... und das ist mein Problem: Keine der Organisationen, die ich konsuliert habe, scheint etwas sinnvolles zu produzieren. Jeder schaut sich nur um und faßt zusammen, was die anderen tun." Könnte auch in die Sammlung der Zirkeldefinitionen eingehen: wenn nämlich alle sich nur umschauen und keiner was macht, was kann man dann eigentlich zusammenfassen, außer, dass es zu einer umfassenden Untätigkeit samt Umschau gekommen ist?

25. Mai 2010
Mein Name wird seitens einer Person, die sich "Kommunikationsmanager" nennt, konsequent falsch geschrieben (Margrit). Ist es nicht interessant, bei welchen Berufsgruppen Lese- und Rechtschreibschwächen auftreten?

24. Mai 2010
Es ist Zeit, Afrika wieder zu verlassen. Einige Gedanken zum allgegenwärtigen Seuftser TIA, this is Africa (das ist Afrika): Man darf sich einfach nicht wundern, wenn man etwa sechs Briefmarken kauft und der Preis dann nicht durch sechs teilbar ist. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Waren, z.B. einen Preis von elf für drei Kaffees usw. Man sollte als Frau auch nicht unbedingt ein Auge aufreissen, wenn einem jemand um drei Uhr am Nachmittag ein aufmunterndes „gute Nacht Mister“ mit auf den Weg gibt. Auch ein beherzter Versuch, bei strömendem Regen Sonnenbrillen oder T-Shirts mit dem Aufdruck „Dreizehn Monate Sonnenschein“ zu verkaufen, sind wahrscheinlich einfach nur Ausdruck von TIA.

23. Mai 2010
Wieder einmal eine neue Form meines Namens für die Sammlung: Merkit

19. – 22. Mai 2010
Der Tanasee ist wieder genauso schön gewesen wie beim letzten Aufenthalt. Die Fahrt nach Bahir Dar hat alleine schon etwas Malerisches, was für eine Landschaft!

15. – 18. Mai 2010
Tage in Addis Abeba bei schlechtem Wetter und matschigen Strassen. Der Besuch am Merkato, dem riesigen Markt, war wieder einmal ein Erlebnis für sich, diesmal wohl am ehesten wegen der Gerüche und dem Schlamm, der in allen Ritzen und auf allen Wegen war. Das Nationalmuseum ist in all seiner Einfachkeit einen Besuch wert. Es ist faszinierend, wie wenig pompös so unglaubliche Funde wie Lucy, wie man bis vor kurzem glaubte der älteste aufrecht gehende Mensch, und Ardi, mit 4.4 Millionen Jahren nunmehr der älteste menschenähnliche Fund, dargestellt werden.

14. Mai 2010
Ausflug in den Süden von Addis Abeba; nicht ganz ins Omo-Tal – das würde wohl drei Wochen in Anspruch nehmen – sondern „nur“ zu den Seen Langano und Ziway. Beim einen gibt es brennend heiße Quellen, beim anderen Flamingos.

13. Mai 2010
Der Klimawandel ist allgegenwärig. Obwohl es um diese Jahreszeit noch schön und warm sein sollte, ist es kühl und regnerisch in Addis Abeba. Die Strassen sind schmierig und zum Teil verschlammt, Wasser sammelt sich in riesigen Pfützen. Trotzdem gibt es viele pittoreske Eindrücke, Gesichter, Menschen bei der Arbeit. Ich bin allerdings noch nicht in Fotolaune.

12. Mai 2010
Wieder einmal am Weg nach Afrika! Ich habe noch nie ein so leeres Flugzeug mit so zuvorkommenden Stewardessen erlebt. Eine sehr angenehme Reise soweit!

11. Mai 2010
Leicht absurder Dialog: A: Darf ich mir ihren Kugelschreiber bitte ausborgen? B: Das ist mein Kugelschreiber. A: Ja, darf ich ihn mir bitte ausborgen? B: Das ist meiner. A nimmt ihn trotzdem. B starrt auf sein Telefon und sagt auch auf das Danke hin nichts mehr.

10. Mai 2010
Ich habe ja eine Schwäche für automatisch erstellte Reisewarnungen wie die folgende: "Gruppen von organisierten Verbrechern bombardieren gelegentlich im kleinen Rahmen, wobei diese Bombardements in der Regel lediglich gegen andere, meist ebenso dubiose Geschäftsinhaber gerichtet sind und daher nur ein geringes Risiko für unser Personal darstellen."

9. Mai 2010
Hafenrundfahrt in Antwerpen. Rotterdam hat nach wie vor den größten Hafen weltweit, nach Rotterdam hat aber Antwerpen den zweitgrößten Hafen Europas. Leider sind am Sonntag nicht allzuviele Kräne in Betrieb, aber die paar, die zu sehen waren, verladen Container mit einer Leichtigkeit als wären es leere Schuhkartons.

8. Mai 2010
Was für ein interessanter Tag: Ich habe ein Flash Mob Event gesehen. Dabei rottet sich, meist übers Internet organisiert, ad hoc eine Menge an Menschen zu einem bestimmten, oft künstlerischen Zweck zusammen. In meinem Fall war e seine Menge, die auf ein Pfiffsigal eine Polonaise tanzen wollte, dann wie Dominosteine umfallen und sich aschließend, als ware ichts gewesen, wieder auflösen hätte sollen. Tatsächlich war es eher ein gemeinschaftlicher Schulterschluß ohne Umfallen, gefolgt durch ein relativ zügiges Wiederauflösen. Was wesentlich interessanter war, war ein anderes modernes Phänomen, ein Power Point Karaoke. Auch ich habe mitgemacht und Folien präsentiert, die ich vorher noch nie gesehen habe und die von den Veranstaltern zufällig aus dem Internet heruntergeladen worden sind. Ich habe sogar gewonnen und auch einen Preis bekommen (einen M&M-Spender in der Form eines überdimensionalen M&M-Männchens, das Fußball spielt). Was mich nachdenklich stimmt ist, dass ich bei den Gewinnern war.
Wie auch immer, wenn es um Power Point geht, geht es ja auch immer um eine Kernbotschaften, die sogenannten „take home messages“. Nun, zusammenfassend wäre das:
1. Das Niveau der Allgemeinbung vieler Menschen ist erschreckend niedrig.
2. Eine erkleckliche Anzahl hat Probleme mit essentiellem Textverständnis und versiertem Ausdruck.
3. Es kommnt wirklich auf den Einzelfall an, wofür man sich schämen muss. Was die Schwelle der Scham anbelangt, so liegt die Latte heute wesentlch höher als noch vor einigen Jahren.

7. Mai 2010
Kommentar zum Blog vom 28. April: Wenn wir noch keine Stoptafeln hätten und Arbeitsgruppen dazu einsetzen müßten...

6. Mai 2010
Zwei sehr aufmerksame Leser haben mir heute zwei Seiten derselben Geschichte nähergebracht. Die eine Geschichte beschäftigt sich mit Schaufensterpuppen und ihrer Geschichte , wobei besonders darauf eingegangen wird, dass die Puppen über die Zeit wesentlich einförmiger, austauschbarer und dadurch gewissermaßen farbloser geworden sind: “Auf der andren Seite, so der Artikel, sagen natürlich Puppen auch etwas über uns selbst: In ihrer besten Form sage uns diese Puppen, wie und wo wir stehen und wie wie unsere Körper präsentieren; ob wir groß sein wollen, gertenschlank, athletisch, vollbusig oder amazonenhaft. Aber auch in ihren miesesten Form – kopflos, farblos, aphatisch - sagen sie uns etwas über uns selbst.“
Der andere Artikel geht bei einem anderen Aspekt ein wenig mehr ins Detail, nämlich dem Design hin zu wesentich schlankeren Modellen. Der Artikel erfindet dafür sogar einen eigenen Ausdruck und nennt diese Puppen “manorexic mannequins”. Des weiteren gibt es einige interessante Statistiken zu Größen und Umfängen, aber was mir am interessantesten scheint ist die Liste anderer dünner bis magersüchtiger Männer in der Geschichte. Diese Liste wird angeführt von Hermes und Jesus, Gandhi kommt auf Platz acht, gefolgt von Fred Astaire…
Erhaltener Kommentar: Super Beitrag! Grandios!

5. Mai 2010
Teile meiner Broken Muses Ausstellung haben heute geendet. Etwa die Hälfte der Bilder wird nocht bis zum Sommer ausgestellt bleiben.

4. Mai 2010
Kann man wirklich am besten dadurch, dass man seine Karten auf den Tisch legt eine Sache vom Tisch bringen?

3. Mai 2010
Wieder einmal bin ich mit falschen Namen bedacht worden. Nach Marget war es wieder einmal ein unvermeidliches Birgit. Und das von einem Menschen, dessen Nachname wie der Name eines bekannten, gelben Gewürzes ausgesprochen wird!

2. Mai 2010
Uncharmanter O-Ton aus der Zeitung: Ein wörtliches Zitat: "Immer mehr Zeitgenossen arbeiten mit nie ermüdendem Eifer an sich selbst, ohne dabei zu überzeugenden Ergebnissen zu kommen."

30. April bis 1. Mai
Reisen ist immer wieder ein Erlebnis. Interessant ist ja auch, was andere wartende Menschen rund um einen so lesen. So war etwa auf dem Kölner Flughafen, wartend auf den Abflug gen Wien ein Mitreisender in ein Buch mit dem Titel: „Moskau ist viel schöner als Paris“ vertieft. Später denn im Flugzeug war es doch eher ungewöhnlich festzustellen, dass sich ein erwachsener Mitreisender und Sitznachbar seine Einkaufsliste auf dem Handrücken notiert hat. Dass darüber hinaus „Baldrian“ vor Brot und Milch angeführt war, hat mich dann doch stirnrunzelnd zurückgelassen.

28. April 2010
Manche behaupten ja, ganz im Aristotelischen Sinn von wegen das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile, Gruppen seien klüger als der oder die Einzelne. Nach vielen mehr oder weniger leidvollen Erfahrungen in Arbeitsgruppen denke ich, dass dem eher nicht so ist. Aber Aristoteles hat damit wahrscheinlich auch nichts zu tun; er musste sich sicher auch nicht mit Arbeitsgruppen herumschlagen.

27. April 2010
„Idealisten nennen Realisten Zyniker.“ Sir Humphrey in Yes, Minister.‏

26. April 2010
T-Shirtaufdruck: Das Leben ist zu 10% das, was Du draus machst und zu 90% so, wie du es siehst.

25. April 2010
Das folgende Zitat hat mich an meine Broken Muses erinnert: “Hinter jeder schönen Sache steckt auch eine form von Schmerz.” Bob Dylan

24. April 2010
Wenn man etwas wirklich machen will, findet man Mittel und Wege. Wenn nicht, dann findet man eine Ausrede.

23. April 2010
Die Casino Austria International haben in Brüssel ein Casino oder eigentlich bessergesagt einen Unterhaltungspalast eröffnet. Beeindruckend!

22. April 2010
Noch einmal zu Bakterien: Kürzlich habe ich einen Slogan gelesen, der im Rahmen einer Asiatischen Kampagne für vermehrtes Händewaschen verwendet und vor allem auf Toiletten ausgehängt worden ist: “Wenn der Koch seine Hände nicht wäscht, essen die Gäste mehr als nur Reis.”

20. April 2010
Ich habe mich heute an einen gut gemeinten Ratschlag erinnert, den ich vor ein paar Jahren einmal erhalten habe, nämlich niemals nach Morgenflügen in Morgenmeetings helle Anzüge zu tragen. Die Kombination aus Morgenflug, Müdigkeit, leichter Langeweile und schal schmeckendem Kaffee kann unangenehme Flecken am hellen Anzug hinterlassen. Man soll dabei natürlich auch die Peinlichkeit – vor allem dem Gastgeber gegenüber - nicht unterschätzen, während des Kaffeetrinkens und mit dem Schluck Kaffee im Mund kurz weggedriftet zu sein. Was mich daran erinnert hat war, dass ich heute während eines Meetings staubig geworden bin. Sei es, dass sich die isländische Vulkanasche nun gen Boden senkt, sei es, dass sich zwei Stunden wie zwei Wochen angefühlt haben, Fakt war, meine Hose ist irgendwie angestaubt gewesen.

19. April 2010
Man vergißt ja gelegentlich, dass der Inhalt noch so professionell aussehender - vor allem gedruckter - Dokumente nicht notwendigerweise gut oder richtig ist.

18. April 2010
Man kann in 75 Tagen per Bus von Hamburg aus und später dann der Seidenstrasse folgend bis nach Shanghai fahren! In einem Zeitungsiterview unterstreichen die Veranstalter, dass es sich dabei um eine äußerst umweltfreundliche Art des Reisens handle, da der durchschnittliche Spritverbrauch eines Busreisenden bei nur einem Liter Benzin pro 100km liege und somit viermal so niedrig wie bei Bahnreisenden (4 Liter) und ein vielfaches geringer als bei Flügen. Nachdem der islädische Vulkan den Europäischen Luftraum mittlerweile mehr oder weniger zum Erliegen gebracht hat, könnten solche Reisen ja durchaus in Mode kommen!

17. April 2010
Ein wirlich holländischer Tag: Besuch in einer Käserei in Gouda, etliches an belgisch-holländischer Geschichte und eine Besichtigung der Königlichen Porzellanmanufaktur in Delft. Man muss diese Art von Porzellan mögen. Es gibt sehr originelle Tulpenvasen , die allerdings ein kleines Vermögen kosten. Die eigenartigste und eine der wenigen modernen Dekore ist eine Serie, die sich Diskus nennt. Insbesondere “Diskus! Plate Men” ist bemerkenswert: "Erfolg ist nichts für Männer. Er macht sie zu sicher. Auf ihn allein gestellt denkt der Mann an sich nicht übers Leben nach. Ein erfolgsverwöhnter Mann meint, er hätte sich das alles selbst zuzuschreiben. So denkt er und deshalb muss er vom Leben ein wenig schikaniert warden. Das kann den gewünschten Effekt haben.“ Bemerkenswert ist auch der Text des “ Diskus! plate Chance ”: "Ich bin sicher, es ist kein zufall, dass wir hier gemeinsam an diesem Tisch sitzen. Manche Dinge können kein Zufall sein; jeder hat dafür Beispiele parat. Genauso meine ich, dass man nicht sagen kann, es gebe wahrscheinlich keinen Zufall, denn wer könnte sagen, wie hoch denn die Wahrscheinlichkeit sei, dass es keinen Zufall gibt?” Letzters könnte es unter Umständen, ja gleichsam zufällig, in meine Sammlung von Zirkeldefinitionen schaffen.

16. April 2010
Ist man schon allein deshalb kompetitiv, wenn man auf einen Diskussionspartner und damit einherhegehenden Schlagabtausch Wert legt?

15. April 2010
Ist es ein Zeichen von steigender Powerpointunverträglichkeit wenn man sich dabei ertappt, auf den leeren Kreis in der Mitte eines ringförmigen Diagramms zu starren und zu überlegen, ob man eine prinzipielle Präferenz für Tortendiagramme hat oder aus ästethischen Gründen doch eher zu Ringdiagrammen neigt?

14. April 2010
Ich habe gelsen, dass über die letzten Jahre vergleichsweise mehr und mehr Bienen im Winter sterben. Man fragt sich, was aus den Drohnen wird.

13. Aril 2010
T-Shirtaufdruck: Wir haben die Schafe erledigt.

12. April 2010
„Niemals das zu bekommen, was man will, bedeutet, nie das zu wolllen (oder danach zu streben) was man bekommt – außer, manchmal, wenn es einem weggenommen wird.“ Susan Sontag.

9. - 11. April 2010
London scheint zwar von der Rezession ein wenig mitgenommen, trotz allem werden aber bereits wieder durchdringende Slogans verwendet wie zum Beispiel: „Die Ikone – wiederersonnen“.

8. April 2010
Nach einer überdurchschnittlich langen Periode der relativen Namensstabilität bin ich heute wieder einmal kurzerhand umbenannt worden. Diesmal in den klingenden Namen Marlies.

7. April 2010
In einem sehr professionellen Vortrag wird die Verwendung eines Softwareclients für E-Mails auf dem Handy umfassend, ja nachgerade erschöpfend erklärt. Der Präsentator beginnt jeden Satz mit einem unnachahmlichen "unglücklicherweise". Sein bester Satz war: "Unglücklicherweise kann dieses Telefon nicht hochgerüstet werden, aber bitte schauen Sie trotzdem auf die eigens eingerichtete Internetseite für die Unterstützung nicht mehr unterstützter Geräte. Ich darf hinzufügen, dass Sie das selbstverständlich auf eigenes Risiko machen.”

5. April 2010
Sollte man einmal in die Verlegenheit kommen, eine Insel verkaufen oder kaufen zu wollen, bei Vladi Private Islands wird man sicher fündig! Man kann dort selbstverständlich auch eine Insel mieten.

4. April 2010
Frohe Ostern!

3. April 2010
Ostern ist Spammerhochzeit. Nachdem vor einiger Zeit die Welle der Viagraabgebote zugunsten der Valiumofferten abgebbt ist, nehmen in den letzten Tagen Angebote von Kredithaien zu. Viagra erfreut sich auch wieder steigender Werbeeinschaltungen, nunmehr auch in einer Generikavariante.

2. April 2010
Die Fotografin Bettina Rheims sagt, man müsse auch Geheimnisse vor sich selbst haben.

1. April 2010
Präsidentschaftswahlkampf in Österreich. Dem werten Bürger wird vom einen gesagt, „Unser Handeln braucht Werte“, von der anderen, es gebe „Ohne Mut keine Werte“.

31. März 2010
Helmi vom Kinderverkehrsclub gibt es immer noch, mittlerweile sehr zeitgemäß im Internet! Laut Wikipedia ist Helmi „eine weiße, eiförmige Figur mit sehr kurzen Armen und Beinen, die zur Hälfte in einem rot-weiß-roten Helm steckt“.

30. März 2010
Was man so an Hauptthesen einmal über Smalltalk gelesen hat, läßt sich in drei simplen Merksätzen, auf Neudeutsch "Take Home Messages", zusammenfassen: 1. Smalltalk ist nichts Schlechtes und nichts, wofür man sich an sich schämen muss. 2. Die Situation gibt einem das Thema. 3. Üben, üben, üben.

29. März 2010
Seit seiner Bestellung zum Minister (im Feb. 2009 als deutscher Wirtschafts-, jetzt als Verteidigungsminister) hat man sich – so scheint es - darauf geeinigt, "Karl-Theodor von und zu Guttenberg" aus Gründen der Einfachheit nur "Karl-Theodor zu Guttenberg" zu nennen. Dies wurde von allen Medien und auch trotz der manchmal etwas skurill doppelt nebeneinanderstehenden „zus“ konsequent duchgehalten. Seit er wegen der Kundusaffäre in Bedrängnis geraten ist, ist das zum Namen gehörige "zu" immer öfter weggefallen und scheint nun völlig abhanden gekommen zu sein.

28. März 2010
Ich habe gesehen, dass es sogar ein Buch darüber gibt, was man im Kindergarten fürs Leben lernen kann. Dort sind hehre Werte und grundsätzliche Verhaltensregeln vermerkt. Das meine ich allerdings nicht, wenn ich sage, dass meine drei Jahre im Kindergarten die wichtigste Lebensvorbereitung waren. Ich meine – und das ist nur der Beginn einer fortsetzungswürdigen Sammlung – Dinge wie: Rapide und teils unbegründete Änderungen werden nicht oder nicht ausreichend kundgetan, aber als bereits lange und gut bekannte Wahrheit verkauft: Im Beispiel: Kind A zu Kind B: `Morgen spiele ich mit Dir in der Ecke da drüben!` Am nächsten Tag sitzt Kind A mit Kind C in der bezeichneten Ecke, tut als wäre nichts geschehen, lächelt und auch allen anderen beteiligten Kindern scheint alles ganz normal.

27. März 2010
Wie ich am 6. Juni 2009 notiert habe, gibt es eine Buchhandlung im Brüsseler Zentrum, deren Eingang folgender Spruch ziert: ‚Vorsichtig austariert am Rande eines Loches in der Zeit’. Nun sehe ich heute ein Theater mit ebenderselben Widmung über dem Eingang. Gehören die Etablissements zusammen?

26. März 2010
Männer unter sich: A: Dein Kommentar während des (offiziellen geladenen) Essens heute Mittag war wirklich gut! B: Nun, eigentlich war es kein Kommentar sondern vielmehr ein Vorschlag, der nochdazu angenommen worden ist und zu einer erheblichen zahl an (selbstverständlich positiven) Änderungen führen wird! A: Richtig! Jetzt, wo Du es sagst, erinnere ich mich. Ein Geniestreich, gratuliere! Daneben war meine eigene Bemerkung natürlich unbedeutend, ja nachgerade überflüssig. B: Aber nein, Dein Beitrag was essentiell, ohne ihn wären wir nicht, wo wir jetzt sind!

25. März 2010
Wikipedia sagt uns, dass der Turm im Schach früher als Roch oder Roche bezeichnet wurde, wobei der Begriff auf das persische Wort roch oder ruch zurückgeht, das wiederum vom indischen Wort ratha für Streitwagen abgeleitet zu sein scheint. Daneben wird manchmal auch ein etymologischer Zusammenhang mit dem Vogel Roch aus der Sagenwelt diskutiert.
Die Darstellung des Turms resultiert aus Figuren, die einen Elefanten mit Turmaufsatz zeigten (allerdings nahmen die Elefanten in der indischen Schachform den Platz des heutigen Läufers ein).
Heute ist der Turm oder Roch die zweitstärkste Figur im Schachspiel. Aus diesem Grund wurde der Turm beziehungsweise Roch gerne als Wappenfigur verwendet. Im mittelalterlichen Schach war der Roch die stärkste Figur, weil der Fers noch nicht über die Zugmöglichkeiten der Dame verfügte. Der Fers (auch Fersan oder Alferza) war die Bezeichnung für eine im Schatrandsch, einer frühen Schachform, benutzte Schachfigur, die später durch die heutige Dame ersetzt wurde.
Im Ausdruck Rochade findet sich der alte Name des Turms wieder.

21. - 24. März 2010
Die letzten Tage waren hektisch, auch wegen der Vorbereitungen zur gestrigen Ausstellungseröffnung und Lesung. Der Abend gestern war dann aber sehr schön und ich glaube, es hat den Leuten recht gut gefallen!

23. März 2010
Ausstellungseröffnung und Lesung!

20. März 2010
Ich war wieder einmal in Oostende und habe meiner Puppe mit der mehr und mehr absplitternden Nase einen Besuch gezollt. Durch die vielen Schrammen schaut sie noch trauriger aus als vor einigen Jahren.

19 März 2010
Briefe können sich stapeln, Post kann sich türmen; was machen E-Mails? Läuft einfach nur das Postfach über?

18. März 2010
Übrigens finde ich mittlerweile, dass meine drei Jahre im Kindergarten die wichtigste Lebensvorbereitung waren. Nichts, was ich heute Tag für Tag an menschlicher Interaktion erlebe, das sich nicht schon dort einmal, zugegeben nicht ganz so subitil, abgespielt hätte.

17. März 2010
Je älter der Mensch, umso eher ist er wie es scheint am Phänomen Baustelle interessiert. Keine moderne Baustelle, an deren Umzäunung nicht der eine oder andere, meist im Durchschitt ältere Mitbürger steht und schaut.

16. März 2010
Führen Smartphones und Blackberries zu verstärkter Hornhautbildung an den Fingerkuppen?

15. März 2010
Ich finde das Video zu “Serious” von Richard Hawley sehr witzig.

14. März 2010
Bilder für eine Ausstellung auszusuchen und einzurahmen bringt einen dem eigenen Bild näher. Man ist gezwungen, sich mit den Bildern sehr ganau auseinanderzusetzen, auf die eine oder andere Art und Weise.

13. März 2010
Adam war der erste Entwurf für Eva. Jeanne Moreau

12. März 2010
Ich glaube fest daran, dass es Menschen gibt, die bei anderen, geistig ansonsten völlig gesunden, schwere Anfälle von Tourette-Syndrom auslösen können.

11. März 2010
Großstadtlegende: angeblich hat es in Wien einen Medizinstudenten gegeben, der einen menschlichen Oberschenkelknochen als Schalthebel im Auto montiert hat. Er ist angeblich auch vom Medizinstudium ausgeschlossen worden, ob wegen Pietätlosigkeit oder wegen Entwendens von Forschungsmaterial ist nicht ganz klar.

10. März 2010
Vernissage (Broken Muses) und Lesung (Margit Kuchler-D´Aiello liest aus ihrem Buch Portrait eines Balkonsitzers) am 23. März in Brüssel!

9. März 2010
Das Neueste aus den Buchhandlungen in Wien: Ich suche eine Birografie des Grafen Portemkin und finde nur eine von Anderas Hofer, Held und Rebell der Alpen, wie es im Titel klingend heißt. Weiters scheint folgender Titel eine Verkaufsschlager zu sein: 'Ich dachte, ich wäre ein Panther – Die Geschichte einer Ente auf der Suche nach sich selbst'.

8. März 2010
Wien, Paßamt. Nach langem Warten ist man endlich an der Reihe, hebt gerade an, das eigene Anliegen zu beschreiben nur um sofort wieder vom Klingeln des Amtstelefons unterbrochen zu werden. Aus den brummenden Kommentaren des Fräuleins vom Paßamt läßt sich schließen, dass sich der Anrufer anscheined nach den Gepflogenheiten eines Paßantrags für ein Neugeborenes erkundigt. Das gelangweilte Fräulein zeigt latent passiven Widerstand, indem sie die Frage auf die Ebene des Theoretischen hievt und unwirsch leiert: Sie brauchen ein Paßbild, einen Staatsbürgerschaftsnachweis, eine Geburtsurkunde und - vor allem - ein Baby.

7. März 2010
Es blühen immer Blumen für die, die sie sehen wollen. Henri Matisse.

6. März 2010
Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken. Hermann Hesse.

4. März 2010
Jetzt geht zwar die Tastatur wieder und auch das M ist gerettet, dafür ist das Mauspad nicht mehr einsatzfähig.

3. März 2010
Ich habe Wasser über meine Computertastatur geschüttet. Unabsichtlich. Beim Trocknen ist mir das M abhanden gekommen. Die Taste. Ärgerlich!

2. März 2010
Probleme sind etwas von vorgestern. Gestern hatten wir Herausforderungen. Heute, nun, heute gibt es lediglich noch Opportunitäten, Gelegenheiten also. Alles, selbst die herausforderndste, die problematischste Situation ist so zu einer meist inhärent guten Gelegenheit geworden. Im Orwellschen Neusprech würde so etwas wahrscheinlich sogar als Paradigmenwechsel angesehen werden. Aber das wäre dann schon fast ein Gedankenverbrechen.

1 März 2010
Ich habe heute gelernt, dass bewußtes Verhalten aus folgenden sechs Phasen besteht: 'Beobachten, Orientieren, Planen, Lernen, Entscheiden, Handeln'

27. Februar 2010
Warum ist der Film Up In The Air für 6 Oscars nominiert?

26. Februar 2010
Bis vor kurzem habe ich täglich zwischen drei und fünf Werbemails erhalten, die mir zum Ankauf von Viagra geraten haben. Seit einigen Tagen hat sich das insofern verändert, als mir nun Valium angepriesen wird. Was wollen mir die Spammer damit eigentlich mitteilen?

25. Februar 2010
Nachdem ich in der letzten Dekade ja an zahllosen Besprechungen teilgenommen habe, kann ich meine wesentlichen Erkenntnisse kurz zusammenfassen: Männer reden gerne mit Männern. Ooder auf diese ein - das ist Anssichtssache. Dabei ist der eigentliche Inhalt des Diskurses nebensächlich, allein das Adressieren des jeweiligen Geschlechtsgenossen gibt ihnen wie es scheint Zuversicht, Bestätigung und Selbstvertrauen. Was auch auffällig ist: Männer neigen in dieser Situation auch dazu, ihre Ausführungen mehrfach wortreich zu wiederholen.

24. Februar 2010
Das Französische kennt 8 Ausdrücke für Suppe: Bouillon, Consommé, Crème, Bisque, Potage, Soupe, Potée und Verlouté.

23. Februar 2010
Was ich zu erwähnen vergessen habe: Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen, in dem über die neuesten Forschungserkenntnisse der Gehirnforschung berichtet wurde. Demnach ist das Vergessen - entgegen der bisherigen Meinung - ein aktiver Prozess des Gehirns, der relativ aufwendig ist.

22. Februar 2010
Von wegen Gleichberechtigung: Ein 15cm langer Kratzer auf einem Auto, das bisher von einem Mann gefahren wurde, wird vom Gutachter als minimaler, durch Politur behebbarer Schaden gekennzeichnet. Drei kaum erkennbare Punkte auf einem bisher von einer Frau gefahrenen Wagen werden demgegenüber als schwerer Schaden bezeichnet.

21. Februar 2010
So nun wissen wir es, Tiger Woods hat sich angeblich entschuldigt. Man kann auch wortreich schweigen und dabei sein Publikum langweilen. Übrigens hätte diese Entschuldigung zu fast allem gepasst, was er nämlich genau auf dem Gewissen hat, blieb eher im Dunklen.

20. Februar 2010
Vernissage der Fotocollagen von Bernadette Reginster. Interessant!

19. Februar 2010
Der Text beziehngsweise das Lied Puttin' on the Ritz hat ein sehr ungewöhnliches Versmaß und wird laut Wikipedia von Musikwissenschaftlern als 'komplex und provokant' beschrieben. Es hat die Form von AABA mit einem Vers. Kennzeichnend sind angeblich in den A-Teilen, dass die rythmische Auflösung erst mit einiger Verzögerung vorgenommen wird, was auch durch den Tecxtunterstrichen wird. Der marschähnliche B-Teil dient als Kontrast dazu.

18. Februar 2010
Ein Reisebüro, über das ich kürzlich gestolpert bin, bietet Pauschalreise nach Saudi Arabien an, wobei für Damen eine Burka im Reisepreis inklusive ist. Sie wird kurz vor derAnkunft noch im Flugzeug ausgeteilt.

17. Februar 2010
Manche Tagebücher, insbesondere wenn sie von einem Sohn oder einer Tochter der verstorbenen Berühmtheit editiert und als Buch herausgegeben worden sind, können nur als moderates Mittel gegen Schlaflosigkeit angesehen werden.

16. Februar 2010
Buchbeschreibungen, die einen ratlos zurücklassen: 'In jedem Holländer steckt ein Finne.'

15. Februar 2010
In letzter Zeit sind sehr eigenwillige Buchtitel modern: 'Nur ich sag ich zu mir' von Ellis Kaut (Pumucklautorin)

14. Februar 2010
Die Wirtschaftskrise treibt gar sonderbare Blüten, wie diesen Rap zwischen Keynes und Hayak. Angeblich wird der Rap bereits an Universitäten verwendet, um die Tehorien von Keynes und Hayek verständlich –oder unterhaltsam - darzustellen.

12. Februar 2010
Immer noch krank.

11. Februar 2010
Für all jene, die sich um das Schicksal des Perlhuhns (siehe 16. Dezember 2009 und fortfolgende Tage) sorgen: mittlerweile stinkt es nicht mehr und hat sich von der eisigen Terrasse ins warme Innere gemausert.

10. Februar 2010
Warum glauben manche Menschen, dass, wenn sie einem ihr altes, gelesenes Exemplar des 'Economist' aushändigen, man vor Freude und Dankbarkeit kaum noch an sich halten können soll?

9. Februar 2010
Der amerikanische Fotograf Leonard Freud sagt, je mehrdeutiger ein Foto ist, desto besser.

5. – 8. Februar 2010
Eine Angina zu haben ist schlimm genug, aber dann auch noch am Wochenende einen Arzt aufzutreiben, der Antibiotika verschreiben kann, ist eine wahre Herausforderung. Nun, eine an sich nicht unnette Apothekerin hat mich also zu einer Adresse eines Wochenenddienstes in der Innenstadt geschickt, die sich als Adresse eines Brüsseler Innenstadtspittals entpuppt hat. Es war natürlich geschlossen. Justament als ich an der Glocke am Haupteingang läuten wollte, sagt eine Dame im Vorbeigehen, dass das ihrer Erfahrung nach überhaupt nichts bringt und man stattdessen über die Garage des Spittals ins Innere vordringen müsse. Ich folge ihr also durch eine finstere Garage ine einen Lift, der aber leider nicht im Erdgeschoss anhält. Der Halteknopf für 'Erdgeschoss' ist unbedienbar. Im 5. Stock steigt sie aus und verschwindet in der geriatrischen Abteilung. Ein junger Mann mit enorm gewschwollener Backe steigt dort zu und versucht sich – vergeblich - ebenfalls am Erdgeschosshalteknopf. Gemeinsam steigen wir jeweils in der vierten, dritten und zweiten Etage aus, wandern durch verlassene, teilweise unbeleuchtete Gänge, Baustellen, stoßen an verschlossene Türen mit merkwürdigen, vor diversen Gefahren warnenden Aufklebern und finden schlußendlich einen anderen Aufzug, der uns im Erdgeschoss ausspuckt. Dort ist es nicht minder gruselig. Die Halle ist kaum beleuchtet, alle Geschäfte sind geschlossen und der Informationsschalter ist selbstverständlich unbemannt. Unvermutet kommt uns ein junger Mann entgegen und fragt hoffnungsvoll, ob wir auch den Ausgang suchen würden, er irre schon seit einiger Zeit umher. Wir verneinen und geben zu verstehen, dass wir jeweils auf der Suche nach einem Arzt wegen einer Schwellung an der Backe und im Hals seien, dass wir ihm aber helfen könnten, da es ja noch immer den Ausgang über die Garage gäbe...
Die Moral von der Geschichte: Ich hätte einfach nur anläuten müssen. Die Glocke am Haupteingang war der direkte Zugang zu einem überaus freundlichen Wochenendservice, samt kompetenter Schwester und Ärztin, die mich sofort untersucht und alsbald mit Rezept und dem Wunsch baldiger Genesung entlassen hat.

4. Februar 2010
Zeichen von Überforderung? Antwort eines gestressten Menschen auf eine simple Frage: 'Was ich damit meine? Ich habe das geschrieben, also muss ich mir damals etwas gedacht haben.'

3. Februar 2010
Manipulation oder sympathische Umschreibung von 'ich will'?
Wenn Du einen Kuchen nimmst, nehme ich auch einen!

2. Februar 2010
In den Kantinen von gestern werden die Gerichte von vorgestern mit Namen von heute versehen, ohne dass sich auch nur das Geringste verändert hätte. Zum Beispiel heißt nun ein kohlehydratreicher, sonst aber weitgehend geschmackfreier ordinärer Linseneintopf mit zerkochtem Reis auf einmal Linsencurry auf Basmatireis.

1. Februar 2010
Die Schaufensterpuppenseite steht nun überarbeitet und mit neuen Bildern bereit!

31. Jänner 2010
Der Brüsseler Flohmarkt war heute schöner als sonst, vielleicht wegen der Kälte und der Wintersonne, oder weil es viele, schön arrangierte Waren gegeben hat.

30. Jänner 2010
Nach einiger Zeit bin ich wieder einmal über eine sehr ausführliche Beschreibung zum Thema richtiges Händewaschen gestolpert. Man rät zu folgender Routine:
1. Machen Sie Ihre Hände mit Wasser nass.
2. Geben Sie 3 bis 4 ml flüssige Seife in Ihre Hände.
3. Seifen Sie Ihre Hände mittels Reibebewegung für die Dauer von 30 Sekunden ein und achten Sie dabei darauf, dass auch wirklich alle Stellen an Händen und Fingern umfassend eingeseift werden.
4. Spülen Sie Ihre Hände und trocknen Sie sie mit einem Papierhandtuch ab.
5. Drehen Sie den Wasserhahn mit dem Papierhandtuch zu, um eine erneute Verschmutzung Ihrer Hände zu vermeiden.
Als ware das alles nicht schon kompliziert genug - ich möchte nur an die logistische Herausforderung Wasser, Flüssigseife und Papierhandtuch erinnern - so kommt die beste Anweisung erst noch danach: 'Vermeiden Sie es während des Tages Ihr Gesicht mit den Händen zu berühren!' In Zukunft also nur noch nachts...

29. Jänner 2010
Ein sehr inspirierendes Video eines neuen EU-Kommissars!

28. Jänner 2010
Jetzt ist es offiziell, der Himmel ist nicht nur auf Erden, sondern in Belgien! Eine belgische Schokolademanufaktur rühmt sich auf der Verpackung ihrer Schokolade mit folgendem Satz: 'Schokolade, die im Himmel gemacht wurde.' Ein paar Zeilen darunter steht auch 'Hergestellt in Belgien'.

27. Jänner 2010
Giorgio Armani soll gesagt haben 'Man sollte sich nicht für den Job kleiden, den man hat, sondern für den, den man will.' Die letzten Tage über habe ich etwa so ausgesehen, wie auf diesem Bild. Nun ja, das ist natürlich übertrieben. Trotzdem hat man sich natürlich frei nach dem Motto 'Eine dezent gekleidete Frau ist wie eine Perle in ihrer Muschel' zu bewegen.

23. – 26. Jänner 2010
72 Stunden in Teheran. Wie so oft habe ich auch im Iran wieder einmal Schwierigkeiten mit meinem Namen gehabt. Es hat schon damit begonnen, dass ich überall unter dem Namen Brandi registriert war, was an sich zwar nicht so gut wie Brando aber dann auch wieder nicht so schlecht war. Leicht ungehalten bin ich geworden, als mich eine Dame, die den Zugang zum Hotelfrühstückraum kontrolliert hat, unsanft gefragt hat, wo denn mein Mann sei, Herr Margit Brandi. Die Bemerkung, es müsse sich wohl um ein Mißverständnis handeln und ich sei wohl als Mr. statt als Mrs. registriert, ist an ihr abgeprallt. Stattdessen hat sie am Computer eine eingescannte Kopie meines Reisepasses aufgerufen, auf das Bild gedeutet und gesagt: Das sind nicht Sie, das ist Ihr Mann!.
Auch kurz bevor ich das Land dann wieder verlassen habe, sind mir noch die netten Worte 'Thank you Sir' mitgegeben worden.
Ich nehme an, dass unter der gegenwärtigen Kopftuchpflicht im Iran die ortsansässige Friseurlobby relativ schwach ist. Das würde auch folgenden Wortwechsel erklären: Ich rufe die Hotelrezeption an und frage höflich nach einem Haarfön. Die Stimme am anderen Ende sagt sehr barsch: 'Nur für Männer' und legt auf.
Der überdachte Basar in Teheran ist mit 10 Kilometern Ausdehnung angeblich der größte seiner Art auf der Welt. Interessanterweise hat er sich als Paradies für männliche Schaufensterpuppen herausgestellt! Obwohl ich eigentlich ja nicht auffallen wollte, habe ich dann natürlich doch die Kamera hervorgekramt und einige Bilder gemacht. Das ist natürlich nicht unbemerkt geblieben und hat mich in ein paar ganz nette Unterhaltungen mit den ortsansässigen Geschäftsinhabern verwickelt. Nebst derobligaten Frage nach dem Warum des Schaufensterpuppenfotografierens war auch das Moralverhalten westlicher Frauen von großem Interesse. Etwas voreilig habe ich sowohl bei der Frage, ob ich einen Ehemann hätte, als auch bei der, ob ich einen Freund hätte, genickt. Es war eher schwierig, das dadurch entstandene Bild wieder geradezurücken, nachdem dann vor allem interessiert hat, ob der Ehemann nicht ob des Freundes eifersüchtig sei.
Was auch noch von Interesse sein dürfte: Meine Webseite www.brokenmuses.com war vom Iran aus leider nicht zugänglich.

22. Jänner 2010
Spruch auf einer Postkarte: Gefühle sind unvernünftig. Das zeichnet sie aus. (N. Stoffel)

21. Jänner 2010
Oskar (das Skelett) ist wieder unbemerkt quer durch die Stadt gereist und gut zu Hause angekommen.

20. Jänner 2010
Der Oskar ist ein dankbares Fotomodell. Nach der anstrengenden Session gestern hat er heute wieder sehr manierlich posiert! Morgen muß ich ihn leider wieder zurückgeben.

19. Jänner 2010
Brüssel ist liberal und das fasziniert und hält mich hier. Man könnte statt Liberalität auch Wurstigkeit sagen, wollte man sehr kritisch sein, das käme wohl aufs selbe hinaus. Wie auch immer. Was passiert ist, war nicht viel. Und doch. Ich habe mir nach langem Lobbying - aber das ist eine andere Geschichte - ein Skelett ausborgen können. Es ist aus echten Knochen. Ein Mann. Die Besitzerin nennt ihn Oskar. Der Oskar ist dann also am Beifahrersitz sitzend mit mir quer durch Brüssel nach Hause ins Studio gefahren. Und keiner, wirklich niemand, hat ein Auge aufgerissen! Das lobe ich mir!

18. Jänner 2010
Es scheint, dass ich auch in diesem Jahr wenig Glück mit der korrekten Wiedergabe meines Namens habe. Heute habe ich gelesen, ich hieße Dr. Branol, was mich stark an den ersten und mir am stärksten in Erinnerung gebliebenen Fehler erinnert; damals, vor Jahren, hat mich ein der Inhaber eines italienischen Fotolabors mit einem entwaffnenden Lächeln Signora Brando genannt!
Kommentar: Du solltest ernsthaft darüber nachdenken, Deinen Namen auf Schmidt oder Smith zu ändern!

17. Jänner 2010
Aus der Sammlung der nicht ganz so schlimmen Beleidigungen: 'Oh, ich habe Dich gar nicht erkannt. Du bist blonder als zuletzt!'

16. Jänner 2010
Mein Name ist wieder einmal falsch geschrieben worden. Diesmal habe ich auf einer Hotelreservierung 'Brendl' geheißen. Netterweise war der Spruch des Tages an der Hotelrezeption: 'Falsch und falsch ergibt zusammen leider kein Richtig, aber immerhin eine gute Ausrede!' (Thomas Szasz)

15. Jänner 2010
Ausgangssituation: Zwei Bettler, Vater und kleiner Sohn, sitzen am Trottoir und sehen de Vorübereilenden sehnsüchtig an.
Was dann geschieht: Eine ältere Frau drückt beiden resolut und in kürzester Zeit jeweils einen knallgrünen Apfel in die Hand.
Danach: Beide, Vater und Sohn, schauen drein wie die sprichwörtlichen Autobusse.

14. Jänner 2010
Auf der Verpackungsschachtel eines bekannten Herstellers von Boxen für Stereoanlagen habe ich folgenden Werbespruch gelesen: 'Verführt vom Design und umgeben vom Klang'. Klingt nach viel Lärm.

13. Jänner 2010
Unlängst habe ich ein Mädchen mit einer Umhängetasche mit folgendem interessanten Aufdruck gesehen: 'Generation MTV – offizieller Sponsor von Freundschaften'

12. Jänner 2010
Apropos Äthiopien: Viele Schulen dort haben ihr eigenes Motto. Besonders gefallen haben mir: 'Ignoranz ist die schlimmste Form der Dunkelheit' und 'Wissen kann Dir niemand mehr nehmen'.

11. Jänner 2010
Endlich sind die Äthiopienbilder auch online!

10. Jänner 2010
Und wieder Kaffee. Eine sehr amüsante Darstellung zu den 15 Dingen, die man über Kaffee wissen sollte, findet sich hier (leider nur auf Englisch). Sehr skurril auch die Kunstwerke von Karen Eland, die mit Kaffee malt und so berühmte alte Kunstwerke nachmalt. Es würde mich ja interessieren, wie lange diese Werke noch nach Kaffee riechen! Auch sehr interessant: Eine Mona Lisa, die aus 3.604 gefüllten Kaffeebechern besteht, wobei die Abstufung und Schattierung durch die verschiedenen Brauntöne des Kaffees entsteht.

9. Jänner 2010
Wieder einmal eine Geschichte rund um Nespresso. Der neueste Werbespot ist ja wirklich gelungen, das muss man Nespresso neidlos zugestehen. Was aus der Kurzzfassung nicht so hervorgeht, man aber aus der Langfassung meiner Meinung nach durchaus ableiten kann, ist, dass Nespresso nichts Himmlisches ist, denn andernfalls wären Maschine und Tabs dort bereits verfügbar :-)

8. Jänner 2010
Elvis lebt. Das Brüsseler Manneken Pis war heute anlässlich des heutigen Geburtstags von Elvis (8.1.1935) als Elvis gekleidet. Leider war ich 30 min zu spät dran und es war bereits wieder nackt...

7. Jänner 2010
Den Tag mit einer Zugreise um 6:54 zu beginnen ist an sich schon unangenehm genug. Besonders unangenehm aber wird es dann, wenn eine metallische Stimme ohne einen Deut des Bedauerns um 6:53 bekannt gibt, dass der Zug ausfallen wird, natürlich ohne Benennung irgendwelcher Gründe und zudem die generelle Öffnungszeit aller im und um den Bahnhof gelegenen Cafés 8 Uhr 30 ist.

6. Jänner 2010
In Amsterdam gibt es ein kleines Brillenmuseum, in dem an die tausend Brillen der unterschiedlichsten Epochen ausgestellt sind, unter anderem auch Monokel. Monokel sind, so die Ausführungen im Museum, ursprünglich als Vergrößerungsgläser verwendet worden und 'als spielerisches Element, um Distanz herzustellen'. Weiters, so der Begleittext, waren sie, als es Mode wurde, sie in einem Auge festgeklemmt zuhalten, ein 'bevorzugtes Accessoire für Exzentriker',

5. Jänner 2010
Der neueste Trend bei T-Shirtaufdrucken in Amsterdam ist 'I am Sterdam'. Auch in Amsterdam entdeckt: Eine Spardose mit Obamas Konterfei mit dem großen Aufdruck 'Change' (Wechselgeld). Auch interessant ein Modegeschäft namens UN, wobei UN hier für 'United Nudes' (vereinigte Nackte) steht.

4. Jänner 2010
Die Zeitung rät dazu, immer über mehr Wissen zu verfügen, als man zeigt.

3. Jänner 2010
Georg Diez fragt in der Süddeutschen Zeitung: Wenn so viel passiert, warum ereignet sich so wenig?

1. Jänner 2010
Broken Muses wünscht ein Gutes Neues Jahr 2010!

31. Dezember 2009
Wenn ein Restaurant mit dem Slogan 'Die Geduld ist eine Schwester der Klugheit' wirbt, verheißt das nichts Gutes…

29. Dezember 2009
Neue Buchtitel, die mich zusammenziehen: 'Die Kunst des Gedankenlesens', '111 Gründe, ein Spießer zu sein' und 'Ich bin nun mal dick'.

28. Dezember 2009
Ich hätte beinahe eine Mundl-Box gekauft und all das nur wegen dem gratis beigepackten Rippflanellunterleiberl mit dem Spruch: Mei Bier is net deppat!

27. Dezember 2009
Zitate wahre Freunde: '… und wenn Du mich in Amerika besuchen kommst, komm an einem Dienstag. Dienstagabend ist gut, Dienstagabend habe ich Zeit!'

26. Dezember 2009
Familiengeschichten. Weihnachtsessen. Die allseits unbeliebte, langjährige Freundin des verstorbenen Großvaters - vulgo: die Hexe - sitzt am Nebentisch und wird aus diversen Augenwinkeln kritisch beäugt. Nach einiger Zeit grüsst sie und geht. Man geht nach einer Weile auch und stellt dabei fest, dass einer der guten familieneigenen Mäntel von der Garderobe verschwunden und gegen einen schäbigen, abgetragenen Mantel ersetzt worden ist. Der Verdacht wird zur Gewissheit, es kann nur, ja es muss geradezu die Hexe gewesen sein. Da sie kein Telefon hat, wird sie aufgesucht und milde aber bestimmt zur Rede gestellt. Sie schleppt, ihre Unschuld beteuernd alle im Laufe eines langen Lebens erworbene Mäntel auf die Strasse. Die Familie zieht unverrichteter Dinge ab. Der unbekannte Mantel wird ins Lokal zurückgebracht. Man tauscht Geschichten über vertauschte Schirme und Hüte aus. Der eifrigste Erzähler steigert sich hinein, ist erbost, gibt Geschichten über letzte, übriggebliebene Hüte und Schirme zur Sperrstunde preis. Kurz später will auch er gehen, findet seinen Mantel nicht. Der ist im Lokal zurückgeblieben…

24. und 25. Dezember 2009
Frohe Weihnachten!

23. Dezember 2009
Fahrt nach Österreich. Alle 20 Minuten wurde im Radio die Nachricht des Tages eingespielt, Schumacher kehrt in die Formel 1 zurück. Als hätten wir weltweit keine anderen Sorgen. Immer wieder interessant sind die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich. In Deutschland darf man oft so schnell fahren, wie man möchte, dafür gibt es ab und zu Autobahnkirchen. In Österreich wird anders vorgegangen. Man hat den direkteren Weg gewählt und Plakate aufgestellt, bei denen das Wort 'Tod' mit einem Sicherheitsgurt durchgestrichen ist.

22. Dezember 2009
Es taut. Das Perlhuhn ist wieder sichtbar.

21. Dezember 2009
Immer wieder bin ich fasziniert von Nachrichten, die man von sogenannten Social Networking Sites erhält. XYZ hat angegeben, dass Sie mit ihm/ihr befreundet sind. Wow! Wie im Kindergarten. Dort war es allerdings unmittelbar und man wurde noch direkt gefragt, ob man XYZs Freund sein möchte oder nicht.

20. Dezember 2009
Heute Morgen hat noch die Perlhuhnschnabelspitze hervorgelugt, mittlerweile ist das Perlhuhn vollständig unter einer Schneedecke begraben. Ein Schneehügel erinnert vage an seine Form und Größe.

19. Dezember 2009
Es hat tagsüber nur minus 7 Grad gehabt und im Weihnachtsstress rutschen die Autos über eisige Strassen. Sogar die Schoßhündchen sind bekleidet. Ich habe eines im Piratendress mit Jolly Roger Aufdruck gesehen. Gruselig.

18. Dezember 2009
Das Perlhuhn stank und musste daher auf die Terrasse ausweichen. Jetzt ist es eingeschneit. Was dem Perlhuhn an sich ja selten passiert, nehme ich einmal an, zumal es ja eher in warmen Regionen beheimatet ist. Schnee in Brüssel ist auch eine Seltenheit, vor allem gleich 10 Zentimeter und Schnee, der liegenbliebt!

17. Dezember 2009
In der Zeitung war ein Transparent eines Demonstranten beim Kopenhagener Klimagipfel abgebildet. Der Spruch darauf war in seiner Schlichtheit genial: There is no planet B – Es gibt keinen Planeten B.

16. Dezember 2009
Ich habe ein Perlhuhn geschenkt bekommen. Es handelt sich um ein Helmperlhuhn, nicht zu verwechseln mit dem Weißbrust-Perlhuhn oder gar dem Kräuselhauben-Perlhuhn! Nein, es ist nicht echt, es ist aus Terrakotta. Es beschäftigt mich aber, zumal es etwa lebensgroß ist und bei enormem Körper nur auf einen sehr kleinen Kopf kommt. Wikipedia lässt uns wissen, dass man von mehreren Perlhuhnarten weiß, dass sie Affen folgen, um die von ihnen fallen gelassene Nahrungsreste zu vertilgen. Helmperlhühner halten sich hierbei oft an Paviangruppen. Auch interessant ist, dass Perlhuhnpaare 'saisonal monogam' leben.
Was auch interessant ist, ist das 1.500 Menschen zählende und bedrohte Volk der Karo in Süd-Äthiopien. Die männlichen Karo schminken und bemalen sich anlässlich lokaler Feste oder Tänze etwa mit weißen Punkten als Perlhuhn oder gelb als Leopard, wobei das Schminken Tage dauern kann. Man kann durchaus nachvollziehen, dass ein Volk als bedroht gilt, bei dem sich die Männer als Perlhühner verkleiden…

14. Dezember 2009
Karl Lagerfeld hat kürzlich in einem Interview gesagt, er hätte das perfekte Photo noch nicht aufgenommen. Geht mir genauso.

13. Dezember 2009
Ich vergesse immer wieder, wie viele Galerien es in Brüssel gibt und wie viele kleine, unbeachtete, aber sehr nette Details die Stadt als ganzes hat.

12. Dezember 2009
Sehr schöner T-Shirtaufdruck, sehr belgisch: Abhängig von belgischer Schokolade. Ich habe heute auch eine sehr interessante, geheimnisvolle Muse gesehen; vielleicht lässt sich diese Schaufensterpuppe sogar in meine nächste Ausstellung einbauen!

12. Dezember 2009
Sehr schöner T-Shirtaufdruck, sehr belgisch: Abhängig von belgischer Schokolade

11. Dezember 2009
Mir gefällt ja an sich die Kreativität des Ansatzes sehr, eine Anleitung zu schreiben, wie man sich die Hände richtig wäscht. Das hat Potential!

10. Dezember 2009
Ich habe wieder einmal einige T-Shirtsprüche notiert. Einer war einfach und lautetet 'Nobel', ein anderer 'Mr. Zero'. Sehr unterschiedliche Ansätze, wenn man darüber nachdenkt. Ein stolz präsentiertes 'Pyromane' und ein 'In dem Fall möchte ich lieber tanzen' waren auch ein schönes Sprüchepaar, obwohl sich die jeweiligen T-Shirtbesitzer wohl nie über den Weg laufen werden.

9. Dezember 2009
Ein fast surrealer Dialog: Ich: Grüß Gott, wir sind hier für eine Besprechung mit Herrn X und Frau Y, mein Name ist Brandl. Mein Gegenüber: Genau. Ich, leicht verstört: Ja. Und Sie waren? Gegenüber: Genau. Ich: Und Ihr Name war? Antwort: Genau. Frau Y ist krank. Herr X taucht auf und sagt: Wie Ihnen Herr Genau ja schon gesagt hat, ist Frau Y krank…

8. Dezember 2009
Wer hat eigentlich die Idee gehabt, in Streifen geschnittene Karotten als Snack bei Empfängen anzubieten? Man isst und glaubt, gegessen zu haben und spuckt trotzdem mehr oder weniger und es ist einem je nach Gegenüber entweder eher peinlich oder eher recht.

7. Dezember 2009
Die Wirklichkeit hat mich wieder; ich habe meinen Namen heute als Frau Brendel geschrieben gesehen… Was bleibt mir da noch übrig zu sagen?
Vielleicht etwas zur Ironie des Schicksals: ich schleppe kiloweise äthiopischen Kaffee mit nach Europa, davon verschiedene Sorten für meine Eltern. Und was haben meine Lieben in der Zwischenzeit gemacht? Sich eine Nespressomaschine für Kapselkaffee gekauft…
Kommentar: Wir bereuen es eh zutiefst, der Werbung erlegen zu sein! Bussi Ma&Pa

6. Dezember 2009
Ich hab so viele Eindrücke aus Äthiopien mitgenommen, so viele Bilder. Besonders in Erinnerung ist mir ein kurzer Austausch hinsichtlich meiner Frage, wo sich das Stadtzentrum befinde. Ich wollte ein hier hinaus und dann links hören oder ein vages Deuten in eine Richtung sehen, Stattdessen war ich mit der simplen, aber durchaus interessanten und nicht im Mindesten zynischen Gegenfrage 'Was bedeutet Stadtzentrum?' konfrontiert. Eine gute Frage. Für ein paar Momente musste ich nachdenken, bevor ich dann völlig unoriginell 'Strassen, Häuser, Geschäfte' hervorgebracht habe. Beim Wort 'Geschäfte' hat sich das Gesicht meines Gegenübers auf einmal aufgehellt und er hat bedeutungsschwer 'Ah, Geschäfte!' wiederholt und dann sehr bestimmt in eine Richtung gedeutet.

5. Dezember 2009
Ich bin wieder in Brüssel und habe eine ganz schlimme Verkühlung. Wer hätte sich gedacht, dass man sich in Afrika verkühlen kann? Hat es nicht geheißen, dass es dort immer heiß ist?
Was ich definitiv vermissen werde ist ein Wort, das mir in Äthiopien sehr ans Herz gewachsen ist: Ischi. Ischi wird sehr oft verwendet, meist wie ein Seufzer gehaucht und kann vieles heißen. So etwa: ja; ok; ich verstehe; stimmt; sehe ich auch so; schauen wir einmal; schauen wir einmal, was sich machen lässt; ich werde tun, was in meiner Macht steht; vielleicht glaubst du jetzt, dass ich tue, was in meiner Macht steht, darin täuscht du dich aber ordentlich; nein; nicht wirklich; na ja; vielleicht; eventuell. Ischi ähnelt somit dem österreichischen 'eh', ist aber noch mächtiger. Ein schönes Wort!

4. Dezember 2009
Mein letzter Tag in Addis und so viel ist noch zu tun. Die letzten Bilder wollen fotografiert werden, die letzten Filme zum Entwickeln gebracht, die letzten Mitbringsel gekauft werden. Gerade als mir alles ein wenig zu stressig wurde habe ich einen Burschen mit dem schönen T-Shirtspruch: 'Too blessed to be stressed' (zu sehr vom Glück verwöhnt um gestresst zu sein) gesehen.

3. Dezember 2009
Etwa anderthalb Fahrtstunden außerhalb von Dire Dawa hat man vor ein paar Jahren 7000 Jahre alte Höhlenmalereien entdeckt. Auf den ersten Blick ist man einmal enttäuscht. Zwei, drei blasse Bilder und das soll die lange Fahrt über schlechte Strassen wert gewesen sein? Je länger man aber vor der Höhlenwand steht, desto mehr sieht man. Am Ende sind es hunderte verblasste aber doch sichtbare Darstellungen!
Dire Dawa sebst ist eine große Stadt, die aber erst hundert Jahre alt ist. Ursprünglich hätte die Addis Abeba-Djibuti-Eisenbahnlinie über Harar geführt werden sollen. Das war dann aber ob der abgelegenen Lage von Harar in den Bergen budgetär unmöglich und so hat man beschossen, einen Zwischenbahnhof im damals noch kleinen Dire Dawa zu bauen. Was dort für mich am interessantesten war, war definitiv der Bahnhof und das Bahnhofsgelände, auf dem viele alte, ausrangierte Wagons und Loks stehen. Sehr pittoresk! Ein gefundenes Fressen für Bilder des Unbeachteten, Weggelegten!

2. Dezember 2009
Von Dire Dawa aus fährt man etwa eine Stunde nach Harar, der nach Mekka, Medina und Jerusalem viertwichtigsten muslimischen Stadt. Harar hat einen intakten, von einer Mauer umgebenen Stadtkern, der mich an viele Städte im Jemen erinnert hat. Die 89 Moscheen der Stadt sind oft winzig und in Innenhöfen von Wohnhäusern verborgen. Wasser ist ein rares Gut und das Leben in der Stadt scheint sich großteils im kampf für genug Trink- und Brauchwasser abzuspielen.

1. Dezember 2009
Äthiopien folgt dem julianischen Kalender und wirbt mit 13 Monaten Sonnenschein. Nachdem es auch die letzten beiden Tage immer wieder leicht geregnet hat, es ansonsten auch eher bedeckt war und im Juli und August zwei Monate lang Regenzeit herrscht, wage ich diese kühne Behauptung in Frage zu stellen.
Zugegebenermaßen war es einfacher, nach Dire Dawa zu fliegen, als wieder 550 Kilometer mit dem Auto zu fahren. Trotzdem entgeht einem auch vieles, irgendwie das Reisen an sich. Wie auch immer, auf den ersten Blick wirkt Dire Dawa, die zweitgrößte Stadt Äthiopiens nach Addis und Sprungbrett nach Harar, sehr sauber und aufgeräumt.

30. November 2009
Heute war ein Tag an dem ich zu den vielen Schuhputzern, die hier in den Straßen ihre Dienst anbieten, endlich nicht mehr nein sagen wollte. Also habe ich mich schweren Herzens mit furchtbar dreckigen Schuhen ins Auto gesetzt und bin gen Zentrum gefahren. Nachdem anscheinend alle Schuhputzer frei hatten, bin ich auch wieder mit schmutzigen Schuhen zurückgefahren. Dafür sind mir einige schöne angeknackste und gebrochene Musen untergekommen.
Traditionelle äthiopische Restaurants haben oft Stroh am Boden liegen und eine Ecke, in der die Kaffeezeremonie stattfinden kann. In dieser Ecke finden sich meist auch diverse kleine Tiere wie Hasen und Hühner. Das Essen dort ist also recht frisch und meist noch mobil. Was zwar logisch erscheint. einen aber doch ein wenig irritiert ist, dass sich die Zahl der im Restaurant umherstreunendenden Tiere nach unten verändert, je mehr Essen an Nachbartischen serviert wird.

29. November 2009
Die Rückfahrt von Lalibela bzw. Dessie - wo wir gestern spät abends durch missliche Umstände in einer wasserlosen 2 Euro-Absteige gelandet sind - nach Addis hat, obwohl nur 400 km lang, unglaubliche 10 Stunden gedauert. Die Straßenbauarbeiten scheinen relativ irrational geplant und durchgeführt zu werden. Im wesentlichen werden Straßen, die noch in recht gutem Zustand sind und eventuell eine neue Asphaltschicht vertragen würden, einfach weggerissen und zunächst einmal durch Schotter ersetzt. Das passiert allerdings nicht kilometerweise in der Abfolge: Wegreißen - Schotter - neuer Belag, sondern im Wegreißen von etwa 500 bis 1000 Metern Strasse, Errichten einer Schotterumfahrung, dem erzwungenen Wiederauffahren auf die nicht ganz so schlechte noch nicht weggerissene Strasse, die aber unter dem Gewischt der vielen Schotter-LKWs leidet und immense Schlaglöcher aufweist und mündet ins Abfahren nach ca. 500-1000 Metern auf die Schotterumfahrung des nächsten bereits abgerissenen Stücks. Die Entfernungen variieren manchmal, das Muster bleibt aber. Klarerweise wird ob der schieren Anzahl nicht auf allen Baustellen gleichzeitig gearbeitet. Was zudem beliebt ist, ist das Lochschnitzen in schöne Strassen. Da es keinerlei Wegweiser oder Hinweisschilder gibt (auch in der Hauptstadt nicht), treffen einen solche Abgründe immer sehr überraschend. Meist sind sie um die Spannung zu steigern hinter Kuppen oder Kurven versteckt, auto- bis lastwagengroß und bestehen in einer Art Abschürfung der Asphaltdecke um ca. 10-15 cm. Bei solchen Unebenheiten ist auch ein Jeep recht undankbar. Was eine Autoreise durch Äthiopien darüber hinaus noch erschwert sind neben den bereits erwähnten Tieren (in erster Linie Schaf- Ziegen und Rinderherden) selbstmordgefährdete Menschen, die es zum Volkssport erklärt haben dürften, gerade dann über die Strasse zu laufen, wenn sich ein Fahrzeug nähert. Was auch vorwiegend bei Dunkelheit beliebt ist, sind Diskussionen unter Jugendlichen, die dann zu Dritt auf der Fahrbahn sitzen. Man kann sich bequemere Plätze vorstellen. Nachdem es kaum Straßenbeleuchtung gibt, bleibt einem als Autofahrer, nachdem man das Auto angesichts einer solchen Gruppe verrissen hat, zeitweilig das Herz stehen. Die mit Abstand aber fiesesten Hindernisse sind kinds- bis rindskopfgroße Steine, die mitten auf der Fahrbahn arrangiert werden. Nach meiner Beobachtung gibt es drei Gründe dafür. Im Pannenfall dienen sie der Abschottung des Pannenplatzes. Nach Beheben der Panne werden sie dann aber nicht weggeräumt, sondern bleiben als Hindernisse für die nachkommenden Fahrzeuge liegen. Im zweiten Fall, hier handelt es sich meist um die kleineren Brocken, waren es Wurfgeschosse, die Herden beieinander zu halten oder, seltener, von der Fahrbahn wegtreiben helfen. Und im dritten Fall spielen Kinder am Straßenrand und platzieren die Steine aus Langeweile auf der Fahrbahn. Das unsichere Moment des 'wie nehmen wir den Stein heute' bleibt.

28. November 2009
Lalibela ist wahrlich der Höhepunk