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Über die Margit Brandl Art Gallery
 

DRUCKVERSION

ÜBER MICH

Ich liebe Artefakte, besonders, wenn sie bereits auseinander fallen. Ungewollte Stilleben, das Menschliche im Erstarrten, die Brüchigkeit und Irrationalität des Menschen. Pläne, die mit Verbissenheit verfolgt und im nächsten Augenblick achtlos verworfen werden. Relativität.

Unter den Menschen, die ich mag, unterscheide ich diejenigen, die mir jederzeit und unter allen Umständen ein Achtel Rot(wein) zahlen würden – ohne sich freilich darum zu kümmern, dass ich lieber ein Achtel Weiß trinken würde – von denen, mit denen ich jederzeit und unter allen Umständen auf einen Kaffee gehen würde, und zwar unabhängig davon, ob sie dann lieber Tee oder Wasser oder nur ein intensives Gespräch möchten.

Manchmal muss ich mir ein Bild von der Welt machen, und das ist wohl meine Hauptmotivation, zu photographieren.

Portrait Margit Brandl

ÜBER MEINE ART ZU PHOTOGRAPHIEREN

Das wohl wichtigste am Photographieren ist, das Besondere im Gewöhnlichen zu sehen. WYSIWYG (what you see is what you get), das, was man sieht, nimmt man auch mit der Kamera auf. Aber für das endgültige Bild kommt es eigentlich vor allem darauf an, WAS man sieht. Und nicht zuletzt darauf, wie und auf welche Art und Weise man es sieht. Oft geht es einfach um einen Perspektivenwechsel, darum, sich auf die Ebene des Motivs zu begeben und so ein gutes Bild zu machen.

An sich glaube ich dass man mit jeder Kamera gute Bilder machen kann. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass Qualität zählt. Gut, ich bin eine Liebhaberin der F6 und ja, ich gebe es ja zu, ich mag digitale Kameras immer noch nicht…

Darüber hinaus muss man Licht und Schatten mögen und sich danach richten. Man kann keine guten Bilder machen, wenn man Sonnenbrillen trägt, sondern muss dem Licht ins Auge schauen! Genau wie zu viel und vor allem zu hartes Licht ein Bild zerstören kann, so kann auch eine Schattenkante die Harmonie beeinträchtigen. Und je besser die Kamera, desto geringer die Toleranz und desto eher werden die Fehler sichtbar!
Mir ist ja das warme Abendlicht am liebsten, wenn sich der Tag neigt, die Schatten länger werden und alles schnell gehen muss, weil das Licht zwar immer schöner aber auch immer weniger wird und damit das Motiv auf einmal vergänglich ist.

Meine Wahrnehmung der Welt ist durch die Photographie in den letzten Jahren schärfer, klarer geworden und auf das Wesentliche konzentriert. Es drängt mich, Bilder zu machen.

ZUM MATERIAL

Ich photographiere analog und meist reise ich mit zwei Kameras – einer Nikon F6 und einer Nikon F80 – und vier Objektiven, einem Stativ und einem externen Blitz. Die zwei Kameras brauche ich, um in Schwarzweiß und in Farbe photographieren zu können. Als Filmmaterial verwende ich meist Kodak ISO 200 für Farbphotos und Kodak Professional BW400CN für Schwarzweiss bzw. Sepia.

ZU DEN BILDERN

Ich verändere nichts an meinen Bildern. Die Dinge bleiben mit anderen Worten so, wie sie in der „Natur“ vorkommen. Meine Bilder sind nicht arrangiert, nicht gewollt, nicht bewusst so verändert, dass sie ein Bild ausmachen. Vielleicht suche ich sie, das ja, die selektive Wahrnehmung spielt mir mit Sicherheit einen Streich und lässt mich weniger objektiv sein, als ich das gerne wäre. Dennoch liegt die Betonung auf dem wirklichen Augenblick, der Szenerie, wie ich sie vorgefunden habe als ich an genau dem nämlichen Ort war und das entsprechende Motiv abgebildet habe.

Ich will nichts verändern, ich möchte das Aufgenommene aber in einen anderen Kontext setzten. Aus demselben Grund gibt es auch keine Nachbearbeitung, keine Entstellung. Der Kontext ist entweder gegeben oder eben nicht gegeben.

Wenn ich von meiner Art, die Welt zu sehen und Bilder zu machen erzähle, dann erwähne ich wohl auch immer, warum mir der Film und die analoge Kamera so wichtig sind.
Es ist zum einen das Geräusch des Auslösers, nach dem ich beinahe süchtig bin, das mir Freude macht und mir immer wieder einen „Kick“ gibt. Und dann ist es das Gefühl, sorgsam mit dem Material umgehen zu müssen. Es ist der Umstand, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob ich ein Bild mache oder nicht. Ein auf Film gebanntes Bild lässt sich nicht rückgängig machen, nicht löschen wie all die digitalen Bilder, die man gemacht hat, aber ebenso wieder ohne Rückstände entfernen kann. Ich möchte kein Material verschwenden, nicht unnötige Negativstreifen und Bilder herumliegen haben. Natürlich ist nicht jedes Bild ist ein Meisterwerk, es sind nur wenige so gut, dass sie vor meiner eigenen Zensur standhalten. Trotzdem.
Und dann ist da der Aspekt des Wartenmüssens. Die Bilder sind nicht sofort sichtbar. Es bedeutet insgesamt einen gewissen Aufwand. Der Vorgang beginnt beim Filmkaufen, geht über die Motivwahl bis zur Ausarbeitung und endet dann mit der Konfrontation mit dem Ergebnis. Der Prozess hat definitiv etwas heilsames, entschleunigendes. Er bringt Distanz zwischen mich und meine Bilder und zwingt mich, zu warten.
Die Belohnung dafür ist eine doppelte Freude: einmal die Freude, Bilder machen zu können und dann – zeitversetzt – die Freude, sie auch anschauen und angreifen zu können.

WARUM SCHAUFENSTERPUPPEN, WARUM DER VERFALL?

Erst kürzlich wieder bin ich wieder einmal ganz angetan mit der Kamera vor einer Auslage mit einigen nackten und ein wenig angeschrammten Schaufensterpuppen gestanden. Nachdem ich schon einige Bilder gemacht hatte, kam ein Mann auf mich zu und murmelte unterwegs einem anderen zu, dass das die Auslage eines Freundes sei. Er ist nicht ganz an mich herangetreten, sondern hat mich eher von der Ferne skeptisch gemustert und gefragt, warum ich das mach, Schaufensterpuppen, noch dazu nackte, was das solle. Zu meiner Überraschung ließ er sich mit den Worten „ich habe schon eine ganze Sammlung davon“ abspeisen.

© Margit Brandl

Update: 05.09.2010